A Little Life – Hanya Yanagihara

Kurzbeschreibung

A Little Life follows four college classmates—broke, adrift, and buoyed only by their friendship and ambition—as they move to New York in search of fame and fortune. While their relationships, which are tinged by addiction, success, and pride, deepen over the decades, the men are held together by their devotion to the brilliant, enigmatic Jude, a man scarred by an unspeakable childhood trauma. A hymn to brotherly bonds and a masterful depiction of love in the twenty-first century, Hanya Yanagihara’s stunning novel is about the families we are born into, and those that we make for ourselves.

Rezension

Wie fasst man ein Buch in Worte, über das zumindest gefühlt schon alle geredet haben? Ich habe versucht, all dem aus dem Weg zu gehen und möglichst unvoreingenommen an das Buch ranzugehen. Es hat nicht geklappt. Maras Rezension habe ich gelesen, bevor ich angefangen habe, weil sie eine der wenigen ’schlechten‘ war und ich wissen wollte, ob all das Lob nur Humbug ist. Ein bisschen demotiviert war ich danach, ich dachte nicht, dass es mir gefallen würde und fing skeptisch an.

Ich weiß, dass ich 1.000 Seiten in zwei Tagen lesen kann, ich habe es schon getan, und vielleicht hätte ich es geschafft, wenn der Hanser Verlag mich in eine einsame Hütte eingeladen hätte – hat er aber nicht. Stattdessen musste ich mir die Zeit irgendwie nehmen und habe für dieses Buch ganze drei Monate gebraucht. Ich brauchte sie auch, weil ich es immer wieder weglegen musste. Zu schlimm, um weiterzulesen, viel zu schlimm, um nicht zu wissen, wie es ausgeht. Es war ein Kampf, aber ich hab ihn gewonnen. Ich hab es geschafft und ich möchte eigentlich, dass ihr es auch tut. Auch wenn es schwer ist, auch wenn es weh tut.

Man kann eigentlich nicht begreifen, wie einem Menschen, in diesem Fall Jude, im Laufe eines Lebens so viel Scheiße widerfahren kann. Hätte man mir vorher eine Kurzfassung davon gegeben, hätte ich gesagt, all das sei unglaubwürdig und an den Haaren herbeigezogen. Viel zu überzogen und dramatisch. Aber beim Lesen selbst hatte ich das Gefühl nicht. Ich wollte Jude in den Arm nehmen und ihm zeigen, wie sehr er von jedem einzelnen geliebt wird, wie wichtig er für all seine Freunde und seine Adoptiveltern, ja selbst für seine Arbeitskollegen ist. Aber, und auch das spürt man deutlich, manchmal reicht all die Liebe dieser Welt einfach nicht aus. Wenn alles im Leben ein einziger Kampf zu sein scheint und man sich zwingen muss, weiter zu machen, ist es dann lebenswert?

Ich hab keine Antwort darauf. Für Jude habe ich mir mehrmals gewünscht, dass sie ihn von seinem Versprechen entlassen, dass er gehen kann und sie es verstehen. Für all die anderen wünschte ich mir, dass sie endlich etwas finden, das wirkt und es Jude leichter macht, zu bleiben.

„A Little Life“ ist ein grausames Buch. Aber es ist auch wunderschön. Es zeigt einem neben all den furchtbaren Sache eine tiefe Freundschaft und Verbundenheit. Den wenigsten ist es vergönnt, über dreißig Jahre mit den gleichen Menschen befreundet zu sein und gemeinsam mit ihnen zu wachsen. Auf der anderen Seite ist es dann auch irgendwie logisch, dass man den Mut verliert, wenn diese Menschen plötzlich einer nach dem anderen nicht mehr da sind.

Müsste ich etwas kritisieren, dann die Tatsache, dass Jude diese Liebe und die damit verbundene Hilfe nur sehr selten zulässt und sich niemandem, nicht einmal Willem, wirklich anvertraut. Aber auch da stellt sich die Frage – kann man es ihm verübeln? Ich glaube nicht. Ich glaube eher, dass es etwas unrealistisch ist, dass ihm so viele über so viele Jahre die Treue halten und trotz seiner Entscheidungen zu ihm stehen. Sei es nun Harold oder Andy, Willem oder einer der anderen – alle haben einen großen Platz in ihrem Herzen für Jude reserviert und würden sofort alles stehen und liegen lassen, wenn er sie braucht. Aber sie dringen nicht zu ihm durch, nicht richtig, weil sie nicht alles wissen. Er wiederum kann, aber vor allem will er ihnen nicht alles anvertrauen und kann sie so nicht an sich heran lassen. Hinzu kommt, dass er glaubt, all das nicht wert zu sein.

Ich kann verstehen, wenn dieses Buch für den ein oder anderen zu viel ist und wenn man sich nicht rantraut, aber ich bitte euch trotzdem, es zu versuchen. Neben all dem, was es auslöst, ist es wunderbar geschrieben. Wäre ich nicht hin und wieder darauf aufmerksam gemacht worden, dass sich einige Leute daran störten, dass man die Geschichte zum Beispiel zeitlich nicht einodnen kann, weil es keine historischen Eckpunkte oder popkulturelle Ereignisse als Hinweis gibt, so hätte ich es nicht gemerkt. Es hat mich auch nicht interessiert, um ehrlich zu sein. Die Geschichte nimmt einen so ein, dass es schlicht und ergreifend keine Rolle spielt, wann sie spielt.

Ich werde die Jungs vermissen, jetzt, nachdem ich so viel Zeit mit ihnen verbracht habe und ich bin froh, dass ich es getan habe. Der Hanser Verlag wirbt mit dem Slogan „Sie werden über dieses Buch sprechen wollen!“ und er hat recht. Ich möchte nicht nur darüber sprechen, ich möchte es jedem in die Hand drücken. Es ist nicht nur „Ein wenig Leben“, es ist ein ganzes Leben voller Leid, aber dazwischen gibt es eben auch immer die guten Jahre, für die es sich lohnt.

Weitere Rezensionen

Buzzaldrins Bücher || Literaturen || little words

A Little Life

 

Taschenbuch: 832 Seiten
Verlag: Anchor; Auflage: Reprint (26. Januar 2016)
Sprache: Englisch
ISBN-10: 0804172706
ISBN-13: 978-0804172707

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Der Club – Takis Würger

Kurzbeschreibung

Hans Stichler stammt aus einfachen Verhältnissen. Als ihm seine einzige Verwandte ein Stipendium für die Universität in Cambridge vermittelt und er als Gegenleistung dort ein Verbrechen aufklären soll, weiß er noch nicht, worauf er sich einlässt. Er schafft es, Mitglied im elitären Pitt Club zu werden, und verliebt sich in Charlotte, die ihn in die Bräuche der Snobs einweiht. Schon bald muss er feststellen: Vor der Kulisse alter Chesterfield-Sessel, kristallener Kronleuchter, Intarsienmöbel und Tiertrophäen ereignen sich Dinge, über die keiner spricht. Und auch Charlotte scheint etwas zu verbergen. Hinter den schweren Türen des legendären Pitt Clubs wird Hans vor die Wahl gestellt, ob er das Falsche tun soll, um das Richtige zu erreichen.

Kein & Aber

Rezension

Erst wollte ich es nicht kaufen, weil es ALLE, vor allem zum Indiebookday, gekauft haben. Dann hatte ich es auf der Messe (an dem wirklich wunschönen Stand von Kein & Aber <3) in der Hand und wollte es plötzlich doch, konnte mich aber gerade noch zurückhalten. Und dann kam Karla im ARD Buffet… Den Rest könnt ihr euch vermutlich denken und allein die Tatsache, dass ich dieses Buch quasi schon ausgelesen hatte, kurz nachdem ich das Päckchen in Empfang genommen habe, sagt das übrige.

Zum einen ist es natürlich so, dass ich ein großes Faible für Geheimgesellschaften in Büchern habe, das ist also schonmal ein großes Plus. Wenn es dann auch noch um einen so eilitären Club wie den Pitt Club geht, bin ich ganz dabei. Und ich weiß nicht, was das mit mir und dem Boxen ist, aber auch das zieht einfach immer. Aber von vorne…

Wir lernen Hans schon früh kennen, er ist nicht gerade das beliebteste Kind in der Schule und muss Prügel einstecken, bis sein Vater ihn im Boxclub anmeldet. Beliebt wird er dadurch nicht, kann sich aber zumindest verteidigen und bekommt so ein bisschen Respekt und viel Zeit für sich. Doch dann gerät seine Welt aus den Fugen und der einzige Mensch, der ihm Halt geben könnte, schickt ihn in ein Internat. Erst Jahre später kommt Tante Alex mit einer Bitte auf ihn zu, die Hans abschlagen möchte, es aber nicht kann.

Ab da beginnen sich die Puzzleteile langsam zusammen zufügen und ergeben ein Bild, das längst nicht mehr so elitär und besonders ist, wie es zu Anfang scheint. Erzählt wird die Geschichte zudem aus mehreren Perspektiven, die alle die ein oder andere Rolle spielen – ganz wie ein Episodenfilm, bei dem man erst ganz am Ende das komplette Ausmaß und alle Verknüpfungen begreift.

„Der Club“ ist ein kleines, aber großartiges Buch, das viele Wahrheiten enthält, aber mindestens genauso viele Fragen über Moral und die Folgen des eigenen Handeln aufwirft. Lest das!

Weitere Rezensionen

Herzpotenzial || The Read Pack

Der Club

Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
Verlag: Kein & Aber; Auflage: 4. (28. Februar 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3036957537
ISBN-13: 978-3036957531

 

Und wenn euch das gefällt, mögt ihr vielleicht auch…

 

Bücher

Die geheime Geschichte ||  Old School || A Seperate Peace || Die Interessanten

Filme

Dead Poets Society || The Riot Club

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Alles, was ich am Strand gefunden habe – Cynan Jones

Kurzbeschreibung

Zwei Männer, die auf ihre Chance warten. Holden setzt alles daran, ein Versprechen einzulösen, das er einem sterbenden Freund gegeben hat, während Grzegorz auf ein besseres Leben für seine Familie hofft und zu allem bereit ist … Zwei Männer, die auf ihre Chance warten, setzen wider besseren Wissens ihr Leben aufs Spiel. Eine schiefgelaufene Drogenübergabe löst eine fatale Verkettung von Ereignissen aus, in deren Folge sie zum Spielball unkontrollierbarer Kräfte werden. Stringer, der lange im Gefängnis saß und nun merkt, wie sehr sich die Welt verändert hat, wird losgeschickt, um die verloren gegangene Lieferung wieder aufzutreiben. Und um ein Zeichen zu setzen.

Existenzialistischer Thriller, Gegenwartschronik und einfühlsame Charakterstudie zugleich: Cynan Jones hat einen eindringlichen Roman geschrieben über das Streben nach Glück in einer Welt, deren Willkür und Brutalität so unbegreiflich scheint, dass alle Erklärungen versagen. Ein Buch voll untergründiger Spannung, das so lange an Gewissheiten rührt, bis die Wahrheit ans Licht kommt.

Liebeskind Verlag

Rezension

Ich weiß nicht, wie dieser Mann das macht. Schon „Graben“ hat mich so sehr beeidruckt, dass ich es immer und immer wieder erwähnen musste (z.B. hier), ohne dass ich die richtigen Worte dafür gefunden hätte und auch „Alles, was ich am Strand gefunden habe“ hat einen ähnlichen Effekt.

Klar, mann muss sich darauf einlassen wollen, denn weder Grzegorz noch Holden sind auf den ersten Blick Charaktere, die einen zweiten lohnen würden. Und doch verbindet die beiden etwas, das erst im Laufe der Geschichte ans Licht kommt. Cynan Jones schafft es dabei mit nur wenigen Worten eine Geschichte zu erzählen, die gleichzeit spannend, grausam und faszinierend ist. Obwohl man sich mit den Charakteren kaum identifizieren kann, bewegt einen ihr Schicksal und mehr als einmal stellt man sich als Leser die Frage, was man wohl an ihrer Stelle tun würde. Dabei geht es nicht mal um ihr persönliches Glück, sondern das ihrer Lieben. Sowohl Holden als auch Grzegorz handeln in erster Linie für ihre Lieben und es bricht einem das Herz, sie scheitern zu sehen. Einzig Stringer denkt bei all dem nur an sich selbst und verkörpert damit das wirklich Böse.

Dass sich die Geschichte hauptsächlich an der dunklen, stürmischen Küste abspielt, tut ihr übriges und so wird „Alles, was ich am Strand gefunden habe“ zu einem kurzweiligen, aber dennoch gewaltigen und bestürzendem Leseerlebnis.

Alles, was ich am Strand gefunden habe

aus dem Englischen von Peter Torberg

Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
Verlag: Liebeskind; Auflage: 1., Deutsche Erstausgabe (20. Februar 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3954380749
ISBN-13: 978-3954380749
Originaltitel: Everything I found on the Beach

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Die Traumknüpfer – Carolin Wahl

Kurzbeschreibung

Ein atemberaubendes Fantasy-Epos voller Magie, Liebe und Abenteuer

In einer Welt, in der Frühling, Sommer, Herbst und Winter über die Träume mit den Menschen verbunden sind, liegt das Schicksal der vier Jahreszeitenvölker in den Händen der Traumknüpferin Udinaa. Doch als Udinaa – halb Mensch, halb Göttin – erwacht, zerbricht ihr Traum in Abermillionen magische Splitter. Jeder einzelne dieser Splitter verleiht, einmal gefunden, dem Träger die Macht der Götter. Als die Traumsplitter in die Hände eines Verräters fallen, scheint ein gewaltiger Krieg unausweichlich. Einzig Kanaael, der Prinz der Sommerlande, und Naviia, eine junge Clansfrau aus dem Wintervolk, vermögen den Lauf des Schicksals noch zu wenden …

Rezension

Fast ein Jahr hab ich für dieses Buch gebraucht, allerdings lag das nicht am Buch selbst, sondern an der Tatsache, dass just an dem Tag, als ich quasi den Endspurt gestartet habe, eine Diskussion auf Twitter losging , die das Ende betraf und mich minimal dazu gespoilert hat. Das ist nicht cool und es gehört da einfach nicht hin! Also lag das Buch erstmal wieder, bis ich mich am Wochenende doch noch dazu aufraffen konnte, die letzten 200 Seiten zu lesen.

Nun aber zum Buch… das ist nämlich tatsächlich richtig gut. Carolin Wahl hat  hier eine Welt geschaffen, die ihresgleichen sucht. Jede Jahreszeit steht Pate für einen Teil des Landes, welches nur dadurch zusammen gehalten wird, dass die Traumknüpferin Udinaa, halb Göttin und halb Mensch, ihre Träume spinnt und die Menschen so in Frieden leben können. Nach dem Prolog, der auf Ereignisse ein paar Jahre vor der eigentlichen Geschichte eingeht, folgen wir zum einen Kanaael, dem Prinz der Sommerlande, und Naviia, einem Mädchen aus den Winterlanden auf ihrem Weg. Beide Perspektiven sind spannend, weil sie unterschiedliche Geschichten erzählen und man zu Beginn nicht so genau weiß, wie sie zusammenhängen. Es dauert auch tatsächlich relativ lange, bis klar wird, wie ihre Schicksale miteinander verbunden sind (Spoiler: Es ist keine Liebesgeschichte.) Generell geht es in diesem Buch nicht vordergründig um Liebesgeschichten, was durchaus auch funktioniert, wenn die Geschichte drum herum stimmt.

Ein bisschen mehr noch als die beiden Protagonisten haben es mir verschiedene Nebencharaktere angetan, über die ich gerne mehr gelesen hätte, für die es aber nicht genug Raum gab. Generell hatte ich das Gefühl, dass sich der Anfang der Geschichte eher länger zog als notwendig, wodurch dann aber beim Ende alles Knall auf Fall gehen musste. Hier hätte ich mir ein bisschen mehr Zeit gewünscht. Jetzt sind „Die Traumknüpfer“ nunmal ein Einzelband, also ist der Umfang begrenzt, aber es wäre kein Problem, mehr aus dieser wundervollen Welt herauszuholen.

Gestört haben mich an einigen Stellen die Dialoge. Während Carolins Sprache sehr poetisch und bildhaft ist, gab es in den Unterhaltungen hier und da Stellen, die einfach viel zu gewollt jugendlich klangen. Vielleicht hätte man da ein bisschen genauer drauf achten müssen. Es war jetzt nicht so tragisch, immerhin ist es ein Jugendbuch, aber es kam ein paar mal zu oft vor, um darüber hinwegzusehen. Das passte einfach nicht zum Gesamtbild.

Die Geschichte ist rund und abgeschlossen, keine Fragen bleiben offen. Was bleibt ist das Gefühl, dass man noch mehr aus dieser Welt hätte herausholen können und wir mit diesem Buch nur einen kleinen Vorgeschmack auf Carolin Wahls Talent bekommen haben. Ich jedenfalls freue mich auf alles, was da noch kommt. Großes Plus zudem: Endlich gute, deutsche High Fantasy von einer jungen Stimme – gern mehr davon – und zwar bald!

Die Traumknüpfer

Broschiert: 720 Seiten
Verlag: Heyne Verlag (8. Februar 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3453316479
ISBN-13: 978-3453316478

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Geister – Nathan Hill

Kurzbeschreibung

Ein Anruf der Anwaltskanzlei Rogers & Rogers verändert schlagartig das Leben des Literaturprofessors Samuel Anderson. Er, der als Kind von seiner Mutter verlassen wurde, soll nun für sie bürgen: Nach ihrem tätlichen Angriff auf einen republikanischen Präsidentschaftskandidaten verlangt man von ihm, die Integrität einer Frau zu bezeugen, die er seit mehr als zwanzig Jahren nicht gesehen hat. Ein Gedanke, der ihm zunächst völlig abwegig erscheint. Doch Samuel will auch endlich begreifen, was damals wirklich geschehen ist. – Ein allumfassender, mitreißender Roman über Liebe, Unabhängigkeit, Verrat und die lebenslange Hoffnung auf Erlösung, ein Familienroman und zugleich eine pointierte Gesellschaftsgeschichte von den Chicagoer Aufständen 1968 bis zu Occupy Wall Street.

geister_nathanhill

Rezension

„Geister“ ist wieder so ein Buch, mit dem ich auf allen Kanälen penetriert worden bin, vor allem leider von Leuten, deren Meinung ich im Bezug auf Bücher sehr schätze, weswegen ich es letztendlich quasi blind gekauft (wird schon gut sein, wenn die das alle gut finden) und gelesen (was juckt mich der Klappentext, ich find beim Lesen eh raus, worum es geht) habe. Unterm Strich war das kein Fehler, denn trotz seiner mehr als achthundert Seiten habe ich es nicht nur gern, sondern auch recht zügig gelesen.

Das Besondere an diesem Buch ist wohl vor allem anderen seine Aktualität gemessen an der aktuellen politischen Lage in den USA. Ich kann unmöglich sagen, ob das Absicht, weise Voraussicht oder Zufall war, Fakt ist aber, dass ich es im Moment gerne jedem in Hand drücken und zumindest davon erzählen möchte, in der Hoffnung, dass es ein paar Augen öffnet. Zunächst allerdings beginnt all das als harmlose Geschichte.

Samuel ist noch ein Junge, als seine Mutter ihn und seinen Vater von heute auf morgen verlässt. Er kennt weder die Gründe, noch kann er begreifen, wieso sie ihn einfach so im Stich lässt, obwohl er sie doch so sehr braucht. Darauf folgt ein Sprung ins Jetzt – nachdem Samuel mit seinem ersten Roman in bereits jungen Jahren einen großen Erfolg hatte, konnte er nicht daran anknüpfen – ein weiteres Buch blieb aus und so arbeitet er als Professor an einer Universität. In Wahrheit allerdings sind ihm seine Stdenten weitesgehend egal, das, was er ihnen beibringen soll, sowieso und so verwendet er seine Zeit lieber darauf, Elfquest zu spielen, bis an einem Tag das Gesicht seiner Mutter plötzlich durch die Nachrichten geht. Sie soll einen Senator angegriffen haben und außerdem eine Terrosistin sein. Samuel bekommt davon allerdings nichts mit, bis sein Telefon klingelt und der Anwalt seiner Mutter ihn bittet, ein Gutes Wort beim Richter für sie einzulegen.

Lange hatte ich keine Ahnung, worum genau es in diesem Buch nun ging – war es die Geschichte der Mutter? Oder sollte Samuel einfach nur einen Schubs in die richtige Richtung bekommen? Was hatte es mit der Geschichte um Bethany und Bishop auf sich und wie passte Pwange da rein? Ging es im Grunde um 1968 oder doch um das heute? Tatsächlich dauert es bis fast zum Ende des Buches, um das herauszufinden und letztendlich ist es das, was ich dem Buch ein bisschen ankreide. Ich bin grundsätzlich ein Fan davon, wenn die, durchaus wichtige, Botschaft in einer guten Geschichte verpackt ist, ohne dass man sich belehrt vorkommt. Aber hier passiert einfach viel zu viel drum herum, das letztendlich nichts anderes bewirkt, als dass man von der eigentlichen Geschichte abgelenkt wird. Wenn man sich 1-2 Handlungssträge gespart hätte, wäre das Buch auch mit zweihundert  bis vielleicht sogar dreihundert Seiten weniger ausgekommen und wäre dennoch genauso gut. Das ist letztendlich schade. Zudem leidet die Glaubwürdigkeit ein bisschen, wenn alles, aber auch wirklich alles miteinander zusammen hängen soll.

Vielleicht aber war genau das die Absicht – den Leser einfach mit so vielen Informationen zu füttern, dass er den Blick für das Wesentliche verliert, genau wie es Samuel und dem Rest der Welt ging, die alle geglaubt hatten, was die Medien ihnen über Faye weis machen wollte. Zum Teil löst Nathan Hill das geschickt, zu einem anderen aber auch eben auch sehr kitschig. Was bleibt ist die Erkenntnis, dass es eben nicht reicht, sich einfach treiben zu lassen und sein Glück auf sich zukommen zu lassen, gleichzeitig aber zu bedauern, dass es eben nicht kommt. Das Leben ist wie ein Wähle-dein-Eigenes-Abenteuer-Buch – du entscheidest, in welche Richtung du gehst und selbst wenn es die falsche war – niemand kann dich daran hindern, nochmal anzufangen.

Geister

Gebundene Ausgabe: 864 Seiten
Verlag: Piper (4. Oktober 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3492057373
ISBN-13: 978-3492057370
Originaltitel: The Nix

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Die Maschine steht still – E. M. Forster

Kurzbeschreibung

In E. M. Forsters Dystopie leben die Menschen in einer unterirdischen, abgekapselten Welt mit allem Komfort: Das ganze Leben ist durch die Dienstleistungen der »Maschine« perfekt geregelt. Die Menschen haben kein Bedürfnis mehr nach persönlichen Begegnungen, man kommuniziert nur über die Maschine, die über allem wacht. Ihr Handbuch ist zu einer Art Bibel geworden, die Menschen sind gefangen in ihrer absoluten Abhängigkeit von der Technik, die sie nicht mehr kontrollieren können. Doch nach und nach geht das Wissen, das hinter der Maschine steckt, verloren und das System wird anfällig für Pannen …

Rezension

„Die Maschine steht still“ ist ein wunderbarer Beweis dafür, dass eine Dystopie nicht gewaltig sein muss, um Eindruck zu schinden. Manchmal reichen auch nur wenige Worte so wie hier auf den knapp achzig Seiten.

Was wäre, wenn unser Leben komplett abhängig von einer Maschine wäre? Was wäre, wenn diese Maschine alles für uns regelt, uns sagt, wann wir denken und wann wir Pause machen können, wie wir Ideen bekommen und auch sie uns auch direkt liefert? Wenn sie für uns sorgt, indem sie uns sagt, wann wir etwas essen oder schlafen müssen? Und was wäre, wenn sie dann plötzlich ausfällt?

E. M. Forster erschafft in diesem Buch nicht nur eine Welt, die so vollkommen anders ist als unsere, er zerstört sie auch im gleichen Atemzug. Unter all den anderen Dystopien ist das sicherlich nichts neues, aber dennoch beachtlich, wenn man bedenkt, dass dieses Zukunftsszenario bereits 1909 erdacht wurde. Überhaupt sind es meiner Meinung nach die älteren Werke wie auch „Brave New World“, die mich weit mehr erschrecken, als das was heutzutage als Dystopie so auf den Markt kommt.

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen eine Mutter und ihr Sohn – sie vollkommen überzeugt vom System, das ihr Leben regelt, er mit dem Hunger nach mehr, Neugierde und Zweifeln an den bestehenden Regeln. Auch wenn sie zunächst grundverschiedene Ansichten haben, kommt die Mutter letztendlich nicht umhin, ihrem Sohn Gehör zu schenken und die Reise zu ihm zu wagen.

Bei Geschichten wie diesen ist es, als stünde mein Opa plötzlich wieder hinter mir und würde mir einbläuen, dass wir uns nicht ausschließlich von Maschinen abhängig machen dürfen. Wir verlieren nicht nur die Kontrolle, sondern hören irgendwann auch auf zu denken und können nicht mehr allein zwischen richtig und falsch unterscheiden.

Ein kleines Buch mit großer Wirkung und einer noch größeren Botschaft. Auch wenn es schon alt ist, hat es über die Jahre nichts an Aktualität eingebüßt.

Die Maschine steht still

Gebundene Ausgabe: 80 Seiten
Verlag: HOFFMANN UND CAMPE VERLAG GmbH (14. Oktober 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3455405711
ISBN-13: 978-3455405712

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