Liebe Verlage, liebe Leser,
reden wir doch mal über Coveränderungen in laufenden Reihen. Die englisch-Leser unter uns kennen das schon lange – Fans von Beth Revis, Caragh M. O’Brien oder zig anderen Autoren mussten bereits darunter leiden. Mitten in einer Trilogie/Reihe kommt plötzlich der heißersehnte, nächste Teil mit einem anderen Coversesign daher. Muss das sein?!
Die Beweggründe sind im Grunde ja auch nachvollziehbar: Ein Buch / eine Reihe verkauft sich nicht gut, also muss man etwas ändern. Soweit so gut, aber wisst ihr wie bescheuert eine Trilogie im Regal aussieht, bei der 3 Teile in zwei verschiedenen Konzepten gestaltet wurden? Wisst ihr, wie schlimm das für diejenigen ist, die die Bücher bereits haben und nun nur die Wahl zwischen Chaos im Regal oder nicht fortführen der Reihe haben? Das ist scheiße. Ihr vergrault damit vor allem die Fans, die bedenkenlos den nächsten Teil kaufen und weiterempfehlen würden.
Warum läuft ein Buch nicht?
- Weil es schlecht ist.
Zugegeben, dass ist der ungünstigste Fall. Mit einem neuen Cover erreicht man hier im besten Fall ein paar neue Leser, denen das Buch aber im schlimmsten Fall ebenfalls nicht gefällt. Aber dann ist das nunmal so. Nicht jedes Buch ist großartig.
- Weil sich das richtige Publikum nicht angesprochen fühlt.
Jugendbücher heißen Jugendbücher, weil sie die Jugend ansprechen sollen. Nicht nur Mädchen, aber auch nicht ausschließlich Jungen, sondern Jugendliche und junge Erwachsene. Der übermäßige Gebrauch von rosa passt da genausowenig wie zahlreiche 08/15-Mädchengesichter (die sich übrigens auch langsam wiederholen). Die wenigsten lesenden Mädchen, die ich kenne, springen auf die typischen ‘Mädchencover’ an, das aber nur am Rande. Wenn ihr das richtige Publikum ansprechen wollt, müsst ihr wissen, was euer Publikum ist und wie ihr es erreichen könnt. Viele deutsche Verlage sind auf Twitter/Facebook so unfassbar unpräsent; ein paar hingegen sind richtig gut darin und differenzieren sogar, was auf FB eher ankommt als auf Twitter und umgekehrt. Am allerwichtigstens ist aber der Dialog mit den potentiellen Lesern. Wer mich nur mit Infos bombadiert aber auf Rückfragen nicht antwortet – kurz gesagt: wo nicht erkennbar ist, dass eine reale Person hinter dem Account sitzt, wird kaum wahr genommen.
- Weil das Buch nicht ausreichend beworben wurde.
Nicht jeder Programmtitel ist eine große Werbekampagne wert, das sehe ich ein. Zu den Toptiteln gibts Buchausfsteller für den Buchhandel, Plakate, Leserunden auf Online-Portalen und und und. Gerade bei weniger bekannten Titeln kann man aber auch Twitter/FB nutzen, um zB mit einfachen Zitaten ein bisschen Lust zu machen, kleine Anekdoten zum Buch zu erzählen, oder, oder, oder.
Letztlich bin ich kein Experte, sonst würde ich wohl in der Buchbranche arbeiten, aber ich denke, dass die Verlage schon auch ein bisschen auf die Wünsche der Leser eingehen sollte. Es gibt viele Regal-Ästhetiker und für die ist eine Coveränderung nicht nur nicht nachvollziehbar sondern ein Schlag ins Gesicht, ganz zu schweigen davon, dass die Reihe jeglichen Wiedererkennungswert verliert.
Gegenvorschlag: Es gab mal eine ziemlich bekannte Buchreihe, die sich Harry Potter schimpfte. Dort wurden zu beinahe jedem Band zwei Cover zur Abstimmung freigegeben – die Mehrheit entschied, welches letztlich aufs Buch kam. Jeder, der wollte, hatte die Möglichkeit seine Stimme abzugeben, und wenn die Mehrheit anderer Meinung war, war das eben so, aber man hatte wenigstens ein kleines bisschen Mitspracherecht…
(Anmerkung: Das ganze ist natürlich rein subjektiv, aber es regt mich dennoch auf. Ich hab bewusst keine Verlagsnamen genannt, weder positiv, noch negativ. Tobt euch ruhig im Kommentarbereich aus^^)



