[Gelesen] Linna singt (Bettina Belitz)

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+ Über den Autor

Bettina Belitz, an einem sehr sonnigen Spätsommertag 1973 beinahe in einer Heidelberger Bäckerei zur Welt gekommen, wuchs zwischen unzähligen Büchern auf und verliebte sich schon früh in die Magie der Buchstaben. Lesen alleine genügte ihr dabei nicht nein, es mussten auch eigene Geschichten aufs Papier fließen. Nach dem Studium der Geschichte, Literaturwissenschaft und Medienwissenschaft arbeitete Bettina Belitz als Redakteurin und freie Journalistin, bis sie ihre Leidenschaft aus Jugendtagen zum Beruf machte. Heute lebt Bettina Belitz umgeben von Pferden, Schafen, Katzen und Hühnern als freie Autorin in einem 400-Seelen-Dorf im Westerwald.

+ Kurzbeschreibung

Seit fünf Jahren hat Linna sie nicht mehr gesehen: Maggie, Simon, Jules und Falk, die ehemaligen Mitglieder ihrer Band. Nun treffen sie sich in einer Hütte in den Bergen wieder, um für einen Auftritt zu proben. Linna hatte eigentlich keinen Grund, Maggies Einladung zu folgen, denn was die anderen nicht wissen: Seit damals hat sie keinen Ton gesungen. Doch etwas treibt sie an, sich ihrem alten Leben zu stellen: die Erinnerung an eine Nacht mit Falk, dem Gitarristen. Linna muss sagen, was vor fünf Jahren unausgesprochen blieb, und sie muss hören, ob Falk eine Antwort hat. Bald beginnt die von Anfang an gespannte Atmosphäre zu kippen: Was als zwangloses Wiedersehen geplant war, wird zum zermürbenden Psychospiel, bei dem Linna immer mehr als Lügnerin dasteht. Sie gerät in einen Strudel aus Verdächtigungen, Abhängigkeiten und tragischen Missverständnissen, der sie schließlich zwingt, die Erinnerung an vergangenen Schmerz zuzulassen. Denn dort liegt der Schlüssel zu allem: der Grund dafür, dass Linna nicht mehr singt.

+ Rezension

Linna singt war mein erstes Buch von Bettina Belitz. Die Splitterherz-Trilogie habe ich zwar auch im Regal stehen, allerdings hat mir dazu bis jetzt die richtige Lust gefehlt. Ohnehin kosten mich Bücher mit vergleichbarer Seitenstärke viel Motivation, um sie überhaupt in die Hand zu nehmen. Bei Linna singt war es vielmehr das Thema, dass mich angesprochen hat – Musik gehört zu meinem Leben wie das Atmen und auch für Linna ist das nicht anders.

Die Idee, dass sich eine Band nach 5 Jahren auf einer abgeschiedenen Berghütte trifft und sich für einen Auftritt versucht, zusammen zu raufen, verspricht eine Menge Konfliktpotential, wenn man bedenkt, dass die Bandmitglieder in den vergangenen Jahren kaum etwas miteinander zu tun hatten. Alles dreht sich um die Frage, was an dem Abend vor 5 Jahren passiert ist und warum aus besten Freunden Fremde wurden.

Ich finde den Schreibstil von Bettina Belitz sehr gewöhnungsbedürftig – ein paar Seiten zwischendurch lesen ging für mich leider gar nicht; das musste schon mindestens eine halbe Stunde am Stück sein, um die Zusammenhänge zu begreifen und vor allem, um Linnas ausschweifenden Gedankengängen zu folgen. Diese inneren Monologe sind zwar interessant und helfen dem Leser, Linna besser kennen zu lernen, aber bei mir führten sie vor allem dazu, dass ich Linna immer weniger mochte. Die Sprache ist streckenweise derb, hinzu kommen plötzliche Kraftausdrücke von Linna, die man nicht immer so erwarten würde. Nach einer Zeit gewöhnt man sich allerdings daran.

Auch wenn im Buch ziemlich viel passiert, bleiben die wichtigen Dinge ungesagt. Es fehlte mir der Moment, in dem mit komplett offenen Karten gespielt wurde und alle Dinge auf den Tisch kommen, die zwischen den einzelnen Personen vorgefallen sind. Es wird geredet – aber viel mehr oberflächlich, als die eigentlichen Probleme anzugehen. Von einer Lösung kann am Ende kaum die Rede sein.

Als ich letztlich mit den gut 500 Seiten und Linna am Ende war, blieb nicht viel mehr als ein leeres Gefühl. Die – für mich – wichtigen Fragen blieben ungeklärt, ein richtiges Happy End – für mich – kann ich der Geschichte nicht abgewinnen und auch von der Geschichte selbst nehme ich nicht viel mehr mit, als das ich hoffe, nie eine solche Truppe von Freunden zu haben.

Was mir das Buch allerdings gebracht hat ist die Erkenntnis, dass Bettina Belitz einen sehr guten Musikgeschmack hat und jedem einzelnen Song eine Bedeutung zuschreiben kann. Zudem zeigt sie mit der Geschichte deutlich, dass Menschen sich mit der Zeit verändern, aber nicht durch andere verändert werden können.

Linna singt ist ein Buch, das man am besten an langen Winterabenden liest – allerdings nur, wenn man Linnas destruktive Gefühle aushalten kann ;)

+ Fazit

Alles in allem mochte ich das Buch, auch wenn mir am Ende die Message fehlt. Aber es geht um Musik, Freundschaft und Liebe – letztlich all die Dinge, die das Leben erst lebenswert machen, und das zeigt Bettina Belitz auf eine Art und Weise, die unvergleichlich ist.

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