Altersbeschränkung bei Büchern

… gibt es nicht. Aber kann man jedes Buch einer 14jährigen in die Hand drücken? Odeer sollte man sich bei einer 18jährigen vielleicht überlegen, ob sie jenes Buch lesen kann/soll/dürfte?

Das Thema beschäftigt mich schon länger, vor allem weil ich mit Fantasy-Fans.eu eine Plattform betreibe, wo es auch manchmal ‚erotische‘ Fantasy besprochen wird. Als die Frage damals aufkam, wie wir das handhaben wollen, habe ich mich zunächst bei Buchhändlern erkundigt, die mir sagten ‚gibt es nicht‘. Sie können zwar Empfehlungen aussprechen und möglicherweise hält sich das Kind daran, stellt das Buch zurück ins Regal und sucht sich was anderes. Da es aber für Bücher keine FSK bzw. USK noch eine andere gesetzliche Regelung gibt, müssen sie Buch XY theoretisch verkaufen, wenn der Kunde darauf pocht.  Bücher, die explizite Sexszenen enthalten oder generell in die Sparte „Erwachsenenliteratur“ fallen, werden in einem gesonderten Forum mit geschlossener Benutzergruppe besprochen. Rein kommt man, wenn man mindestens 16 Jahre ist und begründen kann, warum man da rein will.

Die einzige tatsächliche Regelung, die es gibt, ist die Geschäftsfähigkeit im BGB:

Minderjährige, die das 7. Lebensjahr nicht vollendet haben, sind geschäftsunfähig (§ 104 Nr. 1 Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB)).

Wer geschäftsunfähig ist, hat nicht die rechtliche Macht, Willenserklärungen wirksam abzugeben oder selbständig Rechtsgeschäfte zu tätigen, zum Beispiel Verträge zu schließen oder zu kündigen. Er benötigt einen gesetzlichen Vertreter.

Kinder unter 7 sollten also nicht einen Buchladen stiefeln können und kaufen können, was sie wollen. Soweit so gut.

Beschränkt geschäftsfähig sind Minderjährige vom vollendeten 7. bis zum vollendeten 18. Lebensjahr (§ 106 BGB). Die meisten Rechtsgeschäfte, die beschränkt Geschäftsfähige schließen, sind schwebend unwirksam, wenn sie nicht mit Einwilligung des gesetzlichen Vertreters (in der Regel die Eltern) geschlossen werden. Die Eltern können dem Rechtsgeschäft jedoch auch nachträglich zustimmen, d. h. genehmigen (innerhalb von 14 Tagen) (§ 183, § 184 BGB).

Weiter aber…

Von diesem Grundsatz gibt es jedoch einige Ausnahmen. So sind z. B. Willenserklärungen, die rechtlich lediglich vorteilhaft sind (§ 107 BGB) , wie beispielsweise die Annahme von bestimmten Schenkungen, auch ohne Zustimmung wirksam.

Ferner können Minderjährige wirksam Geschäfte eingehen, die sie mit Mitteln bewirken, die ihnen zu diesem Zweck oder zur freien Verfügung vom gesetzlichen Vertreter oder mit dessen Zustimmung von Dritten überlassen worden sind („Taschengeldparagraph“, § 110).

Konkret bedeutet das, das Jugendliche natürlich ein Buch kaufen können, wenn sie wollen. Wenn man diese Gesetzmäßigkeiten in der (Berufs)Schule durchnimmet, wird eine Grenze von 100 – 200 € genannt, wobei das eher schwammig ist, weil man wiederum nicht beurteilen kann, wieviel Taschengeld ein Kind bekommt oder ob es bspw. länger für die Anschaffung gesprart hat. Und wieder: Wer würde es einem Kind wohl auch verwehren, ein oder mehrere Bücher zu kaufen?

Konkrete Situation:

Shades of Grey ist ein Buch, über das alle im Moment sprechen. Sophie (12) liest gerne und viel und ist neugierig. Sie hat sich bereits durch Stolz und Vorurteil gequält und glaubt, dass es nicht mehr schlimmer kommen kann. Wenn man Trotz der Sprache des 19. Jahrhunderts begreift, dass Lizzie und Darcy füreinander geschaffen sind, kann einen nicht mehr viel schocken.

Sophie geht also in den Buchladen, entdeckt Shades of Grey und geht damit zielgerichtet an die Kasse. Mit 12,99 € kann sie es kaufen, weil der ‚Taschengeldparagraph‘ greift. Ihre Mutter ist nicht dabei, die würde es ihr wohl auch nicht erlauben, aber Sophie ist schlau und versteckt das Buch einfach vor ihr. Was Mama nicht weiß, macht sie nicht heiß…

Deshalb nun die Frage an euch: Wie würdet ihr reagieren, wenn ihr der Buchhändler wäret?

Auch in Amerika gibt es keine Altersbeschränkung auf Bücher, allerdings konkrete Hinweise. So ist die englische Ausgabe von 50 Shades of Grey mit folgendem Hinweis bei Amazon versehen: ‚This book is intended for mature audiences.‘ Ein weiteres ebook (Last Summer – Rebecca A. Rogers), das ich gestern Abend gekauft habe, hat einen stärkeren Hinweis: ‚WARNING: contains strong language, drug use, and sexual situations, including an explicit sex scene and a near-rape scene. Mature audiences only. 17+‘.

Ich hab solche Hinweise schon oft bei englischen eBooks gesehen und ich finde sie gut. Ich bin mittlerweile 24, ich kann selbst einschätzen, ob mich das stört oder ob ich das verkrafte. Wäre ich jemand, der diesen Dingen grundsätzlich abgeneigt wäre, würde ich das Buch einfach nicht kaufen – immerhin will ich ja das lesen, was mir gefällt.

Internetrecherche zu diesem Thema bringt übrigens gar nichts – man findet nur die jeweils gleichen Diskussionen zu immer anderen Büchern. Shades of Grey, Hannibal, Es, … ganz egal, denn die Aussage ist immer die selbe: Es gibt keine Regelung und wenn das Kind mit dem Buch nichts anfangen kann, weil zu brutal/schlimm/unverständlich, wird es das schon von selbst zur Seite legen. Aber sollte das das Ziel sein?!

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9 thoughts on “Altersbeschränkung bei Büchern

  1. In den USA ist das Thema ja gerade voll im Gange, weil Leute meinen man müsse jetzt den YA Büchern solche Label aufsetzen, da ja zB THG so brutal ist. Aber so wie die Mehrheit auch, finde ich sowas totaler Schwachsinn, weil Jugendliche einfach viel zu unterschiedlich sind, als das man da irgendwo eine Grenze setzen könnte, wer was verkraftet.
    Ich hab auch irgendwann zw 12 und 14 Jahren angefangen JD Robb zu lesen, in deren Büchern es um Mord, Gewalt, Sex und Vergewaltigung gehen kann und mir hats nichts ausgemacht.
    Ich finde schon, dass das jeder Leser, egal wie alt (mal abgesehen von den ganz jungen :D), schon für sich selbst wissen muss, was er lesen kann und was nicht.
    Und gerade wenn da nachher sowas wie ‚ab 16‘ drauf steht, dann wollen es die Jugendlichen doch erst recht lesen und kommen schon irgendwie an das Buch, das ist doch bei allem so^^

    1. Das stimmt wohl – jeder ist anders. Also entweder hat das Kind selbst genügend Verantwortungsgefühl oder hört auf den Buchhändler – oder die Eltern kümmern sich. Das gibts ja nun auch, dass manche Kinder noch nicht ‚reif‘ genug fü Buch XY sind und bspw. durch THG sogar verstört sind. Dem kann man aber aus dem Weg gehen, wenn man sich dafür interessiert, was die eigenen Kinder lesen und mit ihnen darüber spricht. Wäre für mich der richtige Weg – kann ich aber jetzt auch einfach sagen, wo ich keine Kinder hab ;)

      Von Verbieten halte ich auch nichts, aber Empfehlungen ernst nehmen sollte man schon.

  2. Ich finde Hinweise gut und schön, aber richtig nach dem Ausweis fragen wenn man ein Buch kaufen möchte? Ich weiß ja nicht. Ich finde die FSK Einschätzungen bei Filmen schon oft sehr fragwürdig, aber man möchte die Jugend ja auch dazu ermutigen zu lesen. Wenn sie nicht das Lesen können, was sie wollen, wird ds bestimmt noch weniger :o

    1. Nach dem Ausweis fragen geht ja nun nicht und ganz ehrlich – ich weiß nicht, wies am besten ist. Ich verstehe nur nicht, wieso wir alles beschränken, aber gerade das nicht. Wo ist der Unterschied zwischen Büchern, Filmen und Musik? Ich will das ja nicht mal zwingend ändern…

      Es kommt letztlich immer auf die Person an – eine 13jährige mag Hannibal verkraften, während ne 30jährige vielleicht dran zu knabbern hat. Jedem Recht machen kann mans also eh nie :-/

  3. Ich finde das ganze Thema auch schwierig. Hannibal habe ich damals ganz aktuell mitbekommen. Ich habe den Film dann gesehen und die Erwartung gehabt, das das ganz schlimmist. Im Endeffekt habe ich mich gefragt, warumm alle so einen Wind darum gemacht haben. Sicher, krasse Szenen, aber ganz ehrlich: Würde Hannibal heute rauskommen, würde keiner so ein Aufhebens darum machen. Mein Bruder hat damals die Ärzte „ab 18“ – Platte sich von Mama kaufen lassen. Heute würde die auch keiner mehr ab 18 machen. Im Fall Shades of Grey behaupte ich mal: Nix für Jungfrauen, sprich: Leute die noch keine Erfahrung mit Sex haben sollten lieber die FInger davon lassen. Nicht. weil es heiß her geht und BDSM-Ansätze hat(wobei ganz ehrlich: sooo heftig war es ja auch nicht), sondern weil ich denke, das es die Vorstellung und Erwartungen von Sex in ein falsches Licht rückt. Fragen wir uns doch auch mal wer sowas überhaupt lesen will? Wer greift zu dem Buch? Würde Anna(12) unerfahren wirklich zu dem Buch greifen? Ich glaube nicht unbedingt. Ich weiß noch wie ich damals den zweiten Harry Potter gesehen habe und mir gedacht habe FSK 6? Äh? aen die sich vertan? Gerade bei Kinofilmen finde ich den Sprung zwischen FSK 12 und 16 viel zu groß. Da könnte man noch 14 dazwischen schieben.
    Wegen der Gerechtigkeit müsste es ein FSK ebenso für Hörbücher, Bücher und MusikCDs geben. Vielleicht sollte man Empfehlungen geben. Ich werde es zumindest versuchen, meine Jungs dahin zu erziehen, dass wir ganz offen über die Dinge sprechen können. Das ich wenigstens am Rande mitbekomme, womit sie sich beschäftigen und ihnen das Vertrauen vermittele, das sie kein Problem haben, mit ihrer Mutter zu quatschen. Ich hab mit meiner Freundin mit 14 damals auch Eis am Stil geguckt, was ja total Porno galt unter uns. irgendwie gehört das doch auch zur Jugend dazu, oder? Jetzt wegen „Shades of Grey“ fragen sich plötzlich alle. Hat schon mal jemand drüber nachgedacht, das die Szenen in Die „Tribute von Panem“ auch ganz schön heftig sind? Oder was ist mit den Nachrichten? Ich fand es sehr gut, dass meine Mutter mir als Kind immer erklärt hat, dass das alles nur Film ist und nicht wirklich passiert. bei Büchern ist eben das Problem, dass die Bilder erst beim Lesen im Kopf entstehen. Und dann auch noch individuell. Der eine sagt: Ach ist doch nicht so heftig bei Shades of Grey, andere sind geschockt.
    EIne wirklich gute Lösung zu finden, wird da schwer sein. Wo zieht man die Grenze?Es gibt ja schon Altersempfehlungen für Bücher, vielleicht sollte man die deutlich ersichlicher machen.
    Hach, eine schwierige Diskussion.

    1. Das mit der FSK bei Filmen, finde ich ebenfalls manchmal sehr fragwürdig!
      Da ist „The dark knight“ ab 16 und ich frage mich warum! Es wäre sehr sinnvoll, wenn es FSK 14 geben würde! Zu Büchern: Ich finde, dass eine Altersbeschränkung da nichts bringen würde. Es gibt genug Jugendliche die Bücher wie “ Shades of Grey“ interessieren und damit auch kein Problem haben so etwas zu lesen. Einer 12 Jährigen würde ich es nicht empfehlen aber alles darüber ist, finde ich, in einigen Bereichen OK :D

  4. Ich persönlich finde, dass jeder für sich selbst entscheiden soll, was er/sie lesen/sehen/… möchte – auch nach dem Prinzip, dass man es dann sein lässt, wenn es zu schlimm ist. So zumindest hab ich auch meine Erfahrungen mit Horrofilmen gemacht und gemerkt, dass Filme à la „The Grudge“ mit meinen 13 Jahren noch nichts für mich war, während mich „Sex and the City“ mit den ganzen Sexszenen überhaupt nicht störte. Durch Experimentieren findet man schließlich heraus, womit man schon umgehen kann und womit nicht, und ich persönlich finde, dass jedem diese Chance gewährt sein sollte. (Wie unschwer zu erahnen ist: Ich bin auch kein Freund des FSK. xD)
    Hinweise fände ich wirklich praktisch, damit wirklich jeder weiß, womit man rechnen muss. bei „Shades of Grey“ sieht man dem Buch den Inhalt ja beispielsweise nicht direkt an und auch wenn es unwahrscheinlich ist, dass man da nie von gehört hat, anderswo kann es der Fall sein, was wiederum in die Irre führen kann.
    Die Leute sind viel zu unterschiedlich, als dass Einschätzungen wie „ab 14″, ab 18“, … wirklich zutreffend sein können. Es hängt doch alles von der individuellen Entwicklung und auch Erziehung ab.
    Letztlich liegt die Verantwortung auch bei den Eltern, finde ich. Zwar muss man jetzt nicht ganz detailgetreu wissen, was die Kinder so treiben, aber bei einer 12-Jährigen fände ich es schon in Ordnung, wenn die Eltern da ein Auge drauf haben, wofür das Taschengeld ausgegeben wird.
    Von daher würde ich vielleicht erst mal fragen, ob sie denn überhaupt weiß, worum es in dem Buch geht und wenn sie es weiß, dann habe ich als Fremde, die sie überhaupt nicht kennt, nicht das Recht, ihr vorzuschreiben, was für sie geeignet ist und was nicht.

  5. Spannendes Thema. Ich erinnere mich, als ich 15 war, sagte mir der Buchhändler, er dürfe mir „ES“ von Stephen King nur verkaufen, wenn ich schon 16 sei. Ich log und nahm das Buch mit. Ich würde keine FSK für Bücher einführen wollen, allein weil die Logos von denen nicht wirklich schön sind. Aber eine Empfehlung auf der Rückseite – wie es in englischsprachigen Ländern manchmal auftaucht – empfinde ich als sinnvoll.

  6. Verbindliche Altersgrenzen wären wirklich sehr schwierig umzusetzen. Ich sehe ja in der Kinder- und Jugendbuchabteilung, wie unterschiedlich die Kinder sind. Da gibt es 12-jährige Mädchen, die Jungs noch bäh finden, sodass in den Büchern keine Liebe auftauchen darf. Und am nächsten Tag kommt dir ne 12-jährige entgegen, die schon aussieht wie 16 und sich auch so gibt. Bei Jungs siehts ähnlich aus. Den einen ist Gregs Tagebuch schon zu anstrengend, die nächsten lesen mit 9 schon die fetten Harry Potter Bücher. Mit den „normalen“ Büchern für 8 bis 10-jährige brauche ich denen gar nicht mehr zu kommen, da langweilen die sich doch nur. Und je höher die Altersempfehlung, desto „schlimmer“ sind ja auch die Themen. Wenn die Eltern ein Buch suchen frag ich deswegen immer scherzhaft sowas in der Art wie „Ist ihr Kind eher ängstlich oder total abgebrüht?“ ;-)

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