AutorInnen und Rezensionen – eine Hassliebe.

Eigentlich sollte das ein Post über das markieren von AutorInnen in Rezensionen werden, aber in Anbetracht der aktuellen Diskussion wird das vielleicht etwas umfangreicher…

Das Thema kommt immer mal wieder auf, meistens dann, wenn AutorInnen darum bitten, nicht in den sozialen Netzwerken markiert zu werden, wenn die Meinung zum Buch negativ ist. Und das bezieht sich nicht nur auf Rezensionen, sondern auch auf Instagram-Posts und dergleichen. Auf der anderen Seite steht aber nun ein Blogger, der natürlich gern seine Rezension teilen will, vielleicht auch, weil berechtigte Kritik enthalten ist und letztendlich gar nicht versteht, warum die AutorInnen das nicht interessiert. Das Dilemma ist vorprogrammiert…

Photo by Kelly Sikkema on Unsplash

Warum markiert man die AutorInnen überhaupt?

Mir fällt ehrlich gesagt kein nachvollziehbarer Grund ein, wenn ich länger drüber nachdenke. Ich mache es meist, damit es anderen leichter fällt, den jeweiligen AutorInnen direkt auch zu folgen, aber das ist eigentlich Bullshit bzw. Bequemlichkeit.  Ich könnte genauso in der Rezension die Autorenhomepage verlinken. Dann findet auch jeder, was er sucht, falls er es denn sucht. Denn letztendlich ist es doch so – wenn AutorInnen Rezensionen zu ihren Büchern lesen WOLLEN, finden sie sie so oder so ganz leicht.

Aber warum sollte es die AutorInnen NICHT interessieren, wie ich ihr Buch finde?

Niemand mag Kritik. Wir können uns noch so oft einreden, dass uns Kritik weiterbringt – aber im ersten Moment tut sie immer weh. Vor allem dann, wenn man monatelang an diesem einen Buch gearbeitet hat – es nicht nur geschrieben hat, sondern mehrere Lektoratsgänge drüber gegangen sind, verschiedene Menschen aus dem Verlag ihren Senf dazu gegeben haben und man irgendwann am Ende dieser Kette entschieden hat: Das ist jetzt die bestmögliche Version – lassen wir es an die Leser! Und dann kommen die Leser und sagen: An sich n top Buch, hat mir trotzdem nicht gefallen, drei Sterne. Manche schütteln das nach außen hin ab, manche reagieren gar nicht und wieder andere rezensieren dann die Rezension, was das ganze wieder ad absurdum führt. Klar ist aber, dass die Kritik an der eigenen Arbeit immer erstmal schmerzt, und vor allem negatives bleibt länger haften als positives.

Es nützt den AutorInnen eben auch nichts, sich ein halbes oder ein ganzes Jahr nachdem das Buch fertig geschrieben wurde, damit zu beschäftigen, was man auch Lesersicht da noch hätte besser machen können. Man kann es dann ohnehin nicht mehr ändern.

Die müssen das ja nicht lesen!

Nee, müssen die nicht, man muss es ihnen aber auch nicht einfach um die Ohren hauen. Die meisten BloggerInnen sind in ihrer Kritik zum Glück sehr sachlich und reflektiert, aber wir alle wissen auch, dass etwas, nur weil ich es auf eine bestimmte Art meine und sage noch lange nicht so ankommen muss, wie ich das vielleicht wollte. Manchmal sind Sender und Empfänger eben nicht auf der gleichen Wellenlänge und dann kommt es zu Missverständnissen. Die Rezension kann allerdings noch so sachlich sein – für die AutorInnen ist das Buch immer emotional, man kommt also eigentlich nur sehr, sehr schwer auf einen Nenner.

Was, wenn ich berechtigte, wichtige Kritik äußere?

Kann man und sollte man. Aber genauso wenig, wie die AutorInnen mit dem Inhalt des Buches dich persönlich angegriffen haben, solltest du die AutorInnen persönlich angreifen. Das ist einfach schlechter Stil und es kann ganz schnell nach hinten losgehen, wenn man sowas zum Beispiel auf Twitter lostritt. Wenn das Buch problematische Inhalte enthält, ist die Kritik ohnehin besser beim Verlag aufgehoben, auch wenn sowas nicht vorkommen dürfte. Als Mittelweg eignet sich immer noch ganz oldschool eine private Nachricht/Mail an die AutorInnen.

Und die Moral von der Geschicht?

Markieren kann man – oder eben nicht. Es gibt AutorInnen, die wollen das gar nicht, egal ob positive oder negative Meinungen, Bilder auf Instagram, whatever. Wenn man das weiß, sollte man das einfach respektieren und gut ist. Wenn man das nicht weiß, würde ich bei Rezensionen einfach darauf verzichten und stattdessen lieber den Verlag verlinken. Auf Instagram kommt es meiner Meinung drauf an, was ich zu dem Buch dann sonst noch sage. Geht’s nur um das hübsche Foto, weil ich das Buch gerade lese? Oder hab ich ein hübsches Foto gemacht, rotze in der Caption aber so richtig darüber ab? Vielleicht überlegt ihr einfach mal selbst, mit welcher Art Text ihr bei einer Markierung gerne konfrontiert werdet…

Und für die AutorInnen?

Das klingt jetzt fies, aber: Chillt mal bitte. Der Großteil der BloggerInnen will euch mit den Rezensionen rein gar nichts Böses. Sie mögen nicht immer respektvoll und rein sachlich formuliert sein, aber da müsst ihr in den meisten Fällen drüberstehen. Wenn jemand voller Emotion fünf Sterne für euer Buch gibt, ist euch die Sachlichkeit ja auch egal, mit zweierlei Maß messen ist also nicht. Und ich weiß, dass es schwer ist, die Fresse zu halten, wenn man sich ungerecht behandelt fühlt, aber ich wüsste einfach auch keinen Fall, wo es für die AutorInnen am Ende gut ausgegangen ist, RezensentIn XY öffentlich angeprangert zu haben. Für sowas hat man andere AutorInnen und Freunde, VerlagsmitarbeiterInnen oder ähnliches… sprecht mit denen, kotzt euch aus und wenn’s nach einer Nacht drüber schlafen noch nicht besser ist, sucht das persönliche ­Gespräch. Aber ganz ehrlich – nicht nur ihr findet manche Aussagen sinnfrei. Die Menschen, die sich ernsthaft für das Buch interessieren und eine Rezension lesen, lesen auch eine zweite, eine dritte und vielleicht eine vierte – und bilden sich dann eine eigene Meinung. Ist also am Ende alles halb so schlimm, oder?

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24 Kommentare zu „AutorInnen und Rezensionen – eine Hassliebe.

  1. Besonders die Ungleichheit in der Beurteilung stößt mir tatsächlich immer sauer auf. Wenn jemand fünf Sterne gibt, dann ist alles egal – aber wenn jemand nicht zufrieden ist, dann hat er Unrecht. Also … aus Sicht der Autorin oder des Autors.

    Nicht, dass ich das nicht verstehe. :D

    1. Nee, verstehen kann ich das auch, aber fair ist es eben eigentlich nicht. Es würde aber ja niemand wie Reich-Ranicki aufstehen und sagen „Ich nehme diese 5 Sterne nicht an!“, weil die Begründung an den Haaren herbeigezogen ist. Dann gäbs ja auch wieder Diskussionen. Genauso wie ein Autor nach Erscheinen des Buches nichts mehr am Text ändern kann, muss er oder sie halt leider die Rezensionen hinnehmen. Das ist was, was man nicht beeinflussen oder ändern kann, also weiß ich halt auch nicht, warum es für die Autoren so ein großes Thema ist.

    1. Danke für deinen Kommentar =) Ja, es ist manchmal eben nicht ganz einfach, aber dafür umso wichtiger.

      1. Ich muss mich, egal jetzt in welchem Lebensbereich, auch oft ermahnen, zurück rudern und überlegen, wie es wohl der anderen Seite gerade geht. Das ist wirklich nicht so leicht, aber wichtig, ja!

        Hast du gesehen, dass die Diskussion immer noch weiter geht?

      2. Jein. Also ich hab gesehen, dass Bettina Belitz nochmal was dazu gepostet hat, aber weiter hab ich das noch nicht wieder verfolgt.

  2. Toller Beitrag, dem ich nur zustimmen kann. Rezensenten sollten schon auf einen angemessenen Ton achten und Autoren auf den Umgang mit Rezensionen.
    Kritik kann hilfreich sein, man kann sie annehmen, muss man aber auch nicht.
    Wie du schon sagtest macht Kritik für ein Buch, das schon erschienen ist, an sich wenig Sinn, aber ja vielleicht für neue Projekte.

    Liebe Grüße,
    Nicci

    1. Danke dir =) Das ersten zwei Sachen setze ich eigentlich eh voraus. Kritik ist immer hilfreich, aber ich kann halt auch verstehen, dass man sich dem in der Position als Autor vielleicht nicht ungefiltert aussetzen möchte/kann. Es nützt halt auch nix, wenn die Hälfte der Lese die Protagonistin zu weich findet, die andere Hälfte aber zufrieden ist – man kann es einfach nicht jedem recht machen. Anders sieht es aus, wenn unabhängig von mehreren die gleiche, spezifische Kritik kommt. Da müsste man dann halt schon schauen, ob das was ist, was sich eh nur auf das eine Buch bezieht oder etwas generelles, was man zukünftig vermeiden kann/sollte. Aber auch da seh ich halt auch die Verlage in der Verantwortung, weil die das am ehesten ändern können, wenn das Bewusstsein dafür geschaffen ist.

      Liebe Grüße
      Yvonne

  3. Kritiken stören mich als Autor nicht die Bohne. Eher im Gegenteil – selbst 1* sind noch immer Sceentime und Verbreitung. Außerdem wissen die meisten Leser, dass * kaum etwas über die Qualität eines Buchs aussagen. Ich meine hallo, Dan Brown hat da mal ein paar tausens 5*

    Was mich als Autor an Rezensenten richtig nervt, ist die proportional zu den Lesern steigende Arroganz. Ab einer gewissen Anzahl Klicks fühlen sich manche Blogger und Rezensenten als die world famous influencer. Wa da manchmal für Antworten auf Mails oder PNs kommen, ist nicht mehr feierlich.

    1. Find ich gut, wenn du das so professionell sehen kannst, aber auch wenn das natürlich die logische Betrachtung ist, kann ich schon verstehen, dass es anderen Autoren manchmal auch einfach nur wehtut und das ist ja auch ok. Es sind halt nicht alle gleich.
      Bei der Arroganz geb ich dir recht, vor allem, wenn jemand, der keine Ahnung vom Schreiben hat, sich anmaßt zu behaupten, was man alles hätte besser machen können. Klar ist das irgendwo die Aufgabe von Rezensenten, aber es kommt halt auch auf den Ton an. Und was Emails betrifft so oder so – freundlich im UMgang sollte man einfach immer sein.

  4. Vielen Dank für den gut geschriebenen Beitrag. Du hast recht. Natürlich tut eine negative Rezension im ersten Moment weh. Wenn ich aber als Autor nicht damit umgehen kann, dann ist (meiner Meinung nach) das Schreiben und veröffentlichen von Büchern für diese Person fehl am Platz.
    Ich persönlich freue mich über jede … ja wirklich jede Rezension, denn nur aus Fehlern kann ich lernen und mich weiterentwickeln. Markieren meines Namens und Posten meiner Bücher fände ich super, passiert leider sehr selten.

    1. Danke dir =) Ja, das seh ich ja ähnlich, aber es ist eben auch ein Unterschied, wie vielen Meinungen man sich stellen muss. Ich bin mit einigen Autoren befreundet, die zu ihren Büchern 100-200 Amazon-Rezensionen und unzählige Instagram-Fotos bekommen und wenn man sich dann mit jedem einzelnen auseinandersetzt, zehrt das schon. Auf der anderen Seite stehen dann Autorinnen wir du, die sich über jedes bisschen Aufmerksamkeit freuen, weil sie sie eben auch brauchen – und das meine ich gar nicht negativ (ich war gerade kurz auf deiner Seite, schaue aber bei Gelegenheit nochmal länger, ob mich davon was interessiren würde).

  5. Ein sehr interessanter Beitrag. Ich bin Autorin und wusste ehrlich gesagt nichts von dem Dilemma. Ich möchte immer verlinkt werden, auch bei negativer Kritik. (Außerdem ist auch schlechte Aufruhr eine gute Werbung.) Ich habe mal eine mittelmäßige Rezension bekommen, in der die Bloggerin das Buch schlecht fand, weil „mich das Buch auch Tage nach dem Lesen nicht losgelassen hat“. War die beste Rezension, die ich hätte haben können. Generell muss ich sagen, dass viel zu viele Autoren ein Problem mit Kritik haben. Das hindert sie am Wachstum, weil sie so nicht lernen können.
    Was euch Blogger betrifft: Vielleicht hilft es, solche Sachen vorab zu klären?

    1. Ich versteh dich und aus meiner Perspektive seh ichs auch so: jede Werbung ist gute Werbung und an Kritik kann man nur wachsen. Aber ich hab nun auch viele Autoren im Freundeskreis und gerade mit Social Media und all dem kann man halt schwer sagen: Da hab ich heute keinen Nerv für, ich mach die Post erst morgen auf. Man bekommt, je nach dem, wie bekannt man ist, unzählige Male ungefragt die Meinung von anderen an den Kopf geknallt, und das zu ignorieren ist mitunter einfach schwer. Wenn man sich damit aber wirklich auseinandersetzt, bringt einen das auch nicht unbedingt weiter, weil es eben zu viele unterschiedliche Meinungen sind, die einem auch nicht wirklich Aufschluss geben, was man vielleicht besser machen könnte.

      Das vorab zu klären ist sicher möglich, mir persönlich aber zu aufwendig. Mein Eindruck ist, dass die meisten es nicht möchten, also richte ich mich danach und wie gesagt – wenn es sie wirklich interessiert, sind Meinungen zum Buch ja leicht auf den Rezensionsportalen oder über Google auffindbar.

      1. Einige Blogger sagen etwas vorab, dass sie mit Rezensionen so und so umgehen und Punkt. Dann können sich die Autoren aussuchen, ob sie sich drauf einlassen. Das finde ich sehr entspannt. Aber wahrscheinlich muss da jeder den passenden Weg für sich finden.
        Kritik ist ja nicht immer gleich Kritik. Und wenn da jemand nur auf dich einschimpft, kann man es ja getrost ignorieren. Und auch Interessenten erkennen, ob Kritikerstimmen plausibel sind oder nicht. Kritik, konstruktiv und beleidigend, gehört zum Autorenleben dazu. Davor sollte man sich nicht drücken. (Wenn man irgendwann Massen an Meinungen bekommt, kann da natürlich nicht mehr durchblicken. Aber gerade am Anfang der Karriere ist es doch gerade die Kritik, die einem weiterhilft.)

  6. Hey!
    Ein schön geschriebener Beitrag. Seit eine bestimmte Autorin auf Twitter aufforderte, sie in negativen Rezensionen nicht zu verlinken mache ich das auch teilweise nicht mehr. Vorher habe ich es gemacht, aber nicht, weil ich dem Autor/ der Autorin einen beipulen wollte, sondern weil ich es feige gefunden hätte, es nicht zu tun. Ich verlinke bei positiven Rezensionen die Autoren und irgendwie wäre es mir, wie gesagt, feige vorgekommen, wenn ich es bei kritischen Rezensionen nicht getan hätte. Ich bin jetzt, seit dem Tweet, ehrlich gesagt etwas unsicher, wann ich verlinken soll/ darf und wann nicht. Der Eine hält 3 Sterne schon für den Weltuntergang, obwohl 3 Sterne durchaus ein lesenswertes Buch sind, der andere kann auch mit einem Stern locker umgehen. Ich finde es eine sehr schwierige Situation. Naja… ich habe für mich aus der Diskussion mitgenommen lieber einmal weniger zu verlinken, wenn ich nicht sicher bin, wie der Autor/ die Autorin zu kritischen Rezensionen steht.
    LG
    Yvonne

    1. Man kann sichs halt auch nicht merken, wer jetzt verlinkt werden darf/möchte und wer nicht und ich hätte es gern auch irgendwie einheitlich. Sinnvoll ist es vielleicht, einfach nur den Verlag zu verlinken? Es ist aber halt als Blogger auch nicht meine Sache, mich auf jeden Autor persönlich einzustellen. Danke für dein Lob =)

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