Die Lizenz zum Lesen.

Es ist Jahre her, dass ich zum ersten Mal überlegt habe, ob ich einen eReader anschaffen soll oder nicht. Die Frage hat sich mittlerweile dreifach beantwortet, denn obwohl ich mich (für meine Begriffe) auch lange Zeit geweigert habe, befinden sich nun 3 Lesegeräte in meinem Besitz. Seitdem hab ich immer mal wieder die Absicht gehabt, eine kleine Bilanz zu ziehen, aber erst Daniel hat mich mit seinem Blogpost so richtig motiviert.

Natürlich sind die Vorteile nicht von der Hand zu weisen: Wenn ich einen Text unbedingt will, kann ich ihn sofort haben. Ich habe Zugang zu unzähligen Digital-Onlys, die ich sonst (ggf.umständlich) am PC konvertieren müsste. Ich muss keinen 800-Seiten-Türstopper in der Handtasche mitschleppen – ich kann sie alle haben, und dabei wiegen sie nicht mehr als mein Handy. Ich kann im Dunkeln lesen. Ich kann mit zwei gebrochenen Armen lesen (antippen geht zur Not auch mit der Nase). Ich kann mit nur einer Hand den Reader halten und gleichzeitig weiterblättern, wenn ich mich mit der anderen im Zug festhalten muss. Kurz und knapp: Es ist unheimlich praktisch.

Alice Hampson
Aber es bleibt die Tatsache, dass ein eBook nicht weniger, aber eben auch nicht mehr als die Lizenz zum Lesen ist. Dazu schreibt Wikipedia: „Allgemein ist eine Lizenz eine Erlaubnis, Dinge zu tun, die ohne diese verboten sind.“ Das bedeutet bezogen auf das eBook, dass ich gegen Geld die Erlaubnis erhalte, die Datei zu lesen. Genauer könnt ihr das in diesem Beitrag auf dem Blog von edel & electric nachlesen. Ich persönlich finde das allein nicht schlimm. Ich bin noch nie auf die Idee gekommen, ein eBook zu verleihen und wenn ich eins verschenken wollen würde, würde ich auf einen Gutschein für den Shop der Wahl zurück greifen. Was mich aber nervt und mich doch immer öfter zur physischen Version greifen lässt, ist schlicht der Preis. Man kann natürlich argumentieren, dass der Inhalt der gleiche ist und Kosten für Lektorat, Marketing und Aufbereitung auch das eBook betreffen. Und ja, die Kalkulationen sind schlüssig. Trotzdem bleibt für mich das persönliche Empfinden der ausschlaggebende Punkt: Will ich für 22 € ein Buch, so ein richtges mit Seiten zum Blättern und Cover zum Befühlen oder für 20 € eine Datei, die ich halt lesen kann und deren Cover, wunderschön für viel Geld gestaltet, auf meinem eInk-Reader nur in schwarz-weiß zu sehen ist. Und deren Nutzungsrecht man mir im schlimmsten Fall entziehen kann. Hm.

Und das ist halt der Punkt. Ich gebe unheimlich gern unfassbar viel Geld für Bücher aus. Aber wenn ich für 22 € mehr mit dem Buch machen kann als mit der Datei für 20 €, liegt das Buch vorne. Das ist im Moment der Hauptgrund, warum ich immer noch sehr viele Bücher als Buch kaufe. Weiterhin habe ich das Problem, dass ich sehr viele Bücher, die ich als eBook lese, anschließend auch im Regal stehen haben möchte. Und das kostet dann gleich doppelt Geld. Da Bundles mit unterschiedlichen Steuersätzen versehen sind, gibt es die kaum – es ist einfach zu kompliziert in der Abrechnung und ich kann jeden verstehen, der sich das nicht antun will (und nebenbei total unnötig. Wieso sollte ein eBook mit 19% verteuert werden?).

James Tarbotton
Die perfekte Lösung für mich wäre im Grunde das gleiche wie bei CDs – Buch kaufen und eBook dazu. Bei Musik ist das unheimlich praktisch, bei Büchern braucht das aber nicht jeder. Daher: Ein Buch (Hardcover) kostet X €. In diesem Preis sind sämtliche Kosten miteinkalkuliert. Für diesen Betrag X bekomme ich aber die Lizenz für eBook und/oder Hörbuch dazu. Ich könnte also switchen wie mir beliebt – zB unterwegs oder beim Bügeln. Wenn ich hingegen nur das eBook oder das Hörbuch haben will, zahle ich entsprechend weniger. Wenn ich im Anschluss doch noch das Buch haben will, muss ich nicht den vollen Betrag X sondern die Differenz bezahlen.

Aber das ist vermutlich utopisch. Schlauere Köpfe als meiner sind bereits an solchen Ideen gescheitert, sei es nun auf Grund der Gesetzgebung oder weil es einfach zu kompliziert ist. Eine Alternative ist papego. Die App bietet einem die Möglichkeit, bei ausgewählten Büchern die Seite zu scannen und die nächsten 25% des Buches auf dem Handy/Tablet zu lesen. Den Ansatz finde ich gut, mein Problem dabei ist aber, dass mir die 25% auf lägeren Zugfahrten oder im Urlaub halt einfach nicht reichen. Tja.

Und so stehe ich hier mit meinen drei Readern und kann mich nach all den Jahren immer noch nicht für oder gegen Buch oder eBook aussprechen. Es geht irgendwie Hand in Hand, mal so mal so. Ich entscheide spontan, wie dringend ich das Buch brauche, wann und wo genau ich es lesen will und ob ich es wirklich anfassen, verschenken oder verleihen oder nur lesen will und dann nie wieder brauche. Für meinen Geschmack sind das zu viele Fragen. Eigentlich will ich lieber einfach nur lesen .

Fakt ist: Ich liebe meine eReader für unterwegs und ich möchte nicht mehr ohne leben. Nie wieder. Aber ich möchte auch nicht ohne Bücher leben. Deswegen gehts für mich nur zusammen, aber nicht so oder so.

Bildnachweis 1 +2

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10 thoughts on “Die Lizenz zum Lesen.

  1. Da geht es mir ähnlich. Letztes Jahr zum Geburtstag hat mir mein Bruder einen eBook Reader geschenkt und ein paar Bücher habe ich darüber gelesen. Wie du schon sagtest, für unterwegs ist er spitze und leider gibt es immer ein paar Bücher, die es zunächst nur als eBooks gibt. Da war der wirklich praktisch. Aber trotzdem kaufe ich weiterhin richtige Bücher. Ich glaube, bei mir liegt es daran, dass ich das Gefühl liebe und auch gerne präsentiere, was ich besitze. Mit eBooks ist das schwer. Danke für deinen Beitrag :)

  2. Hallöchen,
    ein toll geschriebener Post und ich musste wirklich schmunzeln bei der Sache mit dem Umblättern per Nase. Du hast einen unglaublich tollen Schreibstil, ich liese deine Beiträge wirklich gerne.

    Ich kann deinen Zwiespalt auch wirklich gut nachvollziehen, ich hab mich selbst wirklich lange gegen eBooks gewehrt, auch aus dem von dir genannten Grund, dass ich den Preis einfach etwas zu hoch finde. Zwischenzeitlich hat sich meine Einstellung zu eBooks um 180 Grad geändert – ich liebe sie!! Allerdings kaufe ich immer noch recht wenig eBooks, ich leihe sie mir lieber bei der Onleihe oder bei Skoobe, meist auch nur zu den Büchern, die ich als Print zuhause habe. Denn meinen Sammeltrieb hab ich immer noch, aber zum einen schlepp ich auch einfach ungern nen „800-seitigen Türstopper“ mit mir rum, selbst zuhause finde ich es meist unbequem, mit Print zu lesen. Außerdem hab ich festgestellt, dass ich eBooks viel schneller lese als Print, also wie du siehst: ich liebe eBooks.

    Allerdings muss ich dir auch bei deiner Kritik zustimmen: die Preise für die eBooks sind teilweise wirklich noch happig. Zumal, wenn man eben bedenkt, dass man ja kein Eigentum erwirbt, sondern nur ein Nutzungsrecht. Vielleicht sollte man sich da nochmal darüber Gedanken machen, aber besonders gut fände ich auch deine Idee: dass man mit dem Print auch ein eBook erwirbt oder eben weniger bezahlt.

    Bitte entschuldige meine Geschwätzigkeit, jetzt ist der Kommentar doch etwas länger geworden als geplant :)
    Alles Liebe, Nelly

    1. Danke <3 Für die lieben Worte und auch für den langen Kommentar :) Skoobe hab ich tatsächlich noch nicht ausprobiert. Es sind halt auch drei Kindles, wobei es mit dem Fire gehen würde. Aber da hab ich das Problem, dass ich auf dem Tablet nicht so gerne lese. Es ist alles nicht so einfach^^

      1. Ja, da kann ich dir nur zustimmen. Einfach ist das echt nicht…
        Momentan lese ich so gut wie nur über mein Tolino Tablet, aber ich würde mir auch einen tollen Reader wünschen, der auch Skoobe unterstützt (das du unbedingt dringend mal versuchen solltest). Der einzige Reader, der das bisher kann, soll ja doch noch einige Mängel haben…. Bin mal gespannt, was der Markt uns so die nächste Zeit bieten wird.

        Alles Liebe, Nelly

  3. Genau deine Argumente waren auch für mich lange ein Grund keinen Reader zu besitzen. So sehr ich ja auf der einen Seite die Verlage verstehen, bei deren Kosten der Unterschied zwischen Druck-Buch/E-Book nicht groß ist – ich seh es nicht ein für eine Lizenz, die mir deutlich weniger Freiraum bietet, nahezu das gleiche bezahlen zu müssen wie für das gedruckte Buch.
    Das haben die Vorteile von einem Reader für mich einfach nicht aufgewogen.

    Inzwischen hab ich zwar seit kurzem einen Reader aber der ist vor allem für Bücher aus der Bibliothek gedacht oder Rezensionsexemplare.

  4. Ich muss ja ehrlich zugeben dass ich selbst fast gar keine eBooks kaufe, mein Kindle aber trotzdem regelmäßig im Einsatz ist, hauptsächlich jedoch unterwegs.

    Ich sehe einfach nicht ein, dass ich für ein eBook vielleicht gerade mal 1-2 € weniger als für die gedruckte Version bezahle, dann lege ich lieber die paar Euros drauf und stelle mir dann ein richtiges Buch ins Regal. Absolut lachhaft finde ich es wenn HC für 25 € auf den Markt kommen und das eBook ebenfalls noch über 20€ liegt, vor allem wenn dann eine Weile später das Taschenbuch rauskommt und exakt das gleiche (!) eBook dann plötzlich nur noch rd. 10€ kostet, da komme ich mir schon ein wenig verarscht vor.

    Wenn ich also mal eBooks kaufe sind das in der Regel englische Bücher, bei denen ich auf die Optik keinen großen Wert lege oder die vom Preis einfach unschlagbar günstig sind. In den letzten Monaten lese ich auf meinem Kindle aber auch verstärkt eARCs von Netgalley und da ist der eReader dann schon sehr praktisch und wenn mir das Buch gefällt kann ich es mir später bei Erscheinen immer noch in gedruckter Form holen.

    Und in der Mittagspause ist der Kindle auch ein toller Begleiter, ich schlepp nämlich immer meine kostbaren Bücher nicht so gerne mit mir herum weil ich dann Angst vor Kratzern oder Knicken habe wenn die bei mir in der Tasche rumfliegen :D

    1. Den vollen Preis für ein eBook zu bezahlen ist bei mir auch eher die Ausnahme. Nur wenn es ganz super dringend ist. Ansonsten gibts halt gerade bei den englischen Büchern auch viele Schnäppchen – da kann man dann schonmal zuschlagen. Netgalley ist auch so ein ausschlaggebender Punkt, das klappt bei mir aber auch nur so mittelgut, weil ich mehr anfrage als ich tatsächlich lese^^

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