[Gelesen] Belzhar (Meg Wolitzer)

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+ Kurzbeschreibung

Jam Gallahue loved a boy – fiercely and deeply – and then she lost him. Before the 41 days that she knew him, she had no idea she could need someone so much, but after, she needed him all the time. Except she couldn’t have him, because he was dead: gone forever. Or so she thought.

At The Wooden Barn, a boarding school for “emotionally fragile and highly intelligent” teenagers, Jam starts out as she has been for the past year: inconsolable, uninterested, stuck. She doesn’t think much of Special Topics in English, the exclusive, supposedly transformative class she’s been selected to join, or its roster of merely five students. At least not until she has an inexplicable experience – one that only these five peers, each uniquely broken, can understand. Studying the life works of Sylvia Plath and chronicling their pain in journals, Jam and her Special Topics classmates have all visited Belzhar, a miraculous place – a place where the untainted past is restored, and where Jam can feel her first love’s arms around her once again. But there are hidden truths on Jam’s path to reclaim her loss …

+ Rezension

Dank Nina sind ‚Die Interessanten‘ von der Autorin ja schon länger bei mir eingezogen, nur tu ich mich mit dem Buch eher schwer. Da kam es mir gerade recht, dass relativ zeitnah auch ein YA-Buch von ihr erschien, das mir a) schon allein wegen des Covers gefallen hat und b) auch noch mit Sylvia Plath als einem der Hauptthemen mehr als nur interessant klang. Das Buch war für mich letztlich die reinste Gefühlsachterbahn – zuerst hatte ich Mitleid mit Jam, später dann war ich einen Moment lang ziemlich pissig auf sie um am Ende dann doch wieder mit versöhnt zu werden.

“We’re talking about the novel, right? But maybe we’re not. We’re talking about ourselves. And I guess that’s what can start to happen when you talk about a book.”

Prinzipiell mochte ich die Schule sehr gerne, abschließend fällt mir aber auf, dass dort zwar eine Menge ‚kranker‘ Kinder sind, aber dass die psychologische Betreuung gänzlich fehlt – zumidest wird sie nicht angesprochen. Es geht nur um den Unterricht und die sozialen Veranstaltungen, und ich glaube nicht, dass das bei traumatisierten, zum teil suizidalen Jugendlichen oder jenen mit Essstörungen reicht. Hier hätte ich mir ein bisschen mehr Hintergrund gewünscht, aber das ist eigentlich nur nebensächlich.

“Everyone has something to say. But not everyone can bear to say it. Your job is to find a way.”

Ohne es zu wollen, kommt Jam in den Kurs ‚Special Topics ind English‘ worunter sie sich rein gar nichts vorstellen kann und auch die Informationen die sie darüber von ihrer Zimmergenossin erhält sind mehr als schwammig: Jeder will diesen Kurs besuchen, aber nur ganz wenige kommen rein. Er läuft nur jeweils ein Semester und die Lhrerin sucht sich für das komplette Semester nur einen Autor aus, der behandelt wird. Die, die reinkommen, behaupten der Kurs habe ihr Leben verändert, sie unterhalten sich in Geheimsprachen und werden zu einer verschworenen, kleinen Clique. DJ, die Zimmergenossin, würde alles dafür geben, den Kurs besuchen zu können, Jam ist das herzlich egal.

“Sometimes an alternative world is much better than the real one.”

Ein bisschen hat mich das an ‚Dead Poets Society‘ oder ‚The Secret History‘ erinnert und da ich da ja sowieso total drauf stehe, konnte das Buch nur punkten. Mrs. Quenell ist tatsächlich ein bisschen so wie Mr. Keating – verständnisvoll, aber auch anspruchsvoll und ihr liegt wirklich am Herzen, dass es den Schülern besser geht.

Was mir hingegen nicht ganz so gut gefallen hat war, dass es ab und an sehr ins Mystische abdriftet – die Sache mit den Tagebüchern ist halt schon sehr speziell und ich hätte es irgendwie besser gefunden, wenn die ‚Heilung‘ auf normalem Weg erfolgt wäre. Vielleicht hätte die Autorin aber auch einfach besser beschreiben können, warum das jetzt ausgerechnet so ist, für mich war nämlich nicht nachvollziehbar, warum eine Lehrerin, die selbst nichts genaues über die funktionsweise der Tagebücher weiß, diese an Schüler geben würde, ohne sich im Klaren über die Konsequenzen zu sein. Und dazu gleich der nächste Punkt: Sylvia Plath hat Mrs. Quenell zu den Tagebüchern inspiriert, aber sie hat sie nie vorher behandelt? Warum, wenn doch ihre Bekannschaft mit Plath all das erst möglich gemacht hat und letztendlich in jedem Jahr passt, denn es sind in jedem Jahr Jugendliche mit den gleichen Problemen. Sollte dann Plath nicht in jedem Kurs das vorherrschende Thema sein?

“We each have only one voice. And the world is so loud. Sometimes I think that the quiet ones have figured out that the best way to get other people’s attention is not to shout, but to whisper. Which makes everyone listen a little harder.”

Aber wie dem auch sei, abgesehen von diesen Punkten, die für mich nicht ganz schlüssig waren, das Buch aber nicht wesentlich schlechter haben abschneiden lassen, fand ich die Geschichte super. Sie zeigt, dass man sich mit der Vergangenheit beschäftigen und sie abschließen muss, um nach vorne zu gehen. Wenn Jam nicht noch ein letztes Mal nach Belzhar gegangen wäre, wäre sie weder von Reeve losgekommen noch hätte sie sich auf Griffin einlassen können. Natürlich wirkt das vielleicht ein wenig lächerlich, verglichen mit den Problemen der anderen aus dem Kurs, aber es ist eben das, was Jam beschäftigt.

Ich würde das Buch dennoch eher einem jüngeren Publikum empfehlen, weil ich glaube, dass man sich dann besser mit Jam identifizieren kann. Ich hatte da so meine Probleme, denn ich ich konnte nicht ganz nachvollziehen, wieso Jam das so dermaßen trifft, wenn doch eigentlich gar nichts gewesen ist.

Belzhar ★★★★☆

Taschenbuch: 266 Seiten
Verlag: Dutton Juvenile (30. September 2014)
Sprache: Englisch
ISBN-10: 0525427945
ISBN-13: 978-0525427940
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 14 – 17 Jahre
Größe und/oder Gewicht: 20,8 x 13,8 x 2,2 cm

 

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7 thoughts on “[Gelesen] Belzhar (Meg Wolitzer)

  1. Dass es keine psychologische Betreuung gab, ist mir auch aufgefallen. Ich fand das ziemlich doof. Man kann ja entscheiden, dass das kein zentraler Bestandteil der Geschichte ist, aber mir kam es so vor als wenn die einzige Behandlungsmethode das Schreiben in die Tagebücher wär (und das kriegen ja auch nur 5 aus der gesamten Schülerschaft).

    Und dass die Lehrerin dann Plath sogar mal begegnet ist, ach, das fand ich auch so affig und blöd :P

    Mich hat noch viel mehr an dem Buch gestört, überhaupt war es mir viel zu oberflächlich. Nichts ging in die Tiefe. Und dabei hatte ich mich so drauf gefreut :(

    1. Es sind ja auch ’nur‘ 268 Seiten, da versteh ich schon, dass man nicht alles abhandeln kann, aber wenigstens mal irgendwie anreißen… =/ DJ zB hat einen Essstörung, aber das komplette Zimmer ist voller Süßigkeiten und keiner stört sich daran? Und wie gesagt – wenn Plath so wichtig für Mrs Q war, wieso hat sie sie nicht in jedem Kurs behandelt?
      So insgesamt ist es ne nette Idee und mich stört das jetzt auch alles nicht so sehr, weil ich das so eh nicht erwartet hab, aber es ist wie du sagst: sehr oberflächlich.

      1. Ja, ich hätte es schon hilfreich gefunden, wenn einfach erwähnt worden wäre, dass sie gerade in der Gruppentheraphie war oder DJ von einem Gespräch mit ihrer psychologischen Betreuerin zurückkam oder so was.
        Auch als DJ ihren Fressflash hatte, fand ich das total unglücklich gelöst. Erst kann sie nicht aufhören zu essen, dann ist ihre Freundin plötzlich doch wieder da und alles ist von der einen auf die andere Minute vergessen und wird nie wieder thematsiert. Hä?

        Was ich auch doof fand, war diese Auflösung darüber, was Jam wirklich passiert ist. Also das zeugt ja von einer extremen mentalen Störung, aber davon ist auch nie die Rede. Es klang einfach so, als wenn das bei ihr halt so war, aber jetzt ist ja alles wieder gut und nicht als wenn etwas Ernsthaftes behandelt worden wäre.

      2. Ja, ja, JA! :D
        Ich hab mich so verarscht gefühlt, als rauskam, dass die beiden nie wirklich zusammen waren, denn das lässt auf so viel schließen… a) Sie ist offensichtlich mehr als nur ein bisschen labil. b) Ihre Eltern haben überhaupt keine Ahnung von ihrem Leben – meine Mutter hätte mir bei sowas erstmal ordentlich den Kopf gewaschen. c) Ihre Freunde, die ja anscheinend wussten wie krass sie drauf war, haben auch nicht viel beigesteuert.
        Und in der beschriebenen Therapiesitzung wurde sie auch nicht darauf angesprochen, dass der Tod eben nicht real ist. Vielleicht macht man das nicht mit der Holzhammermethode, keine Ahnung, im Prinzip ist die Methode, das selbst rauszufinden, wahrscheinlich am sinnvollsten, aber das erschien mir einfach zu wenig… Wenn er wirklich gestorben wäre und sie das bei ihrer letzten Reise nach Belzhar durchlebt hätte um sich verabschieden zu können oder es wenigstens zu verarbeiten, wäre ich damit weitaus glücklicher gewesen.

      3. Wenn sie es selbst rausfinden soll (ist das nicht auch der tolle Tipp in Pushing The Limits? Dass ihr keiner sagt, was passiert ist und sie selbst drauf kommen muss, damit es sie nicht so fertig macht?), wäre halt wenigstens eine psychologische Begleitung angebracht gewesen, aber bis auf ein paar Plath Diskussionen wird sich ja null mit den einzelnen Schülern auseinandergesetzt.
        Hach, ich seh schon, wir verstehen uns trotz der unterschiedlichen Bewertung :D

      4. Aber Echo wurde ja zumindest betreut und hatte jemanden, der sich um sie kümmert (nicht, dass es das besser macht – wenn ich sowas rausgefunden hätte, wäre ich wahrscheinlich erstmal abgehaun).

        Ich finde, wenn man die Altersempfehlung betrachtet (14-17 Jahre) passt das alles schon ganz gut. Ich persönlich hätte mir ‚mehr‘ gewünscht, aber für das agestrebte Publikum sollte die Botschaft rüberkommen – deswegen die recht gute Bewertung. Und ich les jetzt erstmal The Bell Jar :P

      5. Ja klar, das ist mir auch nur eingefallen als Beispiel für die „Selbstentdeckermethode“.

        Ich finde halt, dass es viel, viel bessere Bücher mit den Themen und für die Altersgruppe gibt. Welche mit mehr Tiefe und mehr Herz. Teilweise kam mir der Stil auch sehr von oben herab ab und alles musste am Ende noch mal genau gesagt werden und natürlich ist auch alles gut ausgegangen.
        Lust auf Plath hab ich aber auch wieder bekommen :D Habe The Bell Jar vor einigen Jahren schon mal gehört (Maggie Gyllenhaal hat das gelesen <3) und es war wirklich toll, aber auch sehr traurig. Jetzt hab ich Lust mir ihre Gedichte mal näher anzusehen.

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