#WarumIchLese

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Es gibt ein Foto. Auf der Couch liegt ausgestreckt mein Vater, ich bin kaum ein paar Monate alt und schlafe auf seinen Beinen. In der einen Hand hält er ein Buch und liest, mit der anderen hält er mich fest, damit ich nicht runterfalle, wenn ich mich bewege. Ich kann mich natürlich nicht daran erinnern. Wahrscheinlich war das sogar nur ein einziges Mal der Fall und zufällig hat jemand, ein Foto davon gemacht. Aber es existiert eben.

Im Gegensatz zu dem Foto kann ich mich allerdings sehr gut daran erinnern, dass es meine Mutter war, die jeden Abend an meinem Bett saß und mir vorgelesen hat. Jeden Abend, bis ich irgendwann selber lesen konnte. Niemand hat mir je gesagt, dass ich „nicht mehr so lange lesen soll“. Ich musste auch nie heimlich mit der Taschenlampe unter der Bettdecke lesen (und trotzdem habe ich das manchmal gemacht – just for fun).

Es war auch meine Mutter, die mir Pippi Langstrumpf besorgt hat. Mein Onkel hingegen hat mich mit alle möglichen Fünf Freunde-Büchern versorgt. Womit beide nicht gerechnet hatten war, dass ich fortan nichts anderes tun würde, als in jeder freien Minute zu lesen.

In der Schule sollten wir dann immer wieder unsere Lieblingsbücher vorstellen. Bei mir war es jedes Mal ein anderes. Ich konnte mich nie entscheiden. Es gab einfach zu viele. Als meine Englischlehrerin mitgekriegt hat, dass ich gerne lese, hat sie mich mit englischen Büchern versorgt. Selbst nachdem ich die Schule verlassen hatte, bekam ich manchmal noch Briefe mit Buchempfehlungen von ihr.

Es gibt nicht nur einen Grund. Ich wurde nur immer wieder motiviert, aber die Vorteile habe ich selbst erkannt. Ich bin gern mit mir und meinen Gedanken allein. Ich brauche keine Menschen um mich herum, um glücklich zu sein, ich bin es auch so.

Ich habe mich zwischen den Seiten gefunden und selbst erkannt. Ich habe gelernt. Über Menschen, fremde Länder und Welten, die Geschichte, Sachverhalte. Ich habe mich verloren in Geschichten, in denen meine Gedanken frei sein konnten, und habe gekämpft mit den Erzählungen, die einen wütend machen oder verzweifelt zurücklassen. Ich bin Neuem gegenüber offener geworden und will alles wissen, um alles zu verstehen. Einfach alles. Es hört nie auf. Ich habe gute und schlechte Bücher gelesen, auch viele irgendwo dazwischen. Ich habe gelacht, geweint und gelitten. Ich bin von Cliffhanger zu Cliffhanger gesprungen und habe oft Jahre auf den nächsten Teil gewartet.

In meinem Leben gibt es keine Langeweile.

Ich sitze nicht herum und weiß nichts mit mir anzufangen. Ich lese. Lerne. Verstehe. Habe Spaß. Dabei kümmert es mich nicht, ob das gerade hochgestochene Literatur ist oder einfach ein Buch, das Spaß macht. Es ist wie Hunger haben. Ein unstillbarer Hunger, der nie aufhört, sondern mit jedem weiteren Buch noch größer wird. Es ist nie genug und ich hoffe, es hört nie auf.

Ich lese vor allem deshalb, weil ich es will.


Geschrieben habe ich den Beitrag nach dem Aufruf von novelero.

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4 thoughts on “#WarumIchLese

  1. Schöner Text :) Ich hatte auch das Glück bei lesenden Eltern aufzuwachsen, die mir immer viel vorgelesen und erzählt haben und irre froh waren als ich in der Schule endlich lesen gelernt habe und das ganze selbst in die Hand nehmen konnte ;D

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