[Dies & Das] „Für ein eBook war das gut.“

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Wenn mir langweilig ist, lese ich manchmal Amazon-Rezensionen. Oft erheitert mich das, manchmal deprimiert es mich und in seltenen Fällen regt es mich sogar auf. Das war gestern Abend der Fall, als ich folgenden Satz in einer Rezension zu einem Buch aus einem eBook-Verlag las:

„Für ein eBook war das gut.“

Ernsthaft? Tatsache. Und der Witz ist, dass ich gar nicht lange suchen musste, bis ich diesen Satz in weiteren Variationen auch in anderen Rezensionen fand. Die Frage ist nur: Warum?

Ich verstehe, dass man einen Unterschied zwischen Self-Publishern und Verlagsautoren macht – kein Ding. Aber selbst ein reines eBook-Label wie Impress, Forever oder wie sie nicht alle heißen, sind Teil eines Publikum-Verlages. Viele der Autoren dort werden durch einen Agenten vertreten, die Bücher durchlaufen das gleiche Prozedere mit Lektorat und Korrektorat wie andere Verlagsbücher – wieso muss man das abwerten? Den Kaffee-Brötchen-eBook-Vergleich lasse ich jetzt mal außer Acht, da wir zu dem Thema alle schon genug gelesen und gesagt haben. Nur so viel: 300 Seiten sind 300 Seiten, ob als Buch oder als Datei, da hinter steht die gleiche Arbeit. Und sie sind als Datei nicht weniger wert als als Buch, der einzige Unterschied ist der Preis.

Und wieso sind sie billiger? Schonmal überlegt, dass diese eBook-Labels ein tolles Instrument sind, junge und neue Autoren und ihre Bücher ohne hohe Vorschüsse und Produktionskosten auf den Markt zu bringen, sie rein nach Anzahl der verkauften Exemplare zu bezahlen und auszutesten, welcher dieser Autoren eventuell auch im Print für ein breiteres Publikum funktionieren würde? Bei einem physischen Buch, egal ob HC oder PB, muss eine bestimmte Anzahl produziert werden, damit sich der Druck überhaupt erst rentiert. Wenn von dieser Auflage – sagen wir, es sind 1.000 Stück für den Anfang – aber nur 100 verkauft werden, habe ich 900 Bücher da rum liegen, die doch keiner kauft oder liest. Aber macht das das Buch besser, nur weil es Seiten aus Papier und Buchdeckel aus Pappe hat?

Bei Self-Publishern sieht das natürlich wieder anders aus… Heutzutage kann jeder, der aus welchen Gründen auch immer keinen Verlag oder keine Agentur findet oder das auch gar nicht will, seine Texte in Eigenregie veröffentlichen. Diese Autoren können Lektorat und Korrektorat beauftragen, müssen aber natürlich nicht. Und es macht einen Unterschied, ob man diese Leistungen bezahlen kann oder will oder ob man sie von Freunden und Bekannten erledigen lässt oder gar ganz darauf verzichtet. Hier ist jeder seines eigenen Glückes Schmied, wie man so schön sagt, und so kommt es, dass es eben auf diesem unfassbar großen Markt mittlerweile viele mittelmäßige bis schlechte eBooks, aber dennoch auch ein paar Perlen gibt.

Abgesehen davon – 300 Seiten sind 300 Seiten und egal ob SPler oder Verlagsautor, egal ob eBook oder Buch – all das sagt nichts über die Qualität des Textes aus. Ist der Text schlecht, wird er sich nicht groß verkaufen, ist er aber gut, wird man das früher oder später merken.

Aber wie seht ihr das? Macht ihr Unterschiede zwischen Buch und eBook und wenn ja, wieso? Habt ihr ähnliche Erfahrungen oder vielleicht selbst ähnliche Aussagen schonmal getroffen?

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24 thoughts on “[Dies & Das] „Für ein eBook war das gut.“

  1. … Also, wenn mir langweilig ist, lese ich manchmal YouTube-Kommentare. Aber das ist noch viel schlimmer, denn da passiert es sehr schnell, dass ich mich heulend und schreiend auf den Boden werfen will vor lauter Ignoranz.

    Wie dem auch sei, du triffst es genau auf den Punkt. :)
    Ich bin nicht besonders erfahren mit eBooks, da ich keinen Reader besitze, aber sobald ich einen habe, werde ich klug genug sein, die hochwertigen eBooks vom Schund zu trennen, der zwangsläufig und mit gutem Recht auf Amazon umherschwirrt und Leser verwirrt, die alles in einen Topf werfen. Deshalb würde ich nie Gefahr laufen, eBooks für das abzuwerten, was sie sind. Ja, ja, klug ist klar im Vorteil.

    Die Wahrheit ist aber, dass ich auch von den eBook-Imprints großer Verlage erst einmal weitgehend die Finger lasse, weil ich eben doch der Meinung bin, dass da eher Masse statt Klasse produziert wird. Ich meine, wenn jeden Monat ein neues Buch rausgehauen wird, müssen irgendwo Abstriche gemacht werden. Und andersherum muss man in so kurzer Zeit so viel Stoff zusammenkriegen, der ganz offensichtlich als gedrucktes Buch im gleichen Verlag kaum eine Chance gehabt hätte.
    Ich habe nichts gegen diese Imprints, ich finde sie sogar toll, weil ich mitkriege, dass es viele Leser gibt, die total darauf abfahren und weil es, wie du schon sagtest, jungen unbekannten Autoren die Möglichkeit gibt, einen Fuß in die Tür zu setzen, aber meinen Lesegeschmack treffen sie nicht.

    Aber die digitalen Imprints stecken ja alle noch in den Kinderschuhen, also warten wir ab und harren der Dinge, die da kommen mögen! :)

    1. Also bei Youtube-Kommentaren würde ich einen Anfall kriegen^^

      Man kann allein von außen halt leider nicht erkennen, was Schund und was Gut ist, aber genau das meine ich ja. Zumindest kann man davon augehen, dass ein Buch, dass in einem Verlag erschienen ist, qualitativ ein wenig besser als eins ohne, aber das bedeutet ja auch noch nicht gleich, dass es einem gefällt. Klar ist bei diesen eBook-Imprints noch nicht alles perfekt – hier wird halt auch mit kleinem Geldbeutel was neues ausprobiert. Aber wenn das erstmal läuft, sehe ich darin eine große Chance – für alle :)

  2. Erst einmal muss ich diesen grandiosen Text loben, besser als das kann man es meiner Meinung nach nicht sagen!

    Das Problem, welches ich sehe, was im Text auch schon angesprochen wurde, ist, dass viele Leser mit einer Printausgabe leider Qualität gleichsetzten, denn praktisch alle Bücher in einer Buchhandlung kommen von einem Verlag. Der Autor musste sich also bei einem Verlag bewerben, der Verlag ihn annehmen und dann lief das Manuskript durch ein Lektorat.

    eBooks dagegen sind für viele ein bezahlbares »Books on Demand«. Will man die Bewerbung bei einem Verlag umgehen? Stell es als eBook ins Netz. Findet man keinen Verlag? Stell es als eBook ins Netz.
    Meistens wird dann auch noch das Lektorat außenvorgelassen, weil Word und Co. einem ja sowieso jeden Fehler an den Kopf wirft.
    Was daraus entsteht, ist eine Nadel-im-Heuhaufen-Suche, welche die meisten nicht gewollt sind anzutreten.
    Zu wenig gute Bücher unter zu vielen schlechten hinterlässt leider nun mal ein negatives Bild.

    Was an dieser Stelle aber auch mal gesagt werden muss, ist, dass es trotz all dem Autoren gibt, die ihren eigenen Verlag sein wollen und deshalb auf eBooks zurückgreifen. Mit Lektorat, Covergestaltung und guter Geschichte. Leider ist es nur schwer geworden solche Perlen im offenen Meer zu finden.

    1. Dankeschön =)

      Ich kenne ein paar SP-Autoren persönlich und würde die Hand dafür ins Feuer legen, dass zumindest die versuchen, aus ihren Büchern das beste herauszuholen. Es gibt eben Texte, die nicht für die breite Masse gemacht sind, in einem Verlag keine Chance haben oder Autoren, die das auch einfach nicht wollen. Dennoch sollte jeder, der die Absicht hat, seinen Text anderen zugänglich zu machen zumindest in ein Lektorat und einen guten Cover-Designer investieren. Die gibts alle und die warten nur darauf, dass man sie beauftragt – man muss es nur wollen, dann kann man auch ohne Verlag ein gutes Buch machen :)

  3. Interessanter Post!
    Ich persönlich unterscheide nur zwischen: gefällt mir und gefällt mir nicht. Dabei spielt das Format so gar keine Rolle.
    Man müßte bei Leuten, die sowas schreiben, mal nachfragen, ob sie auch einen Unterschied zwischen Paperback und Hardcover machen – HC’s kosten schließlich mehr als PBs, da sollte man eigentlich nach dieser Logik auch mehr erwarten dürfen ;)

    1. Sehr wahr – gefällt mir und gefällt mir nicht – unabhängig von allem anderen, sind auch meine Liebligskriterien^^

  4. Für mich ist ein Buch ein Buch. Egal ob Hardcover,Taschenbuch oder Ebook. Einzig und allein der Inhalt zählt. Manchmal fragt man sich echt wie einige Rezensionen entstehen.

  5. Ehrlich gesagt mache ich schon einen Unterschied – einen preislichen. Ich lese wie andere Leute rauchen, wenn ich mir jedes Buch gedruckt oder noch schlimmer, als HC, kaufen würde, wäre ich ganz schnell arm und manche Bücher möchte ich einfach sofort haben.

    Ich finde ebooks haben meinen Horizont erweitert, weil ich dank der geringen Produktionskosten unglaublich tolle neue Autoren entdeckt habe, die ich vorher nicht gekauft hätte, weil ich einfach nicht das nötige Kleingeld in der Tasche habe. Auch gibt diese Möglichkeit so vielen tollen Autoren neue Möglichkeiten. Win-Win für jeden!

    Liebe Grüße!

  6. Ich kann dir nur zustimmen, denn für mich ist ein Buch ein Buch, egal welches Format es hat. Wenn ich unterscheide, dann auch nur zwischen Self-Publishers und Verlagsautoren und unter ersteren gibt es leider eben nicht nur Perlen, sondern auch viel Mist. Aber bei Verlagen macht es für mich nicht den geringsten Unterschied. Und selbst bei denen ist nicht alles Qualität, die werfen ja genauso etliche Bücher im Monat auf den Markt – also nicht nur die digitalen Imprints – und sparen leider immer häufiger an anständigen Korrektoren, Lektoren und Übersetzern, das macht sich meiner Meinung nach immer stärker bemerkbar.

    1. In letzter Zeit hab ich vor allem den Eindruck, dass gern an der Übersetzung gespart wird… Ich denke, Bücher sind halt für alle Seiten ein teurer Spaß, leider =/

  7. Ich glaube bei solchen Kommentaren steckt einfach Unwissen dahinter. Wahrscheinlich setzen viele eBooks mit SP gleich, v.a. wenn sie sehen, dass es keine Print-Ausgabe gibt. Die wissen vielleicht gar nicht, dass es Verlagsuntergruppen wie Impress gibt, die das ganze professionell betreiben.

    1. Hm, das kann schon sein, aber derjenige im Speziellen schien das schon zu wissen. Aber ich seh ein, dass es Leute gibt, die sich damit nicht genug beschäftigen, um das zu wissen. Muss man ja auch nicht. Mich störts halt, weil ich auch die andere Seite kenne und weiß, wie viel Arbeit auch in so einem Impress-eBook steckt, auch wenns vielleicht nicht immer optimal umgesetzt wird.

  8. Das hast Du sehr schön in Worte gefasst! Es gibt dieses blöde Vorurteil, dass „mal eben etwas online stellen“ weniger Arbeit bedeutet, als wenn man etwas für Printmedien schreibt. Das mag bei vielen Menschen, die mal eben was auf Facebook posten, auch so sein. Aber ich glaube (und hoffe), dass die meisten SP vor der Veröffentlichung sehr hart an ihren Texten arbeiten. Das diese nicht so professionell lektorieren können wie die Profis aus dem Lektorat liegt in der Sache der Natur. Gerade bei Verlagen, die mit ihrem Namen hinter einem Ebook stehen, ist das aber gar kein Thema.

  9. Ich bin da komplett deiner Meinung. Text ist Text. Vielleicht rührt das Urteil eben daher, dass ein Großteil der „Nur“-E-Books von Self-Publishern stand. Weil diese mal mehr, mal weniger Arbeit in das Buch stecken oder vielleicht nicht ganz so viel Talent haben, kann man da auch mal einen Fehlgriff machen. Das hat aber doch überhaupt nichts mit dem Format E-Book zu tun!

  10. Ich kaufe momentan nur noch günstige E-Books, mehr als 5€ darf es nicht kosten. Da kann dann Gutes, aber auch Schlechtes dabei sein. Momentan lese ich eine Reihe, die inhaltlich wahnsinnig gut ist und mich total fesselt, allerdings fehlen dann eben mal Wörter, es sind zu viele Kommas gesetzt oder Satzzeichen fehlen. Aber bei dem Preis erwarte ich auch nicht das perfekte Buch, das 5x redigiert oder korrigiert wurde.
    Schlechte Bücher findet man auch bei Publikumsverlagen. Die sind dann eben äußerlich perfekt und haben keine Rechtschreib- oder Satzzeichenfehler, dafür lässt dann aber der Inhalt stark zu wünschen übrig. Bücher sind meiner Meinung nach Überraschungseier, egal ob E-Book oder Printbuch, egal ob SP oder Verlag. Entweder sie gefallen oder sie gefallen eben nicht :)

    Liebe Grüße
    Nicole

  11. Für mich preislich mache ich da einen Unterschied. Manches möchte ich eben gerne hier stehen haben, bei anderen Sachen ist mir das erstmal nicht so wichtig. Dennoch kann ich vielen Kommentierenden hier nur zustimmen, durch eBooks hab ich mich auch an Sachen rangewagt, bei denen mir für die Printausgabe das Geld gefehlt hätte und dementsprechend Schätze entdeckt, bei denen ich mich ärgern würde, wenn ich sie über dieses Medium nicht hätte kennenlernen können.
    Aber qualitativ ist das alles wirklich Quatsch. SP ist natürlich noch mal etwas anderes. Ich glaube aber, dem eBook hängt das ein bisschen an und viele denken, dass vieles, was nur als eBook und nicht als Printausgabe erscheint, sofort auch Self Published ist und kein Lektorat etc. bekommen hat. Da wissen wohl einfach viele noch nicht so recht Bescheid.

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