What the FOMO?!

FOMO ist eine Abkürzung und steht für fear of missing out, auf deutsch: die Angst, was zu verpassen. Es gibt unzählige Posts auf Lifestyle- und Beauty-Blogs, die sich damit beschäftigen, meist gehts um ganz banale Dinge, weil man selbst als hauptberuflicher Blogger einfach nicht alles mitnehmen kann, was so geht. Viel Mimimi auf hohem Niveau, aber ich will heute auf etwas anderes hinaus.

Photo by Cristina Gottardi on Unsplash

Aber was hat das jetzt mit Büchern zu tun?

Ganz einfach – immer wieder tauchen bestimte Bücher plötzlich überall auf. Fast jeder Blogger bespricht sie, jeder zweite Instagram-Post zeigt dieses eine Buch und es hat zumindest den Anschein, als würde jeder, wirklich jeder dieses eine Buch lieben – außer dir. Klar, du hast es in der Vorschau gesehen, aber es hat dich nicht wirklich interessiert. Bis jetzt. Aber wenn es alle anderen haben und lieben musst du auch, oder? Wobei, eigentlich interessiert es dich immer noch nicht, aber…

… irgendwas muss ja dran sein, wenn es alle lesen, oder?

Ich weiß nicht, wie oft mir das schon so ging. Ich hab aufgehört zu zählen. Und auch wenn ich mir einbilde, dass ich eigentlich ziemlich immun dagegen bin, ertappe ich mich doch dabei, wenn ich mal wieder auf ‚bestellen‘ klicke, bevor ich wirklich drüber nachgedacht habe. Man könnte ja was verpassen! Und genau das Nachdenken ist der Punkt. In den seltensten Fällen ist es ein wirklich ein zu recht gehyptes Buch, um das es geht, sondern einfach nur cleveres Marketing. Denn natürlich haben die vermeintlichen Toptitel der Verlage ein größeres Kontingent an Rezensionsexemplaren und tauchen dementsprechend öfter auf. Nur weil ein Instagramer das Buch schön inszeniert, heißt das noch lange nicht, dass er oder sie es wirklich als geilen Scheiß empfindet. In einer perfekten Welt würde man nur die Bücher in die Kamera halten, die man wirklich mochte, aber ein cooles Cover richtig inszeniert gibt nunmal ein geiles Foto und viele Likes, noch dazu möchte man ja auch irgendwie dem Verlag sagen ‚Hey, danke, dass du an mich gedacht hast‘.

Und trotzdem springen wir drauf an.

Es ist schon lange her, dass ich Marketing in der Schule hatte, was aber hängen geblieben ist, ist dass einem ein Produkt 3-5 mal in einem postiven Zusammenhang begegnen muss, um einen Reiz auszulösen. Und je positiver, desto größer der Reiz, ist klar, oder? Vielleicht schüttelt ihr jetzt mit dem Kopf, vielleicht glaubt ihr, ihr seid überlegen und könnt dem widerstehen und vielleicht habt ihr in einigen Fällen sogar recht, aber ich wette, manchmal erwischt es auch euch.

Manchmal zahlt sich Abwarten und Tee trinken aus.

Das Ding ist aber – in den meisten Fällen trügt einen das eigene Bauchgefühl nicht. Wenn einen das Buch in der Vorschau überhaupt nicht angesprochen hat, stehen die Chancen gut, dass das auch so bleibt. Wie oft verleitet einen genau sowas zu impulsiven Käufen, die am Ende doch Ewigkeiten im Regal stehen bleiben? Und wie oft ist es schon passiert, dass ihr unter einem Instagram-Foto gefragt habt, wie derjenige das Buch denn fand, weil es euch jetzt nicht so geflasht hat und ihr zur Antwort bekamt, dass das Buch trotz einer wortgewaltigen und begeisterten Caption (noch) nicht gelesen wurde? Oder ihr bekommt einfach gar keine Antwort. Ihr verpasst nichts, was ihr ohnehin nicht wolltet. Vielmehr macht es oft Sinn, erstmal abzuwarten und zu sehen, was andere wirklich zum Inhalt sagen, bevor man Geld ausgibt, das man lieber in ein Buch gesteckt hätte, dass man wirklich wollte – und nicht nur geglaubt hat, es zu wollen.

Aber dann ist da ja auch noch der Druck.

Schwierig wird’s vor allem dann, wenn das Buch nicht nur omnipräsent ist, sondern gerade auch von Personen gezeigt wird, deren Meinung man schätzt und letztendlich ist da immer diese Angst, was zu verpassen. Man möchte ja auch mitreden und nicht immer der letzte sein, der irgendwas für gut befindet. Aber man ist nicht der letzte. Man wird auch nie der letzte sein. Das schöne an guten Geschichten ist ja, dass sie zeitlos sind. Sie laufen einem nicht weg und man kann sich auf sie stürzen, wenn man wirklich Lust drauf hat – und nicht wenn man das Gefühl hat, dass man es muss.

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13 thoughts on “What the FOMO?!

  1. Hallo Yvonne!

    Bei mir ist es eher umgekehrt, wenn ein Buch so extrem gehyped wird, lass ich erst Recht die Finger von ;-)
    Ich warte dann nämlich erst einmal den Hype ab und gucke mir dann ganz in Ruhe die Meinungen dazu an – und mir macht es nichts aus im Zweifelsfall ein Buch auch erst viel später zu lesen – wird ja nicht schlecht, gell?
    Ich finde es total langweilig, wenn man beim Blogsurfen immer wieder über das eine – neue – Buch stolpert – es gibt soooo viele schöne Bücher, die es verdient haben gelesen und besprochen zu werden.
    Die Gehypten haben es in den seltensten Fällen wirklich verdient, wahrscheinlich müssen sie deshalb so extrem beworben werden ;-p

    In dem Sinne: auf die ungehypten schönen Bücher!

    Liebe Grüße
    Kerstin

  2. Und das Schlimme an Büchern ist, man kann sie nicht mal kurz konsumieren, man sollte sich schon ein wenig Zeit nehmen für sie. Ich kann sowohl Kerstin, als auch Yvo verstehen, kenne beide Tendenzen. Meist landen die Bücher dann auf Leselisten und wenn ich dazu komme, lese ich sie. Ich finde FOMO im Geschichtenbetrieb grundsätzlich viel schlimmer. Auch ganz abgesehen von den gehypten Sachen: Es gibt so viele Bücher, Filme, Serien und was noch alles, dass ich ganz oft das Gefühl habe, nicht die Zeit für alles zu haben. Aber ich arbeite dran.

    Lächeln, Fabian.

  3. So geht es mir besonders mit Jugendbüchern. Eigentlich weiß ich sehr genau, dass mir diese nicht mehr gefallen, aber ich folge noch relativ vielen Booktubern, die diese noch lesen und anpreisen und da landet häufig das eine oder andere doch noch auf meiner Leseliste. Ich bin aber wenigstens soweit im Kopf, dass ich diese nicht mehr kaufe, sondern in der Bibliothek ausleihe. Und welch Überraschung: Trotz Omnipräsenz auf Booktube und so vieler begeisterter Stimmen (natürlich hauptsächlich in Hauls, nicht Rezensionen wie du schon angesprochen hast) gefällt es mir fast nie. Der FOMO hat sich also bei mir schon ein bisschen gebessert, aber manchmal „überkommt“ er einen einfach. :D

  4. Jaaahaaaa! Das ist echt ein fieses Problem, das ich gut kenne. Ich kann mich zwar was das Kaufen geht oft gut beherrschen, aber ich merke trotzdem wie ich an manche Bücher immer wieder denke und sie kaufen möchte, weil sie mir oft begegnen und attraktiv aussehen. Allerdings kann man ja manchmal auch Glück haben und durch so einen Hypekauf an ein Buch geraten, das man sonst nie gelesen hätte, weil es zB außerhalb der Komfortzone liegt, und dass eine, richtig gut gefällt.

  5. Die Erkenntnis, dass man etwas, was man von Anfang an gar nicht wollte, gar nicht verpassen kann, ist eigentlich echt clever. Mich stört es auch manchmal, wenn ich bei den aktuellen Hypes nicht mitreden kann, aber ich lese praktisch nie Neuerscheinungen und habe mich deshalb einfach dran gewöhnt. Früher war das mal anders, aber Bücher die mich nicht von selbst angesprochen haben, möchte ich auch durch einen großen Hype nicht lesen. Zumal er ja meist eh nicht berechtigt ist, wie du schon festgestellt hast. Wenn ich ein Buch 20x täglich sehe, habe ich aber auch automatisch keine Lust mehr darauf, weil ich einfach schon übersättigt bin.

  6. Hi,

    tatsächlich muss ich sagen, dass ich dieses Gefühl, wenn überhaupt, immer nur kurz habe. Bei gehypten Büchern bin ich grundsätzlich skeptisch und warte ab. Und wenn mich ein Buch so richtig antriggert, dann gehe ich in die Buchhandlung und lese rein. Wenn es mich nicht interessiert, dann bleibt es liegen. Da können die Stimmen noch so begeistert sein, wenn es nicht zu mir passt, darf es nicht mit zu mir nach Hause :D
    Bei Rezensionsexemplaren bin ich immer ehrlich. Gefällt mir ein Buch richtig gut, schreibe ich das. Wenn es okay war, schreibe ich auch das, aber mit der Begründung, dass es vielleicht einfach nicht mein Fall war. Anderen kann es ja super gefallen.
    Ein schöner Artikel, der einen zum Nachdenken bringt.

    Liebe Grüße
    Nina

  7. Hach ja, ich denke immer, irgendwann lern ich’s und dann … manchmal klappt es auch ganz gut, dass ich mich etwas zurückhalte, allerdings muss mich dazu das Buch im ersten Moment echt nicht so ansprechen. War sowieso schon ein Grundinteresse da, gibt’s bei mir meistens kein Halten mehr, sobald mir das Buch im Laden über den Weg läuft. Meistens geht’s gut, aber manchmal wünschte ich echt, ich hätte das Geld dafür nicht ausgegeben (zuletzt z.B. „Den Mund voll ungesagter Dinge“ – hätte ich da mal eine Woche länger gewartet, die Negativreaktionen hätten die Versuchung sehr schnell gedämpft).
    Aber ich glaube, es hilft schon ein ganzes Stück, darüber Bescheid zu wissen, dass es so läuft. Mir fällt es immer leichter, auch einfach mal vom Kauf abzusehen und zu warten. Klappt nicht immer, aber immer öfter. (Bis ein anlassgebunder Buchkaufrausch kommt, aber nun ja.)

  8. Liebe Yvonne,

    oh mann, du triffst den Nagel voll auf den Kopf. Ich habe definitiv nicht den Kopf geschüttelt, sondern musste leider bestätigend nicken. Natürlich versucht man sich einzureden, dass diese Bilder und Postings bei Facebook & Co. keine Wirkung auf einen haben, aber eigentlich belügt man sich damit nur selbst. Mir zumindest geht es so. Erst letzten Monat habe ich wieder einige Bücher gekauft, weil sie gerade in aller Munde sind und ich unbedingt wissen wollte, ob sie wirklich so gut sind, wie alle sagen. Ich weiß nicht, ob ich das schlimm finden soll oder nicht. Letztendlich finde ich es schön, dass es offensichtlich nicht nur mir so geht. Aber andererseits setzen wir uns alle gegenseitig unter Druck. Auch nicht gerade toll. Ich habe keine Ahnung, ob man dem entkommen kann oder überhaut entkommen will.

    Liebe Grüße
    Ella <3

  9. Auch hier kann ich nur sagen – ein wirklich toller Beitrag!
    Vielen lieben Dank dafür.
    ICh selbst kann mich davon leider auch nicht ganz freisprechen…versuche es aber immer wieder mal ein bisschen „lockerer“ anzugehen und mich nicht selbst unter Druck zu setzen ;)

    Liebe Grüße <3 Jill

  10. Ich bin froh, dass ich meistens zu geizig bin, um jeden Hype mitzumachen. Ich überlege mir immer ganz genau ob ich ein Buch kaufen will, oder nicht. Meistens lasse ich das Buch eine Zeit auf der Wunschliste und wenn ich es ein paar Monate später noch interessant finde, kaufe ich es. Natürlich macht ein Hype neugierig auf das Buch und wenn es meinen Lesegeschmack trifft, oder ein interessantes Thema hat, dann denk ich natürlich darüber nach. Und manchmal bin ich auch ganz froh über diese Hypes, weil man so auf ein Buch aufmerksam wird, was man sonst vielleicht nicht in die Hand genommen hätte.

    Viele Grüße, Anja

    1. Was ich noch vergessen habe:
      Schade finde ich eigentlich nur, dass die Bücher nach dem Hype wieder vergessen werden. Ich würde mir wünschen, dass auch die älteren Titel mehr Aufmerksamkeit bekommen. So hat das leider einen faden Konsum-Beigeschmack. Es gibt so viele Bücher, die schnell wieder vergessen sind, obwohl sie solch eine tolle Qualität haben.

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