Small Great Things – Jodi Picoult

Kurzbeschreibung

Ruth Jefferson is a labor and delivery nurse at a Connecticut hospital with more than twenty years’ experience. During her shift, Ruth begins a routine checkup on a newborn, only to be told a few minutes later that she’s been reassigned to another patient. The parents are white supremacists and don’t want Ruth, who is African American, to touch their child. The hospital complies with their request, but the next day, the baby goes into cardiac distress while Ruth is alone in the nursery. Does she obey orders or does she intervene?

Ruth hesitates before performing CPR and, as a result, is charged with a serious crime. Kennedy McQuarrie, a white public defender, takes her case but gives unexpected advice: Kennedy insists that mentioning race in the courtroom is not a winning strategy. Conflicted by Kennedy’s counsel, Ruth tries to keep life as normal as possible for her family—especially her teenage son—as the case becomes a media sensation. As the trial moves forward, Ruth and Kennedy must gain each other’s trust, and come to see that what they’ve been taught their whole lives about others—and themselves—might be wrong.


Rezension

Manchmal ist es vermutlich ganz gut, wenn man nicht dem ersten Impuls nachgibt und in Lobeshymnen ausbricht, sondern sich informiert, nochmal andere Sichtweisen betrachtet und seine eigene Beurteilung daran anpasst.

Ich liebe Jodi Picoult und jedes einzelne ihrer Bücher, das ich bisher gelesen habe. Nicht nur, weil die Geschichten mich berühren, sondern auch weil sie unglaublich gut recherchiert sind und ich beim Lesen immer etwas lerne, von dem ich vorher nichts wusste.

In Small Great Things geht es um Ruth, eine schwarze Krankenschwester und Hebamme, die ein Baby nicht mehr behandeln darf, weil sie eben schwarz ist und die Eltern des Kindes das nicht wollen. Die Baurs sind Ahänger der White Supremacy. Ruth wird von dem Fall abgezogen, aber es kommt zu einem Personalengpass und das Baby hört plötzlich auf zu Atmen. Als Krankenschwester muss Ruth handeln, obwohl sie sich dem Baby laut Anweisung nicht nähern darf. Das Kind stirbt und für die Baurs steht fest: Ruth ist daran schuld.

Was folgt ist eine Geschichte, die für mich als Leserin sehr unangenehm war. Viel zu oft hab ich mich wiedergefunden – und das auf der falschen Seite. Nicht in Turk Baur, zum Glück, aber in der Frau, die unbewusst ihre Tasche an sich nimmt, sobald Ruth den Raum betritt oder in Kennedy, der Pflichtverteidigerin von Ruth, die ‚keine Farben sieht‘ und fest davon überzeugt ist, dass jeder die gleichen Rechte hat, aber gar nicht erkennt, welche Privilegien sie hat, die Ruth auf Grund ihrer Hautfarbe verwehrt bleiben.

Vor allem die Kapitel aus Turks Sicht waren hart. Für mich ist nicht nachvollziehbar, wie man so von Hass zerfressen sein kann und wie man so einen Stuss überhaupt glauben kann, geschweige denn auf andere Menschen logeht, nur weil deren Hautfarbe oder Sexualität nicht meinem Standart enttsprechen. Ich musste immer wieder Pause machen, Picoult hat sich da wirklich sehr tief reinversetzt und das für mich sehr glaubwürdig dargestellt.

Ein bisschen problematischer ist sicherlich Ruths Perspektive, denn Picoult ist eine weiße, priveligierte Frau, die dann plötzlich aus der Sicht einer schwarzen schreibt. Sie erklärt im Nachwort, wie sie recherchiert hat, dass sie mit mehreren Betroffenen gesprochen hat und versucht hat, die Geschichte so realistisch wie möglich zu erzählen, aber ich bin nicht sicher, ob das zu 100% gelungen ist, letztendlich kann ich das aber auch nicht beurteilen.

Zum Ende hin wird es sowohl ein bisschen dramatisch als auch hahnebüchen – mir ist zwar klar, dass das mit Brittanys Mutter möglich ist, aber es wirkt einfach eine Spur zu viel und zu konstruiert, genauso das, was daraus folgt. Und auch Turks Wandlung ist glaube ich zu schön, um wahr zu sein. Es ist halt am Ende wirklich alles gut und das nehme ich dem Buch einfach nicht ab.

Für meinen Teil allerdings kommt die Message am Ende des Buches an, sie bringt mich zum Nachdenken, Reflektieren und dazu, darüber reden zu wollen. Und ich denke, allein das ist schon viel wert. Und ich denke auch, dass es darauf abzielt. Picoults Zielgruppe sind nicht die Ruths, denen dieses Unrecht jeden Tag widerfährt, sondern die Kennedys, die sich selbst nicht für rassischtisch halten, aber auch nichts dazu beitragen, dass sich etwas ändert.

Roxane Gay hat für die New York Times eine sehr ausführliche Besprechung geschrieben, die ich euch verlinke (englisch), weil sie eben meiner Lobeshymne ein bisschen Einhalt geboten hat. Viele (englischsprachige) Rezensionen haben den gleichen Tenor, obwohl das Buch im großen und ganzen nur Lob empfangen hat und als das Nonplusultra gelobt wird. Das ist es einfach nicht und trotzdem hoffe ich, dass es alle, die es lesen, zum Nachdenken bringt.

Kleine große Schritte erscheint am 2. Oktober 2017 bei C. Bertelsmann auf deutsch. Eine Verfilmung mit Viola Davis und Julia Roberts ist in Planung.

Small Great Things

Taschenbuch: 480 Seiten
Verlag: Ballantine Books (11. Oktober 2016)
Sprache: Englisch
ISBN-10: 0425286010
ISBN-13: 978-0425286012

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One thought on “Small Great Things – Jodi Picoult

  1. Ich finde es richtig gut wie kritisch und reflektiert du über das Buch schreibst. Ich hatte bisher nichts davon gehört, aber es ist an sich ja kein Einzelfall, dass (privilegierte) Autoren über ein provokantes Thema schreiben und dafür in den Himmel gelobt werden ohne dass überhaupt mal auf die betroffenen Stimmen gehört wird, die das ganze als viel weniger authentisch oder gelungen entlarven könnten. Ich falle auf sowas auch schnell rein, aber ich lerne Stück für Stück dazu mich in solchen Fällen einfach mal etwas gezielter zu informieren und auf die Stimmen zu hören, die es tatsächlich beurteilen können.

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