Gutes NA – Böses NA

Alles begann mit Beautiful Disaster, mit dem Jamie McGuire ein der erfolgreichsten Selfpublishing-Autorinnen in diesem neuen Genre wurde. Aber was ist NA, warum wird das gelesen, welche Bücher sind gut und welche nicht?

NA steht für New Adult

Im Gegensatz zu Young Adult sind die Protagonisten in NA-Romanen meist bereits Anfang bis Mitte 20. Vorzugsweise gehen sie deswegen aufs College (oder arbeiten). Die Autoren begannen diese Geschichten zu schreiben, weil es a) in der Altersgruppe zwischen 20 und 30 kaum Romane gibt, man b) den Protagonisten andere (größere) Probleme zuschustern kann und es c) absolut legitim ist, in der Altersgruppe auch mal eine Sexszene ausführlicher zu beschreiben. Das bedeutet NICHT, dass es gleich Erotik oder gar Porn ist, es bedeutet auch nicht, dass das alles Nachwehen von Shades of Grey sind, sondern nur, dass man sich als Autor an eine andere Zielgruppe wendet und ein bisschen freier schreiben kann.

Wenn ich das lesen will – wo kriege ich das?

In Deutschland ist die NA-Welle bisher nicht wirklich angekommen – leider. Das liegt zum einen daran, dass bisher nur die nicht wirklich guten auf den Markt geschmissen wurden, sondern auch daran, dass die wenigen, die es gibt, im Buchladen in der Erotik-Ecke stehen. Auch die Verlage sehen dem Trend eher skeptisch entgegen, was ich wiederum nicht verstehen kann. Mit Mitte 20 kann ich mich selbst mehr mit NA identifizieren als YA (das bedeutet nicht, dass ich YA nicht mag – es wird nur schwerer mich zu begeistern). Aber auch in den USA hat sich dieser Trend eher selbst durchgesetzt – schaut man sich die erfolgreichen Titel an, sind die meistens von Selfpublishing-Autoren und kommen erst später als richtiges Buch auf den Markt. Ein paar gute erscheinen jetzt nach und nach auf deutsch, andere sind vorerst nur auf englisch verfügbar. Ich werde daher ein paar Tipps für euch zusammen stellen und die, die ich nicht so gut fand, ein bisschen erklären…

Abbi Glines

Wer meine Rezensionen (Rush of Love Verführt und Erlöst sowie Little Secrets – Verliebt) kennt, wird wissen, dass ich von Abbi Glines nicht so viel halte. Das liegt vor allem daran, dass die Geschichten alle gleich sind: Typ und Tussi können/dürfen/wollen nicht zusammen sein, weil es irgendwelche dubiose (sinnlose) Gründe gibt, die dagegen sprechen. Das ist aber auch leider schon das einzige Problem, uns im Endeffekt läuft es nur darauf hinaus, dass sie irgendwann doch (sehr sprachgewaltig) in der Kiste landen und vielleicht am Ende mal zusammen kommen.

Fazit: Leichte Kost, verfehlt aber das Ziel.

Jamie McGuire

Beautiful und Walking Disaster schlagen da schon eine andere Richtung ein. Hier gibt es tatsächlich mehr ‚Handlung‘ und weniger lächerlichen Sex. Das ist gut. Weniger gut sind die Vorstellungen, die Jamie vom perfekten Mann aka Travis vermittelt. Es ist nicht nur eine grenzwertige sondern eine vollkommen falsche Traumvorstellung eines Mannes und die naive Abby macht es nicht besser.

Fazit: Wenn man das nicht für bare Münze nimmt, kann es ein kurzweiliges Lesevergnügen werden, allgemeinhin geht es einem aber eher auf den Keks.

Jessica Park

Flat-Out Love (und Flat-Out Matt) bekommt ein Yay, weil sie in diesem Buch ein Herz für Nerds zeigt und Julie, Finn und Matt einfach klasse harmonieren. Left Drowning hingegen hat zuviel Drama, um als ernstzunehmendes Buch durchzugehen – die Geschichte ist einfach zu unwirklich. Außerdem würde ich behaupten, dass sie sich hier dazu hat hinreißen lassen, die Sexszenen richtig auszuleben, was es nicht besser macht.

Fazit: Nicht vorbehaltlos lesen und vielleicht mal die ein oder andere Leser-Meinung zu Rate ziehen.

J. Lynn

Hmja… Wait for you fand ich noch ganz ok, Frigid hab ich abgebrochen, weil mir das einfach zu doof war. Es ist handlungstechnisch nicht ganz so schlimm wie Abbi Glines, aber man merkt halt, dass sie sich hier nur in Sachen Sexszenen austoben will. Vielleicht konnte sie das bei ihren Fantasy-Büchern nicht genug, keine Ahnung. Im nächsten Jahr erscheint auch eine dt. Übersetzung.

Fazit: Kann man, muss man aber nicht.

Jessica Sorensen

Auch welche der besseren Sorte, wenngleich es hier die ganz großen Probleme sind. Aber zumindest Callie und Kayden ließen sich gut lesen und auch die erscheinen bald auf deutsch.

Fazit: Kann man nichts mit falsch machen.

Tammara Webber

Hier gibts bisher nur Easy im NA-Bereich, aber das ist ein Buch, dass ich wirklich sehr gerne gelesen habe und nur jedem empfehlen kann, weil es einfach gut ist. Die Geschichte ist toll, die Charaktere sind toll und es gibt auch keine blöden Sexszenen. Noch dazu ist nicht alles Friede-Freude-Eierkuchen. Mit Einfach. Liebe. erscheint Easy im November bei Blanvalet auf deutsch und ich hab ein bisschen Angst davor, dass das tolle Buch untergeht.

Fazit: Also bitte, gebt ihr eine Chance, es lohnt sich!

Colleen Hoover

Eine der Autorinnen, bei der mir bisher jedes Buch gefallen hat und die ich uneingeschränkt empfehlen kann. Sex kommt durchaus (auch beschrieben) vor, steht aber nicht im Vordergrund und passt da, wo er stattfindet.

Fazit: Lesen! Kommt auch auf deutsch!

Chelsea M. Cameron

Sie schreibt lange Bücher. Sie baut Liebesbeziehungen langsam auf. Und sie schreibt so toll! Alle 3 Bücher von ihr gehören zu meinen Lieblingsbüchern und ich kann die nächsten kaum erwarten. My Favourite Mistake erscheint im Mai bei Mira Taschenbuch und ich denke, die anderen werden folgen, wenn das gut läuft.

Fazit: Kann man nichts mit falsch machen.

Charles Sheehan-Miles

Ein männlicher Autor, der noch dazu genau das trifft, was man braucht – ganz viel Herz und tolle, nachvollziehbare, reale Geschichten. Es gibt eine dt. Übersetzung, aber die wurde von einem Fan gemacht. Ich würde daher eher zum Original greifen.

Fazit: Lesen!!

J. A. Redmerski

Das war einer der Romane, an denen sogar ich mich anfangs schwergetan habe. Nicht, weil er schlecht ist, sondern weil es wirklich keine leichte Kost ist. Und trotzdem hab ich die Geschichte mit feuchten Augen beendet und kann den zweiten Teil kaum mehr erwarten.

Fazit: Jeder, der es etwas anspruchsvoller mag, kann hier nichts falsch machen.

Und warum glaubt die jetzt, dass sie mir da was erzählen kann?

Weil ich mich intensiv damit beschäftige. Die hier genannten Bücher sind nur ein Bruchteil derer, die ich in dem Genre gelesen habe und eben Beispiele für besonders gute oder besonders erfolgreiche Bücher (aus welchen Gründen auch immer). Abbi Glines zB läuft toll, aber so ganz entspricht sie dem Genre nicht (ganz abgesehen davon, dass die Bücher nicht so toll geschrieben sind). Wem das trotzdem gefällt, dem möchte ich das nicht ausreden, aber behauptet dann nicht, ein Fan von NA zu sein.

Habt ihr eigene Erfahrungen (positiv/negativ) in dem Genre? Welche Bücher konnten euch so richtig begeistern?

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9 thoughts on “Gutes NA – Böses NA

    1. Also Sheehan-Miles (der hat hauptsachebunt auch gut gefallen) und Redmerski sind sehr gut, Flat-Out Love und Easy sowie die von Collen Hoover auf jeden Fall leicht und schnell zu lesen. An deiner Stelle würde ich da einfach mal nach den Klappentexten gucken, was am ehesten dein Thema ist :)

  1. Dass es kaum Bücher mit 20-25 Jährigen Protagonisten gibt, stimmt so aber nicht. Die wurden nur bisher alle unter Adult eingestuft. Ich hab ja immer noch so meine Probleme mit dem ‚Genre‘ weil da ja irgendwie alles nur Contemporary ist und sich oberflächlich alles gleich anhört. Sowas wie Odd Thomas (Protagonist Anfang 20) zB bleibt schön weiter Adult, ist ja auch Fantasy/Horror^^
    Ich würd jetzt zwar nicht grundsätzlich nein zu allen NA Titeln sagen, aber diesen ‚YA mit Sex‘ Stempel wird bei mir einfach nicht los :D Brauch ich nur bloß nicht, weil ich auch genügend YA Bücher lese wo Sex Thema ist und da gibts mehr Abwechslung.

    Wer weiß, vll wurde an der Buchmesse ja ganze viele Rechte für NA Titel verkauft :D

  2. Toller Artikel!
    Bei Abbi Glines kann ich nur so halb zustimmen. Natürlich läuft es immer auf die gleiche Situation hinaus, aber ich fühle mich doch ganz unterhalten, da besonders die Sexszenen oftmals so lächerlich präsentiert werden, dass ich da doch schon zu lachen anfange. „Vergiss nicht zu atmen“ liegt noch auf dem SUB und „Einfach. Liebe.“ ist bereits vorbestellt. Ich bin seehr gespannt.

  3. Von NA große anspruchsvolle Literatur zu erwarten, habe ich mir seit „Beautiful Disaster“ abgeschminkt. Das ist halt nur was fürs Gehirn durchlüften. Spaß hatte ich bei dem Buch trotzdem. „The Edge of Never“ fand ich dagegen nicht so toll, wie erhofft. Ob ich „The Edge of Always“ lesen werde, weiß ich noch nicht.
    Auf Colleen Hoover bin ich natürlich SEHR gespannt, aber setze die Erwartungen vorsorglich in den neutralen Bereich. Naja….Abbi Glines…wir hatten beide so ungefähr die gleiche Meinung vom ersten Buch. Und seit du das zweite gelesen hast, subbt es bei mir…einfach kein Verlangen dazu momentan. Mein bisher angenehmstes NA-Erlebnis war definitiv „Easy“ von Tammara Webber. Aber wer weiß, vielleicht läuft Colleen ihr ja den Rang ab. :)

  4. Tolle Übersicht! Bei manchen krieg ich richtig Lust sie gleich zu lesen.
    Wie sind die denn so stilistisch? Eher so „gut lesbar“ oder auch mal richtig toll geschrieben? Und merkt man der Formatierung und Rechtschreibung diesen selfpublished Anfang an? Der Gedanke schreckt mich immer am meisten ab.

    1. Ich komm dann auch mal zum antworten… *hust*
      Erstmal vielen Dank =) Schlecht formatierte Texte und welche die vor Fehlern sprühen, les ich selber nicht fertig und würde die daher auch per se nicht empfehlen. Die Bücher sind auch (bis auf Sheehan Miles glaube ich) bereits alle von Verlagen gedruckt zu haben, das spricht dann auch schon ein bisschen für Qualität. Stilistisch sind sie zwar gut geschrieben (ich hab unheimlich viele schöne Sätze markiert) aber eben auch recht seicht – sprich: leicht und schnell zu lesen. Aber das ist ja nichts schlimmes und bei YA meist auch so :)

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