Die Tage, die ich dir verspreche – Lily Oliver

+ Kurzbeschreibung

»Du hast Glück, Gwen, alles wird gut, Gwen.« Seit ihrer Herztransplantation hört Gwen nichts anderes mehr. Doch statt überschäumender Lebensfreude fühlt sie nur Schuld gegenüber dem Menschen, der für sie gestorben ist. Und so fasst sie in einer besonders verzweifelten Nacht einen ungeheuerlichen Plan: Sie will ihr neues Herz verschenken und sterben. Ihr entsprechendes Angebot in einem Internetforum liest dessen Moderator Noah, ein junger Student, der keinen großen Sinn in seinem Leben sieht. Er hält ihr Angebot für einen üblen Scherz, geht aber zum Schein darauf ein. Erst als Gwen am nächsten Tag vor ihm steht, um ihn beim Wort zu nehmen, erkennt er, wie schrecklich ernst es ihr ist. Nur mit einem gewagten Handel und einer furchtbaren Lüge kann er ihr das Versprechen abringen, ein paar weitere Tage durchzuhalten. Tage, in denen Noah alles daran setzen muss, Gwen von etwas zu überzeugen, woran er selbst kaum noch glaubt: Dass das Leben lebenswert ist.

+ Rezension

Wie hab ich mich auf dieses Buch gefreut… und als es nun endlich da war, habe ich angefangen zu lesen – und hätte es nach den ersten einhundert Seiten am liebsten in die Ecke geschmissen. Jetzt bin ich aber jemand, der Bücher nicht gerne abbricht. Zumindest dann nicht, wenn mich doch so ein bisschen interessiert, wie es weiter geht. Wenn mir die Geschichte egal ist, ist das wieder was anderes, aber das war hier nicht der Fall. Ich wollte das Buch mögen, aber Lily Oliver hat mir das wirklich, wirklich schwer gemacht. Trotzdem bin ich froh, es zu Ende gelesen zu haben.

Das Thema ist nicht einfach, keine Frage. Ich glaube nicht, dass ich beurteilen kann, wie sich jemand fühlt, der gerade ein neues Herz bekommen hat und lernen muss, damit umzugehen. Es kann nicht einfach sein und noch schwerer wird es vermutlich, wenn man sich auch noch einredet, dass man das nicht verdient hat. Nicht umsonst erhält man psychologische Beratung und Betreuung. Allein deswegen finde ich diese Geschichte wichtig, denn sie zeigt, dass es eben nicht mit einer erfolgreichen Transplantation vorbei ist. Selbst wenn man Glück hat, kann man trotzdem Pech haben oder mit der Situation einfach überfordert sein.

Was mich dann aber gestört hat, war die Tatsache, dass niemand wirklich auf Gwen eingegangen ist. Ihre Eltern, ihr Bruder oder ihr Freund hätten merken müssen, dass etwas nicht stimmt, statt es einfach nur hinzunehmen und so zu tun, als sei alles normal. Der einzige, der auf sie eingeht und ihr helfen will, ist Noah. Aber – und das ist für mich ein großes Problem – man kann jemanden noch so gern mögen und hefen wollen, aber wenn derjenige ernsthafte Selbstmordabsichten hat, ist es keine Option, das selbst in die Hand nehmen zu wollen. Es ist einfach keine Option.

Und so waren mir Noah aber auch Gwen zu naiv und sprunghaft. Wer fährt mal eben mitten in der Nacht von Berlin nach München? Wer nimmt ein wildfremdes Mädchen bei sich auf, und beschließt ihr Leben zu retten, ohne ihre Eltern zu benachrichtigen oder überhaupt mal danach zu fragen? Wer geht ein solches Risiko ein, jemanden, der so labil wie Gwen ist, bewusst zu belügen (und ist sich den Folgen sehr wohl bewusst), ohne die Verantwortung zu sehen, die damit einhergeht und auch so zu handeln? Man hätte auf den ersten 250 Seite viele Kleinigkeiten einfach ein bisschen ändern müssen, um trotzdem zum gleichen Ende zu kommen und damit den Weg dorthin einfach nicht ganz so falsch erscheinen zu lassen.

Die letzten 100-150 Seiten hingegen mochte ich wieder. Es macht irgendwann Klick, in dem Moment verändern auch die Protagonisten ihr Verhalten und das hat mich mit der Geschichte wieder ein bisschen versöhnt, denn im Grunde ist sie gut. Das Ende selbst ist zufriedenstellend und vermittelt eine schöne, wichtige Botschaft.

Nun sitze ich in der Zwickmühle. Für eine ausdrückliche Empfehlung reicht es nicht ganz, abraten möchte ich aber auch nicht – dafür ist es nämlich zu gut. Bleibt nur noch, dass ihr euch selbst ein Bild macht. Das ist ja meist eh am Besten.

Die Tage, die ich dir verspreche

Broschiert: 368 Seiten
Verlag: Knaur TB (1. September 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3426516764
ISBN-13: 978-3426516768

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