Über Fortunas Launen…

Als ich am Samstag vor meinem Geburtstag letzte Woche im Badezimmer stand und die Waschbecken geschrubbt habe, hatte ich mein Handy in der Tasche meines Kaputzenpullis und die Kopfhörer auf den Ohren. Eigentlich war ich gerade live dabei, wie Jonah Durham Rupert Hillock endlich all das heimzahlen wollte, was er ihm über all die Jahre angetan hatte und ganz nebenbei wurden die Waschbecken sauber. Und plötzlich fiel mir etwas ein…

Es ist eine Ewigkeit her und vermutlich erinnere ich mich nur so genau, weil es eben an meinem Geburtstag war. Eine gute Freundin meiner Mutter schenkte mir, unter anderem, ein Buch, noch dazu ein sehr dickes. „Das Lächeln der Fortuna“ stand auf dem Cover, das ich unschlüssig anstarrte. Ein Danke kam mir über die Lippen, währenddessen erklärte die Freundin meiner Mutter, wie sie auf dieses Buch gekommen war. „Weil du dicke Bücher magst. Und Pferde. Die Buchhändlerin hat gesagt, das würde dir gefallen.“

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War das echt ihr ernst? Das konnte sie nicht ernst meinen. An sich war das ja nicht falsch – gegen dicke Bücher hatte ich gar nichts, schließlich hielten die ein bisschen länger und ja, Pferde mochte ich. Früher mal. In den Geschichten vom Ponyhof Kleines Hufeisen und der Wendy, aber ich bin nie geritten, hatte nie ein Pferd und abseits von Geschichten aus Büchern auch überhaupt keinen Bezug dazu. Und überhaupt – woher nahm die Buchhändlerin, die mich überhaupt nicht kannte, die Gewissheit, dass mir dieses Buch gefallen würde?

Ich bedankte mich nochmal, in der Hoffnung, dass es glaubwürdig klingen würde, legte das Buch zu den übrigen Geschenken und beschloss, dass es vermutlich niemandem auffallen würde, wenn ich es einfach nicht las.

Etwa eine Woche später stand wieder eine Familienfeier an – diesmal allerdings eine, bei der ich nicht mehr tun musste, als Kuchen essen und nett lächeln, den Rest der Zeit war mir langweilig. So furchtbar langweilig, dass ich kurz davor war, schlechte Laune zu bekommen und mir nicht zu helfen wusste. Fernsehen war keine Option und ich hatte nichts zum Lesen. Wobei, doch. „Das Lächeln der Fortuna“ lag noch immer auf dem Aquarium im Wohnzimmer, wo ich es nicht weggeräumt hatte. Lust darauf hatte ich immer noch keine, aber, so ging mir auf, es wäre tatsächlich besser, eine Weile in einem blöden Buch zu lesen und damit beschäftigt zu sein, als mich meiner miesen Laune weiter hinzugeben und früher oder später auch allen anderen damit auf den Nerv zu gehen. Ich nahm es also vom Aquarium herunter, legte mich auf die Couch und schlug es auf.

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Am Ende des Tages hatte ich die ersten dreihundert Seiten weggelesen und war vollkommen gefangen zwischen Schwertern im englischen Mittelalter, Ränkeschmieden und der ungeheuerlichen Geschichte um Robin of Waringham – oder besser gesagt dessen, was nach dem Tod seines Vaters davon übrig geblieben war. Es dauerte nicht lange und ich hatte das Buch durch – und begann es noch am gleichen Tag wieder von vorne. Ich war so begeistert, dass ich plötzlich nur noch Bücher von Gablé lesen wollte – was dann auch zum Problem wurde, weil es kaum welche gab. Ein paar Krimis, ja, aber das war wirklich nichts für mich. Außerdem wollte ich ja mehr über das Mittelalter wissen. Aber es gab nichts. Verdammt. Also, zumindest keine Fortsetzung. „Das zweite Königreich“ und „Der König der purpurnen Stadt“ waren zwar schon erschienen, aber nicht als Taschenbuch (und es sollte ja im Regal passen!) und abgesehen davon hatte das ja gar nichts mit Robin of Waringham zu tun und konnte deswegen nur blöd sein.

Aber das war es nicht. Sicher, es gab keinen Robin mehr und auch keinen Duke of Lancaster, aber König Edward und der schwarze Prinz waren auch okay, genauso wuchs mir Jonah ans Herz. Später kamen dann Caedmon, Aliesa und Edward der Bekenner dazu. Und dann folgten schließlich weitere Waringham-Romane, die zwar auch keinen Robin mehr hatten, dafür aber Raymond, in den ich über alle Maßen verliebt war. Dann kam Julian, den mochte ich nicht so sehr, die Geschichte um ihn herum dafür umso mehr. Nicholas erinnerte mich dann wieder ein bisschen an Jonah, was nicht zuletzt an seiner Schwärmerei für die Prinzessin lag und zu guter letzt kamen dann noch Isaac und Eleanor, die ihren ganz eigenen Charme mitbrachten und eine neue Ära einläuteten.

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Ich kann nicht sagen, was genau es ist. Ich lese sonst keine Historischen Romane, sie können mich einfach nicht packen. Es sind auch nicht die Pferde, mit denen habe ich immer noch keinen Vertrag (und es würde vermutlich auch ohne funktionieren). Aber als letztlich jemand fragte, zu welchem Feel-Good-Buch ich immer wieder greife, wenn ich etwas brauche, das mir ein vertrautes Gefühl gibt, kam Gablé wie von selbst als Antwort. Je nach Stimmung greife ich das passende, meistens ist es jedoch „Das Lächeln der Fortuna“ oder „Die Hüter der Rose“. In 2015 war Rebecca Gablé auf der Frankfurter Buchmesse und ich bin sonst echt kein Fangirl, aber dort musste ich hin. Dank Mandy habe ich sogar ein Foto (auf dem ich ausnahmsweise tatsächlich lächle – es muss also ein wundervoller Moment gewesen sein!). Sie fragte mich, wieso um alles in der Welt ich „Die Hüter der Rose“ mitgeschleppt hatte, es sei doch so dick und ich brachte nur ein Wort über die Lippen: Raymond. Danach mussten wir beide Lachen.

Ich könnte ewig so weiter machen, aber das wird euch wohl kaum dazu bringen, die Bücher zu lesen. Und trotzdem sitze ich heute hier und schreibe diesen Beitrag, weil ich gerade den letzten Teil von Jonah beendet habe und mich wohl ab Morgen dem ersten Teil von Robin widmen werde, nachdem ich meine Hörbuch-Guthaben in die Hörspielversionen investiert habe. Das wird ein längeres Projekt und ich werde mal wieder warten müssen. Vielleicht, wohlmöglich ganz sicher, werde ich irgendwann in der Zwischenzeit wieder eins der Bücher zu Hand nehmen und nochmal lesen.

Ich hatte bis zu diesem Moment letzte Woche, als ich putzend am Waschbecken stand, vergessen, wie all das angefangen hatte, wie lange das schon so geht und das ich immer wieder in mich hinein lächeln muss, wenn ich an diese Geschichten denke oder mich damit beschäftige. Hätte man mich damals zu meinem Geburtstag in die Buchhandlung mitgenommen oder mir einen Gutschein geschenkt – ich hätte mir Gablé wohl nie ausgesucht. Die Buchhändlerin hatte – aus mir unbegreiflichen Gründen – tatsächlich recht, auch wenn das wohl nicht absehbar war. Aber so ist das manchmal. Manchmal findest du ein Buch, und ein andermal findet das Buch dich.

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Falls ich jetzt doch den ein oder anderen anfixen konnte – was ich natürlich hoffe – liste ich hier gern nochmal die bereits erschienenen und auch kommenden Bücher auf. Besonder empfehlen kann ich für Neulinge tatsächlich die Hörspiele, ich glaube, so kommt man am besten rein und abgesehen davon empfinden es die meisten wohl als sehr angenehm, wenn Detlef Bierstedt (die deutsche Stimme von George Clooney) die Geschichte erzählt. Zumindest ging mir das so.

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Waringham-Saga

Das Lächeln der Fortuna || Die Hüter der Rose || Das Spiel der Könige || Der dunkle Thron || Der Palast der Meere

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Jonah

Die Lehrjahre || Der Aufstieg || Das Imperium

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Robin

Die Flucht || Die Wende || Die Rückkehr

Weitere Historische Romane von Rebecca Gablé:

Die Siedler von Catan || Das zweite Königreich || Hiobs Brüder || Der König der purpurnen Stadt || Das Haupt der Welt || Die fremde Königin

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13 thoughts on “Über Fortunas Launen…

  1. Ich habe damals „Die Siedler von Catan“ von Gablé gelesen und war durchaus positiv überrascht. Irgendwann folgte dann nochmal ein zweites Buch, dessen Titel mir jetzt aber partout nicht einfallen will. Und auch das fand ich ziemlich gut.

    Dass ich seitdem keine weiteren Bücher mehr von ihr gelesen habe, kann ich nur mit der Aufmachung der Bücher in Zusammenhang bringen. Ich finde die Cover usw. einfach unheimlich kitschig. ;-) Irgendwie erinnern die mich optisch an die älteren Bücher von Diana Gabaldon – und bei Gabaldon ergreife ich sofort die Flucht! :-)

    1. Echt, findest du? Ich finde gerade die neuen Cover echt hübsch und wenig kitschig, aber vermutlich auch, weil ich den Inhalt kenne und der so gar nicht kitschig ist.
      Falls du noch weißt, worum es in dem Buch ging, kann ich vllt helfen, rauszufinden, welches es war ;)

  2. Ich hatte beim Lesen gerade eine Gänsehaut! Besonders gut gefällt mir „Manchmal findest du ein Buch und manchmal findet das Buch dich.“ Wirklich schön geschrieben und richtig interessant wie es dazu kam, dass du die Reihe gelesen hast!

  3. Super schöner Beitrag! Ich habe auch schon ein paar Bücher geschenkt bekommen, die ich mir selbst nicht ausgesucht hätte, vielleicht sollte ich mich mal dazu durchringen, sie auch zu lesen. Ich erwarte da aber wirklich nicht so eine Überraschung, wie du sie erlebt hast.
    Die Bücher von Rebecca Gablé wurden uns in einem Medieval English Seminar in der Uni ans Herz gelegt, weil die Autorin an der gleichen Universität war und es auch thematisch passt, weil sie darauf achtet, historisch korrekt zu schreiben. Du hast mich jetzt zumindest schon mal überzeugt, „Das Lächeln der Fortuna“ auf meine Wunschliste zu packen :)

  4. *seufz* Was für eine schöne Liebeserklärung an die historischen Romane von Rebecca Gablé. Mich muss man nicht mehr überzeugen, aber ich kann tatsächlich nur jedem raten, sich von dir zum Lesen dieser tollen Romane überzeugen zu lassen.

    LG, Moni

  5. Ich bin grade über Twitter über deinen Blog gestolpert.
    Du sprichst mir hier aus dem Herzen: Ich liebe die Bücher von Rebecca Gablé. Besonders „Der König der purpurnen Stadt“ gefällt mir. Aber die Waringham-Saga gehört auch zu meinen Lieblingen. Hach, was würde ich dafür geben, die Bücher noch einmal zum ersten Mal zu lesen, ich habe damals die ersten drei Waringham-Bücher quasi am Stück gelesen und es war einfach nur wunderbar :)

    Liebe Grüße,
    Lena

  6. Was für eine schöne Anekdote! Bücher haben mich früher auch durch die ein oder andere Familienfeier gerettet ;) Ich kenne mich bei Gablé gar nicht aus, aber jetzt bin ich tatsächlich etwas angefixt. Blicke allerdings noch nicht so richtig durch, fängt man jetzt am besten mit dem Fortunalächeln an?

    1. Also, die Waringham-Saga hat 5 Teile, davon ist Fortuna der erste. Die funktionieren natürlich auch eigenständig, bauen aber historisch aufeinander auf. Wenn du lieber mit einem Einzelband anfangen würdest, so ohne Druck, dann Der König der purpurnen Stadt – daruf würde dann auch Fortuna aufbauen (fängt dann ungefähr 10 Jahre später an). Und falls das hift: Bei den Hörspielen finde ich bisher Jonah (also Der König der Purpurnen Stadt) besser gesprochen. Fortuna ist an sich mehr Krieg, der König zwar auch, aber vordergründig spielt alles mehr in der ondoner Tuchhändlergilde, also da, wo das Geld für den Krieg herkam^^

      1. Aah, danke für die Erklärung. Ich hatte nicht so richtig gecheckt, dass es von z.B. dem König der purpurnen Stadt sowohl ein Hörbuch als auch eine Hörspieladaption gibt. Ich dachte die Hörspiele wären noch mal eine extra Geschichte, deshalb war ich verwirrt.

  7. Ich kann mit historischen Romanen ja seit Ken Folletts „Säulen der Erde“ (wie kann man bitte 1000 Seiten über den Bau einer Kathedrale schreiben???) so überhaupt gar nichts mehr anfangen – mit Ausnahme von historischen Kriminalromanen, wobei es mich da meistens eher ins viktorianische Zeitalter verschlägt, das Mittelalter ist irgendwie nicht so meins.

    Interessanterweise hast du mir mit deinem Bericht jetzt aber doch irgendwie Lust auf die Bücher gemacht und ich werde mir wohl zumindest die neuen Hörspiele doch mal ein wenig genauer anschauen, vor allem wenn du sagst dass diese sich gut zum Einstieg eignen würden. Und da du ja mit historischen Romanen ja sonst anscheinend auch nicht viel am Hut hast, sollte ich dem ganzen vielleicht mal eine Chance geben ;)

    1. Bei Ken Follet hab ich auch aufgegeben – selbst die Serie hab ich damals nicht geschafft… Freut mich dennoch, wenn ich dir Lust machen konnte und ich hoffe, dass es dir dann auch gefällt! Aber ich bin fast sicher, dass das was für dich sein könnte :)

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