[Gelesen] 180 Grad Meer – Sarah Kuttner

180GradMeer

+ Kurzbeschreibung

Nachdem ihr Vater die Familie verlassen hat, ist Jule mit ihrem Bruder und ihrer selbstmordgefährdeten Mutter aufgewachsen. Als Erwachsene hat sie sich einen Alltag geschaffen, in dem sie alles nur noch irgendwie erträgt: ihren Job als Sängerin, die unzähligen Anrufe ihrer Mutter, den ganzen Hass in ihr, der sie fast verschwinden lässt. Als auch ihre Beziehung zu bröckeln beginnt, flieht sie zu ihrem Bruder nach England, auf der Suche nach Ruhe und Anonymität.
Doch dort trifft sie auf ihren Vater, der im Sterben liegt. Zaghaft beginnt Jule einen letzten Versuch, sich dem Mann anzunähern, von dem sie sich ihr Leben lang im Stich gelassen gefühlt hat.

Eine tragikomische Road-Novel über das komplizierte Verhältnis zu den eigenen Eltern und den Wunsch, Urlaub von sich selber machen zu können.

+ Rezension

„180 Grad Meer“ ist mein erstes Buch von Sarah Kuttner und ich hab es nur deswegen gekauft, weil Meer drauf steht und es gerade alle haben, schon lesen oder lesen wollen. Außerdem klang der Klappentext so nett.

Den Anfang fand ich etwas schwerfällig und hätte das Buch beinahe wieder aus der Hand gelegt, weil die Protagonistin einfach nicht nett ist. Aber ich glaube, das ist wie mit einem guten Käse – meist stinkt der auch erstmal, aber wenn man ihn dann im Mund hat, entfaltet er seinen Geschmack. So muss man halt auch Jule erstmal kennen lernen und mit ihr warm werden, um zu verstehen, warum sie so drauf ist. Dann gehts auch eigentlich.

So ganz 100%ig konnte ich manche Sachen dann doch nicht nachvollziehen, aber gut, Jule ist auf jeden Fall sehr wütend und macht deshalb manchmal dumme Sachen. Das geht so weit, dass ihr Freund sie vor die Tür setzt und Jule dann eben mir nichts, dir nichts nach London zu ihrem Bruder, aber auch vor allem ans Meer abhaut. Was folgt ist ein Selbstfindungstrip, der eigentlich keiner ist, denn Jule macht nicht viel, außer aufs Meer zu starren, sich um den mehr oder weniger entführten Hund zu kümmern und das Problem, sprich ihren Vater, eben immer noch nicht in Angriff zu nehmen. Bis es beinahe zu spät ist.

Ich hab die Geschichte sehr gern gelesen. Vielleicht hätte man ein bisschen mehr Raum für den Vater lassen können, zumindest ich hätte ganz gern mehr darüber als über die doch recht vielen Joints gelesen. Ansonsten mag ich Sarah Kuttners zum Teil rotzige Sprache – man sollte die Dinge viel öfter einfach mal beim Namen nennen. Das Ende war sehr, sehr nah an perfekt und hat mir unheimlich gut gefallen – vor allem wegen der unterschwelligen Botschaft. Und dann war da noch viel Meer. Und das ist gut so, weil am Meer immer irgendwann alles gut wird.

Update: Gelesen habe ich das Buch übrigens hauptsächlich wegen Marina, deren Rezension ich eigentlich schon längst verlinken wollte… hier ist sie^^.

180 Grad Meer

Gebundene Ausgabe: 272 Seiten
Verlag: S. FISCHER; Auflage: 1 (31. Dezember 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 310002494X
ISBN-13: 978-3100024947

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7 thoughts on “[Gelesen] 180 Grad Meer – Sarah Kuttner

  1. Das Meer! Wie sehr ich das kuttnersche Meer doch liebe.
    Der grummelige Vater hätte nicht unbedingt öfter auftreten müssen, die Joints hätten dafür aber ruhig ein wenig in den Hintergrund treten können, das stimmt.

    1. Wegen dir hab ich das Buch überhaupt erst bestellt und so schnell gelesen^^ Und eigentlich wollte ich deine Rezension noch verlinken, hab ich aber vergessen… hol ich gleich nach :)

  2. Halli Hallo :)
    Ich bin ja noch eine totale Kuttner-Jungfrau, komme nach den Rezensionen aber ins grübeln. Vielleicht fällt mir ja mal ein Mängelexemplar in die Hände.
    Lass dir mal viele Grüße da

    Shanty

    1. Es war auch mein erstes ganzes von ihr, die anderen haben mich von der Thematik her nicht so angesprochen. Aber ich fand sie damals auf Viva halt super und dachte, das hier könnte genau meins sein. Kann es dir nur wärmstens empfehlen :)

  3. Hab das Buch heute zuende gehört. Also wenn du das mochtest, lies unbedingt auch ihre anderen beiden. Die fand ich nämlich viel besser. Ich mochte 180° auch gern (v.a. wegen Jule und ihrem Hund ;), aber es ging mir nicht genug an die Materie. Es hat sich irgendwie nur so halbfertig angefühlt. Ihre anderen Bücher haben da tiefer gebohrt… hab ich zumindest so in Erinnerung. Und die haben auch schwierige Protagonistinnen ;)

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