Realitätsgewitter – Julia Zange


+ Kurzbeschreibung

»Das kann nur Julia Zange: Alle zehn Jahre ein Buch schreiben, das man nicht mehr vergisst!« Maxim Biller

Marlas Leben ist ein einziges Realitätsgewitter. Wenig Sex, viel iPhone. Viel Bewegung, wenig Sicherheit. Sehr globalisiert, aber immer noch ganz schön deutsch. Marla funktioniert perfekt. Sie hat immer die richtige Maske auf. Doch plötzlich bekommt ihr hochglänzender Panzer kleine Brüche. Plötzlich ist da eine schwere Traurigkeit, die langsam von ihrem Bauch nach oben spült. Um nicht zu ertrinken, macht sie sich auf den Weg zurück in ihr Heimatdorf. Und landet schließlich auf Sylt. Eine Reise ins Erwachsenwerden und zu sich selbst.

„‘In der Nordsee ist nichts gefährlich!‘, sagt er. Und rennt Richtung Strandkörbe. Ich ziehe mich ganz aus und gehe vorsichtig ins Wasser. Die Wellen werfen mich fast um.“

+ Rezension

Ich muss ja sagen – wenn ich den Blurb von Maxim Biller vorher und nicht erst beim Schreiben der Rezension gesehen hätte, weiß ich nicht, ob ich das Buch gewollt hätte. In der letzten Vorschau ist es mir jedoch gleich – nicht zuletzt wegen des Covers – sofort ins Auge gestochen. Katze halt – und für schwarze bin ich sowieso anfällig^^

Mit nur knapp 160 Seiten ein eher kurzes Buch, bei dem aber jeder Satz sitzt. Mit nur wenigen Worten, aber vielen treffenden Sätzen zeichnet Julia Zange Marlas Leben sehr genau und auch wenn ich im Grunde mit dem ziellosen Leben einer Mitwanzigerin, die sich voll und ganz auf das Geld ihrer Eltern verlässt, nicht viel anfangen kann, so kam ich nicht umhin, mit Marla mitzufühlen, als alles über ihr zusammenbricht. Sie hat etwas an sich, dass man sie in den Arm nehmen will, um ihr zu versichern, dass alles gut wird.

Sprachlich mit ganz großem Kino bricht die Realität über Marla hinein und schickt sie auf eine Reise zu ihrer Familie, aber auch zu sich selbst. Rohe Gefühle reißen tiefe Wunden, die sich nur langsam wieder zu schließen beginnen, als Marla scheinbar endlich eine Richtung findet und alles doch ein bisschen okay ist.

Ein kurzes, tolles und noch dazu sprachlich gewaltiges Buch. Wer Sarah Kuttners 180 Grad Meer oder Anne Köhlers Ich bin gleich da mochte, wird Realitätsgewitter von Julia Zange lieben.

Realitätsgewitter

Gebundene Ausgabe: 157 Seiten
Verlag: Aufbau Verlag; Auflage: 1 (14. November 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3351036582
ISBN-13: 978-3351036584

Vielen Dank an netgalley.

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7 thoughts on “Realitätsgewitter – Julia Zange

  1. Mir hat das Cover auch sofort gefallen und der Klappentext ebenso. Ich war dann tatsächlich überrascht, als ich hier und da gesehen habe, dass das Buch so ein dünnes Ding ist. Umso besser, wenn man dann jetzt liest, dass jeder Satz seinen Platz findet.

    Das Buch steht definitiv auf der Wunschliste, aber du hast mich jetzt ganz kribbelig gemacht.
    Ich hab zwar Sarah Kuttners 180 Grad Meer noch nicht gelesen, es wartet aber schon lange genug darauf.

    Liebe Grüße
    Rebecca

  2. Ich fand schon 180 Grad Meer von Sarah Kuttner wirklich enttäuschend, dabei wollte ich es wirklich mögen. Julia Zange habe ich vor kurzem auf ihrer ersten Lesung zu diesem Buch erlebt und ich muss sagen, ich kann, wie du es nennst, mit dem „ziellosen Leben einer Mitzwanzigerin, die sich voll und ganz auf das Geld ihrer Eltern verlässt“ auch nichts anfangen, noch weniger, wenn sie in Berlin lebt. Ich musste während der Lesung andauernd an den Begriff „Befindlichkeitsprosa“ denken. Aber gut, dass es dir anders geht.

    1. 180 Grad Meer fand ich zwar insgesamt toll, aber hättest du mich in der Hälfte gefragt, hätte ich vermutlich das gleiche gesagt, wie du^^

  3. Zwischenzeitlich mal etwas zu lesen, was nicht vieler aber dafür innige Worte bedarf, ist absolut meins. Das Buch stand bisher auch ziemlich weit oben auf meiner >to-watch< Liste. Speziell nach meinen Abenteuern mit Sarah Kuttner, lächelt mich "Realitätsgewitter" besonders an.
    Wird dann ganz bald gekauft.

    LG,
    Sandy

  4. Ich habe jetzt schon öfter Bücher gesehen, über die Mittzwanziger, die noch finanziell von den Eltern abhängig sind oder total orientierungslos und lebensfremd sind…und dabei muss ich unweigerlich denken… Wie kann das sein?
    Ich habe schon mit 16 begonnen meine Auswanderungspläne zu schmieden. Das einzige was mich abhielt war das Abitur, dass wollte ich unbedingt machen. Ab dem Abitur war ich dann auf eigenen Füßen, bin weg und habe gearbeitet um mir das Studium zu finanzieren. Ich wäre nie auf die Idee gekommen mich von meinen Eltern abhängig zu machen. Tatsächlich musste ich sogar zwischendurch mein Studium abbrechen, weil das Geld nicht einmal für Dosensuppe reichte. Was Einen nicht umbringt, macht nur stärker.
    Ich finde es wichtig, früh zu lernen, wie die Welt funktioniert und wie man darin überlebt, wie man alleine klar kommt, dass es nicht immer alles toll ist und wie man mit Rückschlägen umgeht.
    Gut, Menschen sind unterschiedlich und werden auch unterschiedlich erwachsen und manche werden es scheinbar nie :) Aber ich weiß nicht, mit Mitte zwanzig hatte man doch schon viele Jahre des Erwachsenseins.

    Aber ich mag dünne Bücher, mit dichter Sprache. Das ist mir ungeheuer sympatisch. Die sind meist viel besser und intensiver. Ich lese ungerne dicke Bücher, mit wenig Handlung, die mich dann auch noch von der Sprache enttäuschen.

    Lg, Anja

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