The Ivy Years – Bevor wir fallen – Sarina Bowen

Kurzbeschreibung

Die Liebe kann dich heilen … aber auch zerstören.

Seit einem Sportunfall ist Corey Callahan auf den Rollstuhl angewiesen, doch ihren Platz am renommierten Harkness College will sie auf keinen Fall aufgeben! Gleich an ihrem ersten Tag trifft sie auf Adam Hartley, der sich beim Eishockey das Bein gebrochen hat und deshalb im behindertengerechten Wohnheim einquartiert wurde – im Zimmer direkt gegenüber. Corey weiß augenblicklich, dass sie das in Schwierigkeiten bringen wird: Adam ist gutaussehend, lustig und schlau. Aber er hat eine Freundin. Und auch wenn Corey sich von niemandem besser verstanden fühlt als von Adam und sie sich sicher ist, dass es ihm genauso geht – für sie beide gibt es keine Chance …

Rezension

Wisst ihr, wie lange ich mich auf dieses Buch gefreut habe? Sehr lange. Es sollte eigentlich bereits letztes Jahr erschienen, ist es dann aber nicht und plötzlich war’s dann doch wieder in der nächsten Vorschau. Die Freude war groß, weil es ein noch schöneres Cover bekommen sollte und so wurde es natürlich direkt vorbestellt. So ganz blind war es dann aber doch nicht, weil ich mittlerweile auch ein bisschen picky bei NA-Geschichten bin – aber man hatte mir gesagt, Sarina Bowen schreibt gutes NA, also alles gut… oder eben auch nicht.

Beginnen wir damit, dass Corey im Rollstuhl sitzt. Das ist für NA nicht nur ein interessanter Plot, sondern für viele Menschen schlicht Realität. Ich kann das schwer beurteilen, weil ich mich nicht in der Situation befinde, aber ich fand dennoch, dass ihre Einschränkung immer nur dann eine Rolle gespielt hat, wenn es der Autorin gut in den Kram gepasst hat; genauer gesagt, wenn sie als Entschuldigung dafür diente, dass Corey dieses und jenes eben nicht kann oder nicht unbedingt muss, weil sie auch nicht will. Und wenn sie halt doch will, geht plötzlich alles – ist das nicht wundervoll? Vielleicht ist das zuviel verlangt, aber ich hätte mir zudem ein wenig mehr Input über Coreys Verletzung und deren Folgen gewünscht. Sie ist auf einen Rollstuhl angewiesen, kann aber mit Beinschienen und Krüken sogar Treppen gehen (theoretisch soll sie das, ist aber eine der Sachen, die sie vermeidet)? Bedeutet das, dass die Rückenmarksverletzung nicht endgültig ist? Und wenn das der Fall ist, wieso setzt sie dann nicht alles daran, besser damit klarzukommen? Ich versteh es einfach nicht. Für mich bleiben da zu viele Fragen offen, wodurch es schlichtweg praktisch für die Autorin ist – irgendwie muss man die beiden ja ins gleiche Wohnheim und zum reden kriegen – was bietet sich da besser an, als eine gemeinsame Einschränkung?

Ein weitaus größeres Problem hatte ich generell mit den beiden Protagonisten. Das Buch ist zu 95% aus der Sicht von Corey geschrieben – es bleibt also nicht viel Raum, in Adams Gedanken einzutauchen. Aber selbst bei Corey hatte ich meine Probleme, weil da nicht viel wesentliches rüberkommt, abgesehen von dem, was in schlechten NA-Bücher von vor 5 Jahren Gang und Gebe ist: Erstes Treffen – oh, er ist so heiß! Erster gemeinsamer Abend als Freunde – ich bin verliebt! Erste gemeinsame Nacht – ich liebe ihn! Warum genau das jetzt der Fall ist, blieb mir leider verborgen, denn es gibt schlicht keine Gründe dafür. Hartley (dessen Vorname genau einmal kurz am Anfang erwähnt wird und den ich folglich vergessen/überlesen hatte, sodass ich am Ende, als er tatsächlich mal bei ihm genannt wird, vollends verwirrt war, wer denn nun gemeint ist) ist zweifelsohne ein netter Kerl und wird im Laufe der Geschichte zu einem guten Freund für Corey. Oder halt eben zu einem Zeitvertreib. Durch seine eigene Verletzung ist er nicht so in Partylaune, weswegen er viel Zeit mit Corey und einem Videospiel verbringt. Das ist süß und nett und alles; außerdem gehen beide nach ihrer gemeinsamen Vorlesung zusammen essen und so – was dafür spricht, dass er gern Zeit mit ihr verbringt. Trotzdem schwingt die ganze Zeit das Gefühl mit, dass das eben nicht der Fall wäre, wenn seine Freundin nicht gerade ein Auslandssemester in Europa machen würde. Dann würde er seine Zeit nämlich mit ihr verbringen und keinen weiteren Gedanken an Corey verschwenden. Nunja, passiert, genauso wie es passiert, dass seine Freundin ihn an seinem Geburtstag versetzt und er Trost bei Corey sucht. Voll logisch, nicht wahr? Ebenso die Tatsache, dass die beiden dann natürlich im Bett landen – bietet sich halt an. Ich meine – das kann man alles machen, Hartleys Freundin ist jetzt auch nicht wirklich eine treue Seele und auch wenn diese Art von Betrug natürlich blöd ist, kann man das alles auch so in ein Buch bringen, wenn man eben die richtige Botschaft damit vermittelt. Hier wirkt es allerdings wie ein Mittel zum Zweck oder das Abhaken der Checkliste „Was fehlt noch bis zum großen Drama?“

Abgesehen von ihren undurchschaubaren Handlungen wusste ich bis kurz vor Ende des Buches nicht, was diese beiden Charaktere denn letztendlich ausmacht. Es kam mir vor, als hätten beide vor ihrem Start am Harkness-College kein Leben gehabt; noch schlimmer – keine Persönlichkeit. Beide bleiben absolut flach, man erfährt nicht, was ihnen außer Eishockey wichtig ist, was sie bewegt, was sie beschäftigt. Hartley bekommt gegen Ende des Buches noch ein wenig Familiendrama, was im Buch immer mal wieder dezent angedeutet wird – einfach, damit er auch was eigenes hat, aber das war’s dann halt auch. Ich kenne sie nicht, also fällt es mir schwer, die beiden wirklich zu mögen oder überhaupt eine Haltung zu ihnen zu haben. Und das ist echt ne Leistung, wenn das Buch schon aus der ersten Person geschrieben ist.

Selbst handwerklich wirkt die Geschichte unausgegoren. Szenen werden nicht auserzählt und einfach abgebrochen, wenn man nicht weiß, wie man sie zum Abschluss bringen soll. Übergänge zwischen den Szenen sind vollkommen willkürlich und ergeben einfach keinen Sinn – es gilt einzig und allein, die Geschichte nach vorn zu treiben. Es wirkt wie ein Buch, das kein anständiges Lektorat erhalten hat und soweit ich das rausfinden konnte, ist es das eben auch. Das ist bei Selfpublishern ein bekanntes Problem, macht aber nix, denn Erfolg haben sie ja trotzdem damit. Dass ein deutscher Verlag das dann allerdings ohne Rücksicht auf Verluste einkauft, so lässt, und es als geilen Scheiß verkauft – das ist einfach nur blöd.

Zur Übersetzung mag ich fast gar nix mehr sagen, muss ich aber. Sie ist gut, abgesehen von den Spitznamen. Würde mir ein Kerl permanent mit „Hey, heißer Feger“ oder „Schönste“ kommen (obwohl er eine Freundin hat, die er eben auch so nennt), würde ich mich ihm ganz sicher nicht an den Hals werfen. Aber was weiß ich schon?

Long story short: Liebe kann nicht heilen und dieses Buch erst recht nicht. Im besten Fall ist es ein guter Zeitvertreib, wenn man wirklich viel Langeweile hat und keinen Wert auf irgendwas legt. Außerdem ist es optisch ganz hübsch. Das wars dann aber auch schon.


The Ivy Years – Bevor wir fallen

Broschiert: 352 Seiten || Verlag: LYX; Auflage: 1. Aufl. 2018 (29. März 2018) || Sprache: Deutsch || ISBN-10: 3736304501 || ISBN-13: 978-3736304505 || Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 16 Jahren
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10 Kommentare zu „The Ivy Years – Bevor wir fallen – Sarina Bowen

  1. Eine schöne Buchstütze also?
    Ich erinnere mich an den Run auf das Buch auf der Messe wo es vorab erhältlich war …
    Danke für Deine ehrliche Meinung, schon Lesezeit gespart für gute Bücher!
    Liebe Grüße,
    Verena

    1. Aber eine wirklich schicke Buchstütze xD Trotzdem schade, eigentlich empfehle ich ja lieber als dass ich abrate… =/

  2. Ohje, es gibt doch echt nichts schlimmeres als ein Buch, auf das man so lange gewartet hat, und das dann so heftig enttäuscht. Tut mir wirklich leid! Aber immerhin konntest du mir damit Zeit und Geld sparen! :D Bei dem Cover habe ich nämlich auch echt mit dem Gedanken gespielt, es mir zu kaufen. Also vielen Dank für diese ehrliche Rezension! Ich fand sie super witzig zu lesen, auch wenn das natürlich leider auf Kosten deiner Lesezeit und Nerven ging. :D

    1. Echt? Ich hab das Gefühl, alle finden es großartig, nur deshalb hab ich mir die Mühe gemacht. Aber gut zu wissen, dass es scheinbar mehreren so geht^^

  3. Da kann man mal wieder sehen, wie unterschiedlich Menschen Bücher lesen. Ich hatte gar keine Probleme mich in die Protagonisten hinein zu versetzen. Und auch die Figuren hatten in meinen Augen für einen Liebesroman genug Tiefgang. ^^ Wie man sieht, habe ich diesen Roman überhaupt nicht so aufgefasst wie du… bin nur froh, dass ich mir erst Rezensionen durchlese, nachdem ich mit dem Buch fertig bin. ;D

    1. Wie war das? Zwei Menschen lesen nie das selbe Buch? ;) Es kommt halt auf so viel mehr an, als nur den Text… Ich bin nur froh, dass ich dich nicht gespoilert habe – dann hätte ich jetzt ein schlechtes Gewissen^^

  4. Huhu❤

    Vielen Dank für die ehrliche Rezension! Ich habe das Buch auch noch vor mir und bin schon wahnsinnig gespannt.
    Jetzt weiß ich ja schon, worauf ich mich in etwa einstellen kann ;)

    Liebste Grüße ❤ Jill

    1. Vielleicht gefällt es dir ja troztdem…? Kann man nie wissen. Du kannst ja hinterher mal Bericht erstatten, bis dahin wünsch ich dir viel Spaß damit =)

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