A Conjuring of Light (Shades of Magic #3) – V. E. Schwab

 A Darker Shade of Magic || A Gathering of Shadows

Kurzbeschreibung

The precarious equilibrium among the four Londons has reached its breaking point. Once brimming with the red vivacity of magic, darkness casts a shadow over the Maresh Empire, leaving a space for another London to rise. Kell-once assumed to be the last surviving Antari-begins to waver under the pressure of competing loyalties. Lila Bard, once a commonplace-but never common-thief, has survived and flourished through a series of magical trials. But now she must learn to control the magic, before it bleeds her dry. Meanwhile, the disgraced Captain Alucard Emery and the Night Spire crew are attempting a race against time to acquire the impossible, as an ancient enemy returns to claim a crown and a fallen hero is desperate to save a decaying world…

Rezension

Es ist schon irgendwie gemein. Da wartest du ewig auf den Erscheinungstermin, bekommst das Buch tatsächlich pünktlich – und dann brauchst du eine weitere Ewigkeit, um es zu lesen. Und das, obwohl du tatsächlich gleich angefangen hast. Aber das Problem kenne ich bei Schwab leider schon. Das Ding ist nämlich – sie schreibt unfassbar gut, aber man muss sich darauf einlassen. Es geht nicht, mal eben so ein paar Seiten zu lesen man muss aufmerksam sein und nur dann wird man am Ende vielleicht erkennen, wie groß diese Geschichte ist.

Es geschieht unheimlich viel zwischen den Zeilen, während vordergründig das Tempo eher schleppend wirkt. Ich sage immer ein bisschen scherzhaft, das man ca. 70% des Buches braucht, bis die Hölle losbricht und sich alles überschlägt, aber im Grunde es ist genau so. Das Unwetter baut sich langsam auf, aber wenn es dann da ist, haut es einen um.

Besonders fällt auf, wie gut geplant die komplette Trilogie ist. Schwab weiß, was sie tut und überlässt nichts dem Zufall. Deshalb greift alles wunderbar ineinander, was darunter aber manchmal leidet, sind die Charaktere und deren Zusammenspiel. Sie sind alle unglaublich gut gezeichnet, jeder hat seine Eigenheiten und speziellen Charakterzüge. Nur ihre Beziehungen zueinander sind da nicht unbedingt spürbar. Man versteht natürlich, wieso Kell von Lila angezogen wird, nicht aber, warum es zwischen den beiden funktioniert oder gar funken soll. Gleiches gilt für Alucard und Rhy. Ja, Rhy ist Alucard wichtig und sie funktionieren zusammen, aber wieso ist das so?

Jetzt ist es natürlich eine Geschichte, die nicht so sehr von der charakterlichen Dramatik lebt, all das ist mehr hintergründig und auch wenn man hier natürlich das ein oder andere Ship finden kann, ist es nicht so, dass man nur wegen der Charaktere weiterlesen will. Das macht es, im Vergleich zu anderen Jugendbüchern, eher schwierig. Dann wiederum ist aber die Frage, ob es überhaupt ein Jugendbuch ist?

Jemand, der erst mit Schwab anfängt, sollte zuerst lieber zu Vicious oder The Archived greifen, um einen Eindruck zu bekommen, was einen erwartet. Und bis dahin sind dann vielleicht auch alle Teile auf deutsch erschienen, denn bei den Vier Farben der Magie lohnt es sich, am Ball zu bleiben.

A Conjuring of Light (Shades of Magic #3)

Taschenbuch: 667 Seiten
Verlag: Titan Publ. Group Ltd. (21. Februar 2017)
Sprache: Englisch
ISBN-10: 1785652443
ISBN-13: 978-1785652448

Vier Farben der Magie (bereits erschienen)
Die Verzauberung der Schatten (23. November 2017)
Die Beschwörung des Lichts (Frühjahr 2018)

 

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Lord of Shadows (The Dark Artifices #2) – Cassandra Clare

Zu meiner Rezension von Lady Midnight (The Dark Artifices #1) gehts hier.

Kurzbeschreibung

Emma Carstairs has finally avenged her parents. She thought she’d be at peace. But she is anything but calm. Torn between her desire for her parabatai Julian and her desire to protect him from the brutal consequences of parabatai relationships, she has begun dating his brother, Mark. But Mark has spent the past five years trapped in Faerie; can he ever truly be a Shadowhunter again? And the faerie courts are not silent. The Unseelie King is tired of the Cold Peace, and will no longer concede to the Shadowhunters‘ demands. Caught between the demands of faerie and the laws of the Clave, Emma, Julian, and Mark must find a way to come together to defend everything they hold dear-before it’s too late.

Rezension

Okay, ich hoffe ihr alle habt Lady Midnight gelesen, denn man kann einen zweiten Band nicht rezensieren, ohne den ersten zu spoilern. Falls nicht, könnt ihr jetzt noch umdrehen oder aber, und das wäre Möglichkeit drei, es ist euch egal. Auch dann will ich euch nicht aufhalten. Aber ich wollte zumindest mal gewarnt haben^^

Lord of Shadows setzt zwei Wochen nach den Geschehnissen aus Lady Midnight an. Malcolm Fade ist tot, versunken im Meer und mit ihm das Schwarze Buch. Emma hat sich von Julian, ihrem Parabatai, getrennt und spielt ihm vor, jetzt mit seinem Bruder Mark zusammen zu sein. Sie tut das vor allem, um Julian zu schützen, aber natürlich tut sie ihm damit weh. Und ganz nebenbei fällt die Cohort ins Institut ein, um den Mord an Fade aufzuklären.

Um das Buch zu mögen muss man natürlich grundsätzlich schonmal ein Fan von Cassandra Clare oder den Shadowhunters sein, alles andere macht keinen Sinn. Und wer das alles doof finden will, findet genug. Nur ist es eben für die Fans gerade das Erwartbare, dass auch mich immer wieder zu den Büchern greifen lässt. Natürlich steht eine unmögliche Liebesgeschichte im Vordergrund und natürlich fallen pathetische Sätze, die man im echten Leben nicht mal mit viel Alkohol ertragen könnte. Und trotzdem ist es schön.

Es ist schön zu sehen, wie diese Geschichte über mittlerweile 13 Bücher ineinander greift und sich selbst ergänzt, ohne sich zu sehr zu wiederholen. Clare hat sich hier ein eigenes Universum geschaffen und mittlerweile sehe sogar ich ein, dass es dumm wäre, damit aufzuhören. Es bietet einfach zu viele Möglichkeiten, um langweilig zu werden. Und selbst wenn, sind da ja immer noch die Charaktere…

Ich kann mir nicht helfen, aber ich mag Julian einfach sehr, sehr gerne. Er ist so ganz anders als Jace oder Will und gerade das braucht es eben auch. Es muss nicht immer der sarkastische, talentierte und unfassbar gutaussehende Protagoist sein. Manchmal reicht es schon, wenn er einfach alles für seine Familie tun würde, so wie Jules. Für seine Geschwister und auch für Emma würde er alles tun und schreckt vor fast nichts zurück. Emma ist ihm da ein Stück weit ähnlich, nur liegt der Unterschied eben auch klar auf der Hand: Emma hat nichts mehr zu verlieren, aber jede Entscheidung, die Juian trifft, hat Auswirkungen auf seine jüngeren Geschwister. Dass er dabei manchmal über die Stränge schlägt und sogar Emma Angst macht, wirkt auf den ersten Blick verstörend, aber es zeigt eben auch: Egal wie gut man glaubt, jemanden zu kennen – sein wirkliches Gesicht sieht man erst in Extremsituation.

Das Schöne an dem Buch ist allerdings auch gleichzeitig das Furchtbare. Ich mag die Vielfalt der Charaktere, denn neben Julian und Emma geht es eben auch um Christina, Mark, Kieran und Kit sowie Julians jüngere Geschwister. Nur wird es manchmal ein bisschen viel, gerade wenn alle am selben Ort sind oder eine Thematik die nächste quasi abklatscht. So gibt es mit Mark einen Charakter, der Bi ist; ein weiterer ist (zumindest andeutungsweise) schwul und einen Transgender-Charakter gibt es auch. Das ist grundsätzlich sehr löblich, weil divers, aber es ist eben auch sehr, sehr viel Input. Schlussendlich kommen dann auch noch die Charaktere dazu, die man aus den vorhergehenden Reihen bereits kennt.

Mit all den Charakteren lässt sich allerdings auch die Handlung an mehrere Orte gleichzeitig verlegen. So finden wir uns zwar natürlich in Los Angeles, allerdings auch in London, Cornwall und schließlich in Idris wieder. Das ist schon sehr spannend.

Das Ende ist tatsächlich furchtbar und ich weiß nicht, wie man das aushalten soll, bis 2019 auf die Auflösung zu warten. Zudem ist es sehr realistisch, wenn man bedenkt, welche politischen Umbrüche gerade in der realen Welt stattfinden und wie Revolutionen oder Aufstände entstehen- Stichwort: Cohort. Diese Gruppe ist neu und hat es wirklich in sich – und das nicht auf lustige Weise.

Es gibt Tote, allerdings niemand wirklich wichtiges, was halt auch wieder… doof ist. Es ist, als würde Clare sich nicht trauen, jemanden umzubringen und wenn sie es dann doch tut, muss es ausgerechnet der eine sein, der hätte helfen können, die Lage etwas entspannter zu machen. Nur, das er eben nicht der einzige ist. Julian und Emma hätten auch zu fast jedem anderen mit ihrem Parabatai-Problem gehen können – haben sie aber nicht.

Letztendlich ist es schwer, jemanden zu einem zweiten Teil zu überzeugen. Was ich allerdings sagen kann ist, dass The Dark Artifices auch für diejenigen ein perfekter Einstieg in die Shadowhunter-Welt sind, die die bisherigen Bücher nicht gelesen haben. Man braucht sie nicht zwingend für das Vorwissen, wird sie danach aber vielleicht noch lesen. Aber irgendwie muss man ja die Wartezeit überbrücken, ne?

Lord of Shadows (The Dark Artifices #2)

Taschenbuch: 699 Seiten
Verlag: Simon & Schuster Childrens Books (23. Mai 2017)
Sprache: Englisch
ISBN-10: 1471116654
ISBN-13: 978-1471116650
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 14 – 17 Jahre

Lord of Shadows: Die Dunklen Mächte 2 erscheint am 9. Oktober 2017.

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Good Night Stories for Rebel Girls – Elena Favilli & Francesca Cavallo

Kennt ihr Michelle Obama, Astrid Lindgren und Coco Chanel? Vermutlich. Aber wie siehts aus mit Grace O’Malley, Margaret Hamilton, Mary Edwards Walker und vielen anderen? Eher nicht so? Ja, das war bei mir auch so, aber dann las ich dieses Buch und habe nun fast 100 Biografien von wundervollen Frauen, die ich nachschlagen muss.

Kurzbeschreibung

What if the princess didn’t marry Prince Charming but instead went on to be an astronaut? What if the jealous step sisters were supportive and kind? And what if the queen was the one really in charge of the kingdom? Illustrated by sixty female artists from every corner of the globe, Good Night Stories for Rebel Girls introduces us to one hundred remarkable women and their extraordinary lives, from Ada Lovelace to Malala, Amelia Earhart to Michelle Obama. Empowering, moving and inspirational, these are true fairy tales for heroines who definitely don’t need rescuing.

Es muss so im November/Dezember letzten Jahres gewesen sein, als ich in einem von Anna Frosts Vlogs plötzlich das Buch sah und mich quasi instant verliebt habe. Dank Google fand ich die mittlerweile abgelaufene Kickstarter-Kampagne und die unfassbar große Resonanz – statt der 40.000$ zur Realisierung des Projekts waren weit über 600.000$ zusammengekommen – und die Geschichte des Buches liest sich selbst wie ein Märchen. Elena Favilli und Francesca Cavallo hatten nach einem Online-Magazin, mehreren Apps und diversen Büchern für Kinder die Idee für dieses ambitionierte Projekt. Grundgedanke dabei war, dass es gerade für Mädchen wichtig ist, nicht nur von erfolgreichen Männern zu lernen, sondern auch zu sehen, dass man als Mädchen alles schaffen kann, wenn man nur will. Nur leider sind Geschichten über großartige Frauen rar, obwohl es sie gibt. Die beiden beschlossen etwas dagegen zu tun und genau deshalb entstand die Idee für dieses Buch. Das bedeutet aber nicht, dass es nur für Mädchen ist – auch Jungs können viel daraus lernen und selbst Erwachsene werden damit ihren Spaß haben.

Good Night Stories for Rebel Girls beinhaltet 100 Geschichten, die jeweils auf einer Seite Text erzählt werden – das ist nicht viel, aber ausreichend für eine kleine Gute Nacht Geschichte. Sie alle sind im Stil von Märchen geschrieben, beinhalten die wichtigsten Informationen und erzählen in nur wenigen Worten großartige Geschichten. Auf der zweiten Seite findet sich ein Portrait zur Gechichte, gezeichnet von verschienen Künstlerinnen. Natürlich kennt man viele dieser Frauen, zumindest grob vom Namen her. Ich würde schätzen, dass ich zumindest mit der Hälfte wenigstens vom Namen was anfangen konnte. Aber die andere Hälfte bietet eben Frauen, deren Namen und Geschichten einem gänzlich unbekannt sind, und genau das sind die eigentliche Schätze an diesem Buch.

Nicht selten hab ich eine der Geschichten gelesen und saß danach mit leicht feuchten Augen da, wenn man reaslisiert, gegen wen oder was sich diese Frau durchsetzen musste, um an ihr Ziel zu kommen. Und die Tatsache, dass sie es trotzdem geschafft und nicht aufgegeben hat, macht Mut. Viele der Frauen musste ich danach erstmal googeln, weil ich weit mehr wissen wollte, als die kurze Geschichte zu bieten hatte. Wusstet ihr beispielsweise, dass es eine weibliche, lesbische Piratin namens Jacquotte Delahaye gab? Wie unfassbar cool!

Man kann Good Night Stories for Rebel Girls noch immer direkt über Kickstarter bzw. auch über die Website kaufen, aber seit März auch überall sonst, weil es zudem bei Penguin erschienen ist. Wer das alles nicht auf englisch sondern auf deutsch lesen möchte, muss bis zum 25. September warten, wenn Good Night Stories for Rebel Girls auch auf deutsch beim Hanser Verlag erscheint. Es ist – wenn ihr mich fragt – das perfekte Geschenk für jeden!

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Fantastic Beasts and Where to Find Them: The Original Screenplay – J. K. Rowling

Kurzbeschreibung

When Magizoologist Newt Scamander arrives in New York, he intends his stay to be just a brief stopover. However, when his magical case is misplaced and some of Newt’s fantastic beasts escape, it spells trouble for everyone . . .

Inspired by the original Hogwart’s textbook by Newt Scamander, Fantastic Beasts and Where to Find Them: The Original screenplay marks the screenwriting debut of J.K. Rowling, author of the beloved and internationally bestselling Harry Potter books. A feat of imagination and featuring a cast of remarkable characters and magical creatures, this is epic adventure-packed storytelling at its very best. Whether an existing fan or new to the wizarding world, this is a perfect addition for any film lover or reader’s bookshelf.

Rezension

So rein vom Grundsatz her fand ich die Idee, das Drehbuch zum Film zu veröffentlichen schon doof. Bei Harry Potter and the Cursed Child ist das was anderes – das Theaterstück ist nicht jedem zugänglich und so war es nett, alle fans an der Geschichte teilhaben zu lassen. Bei Fantastic Beasts allerdings steht es ja jedem frei, ins Kino zu gehen oder nicht oder sich den Film später anzusehen. Wozu also ein Skript?

Die kurze Antwort lautet: braucht man nicht. Jetzt ist es aber so, dass ich als großer Harry Potter Fan natürlich erstmal alles haben muss, um mir dann eine eigene Meinung zu bilden und so zog natürlich auch das Skript zum Film zum Erscheinungstag bei mir ein. Es hat sich nicht ergeben, den Film im Kino zu sehen, also dachte ich – liest du’s halt. Nur hat auch das gedauert. Im Vergleich zu Harr Potter and the Cursed Child kam ich nur schwer rein und legte es schnell wieder beiseite. Das Interesse war einfach nicht soo groß.

Als dann Ende März die Benachrichtigung kam, dass ich den vorbestellten Film jetzt ansehen kann, fiel mir wieder ein, dass da ja ein Buch war, das ich zuerst lesen wollte. Ich setzte mich also hin und beendete es. Es war jetzt nicht uninteressant, stinkt aber im Vergleich zum Film ab, weil es einfach einen Unterschied macht, ob man nur liest, was passiert oder es sieht und hört. Es ist nett, dass man es in de Händen halten kann, aber die knapp 15€ kann man sich letztendlich sparen, wenn man den Film ohnehin sehen will.

 

Ich bin damit jetzt wahrscheinlich sehr spät dran, aber falls doch noch jemand zweifelt, ob es das Geld wert ist… steckt es lieber in eins der Zusatzwerke zum Film, wo vielleicht noch ein paar Hintergrundinfos versteckt sind. Davon habt ihr mehr.

Fantastic Beasts and Where to Find Them: The Original Screenplay

Gebundene Ausgabe: 304 Seiten
Verlag: Little, Brown; Auflage: 01 (18. November 2016)
Sprache: Englisch
ISBN-10: 1408708981
ISBN-13: 978-1408708989
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 9 – 11 Jahre

Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind: Das Originaldrehbuch

übersetzt von Anja Hansen-Schmidt

Gebundene Ausgabe: 304 Seiten
Verlag: Carlsen (14. Januar 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3551556946
ISBN-13: 978-3551556943
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren
Originaltitel: Fantastic Beasts and Where to Find Them: The Original Screenplay

(Und falls euch das Notizbuch gefällt: das, und weitere, gibts hier.)

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Fuchsteufelsstill – Niah Finnik

Kurzbeschreibung

Die siebenundzwanzigjährige Juli steht mitten im Leben – manchmal sogar ein bisschen zu sehr. Sie ist Autistin und jeder Tag bedeutet eine gewaltige Masse an Emotionen, die es zu meistern gilt. Als Juli nach einem missglückten Suizidversuch auf eine psychiatrische Station kommt, trifft sie dort auf die überschwänglich-herzliche Sophie und auf Philipp, der mal mehr und mal weniger er selbst, aber stets anziehend für Juli ist. Die drei nehmen Reißaus und verbringen ein gemeinsames Wochenende, nachdem nichts mehr so ist wie zuvor.

Ullstein Fünf


Rezension

 

Wie eigentlich alle anderen Bücher aus dem Ullstein Fünf-Programm hab ich auch dieses blind gekauft. Ja, bei Ankündigung des neuen Programms habe ich den Klappentext gelesen, aber da ich wusste, dass ich alle haben muss, eben auch genauso schnell wieder vergessen. Dementsprechend hatte ich eigentlich auch keine Erwartungen.

Und was soll ich sagen? Eine außergewöhnliche Perspektive und eine Protagonstin, die man einfach gern haben muss, machen dieses Buch zu einem ganz besonderem. Für ca. 70% des Buches habe ich mich mit Juli sehr wohl gefühlt. Es ist etwas Neues, die Welt durch ihre Augen zu sehen und es ist manchmal nicht leicht, keine Frage, aber das wäre ja auch langweilig. Zu Anfang dachte ich noch, dass sich ein Großteil der Geschichte in der klinik abspielen wird, war dann aber doch ganz froh, als dem nicht so war.

Im Grunde geht es darum, sich der eigenen Angst zu stellen und sich ihr entgegen zu setzen, und ganz nebenbei um eine zarte, junge Liebe. Manchmal hätte ich mir mehr Hintergrund gewünscht – wieso zum Beispiel spielt der beste Freund nur am Anfang eine Rolle? Was genau ist zwischen Juli und ihrer Mutter passiert? Und wie darf ich diese halben Theraphie-Gespräche in der klinik verstehen? Aber letztendlich sind das alles Nebensächlichkeiten und vielleicht sollte man es einfach darauf zurückführen, dass es für Juli auch keine große Bedeutung hat.

Einzig das letzte Drittel lies mich etwas unbefriedigt zurück, dabei kann ich nichtmal genau festmachen, was mich gestört hat. Es war als Handlungsverlauf nicht schlecht, aber einfach sehr unruhig und verworren.

Der Text an sich besticht durch eine wundervolle Sprache in Verbindung mit präziser Sachlichkeit. Ich habe so viele Stellen angestrichen, wie schon lange nicht mehr in einem Buch.

Fuchsteufelsstill

 

Broschiert: 304 Seiten
Verlag: Ullstein fünf (7. April 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 396101003X
ISBN-13: 978-3961010035

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A Little Life – Hanya Yanagihara

Kurzbeschreibung

A Little Life follows four college classmates—broke, adrift, and buoyed only by their friendship and ambition—as they move to New York in search of fame and fortune. While their relationships, which are tinged by addiction, success, and pride, deepen over the decades, the men are held together by their devotion to the brilliant, enigmatic Jude, a man scarred by an unspeakable childhood trauma. A hymn to brotherly bonds and a masterful depiction of love in the twenty-first century, Hanya Yanagihara’s stunning novel is about the families we are born into, and those that we make for ourselves.

Rezension

Wie fasst man ein Buch in Worte, über das zumindest gefühlt schon alle geredet haben? Ich habe versucht, all dem aus dem Weg zu gehen und möglichst unvoreingenommen an das Buch ranzugehen. Es hat nicht geklappt. Maras Rezension habe ich gelesen, bevor ich angefangen habe, weil sie eine der wenigen ’schlechten‘ war und ich wissen wollte, ob all das Lob nur Humbug ist. Ein bisschen demotiviert war ich danach, ich dachte nicht, dass es mir gefallen würde und fing skeptisch an.

Ich weiß, dass ich 1.000 Seiten in zwei Tagen lesen kann, ich habe es schon getan, und vielleicht hätte ich es geschafft, wenn der Hanser Verlag mich in eine einsame Hütte eingeladen hätte – hat er aber nicht. Stattdessen musste ich mir die Zeit irgendwie nehmen und habe für dieses Buch ganze drei Monate gebraucht. Ich brauchte sie auch, weil ich es immer wieder weglegen musste. Zu schlimm, um weiterzulesen, viel zu schlimm, um nicht zu wissen, wie es ausgeht. Es war ein Kampf, aber ich hab ihn gewonnen. Ich hab es geschafft und ich möchte eigentlich, dass ihr es auch tut. Auch wenn es schwer ist, auch wenn es weh tut.

Man kann eigentlich nicht begreifen, wie einem Menschen, in diesem Fall Jude, im Laufe eines Lebens so viel Scheiße widerfahren kann. Hätte man mir vorher eine Kurzfassung davon gegeben, hätte ich gesagt, all das sei unglaubwürdig und an den Haaren herbeigezogen. Viel zu überzogen und dramatisch. Aber beim Lesen selbst hatte ich das Gefühl nicht. Ich wollte Jude in den Arm nehmen und ihm zeigen, wie sehr er von jedem einzelnen geliebt wird, wie wichtig er für all seine Freunde und seine Adoptiveltern, ja selbst für seine Arbeitskollegen ist. Aber, und auch das spürt man deutlich, manchmal reicht all die Liebe dieser Welt einfach nicht aus. Wenn alles im Leben ein einziger Kampf zu sein scheint und man sich zwingen muss, weiter zu machen, ist es dann lebenswert?

Ich hab keine Antwort darauf. Für Jude habe ich mir mehrmals gewünscht, dass sie ihn von seinem Versprechen entlassen, dass er gehen kann und sie es verstehen. Für all die anderen wünschte ich mir, dass sie endlich etwas finden, das wirkt und es Jude leichter macht, zu bleiben.

„A Little Life“ ist ein grausames Buch. Aber es ist auch wunderschön. Es zeigt einem neben all den furchtbaren Sache eine tiefe Freundschaft und Verbundenheit. Den wenigsten ist es vergönnt, über dreißig Jahre mit den gleichen Menschen befreundet zu sein und gemeinsam mit ihnen zu wachsen. Auf der anderen Seite ist es dann auch irgendwie logisch, dass man den Mut verliert, wenn diese Menschen plötzlich einer nach dem anderen nicht mehr da sind.

Müsste ich etwas kritisieren, dann die Tatsache, dass Jude diese Liebe und die damit verbundene Hilfe nur sehr selten zulässt und sich niemandem, nicht einmal Willem, wirklich anvertraut. Aber auch da stellt sich die Frage – kann man es ihm verübeln? Ich glaube nicht. Ich glaube eher, dass es etwas unrealistisch ist, dass ihm so viele über so viele Jahre die Treue halten und trotz seiner Entscheidungen zu ihm stehen. Sei es nun Harold oder Andy, Willem oder einer der anderen – alle haben einen großen Platz in ihrem Herzen für Jude reserviert und würden sofort alles stehen und liegen lassen, wenn er sie braucht. Aber sie dringen nicht zu ihm durch, nicht richtig, weil sie nicht alles wissen. Er wiederum kann, aber vor allem will er ihnen nicht alles anvertrauen und kann sie so nicht an sich heran lassen. Hinzu kommt, dass er glaubt, all das nicht wert zu sein.

Ich kann verstehen, wenn dieses Buch für den ein oder anderen zu viel ist und wenn man sich nicht rantraut, aber ich bitte euch trotzdem, es zu versuchen. Neben all dem, was es auslöst, ist es wunderbar geschrieben. Wäre ich nicht hin und wieder darauf aufmerksam gemacht worden, dass sich einige Leute daran störten, dass man die Geschichte zum Beispiel zeitlich nicht einodnen kann, weil es keine historischen Eckpunkte oder popkulturelle Ereignisse als Hinweis gibt, so hätte ich es nicht gemerkt. Es hat mich auch nicht interessiert, um ehrlich zu sein. Die Geschichte nimmt einen so ein, dass es schlicht und ergreifend keine Rolle spielt, wann sie spielt.

Ich werde die Jungs vermissen, jetzt, nachdem ich so viel Zeit mit ihnen verbracht habe und ich bin froh, dass ich es getan habe. Der Hanser Verlag wirbt mit dem Slogan „Sie werden über dieses Buch sprechen wollen!“ und er hat recht. Ich möchte nicht nur darüber sprechen, ich möchte es jedem in die Hand drücken. Es ist nicht nur „Ein wenig Leben“, es ist ein ganzes Leben voller Leid, aber dazwischen gibt es eben auch immer die guten Jahre, für die es sich lohnt.

Weitere Rezensionen

Buzzaldrins Bücher || Literaturen || little words

A Little Life

 

Taschenbuch: 832 Seiten
Verlag: Anchor; Auflage: Reprint (26. Januar 2016)
Sprache: Englisch
ISBN-10: 0804172706
ISBN-13: 978-0804172707

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