Never judge a book by its cover – oder: Fifty Shades of Grey (E. L. James)

Sie ist 21, Literaturstudentin und in der Liebe nicht allzu erfahren. Doch dann lernt Ana Steele den reichen und ebenso unverschämt selbstbewussten wie attraktiven Unternehmer Christian Grey bei einem Interview für ihre Uni-Zeitung kennen. Und möchte ihn eigentlich schnellstmöglich wieder vergessen, denn die Begegnung mit ihm hat sie zutiefst verwirrt. So sehr sie sich aber darum bemüht: Sie kommt von ihm nicht los. Christian führt Ana ein in eine dunkle, gefährliche Welt der Liebe – in eine Welt, vor der sie zurückschreckt und die sie doch mit unwiderstehlicher Kraft anzieht …

Bücher aus diesem Genre lese ich für gewöhnlich nicht. Ich habe nichts gegen Sex und ich bin nicht prüde, ich mag nur keine Bücher, die aus 80 % rein-raus-aus-die-Maus bestehen. Abgesehen davon überlasse ich das lieber meiner Phantasie (oder der realen Erfahrung). Ich hätte das Buch also nie angefasst, wenn es nicht so unendlich behyped worden wäre…

Jeder hat eine Meinung, so scheint es, allerdings gibt es nur wenige aussagekräftige positive Rezensionen – dafür unendlich viele, die es negativ bewerten oder Leute, die es nicht gelesen haben und es von vornherein scheiße finden. Für mich gab es deswegen nur einen logischen Schluß: Scheiß auf alle anderen und bild dir eine eigene Meinung.

Anastasia ist tatsächlich wie Bella, noch dazu nervtötend naiv und mir persönlich einfach unsympathisch. Das liegt vor allem daran, dass sie sich einfach auf Grey einlässt, ohne zu wissen, was sie tut. Sie ‚blind vor Liebe‘ wie man so schön sagt, und denkt, dass sie das schon hinkriegt (was naiv ist, wenn man bedenkt, dass sie bis dahin nichtmal normalen Sex hatte). Sie möchte ihn gefallen (okay), aber Frauen, die sich selbst so verschenken sollten keine Vorbilder sein (als Protagonistin wird sie aber als solche impliziert).

Grey ist ein ganz anderes Thema. Er ist sexy, anziehend und geheimnisvoll – und was noch wichtiger ist: Er hat Charakter. Er weiß was er will (I don’t make love – I fuck. Hard.) und wie er es will. Er hat klare Vorstellungen von dieser Beziehung und das ist soweit okay. Es gibt einen Vertrag, beide Seiten binden sich, klare Regeln…

Ich hab im Vorfeld ganz oft gelesen, dass das ja nicht sein muss – so ein Mann, der Frauen unterwirft und misshandelt, und überhaupt… Aber auch das gibt es. Niemand wird gezwungen, sowas mitzumachen, genauso kann man es aber auch niemandem verbieten. Wenn solche Absprachen getroffen werden, dann in beiderseitigem Einvernehmen – und darauf zielt ja auch das Buch ab: Er sagt ihr immer wieder, dass sie sich vertrauen müssen, dass sie miteinander reden können müssen, wenn das funktionieren soll.


Und da liegt wie oben schon angedeutet das ganze Problem: Entweder kennt man sich gut und vertraut sich, dass man solche Dinge gemeinsam ausprobiert, oder man trifft eben eine emotionslose Vereinbarung – aber es geht nicht, wenn einer von der großen Liebe träumt und der andere sich nicht mal selbst lieben kann, geschweige denn akzeptieren kann, geliebt zu werden. Genau auf diesen Punkt zielt das Buch ab.

Es gibt klare Paralellen zu Twilight – das ist nicht sonderlich verwunderlich, wo es sich doch ursprünglich um eine FanFiction zu der Reihe handelt. Allerdings ist die Geschichte eine andere und nur wenn man Twilight nicht mag, heißt das nicht, dass das auch Fifty Shades ausschließt. Genausowenig würde ich die Behauptung aufstellen, dass jemand der Twilight mag, von Fifty Shades ebenso begeistert sein wird. Denn abgesehen von einem gewissen roten Faden und ein paar Gegebenheiten ist die Geschichte komplett anders. Ich glaube auch, das vorallem deswegen viele schlechte Bewertungen im Umlauf sind, weil man nur schwer unvoreingenommen an das Buch rangehen kann.

Wenn ich keine Erotik mag, darf ich Fifty Shades nicht lesen. Wenn ich keine Vampire mag, darf ich Twilight nicht lesen und wenn ich keine Dystopien mag, darf ich auch Panem nicht lesen. Ich bin zwar kein Fan von erotischen Romanen, dennoch bin ich im Nachhinein positiv überrascht von dem Buch: Die Sexszenen sind angenehm zu lesen und der Schreibstil ist vielleicht nicht der beste, aber fesselnd bis zum Schluß – ansonsten hätte ich das Buch nicht in einem Zug durchgelesen.

Es gibt ganz klar auch Kritikpunkte: Ana ist einfach sehr naiv und weiß nicht, worauf sie sich einlässt. Sex gibt es dann, wenn Christian ihn will und es ist für mich ein bisschen befremdlich, dass das für sie einfach so okay ist. Hinzu kommen ihre Gedankengänge, die manchmal nicht nur komisch, sondern auch echt fragwürdig sind (Zahnbürste). Aber das wird auch wieder durch die Gespräche und Mails aufgewertet, die nicht nur witzg sondern auch zum Teil intelligent sind.

Kurz gefasst: Christian Grey hat ein massives Problem und Anastasia Steele hat sich in den Kopf gesetzt, dieses zu lösen, weil sie ihn liebt.

Ich mochte das Buch so sehr, dass ich gerade mitten im 2. Teil bin und der 3. schon bereit steht. Es ist nicht super gut, aber es nicht so himmelschreiend schlecht, wie man glauben mag. Give it a try!

Laters, Baby!

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3 thoughts on “Never judge a book by its cover – oder: Fifty Shades of Grey (E. L. James)

  1. Schon die 2. Rezension, die mich doch irgendwie neugierig auf das Buch macht. Erotik ist sonst auch nicht so mein Genre, aber das ganze Gerede über dieses Buch… ich will auch wissen, worüber da alle reden :D

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