Das Umgehen der Orte – Fabian Hischmann

Kurzbeschreibung

Lisa friert nicht. Sie kann es einfach nicht. Schwitzen dafür umso mehr. In den Sommermonaten flüchtet sie ins Eisstadion und stellt sich vor, es hätte sie noch weitaus schlimmer treffen können als in Südwestdeutschland. Etwa in Bangkok oder Miami. Und dann zieht Anne ins Nachbarhaus, ein Anti-Mädchen mit Gletscheraugen und einem Plan im Gepäck … Wie Lisa und Anne sind alle Figuren in »Das Umgehen der Orte« Geheimnisträger, deren Wege sich kreuzen und Schicksale aufeinanderprallen. Einige trägt es hinaus in die Welt, nach Melbourne oder auf die Westmännerinseln, andere zieht ihre Last bis auf den Grund. Was zählt sind Freunde – die Familie, die man sich aussucht, wie es heißt. Mit ihnen teilt man alles: Träume, Ängste, die miesen Momente und die richtig guten.


Rezension

Die große Frage nachdem ich das Buch zuklappte, war: Was zum Teufel hab ich da gelesen? Das war kein neues Gefühl, denn genauso ging es mir bei Fabian Hischmanns erstem Buch. „Am Ende schmeißen wir mit Gold“ hatte ich damals in Leipzig gekauft, weil Sandy mir so von der Lesung vergeschwärmt hat. Als ich zu Hause war, hab ich es gelesen, wusste aber erst nicht so recht, was ich damit anfangen sollte. Erst später stellte sich ein Verständnis dafür ein und genauso war es dann auch hier. Als ich „Das Umgehen der Orte“ in der Vorschau gesehen hatte, wusste ich, dass ich es haben muss. Aber erst Fabian hat mich durch seine Begeisterung dazu gebracht, es auch direkt zu lesen.

Wer eine klassisch erzählte Geschichte erwartet, ist bei Fabian Hischmann an der falschen Adresse. Es scheint zwar zu Beginn, dass sich die Geschichte um Lisa, Anne und vielleicht auch ein bisschen um Magnus dreht, letztendlich ist das aber nur eins der vielen Fragmente, die sich am Ende zwar zusammen finden, aber immer noch in einem gewissen Abstand zueinander stehen. Ich will nicht sagen, dass es mutig ist, ein Buch zu veröffentlichen, das so sehr von der klassischen Erzählstruktur abweicht, denn das sollte es nicht sein. Vielmehr sollte es mehr solcher Bücher geben, die einen zwingen, am Ball zu bleiben, aufzupassen und wirklich mitzukriegen, wie das alles zusammengehört. Aber dazu braucht es natürlich auch Leser, die sich fordern lassen. Wer sich allerdings darauf einlässt, bekommt viel zurück. Und zumindest das Ende bietet den bis hierhin noch unzufriedenen einen kleinen Abschluss.

Eine große Stärke des Buches sind die vielen, unterschiedlichen Charaktere. Mitten aus dem Leben gegriffen, mit Ecken und Kanten, meistern sie ihre Leben mal mehr, mal weniger gut – kämpfen, straucheln, laufen nach vorn und fallen zurück, lassen sich dabei aber nicht verbiegen. Eine andere Stärke ist die klare Sprache. Fabian Hirschmann braucht nicht viele Worte, um die Dinge auf den Punkt zu bringen. Manche Sätze schmerzen, andere sind wunderschön. Vieles wird genau beschrieben, anderes bleibt der Phantasie des Lesers überlassen und wird dadurch nur noch bedeutungsvoller. Man kann kaum anders, als dieses Buch in einem Rutsch durchzulesen und sich anschließend zu wundern, wieso es schon wieder vorbei ist.

Ich wünsche mir, das Fabian Hischmann viele Leser findet denn die hat er verdient. Er schreibt über echte Menschen und ich behaupte, dass sich jeder Leser irgendwo ein kleines bisschen wieder findet.

Weitere Rezensionen:

Herr Booknerd || Skys Buchrezensionen

Das Umgehen der Orte

Gebundene Ausgabe: 208 Seiten
Verlag: Berlin Verlag (12. Januar 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3827012929
ISBN-13: 978-3827012920

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