Dance with my Father again…

Ich schätze, seit der letzten Staffel Supertalent, allerspätestens seit DSDS kennt jeder das Lied… und wenn nicht: Schämt euch^^ Is aber vielleicht auch egal. Jedenfalls geht in dem Lied daum, dass jemand seinen Vater verloren hat und sich wünscht, dass alles wieder so wird wie früher – als er noch da war. Der Grund, wieso ich jedes Mal anfangen könnte zu heulen, wenn ich das Lied höre ist, dass ich nie einen Vater hatte.

Meine Eltern haben sich scheiden lassen, als ich 1 Jahr alt war, was ja nun vielleicht sogar das Beste war; man weiß es nicht. Im Nachhinein betrachtet ist es gut so wie es ist. Aber allein der Umstand muss ja nun nicht zwangsläufig dazu führen, dass man ganz ohne Vater aufwächst. Denn dafür ist er verantwortlich. Gemäß richterlichem Sorgerechtsbeschluß hatte meine Mutter zwar das alleinige Sorgerecht, mein Vater aber ein Besuchsrecht für jeden 2. Samstag im Monat. So weit, so gut. Hätte wahrscheinlich auch geklappt, wenn ich an jenen Samstagen nicht bei seiner 2. Frau hätte sitzen müssen, während er arbeiten war.

Heute bin ich alt genug, um zu begreifen, dass man arbeiten muss und sich eben auch nicht querstellen kann, wenn der Chef sagt „Du musst aber.“ Ich weiß nicht, ob er damals diskutiert hat – Fakt war aber: Er war nicht da. Er war nie für mich da. Und wenn es dann eben so ist, dass er Samstags arbeiten musste, warum konnte er mich dann nicht Sonntags holen oder eben dann, wenn er Zeit hatte? Hat er nicht getan…

Irgendwann hab ich die Lust verloren, mich mit seiner 2. Frau gut verstehen zu müssen; vor allem, nachdem ich nicht zur Hochzeit eingeladen wurde und meine Halbschwester unterwegs war. Ich hab mich abgeschoben gefühlt und ich hab nicht verstanden, wieso er eine neue Tochter braucht, wo er doch schon eine hat. Er müsste sich nur ein bischen mit ihr beschäftigen.

Damals war ich 7. Ich hab ihm einen Brief geschrieben und ihm aus eigenem Antrieb erklärt, dass ich ihn nicht mehr besuchen möchte. Ich habe den Kontakt abgebrochen. Also bin ich auch schuld, oder?

Meine Mutter war nach der Scheidung ganze 10 Jahre alleine. Sie hat einen super Job gemacht. Ich würde fast soweit gehen und sagen, dass aus mir was geworden ist^^ :P Aber dann wollte sie eben auch nicht mehr allein sein… Es kam ein neuer Mann und ich hatte zum ersten Mal sowas wie einen Vater, der auch wirklich die ganze Zeit da war. Und dieser Mann war tatsächlich für mich da, am Anfang. Es gab eine Zeit, da hab ich gesagt, dass er mehr Vater für mich war als mein echter, den ich sowieso immer nur als Erzeuger bezeichnet hab. Aber es hat einfach was gefehlt.

Zudem hat er mich die letzten 2 Jahre fast komplett ignoriert. Ich war nicht das Kind, das er hätte haben wollen, konnte ich auch nicht sein, denn ich war ja nicht sein Kind. Außerdem hab ich einen entscheidenden Fehler gemacht: Ich habe ihn zwar als Vaterfigur anerkannt, habe aber in der Zwischenzeit einen zweiten Versuch mit meinem Erzeuger gestartet (der allerdings auch wieder in die Hose ging, nachdem ich meiner Halbschwester als ‚Tante Yvonne‘ vorgestellt wurde).

Ich konnte ihm einfach nichts mehr recht machen. War ich zu Hause, war ich der Stubenhocker, war ich weg, kümmerte mich mein zu Hause angeblich einen Scheiß. Ich hab geraucht, in seinen Augen war das ihm ggü. respektlos. Ich hab gute Noten geschrieben, aber es waren eben nur 2er und keine 1ser. Das war also auch nicht gut genug.

Ich musste alleine fürs Abi lernen, alleine meine Bewerbungen schreiben. Er hat sich nicht dafür interessiert, es war ihm egal. Aber ich wollte, dass es ihm nicht egal war. Ich wollte, dass das alles auch für ihn wichtig war, weil es das für mich war und weil ich wollte, dass ich ihm wichtig bin. Als ich dann aber alleine zu meinem Abiball gehen musste, weil er ‚keine Lust‘ hatte, begann es auch mir egal zu sein.

Summasummarum hatte ich also prinzipiell 2 Väter, aber keiner von beiden war wirklich der Vater, den ich gebraucht hätte. Ich hatte keinen, der mit mir auf Bäume geklettert ist, mit mir Autofahren geübt hat oder blöde Schulfreunde angeschissen hat. Ich war für niemanden die kleine Prinzessin.

Warum ich das alles schreibe? Nun, die Anzahl der Leute, die ihren Vater bereits verloren haben, schießt in meinem Umfeld in die Höhe. Ich versuche, zu trösten so gut es geht und kriege immer wieder zu hören „Du hast keine Ahnung, was ich vermisse. Du hast das schließlich nicht gehabt, und was man nie hatte, kann man nicht vermissen.“

Aber das stimmt nicht. Ich sehe euch und eure Väter an und ich vermisse es. Ich vermisse die Person, die für mich einsteht, die mir ein Baumhaus baut und für mich in die Bresche springt. Die Person, die mich beschützt und zu der ich aufschauen kann. Ihr solltet froh sein, dass ihr so jemanden hattet/habt und anstatt zu trauern solltet ihr euch an die Momente erinnern, die es wert sind und schätzen lernen, was ihr habt. Denn diese Momente kann euch keiner mehr nehmen. Mir kann sie aber auch keiner mehr geben…

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3 thoughts on “Dance with my Father again…

  1. Trotz allem, aus dir IST was geworden, und wenn deine 2 Väter, Erzeuger oder was auch immer das nicht zu schätzen wissen, sind sie einfach doof. Irgendwann regieren wir mit Fantasy-Fans die Welt, und dann.. DANN!!! *muhaha*

  2. Dein Blogeintrag regt sehr zum Nachdenken an und ich kann dich bzw. deine Gefühle sehr gut nachvollziehen.
    Bei mir ist es ähnlich und doch wieder anders, aber in keinem Fall schön.
    Vieles im Leben ist nicht so wie wir es wollen oder es gerne hätten, aber ich denke man sollte immer versuchen das Beste aus allem zu machen!

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