Über den Autor
Die 1964 geborene Rebecca Gable war nach dem Studium der Literaturwissenschaft, Sprachgeschichte und Mediävistik als Dozentin für mittelalterliche englische Literatur tätig. Heute arbeitet sie als freie Autorin und Literaturübersetzerin.
Kurzbeschreibung
London 1529: Nach dem Tod seines Vaters erbt der vierzehnjährige Nick of Waringham eine heruntergewirtschaftete Baronie und den unversöhnlichen Groll des Königs Henry VIII. Dieser will sich von der katholischen Kirche lossagen, um sich von der Königin scheiden zu lassen. Bald sind die Papisten, unter ihnen auch Henrys Tochter Mary, ihres Lebens nicht mehr sicher. Doch in den Wirren der Reformation setzen die Engländer ihre Hoffnungen auf Mary, und Nick schmiedet einen waghalsigen Plan, um die Prinzessin vor ihrem größten Feind zu beschützen: ihrem eigenen Vater.
Rezension

Lange mussten wir auf den vierten Teil der Warringham-Saga warten – zumal es ihn ja eigentlich gar nicht geben sollte. Umso überraschter war ich, als ich ihn dann doch endlich in den Händen halten konnte.
Ich weiß selbst, das Historische Romane nicht jedermanns Sache sind, weil viel Geschichte und viele Fakten sich einfach nicht so locker verarbeiten lassen, wie zB in einem typischen Frauenroman, den man einfach einatmen kann. Ich selbst mag keine historischen Romane – mit Ausnahme von Gablé und vor allem deswegen kann ich ihre Bücher jedem nur ans Herz legen.
Im Gegensatz zu den vorherigen 3 Teilen besticht „Der Dunkle Thron“ leider nicht durch die Königsverbundenheit, die die Vorgänger haben. Ich hatte eigentlich gedacht, dass Nick König Henry näher stehen würde und man so Henry VIII von einer vielleicht neuen Seite kennen lernen würde – aber dem war nicht so. Viel mehr hat Nick sein Leben lang eine enge Beziehung zu Mary, was sich natürlich am Ende doch als Königinnentreue erweist, aber… ich hatte eben anderes erwartet.
Ansonsten muss ich sagen, dass ich ständig die Bilder der Tudor-Verfilmung im Kopf hatte. Es ist nicht förderlich, wenn Rebecca Gablé Henry VIII als fettleibig beschreibt, während ich ein Bild von Jonathan Rhys Meyers im Kopf habe… Nunja, darüber muss man dann einfach hinwegsehen, denke ich.
Schreibtechnisch kann man bei Gablé nicht meckern – alles gut beschrieben und nachvollziehbar erklärt, sodass man als Leser das Gefühl gewinnt, sich mit den politischen Strukturen sehr gut auszukennen.
Die Charaktere sind wundervoll ausgearbeitet und besonders witzig fand ich die Familienzusammenführungen… na knapp 300 Jahren Warringshams tauchen überall Cousins und Vettern 1., 2. und 3. Grades auf und am Ende klönen alle über der Familienbibel, wer mit wem wie verwandt ist. Ohne die Stammbäume ist man da als Leser aufgeschmissen, aber es macht Spaß, es zu lesen.
Ich wünsche mir eigentlich nur, dass Gablé jetzt auch den Mut hat, sich an Elizabeth heranzuwagen und uns damit in die goldene englische Zeit einzuführen.
Einziger Wehmutstropfen: Lübbe hat den „Dunklen Thron“ mit einem neuen, nicht zu den Vorgängern passenden Cover ausgestattet. Die Vorgänger werden zwar auch neu aufgelegt, allerdings nur als TB, während „Der Dunkle Thron“ ein HC ist und ich für meinen Teil die Krise bei der nicht passenden Optik im Regal kriege…
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