Lieber Feind – Jean Webster

Kurzbeschreibung

Ein Waisenhaus leiten? Sally McBride erklärt ihre beste Freundin Judy für komplett verrückt, als diese ihr die Leitung des John-Grier-Heims übertragen will. Hätte ihr Verlobter nicht schallend gelacht und damit ihren Ehrgeiz geweckt, Sally hätte niemals eingewilligt.

Plötzlich einhundert Kinder zu haben, ist keine leichte Aufgabe! Und die Zustände im Heim sind haarsträubend. Mit Verve geht Sally an die Arbeit, um ihren Kindern ein besseres Leben zu ermöglichen. Doch dabei macht sie sich nicht nur Freunde. Ihr liebster Feind allerdings ist und bleibt der betreuende Kinderarzt Dr. Robin MacRae.

Mit „Lieber Feind“ knüpft Jean Webster an „Lieber Daddy-Long-Legs“ an. Im Unterschied zu den Briefen von Judy an Daddy-Long-Legs, schreibt Sally an mehrere Adressaten, auch an Judy, so dass wir so auch erfahren, wie deren Geschichte weitergeht. Geistreich, anrührend und voller Charme, sollte man sich auch diesen wunderbaren Briefroman nicht entgehen lassen!

Rezension

Lieber Feind ist die Fortsetzung zu Lieber Daddy-Long-Legs, das ich euch bereits im letzten Jahr vorgestellt habe. Anstelle von Judy schreibt hier Sally, Judys Zimmergenossin aus dem Studium – und das nicht nur an Judy, sondern auch an ihren Verlobten Gordon und ihren Feind, den Kinderarzt Dr. Robin McRae.

Das Buch ist fast doppelt so lang wie sein Vorgänger, das allein macht es leider nicht spannender. Im direkten Vergleich passiert auf den 200 Seiten mehr nicht wesentlich mehr wie im ersten Teil – obwohl die Protagonisten jetzt älter sind, scheint die Entwicklung sogar noch langsamer von Statten zu gehen, weshalb ich mich zeitweise motivieren musste, weiterzulesen. Davon aber mal abgesehen mochte ich die Geschichte an sich ein bisschen lieber.

Als Kinderbuchklassiker beworben, erschien mir die Thematik des Buches doch schon sehr erwachsen – es geht ja immerhin zu großen Teilen um Sallys Liebeswirren, aber vielleicht ist das auch einfach was, was Kinderbücher so zeitlos macht. Als Kind fühlt man sich sicher von all den Anekdoten aus dem Kinderheim gut unterhalten, die enthaltenen Zeichnungen lockern den Text entsprechend auf, und wenn man etwas älter ist, stellt man fest, dass es eigentlich um Sally und die Frage, wie viel Feind denn nun wirklich in dem Doktor steckt, geht.

Wirklich witzig fand ich, wie Judy ihrer Freundin die Leitung des Waisenhauses förmlich aufzwingen muss und wie gut Sally am Ende in diese Rolle reinwächst.

Wenn man den ersten Teil kennt, kann man sich ungefähr ausrechnen, wo die Reise hingeht und wie das Ende aussieht. Das ist aber nicht weiter schlimm, da Sallys Geschichte sich vor allem in einem Punkt von der von Judy unterscheidet – sie hinterlässt kein so blödes Gefühl. Ich hätte die beiden Bücher lieber direkt hintereinander gelesen und würde das auch jedem empfehlen. Sie gehören halt doch zusammen.


Lieber Feind übersetzt von Ingo Herzke

Gebundene Ausgabe: 416 Seiten || Verlag: Königskinder (21. März 2018) || Sprache: Deutsch || ISBN-10: 3551560455 || ISBN-13: 978-3551560452 || Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren ||Originaltitel: Dear Enemy

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One of Us Is Lying – Karen McManus

Kurzbeschreibung

Pay close attention and you might solve this.
On Monday afternoon, five students at Bayview High walk into detention.
Bronwyn, the brain, is Yale-bound and never breaks a rule.
Addy, the beauty, is the picture-perfect homecoming princess.
Nate, the criminal, is already on probation for dealing.
Cooper, the athlete, is the all-star baseball pitcher.
And Simon, the outcast, is the creator of Bayview High’s notorious gossip app.

Only, Simon never makes it out of that classroom. Before the end of detention Simon’s dead. And according to investigators, his death wasn’t an accident. On Monday, he died. But on Tuesday, he’d planned to post juicy reveals about all four of his high-profile classmates, which makes all four of them suspects in his murder. Or are they the perfect patsies for a killer who’s still on the loose?

Everyone has secrets, right? What really matters is how far you would go to protect them.

Rezension

Als ich das Buch im letzten Sommer bei Anabelle gesehen habe, war ich kurz angefixt, aber eben wirklich nur kurz, weil es dann nach und nach jeder plötzlich jeder zu haben schien und ich dann schnell doch keine Lust mehr hatte. Das hat bis heute nicht aufgehört, vor allem, weil es kürzlich auch auf deutsch erschienen ist, aber ich war jetzt einfach neugierig und brauchte mal was nettes, leichtes – dachte ich. Tatsächlich aber ist One of Us Is Lying ein Buch, dass es richtig in sich hat – es spricht ernste Themen an.

Fünf Schüler treffen sich beim Nachsitzen, keiner von ihnen hat das selbst verschuldet. Es wirkt wie ein schlechter Scherz, den sie aussitzen müssen, bis Simon plötzlich zusammenbricht und an einem anaphylaktischen Schock stirbt. Jede Hilfe kommt zu spät und mit einem Mal sind die vier übrigen, scheinbar zufällig zusammengewürfelten, die Hauptverdächtigen in einem Mordfall.

Erzählt wird die Geschichte abwechselnd aus den Perspektiven von Bronwyn, Nate, Addy und Cooper und je mehr man aus ihrer Sicht erfährt, umso weniger will man, dass es tatsächlich einer von ihnen gewesen ist. Aber – und das hat mich beim Lesen so beschäftigt – es muss ja einer gewesen sein und denjenigen will ich nicht mögen, egal wie gut sein Motiv sein sollte. Dabei sind sie nicht unfehlbar, das zeigt Simons App ganz deutlich.

Ähnlich wie bei Gossip Girl werden über die App Neuigkeiten unter der Schülern verbreitet, dummerweise sind sie immer wahr und so ist es kein Wunder, dass sich der Verdacht gegen die vier erhärtet, als die Polizei einen geplanten Post entdeckt, der alle vier auf einmal denuziert. Während es aber in Gossip Girl hauptsächlich darum ging, es auf den Blog zu schaffen, um die eigene Beliebtheit zu steigern, sind es hier eben Geheimnisse die ausgeplaudert werden, von denen niemand etwas wissen soll. Die Auswirkungen dessen sind zum Teil fatal, aber es zeigt auch, dass wirklich jeder Geheimnisse hat.

Während die Jugendlichen zuerst noch versuchen zu begreifen, was überhaupt geschehen ist, bildet sich aber auch langsam aber sicher eine kleine, verschworene Gemeinschaft. Natürlich werden sie vom Rest der Schule gemieden, aber auch die Tatsache, dass sie zusammen in der Sache stecken, schweißt sie zusammen. Besonders bei Bronwyn und Nate entwickelt sich noch ein bisschen mehr als nur Sympathie. Und letztendlich geht es soweit, dass sie sich gemeinsam auf die Suche nach dem wahren Schuldigen machen. Und wie bereits erwähnt – man will nicht, dass es einer von ihnen war. Man traut es ihnen zu, aber man will, dass eine andere Lösung aus dem Hut gezaubert wird und sich alles doch noch im halbwegs Guten auflöst. Das fand ich beim Lesen wirklich gut gemacht, im Nachhinein frage ich mich aber, wie ich nicht auf das Offensichtliche kommen konnte. Aber gut, hinterher ist immer alles viel klarer.

Die Auflösung war für mich beim Lesen eine Überraschung, mit ein bisschen Abstand finde ich aber, hätte man mehr rausholen können/müssen. Depressionen und auffälliges, agressives Verhalten gegenüber Mitschülern sind ein schwieriges Thema, vor allem, wenn man es vermischt und den Depressiven zum Schuldigen macht. Das ist vielleicht der einfachste Weg, aber nicht der Beste. Gerade bei einem Jugendbuch sollte man darauf achten.

Und trotzdem – als eine Mischung aus Gossip Girl und The Breakfast Club in Buchform hat es mich unterhalten und begeistert, weil es zeigt, wie auch die kleinsten Geheimnisse in den falschen Händen große, schwerwiegende Folgen auslösen können. Gleichzeitig aber ist kaum eine Situation so schlimm, dass man nicht rauskommt, wenn man Reue zeigt oder für sich selbst einsteht.


One of Us Is Lying

Taschenbuch: 368 Seiten || Verlag: Delacorte Press (30. Mai 2017) || Sprache: Englisch || ISBN-10: 1524764728 || ISBN-13: 978-1524764722 || Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren

One of us is lying übersetzt von Anja Galić

Gebundene Ausgabe: 448 Seiten || Verlag: cbt (26. Februar 2018) || Sprache: Deutsch || ISBN-10: 3570165124 || ISBN-13: 978-3570165126 || Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren || Originaltitel: One of us is lying

#buylocal

The Ivy Years – Bevor wir fallen – Sarina Bowen

Kurzbeschreibung

Die Liebe kann dich heilen … aber auch zerstören.

Seit einem Sportunfall ist Corey Callahan auf den Rollstuhl angewiesen, doch ihren Platz am renommierten Harkness College will sie auf keinen Fall aufgeben! Gleich an ihrem ersten Tag trifft sie auf Adam Hartley, der sich beim Eishockey das Bein gebrochen hat und deshalb im behindertengerechten Wohnheim einquartiert wurde – im Zimmer direkt gegenüber. Corey weiß augenblicklich, dass sie das in Schwierigkeiten bringen wird: Adam ist gutaussehend, lustig und schlau. Aber er hat eine Freundin. Und auch wenn Corey sich von niemandem besser verstanden fühlt als von Adam und sie sich sicher ist, dass es ihm genauso geht – für sie beide gibt es keine Chance …

Rezension

Wisst ihr, wie lange ich mich auf dieses Buch gefreut habe? Sehr lange. Es sollte eigentlich bereits letztes Jahr erschienen, ist es dann aber nicht und plötzlich war’s dann doch wieder in der nächsten Vorschau. Die Freude war groß, weil es ein noch schöneres Cover bekommen sollte und so wurde es natürlich direkt vorbestellt. So ganz blind war es dann aber doch nicht, weil ich mittlerweile auch ein bisschen picky bei NA-Geschichten bin – aber man hatte mir gesagt, Sarina Bowen schreibt gutes NA, also alles gut… oder eben auch nicht.

Beginnen wir damit, dass Corey im Rollstuhl sitzt. Das ist für NA nicht nur ein interessanter Plot, sondern für viele Menschen schlicht Realität. Ich kann das schwer beurteilen, weil ich mich nicht in der Situation befinde, aber ich fand dennoch, dass ihre Einschränkung immer nur dann eine Rolle gespielt hat, wenn es der Autorin gut in den Kram gepasst hat; genauer gesagt, wenn sie als Entschuldigung dafür diente, dass Corey dieses und jenes eben nicht kann oder nicht unbedingt muss, weil sie auch nicht will. Und wenn sie halt doch will, geht plötzlich alles – ist das nicht wundervoll? Vielleicht ist das zuviel verlangt, aber ich hätte mir zudem ein wenig mehr Input über Coreys Verletzung und deren Folgen gewünscht. Sie ist auf einen Rollstuhl angewiesen, kann aber mit Beinschienen und Krüken sogar Treppen gehen (theoretisch soll sie das, ist aber eine der Sachen, die sie vermeidet)? Bedeutet das, dass die Rückenmarksverletzung nicht endgültig ist? Und wenn das der Fall ist, wieso setzt sie dann nicht alles daran, besser damit klarzukommen? Ich versteh es einfach nicht. Für mich bleiben da zu viele Fragen offen, wodurch es schlichtweg praktisch für die Autorin ist – irgendwie muss man die beiden ja ins gleiche Wohnheim und zum reden kriegen – was bietet sich da besser an, als eine gemeinsame Einschränkung?

Ein weitaus größeres Problem hatte ich generell mit den beiden Protagonisten. Das Buch ist zu 95% aus der Sicht von Corey geschrieben – es bleibt also nicht viel Raum, in Adams Gedanken einzutauchen. Aber selbst bei Corey hatte ich meine Probleme, weil da nicht viel wesentliches rüberkommt, abgesehen von dem, was in schlechten NA-Bücher von vor 5 Jahren Gang und Gebe ist: Erstes Treffen – oh, er ist so heiß! Erster gemeinsamer Abend als Freunde – ich bin verliebt! Erste gemeinsame Nacht – ich liebe ihn! Warum genau das jetzt der Fall ist, blieb mir leider verborgen, denn es gibt schlicht keine Gründe dafür. Hartley (dessen Vorname genau einmal kurz am Anfang erwähnt wird und den ich folglich vergessen/überlesen hatte, sodass ich am Ende, als er tatsächlich mal bei ihm genannt wird, vollends verwirrt war, wer denn nun gemeint ist) ist zweifelsohne ein netter Kerl und wird im Laufe der Geschichte zu einem guten Freund für Corey. Oder halt eben zu einem Zeitvertreib. Durch seine eigene Verletzung ist er nicht so in Partylaune, weswegen er viel Zeit mit Corey und einem Videospiel verbringt. Das ist süß und nett und alles; außerdem gehen beide nach ihrer gemeinsamen Vorlesung zusammen essen und so – was dafür spricht, dass er gern Zeit mit ihr verbringt. Trotzdem schwingt die ganze Zeit das Gefühl mit, dass das eben nicht der Fall wäre, wenn seine Freundin nicht gerade ein Auslandssemester in Europa machen würde. Dann würde er seine Zeit nämlich mit ihr verbringen und keinen weiteren Gedanken an Corey verschwenden. Nunja, passiert, genauso wie es passiert, dass seine Freundin ihn an seinem Geburtstag versetzt und er Trost bei Corey sucht. Voll logisch, nicht wahr? Ebenso die Tatsache, dass die beiden dann natürlich im Bett landen – bietet sich halt an. Ich meine – das kann man alles machen, Hartleys Freundin ist jetzt auch nicht wirklich eine treue Seele und auch wenn diese Art von Betrug natürlich blöd ist, kann man das alles auch so in ein Buch bringen, wenn man eben die richtige Botschaft damit vermittelt. Hier wirkt es allerdings wie ein Mittel zum Zweck oder das Abhaken der Checkliste „Was fehlt noch bis zum großen Drama?“

Abgesehen von ihren undurchschaubaren Handlungen wusste ich bis kurz vor Ende des Buches nicht, was diese beiden Charaktere denn letztendlich ausmacht. Es kam mir vor, als hätten beide vor ihrem Start am Harkness-College kein Leben gehabt; noch schlimmer – keine Persönlichkeit. Beide bleiben absolut flach, man erfährt nicht, was ihnen außer Eishockey wichtig ist, was sie bewegt, was sie beschäftigt. Hartley bekommt gegen Ende des Buches noch ein wenig Familiendrama, was im Buch immer mal wieder dezent angedeutet wird – einfach, damit er auch was eigenes hat, aber das war’s dann halt auch. Ich kenne sie nicht, also fällt es mir schwer, die beiden wirklich zu mögen oder überhaupt eine Haltung zu ihnen zu haben. Und das ist echt ne Leistung, wenn das Buch schon aus der ersten Person geschrieben ist.

Selbst handwerklich wirkt die Geschichte unausgegoren. Szenen werden nicht auserzählt und einfach abgebrochen, wenn man nicht weiß, wie man sie zum Abschluss bringen soll. Übergänge zwischen den Szenen sind vollkommen willkürlich und ergeben einfach keinen Sinn – es gilt einzig und allein, die Geschichte nach vorn zu treiben. Es wirkt wie ein Buch, das kein anständiges Lektorat erhalten hat und soweit ich das rausfinden konnte, ist es das eben auch. Das ist bei Selfpublishern ein bekanntes Problem, macht aber nix, denn Erfolg haben sie ja trotzdem damit. Dass ein deutscher Verlag das dann allerdings ohne Rücksicht auf Verluste einkauft, so lässt, und es als geilen Scheiß verkauft – das ist einfach nur blöd.

Zur Übersetzung mag ich fast gar nix mehr sagen, muss ich aber. Sie ist gut, abgesehen von den Spitznamen. Würde mir ein Kerl permanent mit „Hey, heißer Feger“ oder „Schönste“ kommen (obwohl er eine Freundin hat, die er eben auch so nennt), würde ich mich ihm ganz sicher nicht an den Hals werfen. Aber was weiß ich schon?

Long story short: Liebe kann nicht heilen und dieses Buch erst recht nicht. Im besten Fall ist es ein guter Zeitvertreib, wenn man wirklich viel Langeweile hat und keinen Wert auf irgendwas legt. Außerdem ist es optisch ganz hübsch. Das wars dann aber auch schon.


The Ivy Years – Bevor wir fallen

Broschiert: 352 Seiten || Verlag: LYX; Auflage: 1. Aufl. 2018 (29. März 2018) || Sprache: Deutsch || ISBN-10: 3736304501 || ISBN-13: 978-3736304505 || Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 16 Jahren

Jack – Anthony McCarten

Kurzbeschreibung

Er ist nur noch ein Abglanz seiner selbst und säuft sich in Florida zu Tode: Jack Kerouac, Idol der Beatniks, der einst das Leben seines Freundes Neal Cassady ausschlachtete, um es zum Kultroman der 1950er Jahre zu verdichten. Da steht aus heiterem Himmel eine Literaturstudentin vor seiner Tür. Ihr Traum: als seine erste Biographin sein Leben aufzuschreiben. Jack weigert sich und lässt sich doch von Jans Bewunderung zu einem Blick zurück verführen. Ein Trip, aus dem keiner der Beteiligten heil herauskommt.

Rezension

Ich sah das Buch, las Jack Kerouac und es war um mich geschehen. Und vielleicht war das der Fehler. Aber ich fühlte mich dennoch bestätigt, als ich kurz nach dem Kauf Tinas lobende Worte las. Fakt ist, begeistern konnte es mich nicht wirklich, allerdings hab ich jetzt genug Motivation, um endlich On the road zu lesen.

Die Geschichte ist gut – eine junge Literaturstudentin macht sich auf, um eine Biografie über ihr Idol zu schreiben, doch von dem einstigen Helden der 50er ist nicht mehr viel übrig. Und obwohl es bisher niemand geschafft hat, so nah an ihn heranzukommen, erhält Jan zumindest eine Chance. Was folgt, ist eine spannende Abfolge von Ereignissen, geschickt in drei Teile aufgeteilt.

Ganz anders verhält es sich aber mit der Schreibweise. Auf den ersten 50 Seiten war ich kurz davor, das Buch einfach wegzulegen, weil ich dieses Geschwafel nur schwer ertragen konnte. Ist es denn wirklich so schwer, sich klar auszudrücken?

Davon abhalten konnte mich einzig und allein die Tatsache, dass das Buch nicht sehr lang ist und der zweite Teil eine unverhoffte Wendung versprach – die mir außerordentlich gut gefallen hat. Ab da wurde es tatsächlich besser, wenn auch nicht super gut. Und dann kam der dritte Teil und ich fühlte mich ein bisschen verarscht. Ich meine, ich vestehe, was er damit erreichen wollte und warum er zu dieser Wendung gegriffen hat, aber es ist immer ein bisschen ärgerlich, wenn eine von Anfang an unsympathische Protagonistin einem ans Herz wächst und man dann am Ende feststellen muss, dass die erste Intuition doch die richtige war.

Jetzt ist das natürlich alles Fiktion, ein bisschen was wäre wenn, angereichert mit wenigen tatsächlich existierenden Textschnipseln, die es in Briefen zu lesen gab. Der Dreh- und Angelpunkt der Geschichte allerdings ist erfunden.

Alles in allem konnte mich das Buch leider nicht wirklich überzeugen. Ich fühle mich dem guten, alten Jack nicht näher als vorher.


Jack übersetzt von Gabriele Kempf-Allié & Manfred Allié

Gebundene Ausgabe: 256 Seiten || Verlag: Diogenes; Auflage: 1 (28. Februar 2018) || Sprache: Deutsch || ISBN-10: 3257068565 || ISBN-13: 978-3257068566 || Originaltitel: American Letters

Bis zum Himmel und zurück – Catharina Junk

Kurzbeschreibung

Drama, Crime und Love-Stories. Als Drehbuchautorin kann Katja unzählige Leben leben, ohne selbst große Gefühle zu riskieren. Perfekt also. Okay, manchmal kommt Ratko vorbei, aber Liebe ist das eigentlich nicht. Doch als Katja eine Familienserie entwickeln soll, klappt es mit dem Schreiben plötzlich nicht mehr. Ihre eigene Familie ist nämlich ein Trümmerhaufen. Als sich dann ihre Mutter mit einer erschütternden Neuigkeit meldet, wie aus dem Nichts eine Halbschwester auftaucht und Katja ständig an Joost denken muss, kann sie sich nicht länger vor ihrer eigenen Geschichte verkriechen. Die muss nämlich dringend neu geschrieben werden…

Rezension

Ich weiß gar nicht, welchem Genre ich dieses Buch zuordnen soll. Für typisches New Adult ist die Protagonistin fast zu alt, außerdem ist die Geschichte viel tiefer als bei Büchern aus dem Genre. Für einen Frauenroman allerdings ist Katja wieder zu jung. Es spielt auch eigentlich gar keine Rolle, denn dieses Buch hat mich mitten ins Herz getroffen und nicht mehr losgelassen.

Das Ding ist nämlich – und vielleicht können das viele von euch nicht nachvollziehen – aber das was Katja in diesem Buch passiert, ist eine meiner größten Ängste. Dass meinem Vater, mit dem ich keinen Kontakt mehr habe, irgendwas passiert und plötzlich irgendwas von mir gefordert wird, was ich nicht erfüllen kann oder will. Sogar die Halbschwester hätte ich, allerdings fehlt der Stiefbruder – so weit ich weiß. Es ist also kompliziert, weswegen ich mich aber sehr gut in Katja hinein versetzen konnte.

Die Geschichte springt immer wieder zwischen heute und damals und so erfährt man nicht nur, was jetzt gerade in Katjas Leben passiert, sondern auch wie es vor Jahren zu dem Bruch mit ihrem Vater und dem schwierigen Verhältnis mit ihrer Mutter kam. Es ist keine schöne Geschichte, durchzogen von Schuldgefühlen und unausgesprochenen Worten, verdrängten Gefühlen und Schmerzen. Catharina Junk schafft es trotzdem, Katja trotz ihrer sarkastischen Art sympathisch wirken zu lassen und nachvollziehbar zu gestalten. Sie nimmt sich selbst nicht zu ernst und badet manchmal im Selbstmitleid, aber ohne zu nerven. Manche Szenen sind urkomisch – besonders, wenn andere (z.B. Rathko) bei Katja emotionale Nähe suchen und sie vollkommen analytisch reagiert.

Ein großes Plus des Buches sind auch die Dialoge, die 1:1 aus einem Drehbuch stammen könnten. Hier sitzt wirklich alles. Kein Wunder, denn Catharina Junk ist eben auch Drehbuchautorin. Ganz nebenbei wird immer wieder auf verschiedene Serien angespielt, was nicht nur gut zu Katja passt, sondern auch dem Leser Spaß nicht. Nicht selten denkt Katja sogar in Regieanweisungen oder stellt sich vor, wie diese eine Szene aus ihrem Leben wohl im Film aussehen würde.

An mehreren Stellen im Buch war ich den Tränen nahe, einfach weil Catharina Junk die Gabe besitzt, die wichtigen Szenen wirklich so darzustellen, dass man sie mit fühlt, als wäre man mitten drin. Sie trifft einen ganz besonderen Ton, der nicht gewollt auf die Tränendrüse drückt, sondern unterbewusst reagiert – und natürlich funktioniert das ganze auch in die komische Richtung, sodass traurigschöne und urkomische Szenen im fliegenden Wechsel aufeinander folgen.

Zusammengefasst ist dieses Buch ein einziges ‚Ja. Nein. Uh, doch!‘ im positiven Sinne – ein Wechselbad der Gefühle. Es ist kurzweilig, witzig, emotional und eine wunderbare Geschichte über Familie und Freundschaft. Und wenn wir bei den Serien bleiben: Am ehesten würde ich dieses Buch in eine Kategorie mit This is us bringen.


Bis zum Himmel und zurück

Gebundene Ausgabe: 352 Seiten || Verlag: Kindler; Auflage: 1 (13. März 2018) || Sprache: Deutsch || ISBN-10: 3463406942 || ISBN-13: 978-3463406947

5 Tipps, um deine Lieblingsbücher zu supporten.

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1. Kauf das Buch.

Am besten natürlich im unabhängigen Buchhandel. Geht nicht immer, aber immer öfter, wenn man nur will. Und wenn das Buch nicht vorrätig ist – frag danach. Zum einen wird man es dir bestellen, zum anderen wächst die Aufmerksamkeit der Buchhändler, je öfter sie gefragt werden. Vielleicht ist es nicht da, weil sie dachten, dass es sich nicht verkaufen lässt, aber da kannst du sie eines Besseren belehren. Und wenn das Geld nicht reicht, gibt es ja auch immer noch Bibliotheken. Denn auch wenn man die Bücher ausleiht, unterstützt man damit die Autoren.

2. Lies das Buch.

Logisch, oder? Außerdem ist das der Teil, der wirklich Spaß macht.

3. Schreib eine Rezension.

Hast du einen (Buch-)Blog? Prima, dann weißt du ja, wie das geht. Falls nicht, ist das auch kein Problem – zum Beispiel auf Lovelybooks oder Goodreads kannst du Bücher bewerten und rezensieren, auch ohne dass du einen Blog hast. Gleichzeitig kannst du über die Community neue Freunde finden, die den gleichen Geschmack haben wie du. Und natürlich kann man auch auf Amazon, Thalia, etc. bewerten und Rezensionen einstellen.

Pro-Tipp: Viele Blogger sind davon abgeschreckt, dass Amazon es zur Bedingung macht, dass die eingestellte Rezension nirgendwo anders genauso aufzufinden ist – für die meisten ist das zu viel Aufwand, extra für Amazon noch eine Rezension zu schreiben. Mach es trotzdem, denn auch wenn da nur 2-3 Sätze zum Buch stehen – je mehr Rezensionen da sind, umso besser wirkt sich das auf die Sichtbarkeit aus. Es lohnt sich also, auch wenn man mit Amazon auf Kriegsfuß steht, denn ihr helft damit den Autoren.

4. Geh zu Lesungen.

Das ist manchmal schwierig, ich weiß das selbst, denn ich komme aus einem kleinen Kaff und hier findet nie irgendwas Spannendes statt. Aber wenn du die Möglichkeit hast – geh hin und schau nicht stattdessen den Livestream an, denn auch das zeigt, dass Interesse vorhanden ist.

Pro Tipp: Wenn du willst, dass Autoren auch in deinem Kaff mal vorbeischauen – sprich deine Lieblingsbuchhandlung an. In den meisten Fällen werden Lesungen nämlich von den Buchhändlern angeregt und organisiert und nur wenn sie wissen, dass Interesse vorhanden ist, können sie auch entsprechend reagieren. Einen Versuch ist es allemal wert.

5. Erzähl deinen Freunden davon.

Machst du ja wahrscheinlich eh, wenn es dir gefallen hat, sollte also auch nicht so das Problem sein. Und wenn deine Freunde nicht lesen: Twitter, Instagram & Co. geht halt auch immer – und wer macht nicht gern schöne Bilder von Büchern und steckt andere mit seiner Begeisterung an? Mund-zu-Mund-Propaganda ist die wertvollste Waffe!