Als wir unbesiegbar waren – Alice Adams

Kurzbeschreibung

An der Universität sind Eva, Benedict, Sylvie und Lucien unzertrennlich. Als sie Ende der Neunzigerjahre ihr Studium beenden, glauben sie sich am Beginn eines aufregenden Lebens. Die Welt wird für sie nur das Beste bereithalten. Eva plant eine Karriere im Finanzbusiness. Sie will sich sowohl von ihrem Vater, einem bekennenden Sozialisten, als auch von ihrer unerwiderten Liebe zu Lucien befreien. Benedict verschreibt sich der Wissenschaft und hofft weiterhin, Eva für sich zu gewinnen – auch wenn er nicht so genau weiß wie. Die Geschwister Sylvie und Lucien dagegen streben vor allem eines an: ein freies Leben ohne Verpflichtungen und Verantwortung.

Doch im Laufe der Jahre sehen die Freunde sich nur noch sporadisch, alle vier sind damit beschäftigt, ihre Träume und Pläne, die das Leben zu vereiteln scheint, zu retten. Zerbrochene Beziehungen und verhinderte Karrieren bringen sie schließlich wieder zusammen, jedoch ganz anders, als sie es sich vorgestellt hatten.


Rezension

Dem Klappentext nach zu urteilen freute ich mich auf eine Geschichte über tiefe Freundschaft, die auch schwere Zeiten überdauert. Dem Cover nach zu urteilen erwartete mich hier ein nettes Sommerbuch. Bekommen habe ich beides nicht. Das heißt – in der Theorie eigentlich schon, nur hat es in der Praxis für mich nicht funktioniert.

Vom Aufbau her erinnert das Buch ein bisschen an Zwei an einem Tag – zwischen 1995 und 2015 treffen wir die vier Freunde meist im Sommer wieder und erfahren immer aus einer anderen Perspektive was gerade so abgeht. Über die Jahre hinweg entwickeln sich Eva, Slvie, Lucien und Benedikt weiter und nach und nach bleibt von ihren großen Träumen aus der Studienzeit immer weniger übrig. Das fand ich nicht schlecht, weil es natürlich die Realität widerspiegelt. Man bekommt im Leben nicht immer das, was man gern hätte, allerdings nahm ich es ihnen nicht ab.

Im Grunde nahm ich den Charakteren gar nichts ab, da ich einfach mit keinem von ihnen was anfangen konnte. Eva, die mir am Anfang noch am sympathischten erschien, entwickelte sich schnell zur skrupellosen Brookerin, der nur noch ihre Arbeit wichtig war. In den wenigen Szenen mit ihrem Vater, der ihr ja vor allem zum Ende hin ach so wichtig war, zeigt sie sich nur in der Offensive, ständig bereit, ihren Job vor ihm zu rechtfertigen, komme was wolle, statt auch nur einmal auf ihn einzugehen. Und abgesehen von den paar Streitszenen bekommt man von ihm gar nichts mit, also fällt es mir schwer, ihre Trauer zum Ende nachzuvollziehen. Lucien und Sylvie hingegen sind eigentlich das coole Geschwisterpärchen der Gruppe. In einem anderen Buch wären sie vermögend und würden vom Wohlstand ihrer Eltern zehren, hier haben sie das nicht, wohl aber die gleichen Wohlstandsprobleme und eine Ziellosigkeit, die mich bisweilen einfach nur wütend gemacht hat. Gerade Lucien, der mit Geld und seiner Attitüde wenigstens ein cooler Aufschneider mit dem Herz am rechten Fleck gewesen wäre, wirkt hier einfach nur armseelig. Und Benedikt, der einzige aus der Gruppe, der zumindest von Anfang an gefestigt scheint, trifft mit Beginn des Buches nur beschissene Entscheidungen oder zögert zu lange. Einzig Sylvie macht eine wirkliche Entwicklung durch und ist wahrscheinlich die einzige, die ich ernst nehmen kann, weil ich ihr wirklich abnehme, dass sie eine Richtung gefunden hat.

Was mich wirklich Nerven gekostet hat, war dieses ewige schwadronieren und hin und her überlegen der Charaktere, um dann doch die eindeutig falsche Entscheidung zu treffen. Alle halten sich für ach so klug und wahnsinnig weise, dabei kommt dabei überhaupt nichts rum. Der Roman möchte so wortgewaltig und hochgestochen wirken, aber das funktioniert halt nicht, wenn die Handlung dahinter nicht mitzieht. Sie verpufft einfach und was bleibt, sind vier gescheiterte Existenzen, die zwanzig Jahre später einen Neuanfang wagen, aber noch genau die selben Idioten wie zu Beginn der Geschichte sind.

Der Gipfel des ganzen sind die Albert Camus-Zitate, die zweimal im Buch auftauchen, aber gegen Ende plötzlich so eine immense Bedeutung haben sollen, dass es wirklich lächerlich wirkt, dass er überhaupt zitiert wird – hat er doch vorher auch nie eine Rolle gespielt.

Dieses Buch hätte für mich so viel besser sein können, wenn man schon in der Studienzeit und nicht erst zu deren Ende eingesetzt hätte; wenn man sich mehr auf das konzentriert hätte, was die Freundschaft der vier ausmacht und nicht, das was sie auseinander treibt und wenn man den Leser mehr an den Geschehnissen hätte teilhaben lassen, anstatt sie immer und immer wieder nur nachzuerzählen. Für mich alles andere als unbesiegbar.

Als wir unbesiegbar waren

übersetzt von Eva Kamper

Gebundene Ausgabe: 336 Seiten
Verlag: DuMont Buchverlag GmbH & Co. KG; Auflage: 1 (19. Juni 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3832198415
ISBN-13: 978-3832198411
Originaltitel: Invincible Summer

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