Und wenn die Welt verbrennt – Ulla Scheler

Kurzbeschreibung

Er ist ein Junge mit bunten Kreiden, der Menschen in Bildern auf dem Asphalt einfängt. Sie ist ein Mädchen mit einem dunklen Geheimnis, das niemanden an sich heranlässt. Felix und Alisa. Beide leben in ihrer eigenen Welt, bis sie sich durch Zufall begegnen. Und plötzlich ist es ausgerechnet Alisa, die Felix versteht wie niemand sonst. Zusammen sind sie stark, fast unschlagbar. Bis ein Haus brennt und Alisa von den Schatten der Vergangenheit eingeholt wird …


Rezension

Als ich im letzten Jahr Ulla Schelers Debut Es ist gefährlich bei Sturm zu schwimmen gelesen habe, wusste ich schon, dass ich ihr nächstes Buch auch lesen muss. Glücklicherweise musste ich darauf jetzt nicht so unendlich lange warten.

Als ich angefangen habe zu lesen, war ich dank Ullas Schreibstil sofort gefangen und habe des Buch quasi in einem Rutsch inhaliert. Es ist genau die richtige Mischung aus Erzählen, aber nicht zu viel Preis geben, hinzu kommen die wechselnden Perspektiven von Felix und Alisa, die zusätzlich Spannung aufbauen.

Die Geschichte baut sich langsam auf, jeder von beiden hat seine eigenen Probleme. Felix, der viel zu oft im Schatten seines Bruders steht und irgendwie nicht von der Stelle kommt und Alisa, die ein schweres Geheimnis mit sich herumträgt, über das sie nicht spricht. Als dann ihr Bruder auftaucht, wird das Glück der beiden auf die Probe gestellt, denn nach und nach erinnert sich Alisa.

Ulla Scheler schreibt in der Danksagung, dass einem manche Bücher leicht von der Hand gehen und dass dieses keins davon war. Leider merkt man das auch, denn im Vergleich zu ihrem Debut hatte ich hier oft Probleme mit der Glaubwürdigkeit. An manchen Stellen erschien mir die Geschichte einfach zu konstruiert, zu dramatisch, um wahr zu sein. Bei Es ist gefährlich bei Sturm zu schwimmen war es ausgerechnet diese nüchterne Glaubwürdigkeit, die mich begeistert hat, und hier brennt mal eben jemand ein Haus ab, dabei stirbt ein Mensch und einer schweigt sich aus und der andere vergisst es ganz. Das macht das Buch nicht schlecht, aber die Geschichte hat das einfach nicht nötig.

Viel lieber hätte ich einfach mehr davon gelesen, wie Felix versucht, seinen Weg zu gehen und wie Alisa ihren eigenen findet wie sie sich beide unterstützen – ganz ohne dunkle Vergangenheit und Missverständnisse, ganz ohne großes Drama, dafür aber mit viel Herz.

Und wenn die Welt verbrennt

Broschiert: 432 Seiten
Verlag: Heyne Verlag (18. September 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3453271424
ISBN-13: 978-3453271425
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren

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Lieber Daddy-Long-Legs – Jean Webster

Kurzbeschreibung

Fast 18 Jahre hat Judy Abbott im Waisenhaus gelebt. Wegen ihrer literarischen Begabung wird sie nun von einem geheimnisvollen Wohltäter aufs College geschickt. Der Mann möchte namenlos bleiben, Judy soll ihm aber jeden Monat einen Brief über ihre Fortschritte schreiben. Voller Begeisterung stürzt sich Judy in dieses unbekannte Leben. Mehr als einmal im Monat schreibt sie „Mr Smith“, denn sie hat ja sonst niemanden auf der Welt, mit dem sie ihre Erlebnisse teilen kann. Briefe voller Witz, über Hüte und Literatur, über neue Freundschaften und immer öfter auch über den sympathischen Jervis Pendleton.

Rezension

Ich möchte diese Rezension mit einer kleinen Geschichte beginnen… Es war Anfang März, als ich eine Mail bekam, die mich für die Buchmesse zu einem königlichen Kaffeekränzchen einlud. Ich hab den Kontakt zum Verlag nicht gesucht, mich aber trotzdem sehr gefreut, weil die Königskinder nicht nur besondere Bücher veröffentlichen, sie machen es auch mit extrem viel Liebe. Nicht, dass ich das nicht schon vorher gewusst hätte, bieten sie doch z.B. Ruta Sepetys ein wundervolles zu Hause, aber an diesem Nachmittag auf der Messe habe ich eben gemerkt, dass es wirklich von Herzen kommt. Allein wie Barbara König über Lieber Daddy-Long-Legs gesprochen hat, hat gereicht um das Buch vorzubestellen und unbedingt lesen zu wollen. Just an dem Tag, an dem ich angefangen habe, es zu lesen, kam die Nachricht, dass im Frühjahr 2018 das letzte Programm des Imprints erscheinen wird und das macht mich tatsächlich sehr traurig, denn gerade Bücher wie dieses machen den Verlag aus.

Liebe Daddy-Long-Legs ist zuerst 1912 erschienen und das sollte man wissen, wenn man dieses Buch lesen möchte, da es einfach von einer ganz anderen Zeit erzählt. Judy (oder Jerusha) lebt in einem Waisenhaus, dem sie eigentlich schon entwachsen ist. Es ist nur der Mildtätigkeit der Leiterin zu verdanken, dass sie auch nach Abschluss der Schule weiterhin dort bleiben und arbeiten kann. Am ersten Mittwoch im Monat besucht einer der Treuhänder der Stiftung das Waisenhaus und auch wenn diese Tage für Judy in erster Linie Arbeit bedeuten, wandelt sich das, als sie erfährt, dass sie als erstes Mädchen in den Genuss eines Stipendiums kommt und so dem Waisenhaus entfliehen kann. Alles, was sie dafür tun muss, ist einmal im Monat einen Brief an ihren anonymen Gönner zu verfassen.

So kommen wir zur zweiten Sache, die man über das Buch wissen muss – es besteht aus eben diesen Briefen, die Judy dem Treuhänder schreibt und so erfahren wir alles aus ihrem Leben, an dem sie ihren Gönner teilhaben lässt, können das aber natürlich auch nur einseitig beeurteilen. Trotzdem ensteht ein relativ klares Bild, nicht zuletzt deswegen, weil Judy und nicht nur an ihren Lernfortschritten, sondern auch an ihrer Gefühlswelt teilhaben lässt. Manchmal freut sie sich über die Möglichkeit, die der Treuhänder, den sie liebevoll Daddy-Long-Legs nennt, ihr geboten hat, manchmal ist sie aber auch wütend, weil er sich einmischt oder vor allem deswegen, weil er ihr nie persönlich antwortet – denn das war eine seiner Bedingungen. Und immer öfter berichtet sie, leicht verliebt, von einem Jungen Mann, den sie scheinbar durch Zufall getroffen hat.

Nun muss man nicht annähernd so klug wie Sherlock Holmes sein, um sich zusammen zu reimen, wo das vielleicht hinführen mag, man sollte sich dann aber auch vor Augen halten, dass es eben ein Kinderbuch ist und jüngere Leser den ein oder andere Wink mit dem Zaunpfahl vielleicht noch nicht als solchen verstehen. Sei’s drum, auch als Erwachsene hatte ich viel Spaß mit dem Buch und der Geschichte, vor allem aber mit Judy, die, bezogen auf die Zeit in der sie lebt, ein starkes Beispiel für eine eigensinnige, ehrliche, freundliche, junge Frau ist, die sich nichts gefallen lässt und den Mund aufmacht, wenn ihr etwas nicht passt. Sie sucht sich sogar einen neuen Namen (Judy) aus, weil ihr der aus dem Waisenhaus (Jerusha) nicht mehr gefällt, ganz zu schweigen von der Tatsache, dass sie ihren Traum, Schriftstellerin zu werden, nie aus den Augen verliert und trotz aller Rückschläge immer otimistisch bleibt.

Folgendes ist mir dennoch negativ aufgestoßen (Achtung Spoiler): Ich weiß nicht, wie ich es finden soll, dass ein 33jähriger Mann einer 18jährigen nachstellt, ihren Gönner spielt und sich auf der einen Seite als der stumme Gönner ausgibt, auf der anderen aber mit Hilfe der Informationen aus ihren Briefen versucht ihr Herz zu gewinnen. Es ist auf der einen Seite süß, aber der anderen lässt es mich aber recht zwiegespalten zurück, auch wenn er sie natürlich zu nichts zwingt und ich ein Stück weit verstehe, wieso er sich ihr nicht offenbart. Vielleicht sehe ich das ein bisschen zu eng, vielleicht sollte der Altersunterschied keine Rolle spielen, und vielleicht fehlt einfach seine Perspektive und/oder ein paar mehr Informationen über Judys Treffen mit Jarvie, um das besser zu beurteilen. Vielleicht war das früher auch gar nicht so schlimm.

Aber abgesehen davon hatte ich sehr viel Spaß mit Judy und Daddy-Long-Legs.

Lieber Daddy-Long-Legs

Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
Verlag: Königskinder (29. September 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3551560447
ISBN-13: 978-3551560445
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren

 

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Small Great Things – Jodi Picoult

Kurzbeschreibung

Ruth Jefferson is a labor and delivery nurse at a Connecticut hospital with more than twenty years’ experience. During her shift, Ruth begins a routine checkup on a newborn, only to be told a few minutes later that she’s been reassigned to another patient. The parents are white supremacists and don’t want Ruth, who is African American, to touch their child. The hospital complies with their request, but the next day, the baby goes into cardiac distress while Ruth is alone in the nursery. Does she obey orders or does she intervene?

Ruth hesitates before performing CPR and, as a result, is charged with a serious crime. Kennedy McQuarrie, a white public defender, takes her case but gives unexpected advice: Kennedy insists that mentioning race in the courtroom is not a winning strategy. Conflicted by Kennedy’s counsel, Ruth tries to keep life as normal as possible for her family—especially her teenage son—as the case becomes a media sensation. As the trial moves forward, Ruth and Kennedy must gain each other’s trust, and come to see that what they’ve been taught their whole lives about others—and themselves—might be wrong.


Rezension

Manchmal ist es vermutlich ganz gut, wenn man nicht dem ersten Impuls nachgibt und in Lobeshymnen ausbricht, sondern sich informiert, nochmal andere Sichtweisen betrachtet und seine eigene Beurteilung daran anpasst.

Ich liebe Jodi Picoult und jedes einzelne ihrer Bücher, das ich bisher gelesen habe. Nicht nur, weil die Geschichten mich berühren, sondern auch weil sie unglaublich gut recherchiert sind und ich beim Lesen immer etwas lerne, von dem ich vorher nichts wusste.

In Small Great Things geht es um Ruth, eine schwarze Krankenschwester und Hebamme, die ein Baby nicht mehr behandeln darf, weil sie eben schwarz ist und die Eltern des Kindes das nicht wollen. Die Baurs sind Ahänger der White Supremacy. Ruth wird von dem Fall abgezogen, aber es kommt zu einem Personalengpass und das Baby hört plötzlich auf zu Atmen. Als Krankenschwester muss Ruth handeln, obwohl sie sich dem Baby laut Anweisung nicht nähern darf. Das Kind stirbt und für die Baurs steht fest: Ruth ist daran schuld.

Was folgt ist eine Geschichte, die für mich als Leserin sehr unangenehm war. Viel zu oft hab ich mich wiedergefunden – und das auf der falschen Seite. Nicht in Turk Baur, zum Glück, aber in der Frau, die unbewusst ihre Tasche an sich nimmt, sobald Ruth den Raum betritt oder in Kennedy, der Pflichtverteidigerin von Ruth, die ‚keine Farben sieht‘ und fest davon überzeugt ist, dass jeder die gleichen Rechte hat, aber gar nicht erkennt, welche Privilegien sie hat, die Ruth auf Grund ihrer Hautfarbe verwehrt bleiben.

Vor allem die Kapitel aus Turks Sicht waren hart. Für mich ist nicht nachvollziehbar, wie man so von Hass zerfressen sein kann und wie man so einen Stuss überhaupt glauben kann, geschweige denn auf andere Menschen logeht, nur weil deren Hautfarbe oder Sexualität nicht meinem Standart enttsprechen. Ich musste immer wieder Pause machen, Picoult hat sich da wirklich sehr tief reinversetzt und das für mich sehr glaubwürdig dargestellt.

Ein bisschen problematischer ist sicherlich Ruths Perspektive, denn Picoult ist eine weiße, priveligierte Frau, die dann plötzlich aus der Sicht einer schwarzen schreibt. Sie erklärt im Nachwort, wie sie recherchiert hat, dass sie mit mehreren Betroffenen gesprochen hat und versucht hat, die Geschichte so realistisch wie möglich zu erzählen, aber ich bin nicht sicher, ob das zu 100% gelungen ist, letztendlich kann ich das aber auch nicht beurteilen.

Zum Ende hin wird es sowohl ein bisschen dramatisch als auch hahnebüchen – mir ist zwar klar, dass das mit Brittanys Mutter möglich ist, aber es wirkt einfach eine Spur zu viel und zu konstruiert, genauso das, was daraus folgt. Und auch Turks Wandlung ist glaube ich zu schön, um wahr zu sein. Es ist halt am Ende wirklich alles gut und das nehme ich dem Buch einfach nicht ab.

Für meinen Teil allerdings kommt die Message am Ende des Buches an, sie bringt mich zum Nachdenken, Reflektieren und dazu, darüber reden zu wollen. Und ich denke, allein das ist schon viel wert. Und ich denke auch, dass es darauf abzielt. Picoults Zielgruppe sind nicht die Ruths, denen dieses Unrecht jeden Tag widerfährt, sondern die Kennedys, die sich selbst nicht für rassischtisch halten, aber auch nichts dazu beitragen, dass sich etwas ändert.

Roxane Gay hat für die New York Times eine sehr ausführliche Besprechung geschrieben, die ich euch verlinke (englisch), weil sie eben meiner Lobeshymne ein bisschen Einhalt geboten hat. Viele (englischsprachige) Rezensionen haben den gleichen Tenor, obwohl das Buch im großen und ganzen nur Lob empfangen hat und als das Nonplusultra gelobt wird. Das ist es einfach nicht und trotzdem hoffe ich, dass es alle, die es lesen, zum Nachdenken bringt.

Kleine große Schritte erscheint am 2. Oktober 2017 bei C. Bertelsmann auf deutsch. Eine Verfilmung mit Viola Davis und Julia Roberts ist in Planung.

Small Great Things

Taschenbuch: 480 Seiten
Verlag: Ballantine Books (11. Oktober 2016)
Sprache: Englisch
ISBN-10: 0425286010
ISBN-13: 978-0425286012

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Als wir unbesiegbar waren – Alice Adams

Kurzbeschreibung

An der Universität sind Eva, Benedict, Sylvie und Lucien unzertrennlich. Als sie Ende der Neunzigerjahre ihr Studium beenden, glauben sie sich am Beginn eines aufregenden Lebens. Die Welt wird für sie nur das Beste bereithalten. Eva plant eine Karriere im Finanzbusiness. Sie will sich sowohl von ihrem Vater, einem bekennenden Sozialisten, als auch von ihrer unerwiderten Liebe zu Lucien befreien. Benedict verschreibt sich der Wissenschaft und hofft weiterhin, Eva für sich zu gewinnen – auch wenn er nicht so genau weiß wie. Die Geschwister Sylvie und Lucien dagegen streben vor allem eines an: ein freies Leben ohne Verpflichtungen und Verantwortung.

Doch im Laufe der Jahre sehen die Freunde sich nur noch sporadisch, alle vier sind damit beschäftigt, ihre Träume und Pläne, die das Leben zu vereiteln scheint, zu retten. Zerbrochene Beziehungen und verhinderte Karrieren bringen sie schließlich wieder zusammen, jedoch ganz anders, als sie es sich vorgestellt hatten.


Rezension

Dem Klappentext nach zu urteilen freute ich mich auf eine Geschichte über tiefe Freundschaft, die auch schwere Zeiten überdauert. Dem Cover nach zu urteilen erwartete mich hier ein nettes Sommerbuch. Bekommen habe ich beides nicht. Das heißt – in der Theorie eigentlich schon, nur hat es in der Praxis für mich nicht funktioniert.

Vom Aufbau her erinnert das Buch ein bisschen an Zwei an einem Tag – zwischen 1995 und 2015 treffen wir die vier Freunde meist im Sommer wieder und erfahren immer aus einer anderen Perspektive was gerade so abgeht. Über die Jahre hinweg entwickeln sich Eva, Slvie, Lucien und Benedikt weiter und nach und nach bleibt von ihren großen Träumen aus der Studienzeit immer weniger übrig. Das fand ich nicht schlecht, weil es natürlich die Realität widerspiegelt. Man bekommt im Leben nicht immer das, was man gern hätte, allerdings nahm ich es ihnen nicht ab.

Im Grunde nahm ich den Charakteren gar nichts ab, da ich einfach mit keinem von ihnen was anfangen konnte. Eva, die mir am Anfang noch am sympathischten erschien, entwickelte sich schnell zur skrupellosen Brookerin, der nur noch ihre Arbeit wichtig war. In den wenigen Szenen mit ihrem Vater, der ihr ja vor allem zum Ende hin ach so wichtig war, zeigt sie sich nur in der Offensive, ständig bereit, ihren Job vor ihm zu rechtfertigen, komme was wolle, statt auch nur einmal auf ihn einzugehen. Und abgesehen von den paar Streitszenen bekommt man von ihm gar nichts mit, also fällt es mir schwer, ihre Trauer zum Ende nachzuvollziehen. Lucien und Sylvie hingegen sind eigentlich das coole Geschwisterpärchen der Gruppe. In einem anderen Buch wären sie vermögend und würden vom Wohlstand ihrer Eltern zehren, hier haben sie das nicht, wohl aber die gleichen Wohlstandsprobleme und eine Ziellosigkeit, die mich bisweilen einfach nur wütend gemacht hat. Gerade Lucien, der mit Geld und seiner Attitüde wenigstens ein cooler Aufschneider mit dem Herz am rechten Fleck gewesen wäre, wirkt hier einfach nur armseelig. Und Benedikt, der einzige aus der Gruppe, der zumindest von Anfang an gefestigt scheint, trifft mit Beginn des Buches nur beschissene Entscheidungen oder zögert zu lange. Einzig Sylvie macht eine wirkliche Entwicklung durch und ist wahrscheinlich die einzige, die ich ernst nehmen kann, weil ich ihr wirklich abnehme, dass sie eine Richtung gefunden hat.

Was mich wirklich Nerven gekostet hat, war dieses ewige schwadronieren und hin und her überlegen der Charaktere, um dann doch die eindeutig falsche Entscheidung zu treffen. Alle halten sich für ach so klug und wahnsinnig weise, dabei kommt dabei überhaupt nichts rum. Der Roman möchte so wortgewaltig und hochgestochen wirken, aber das funktioniert halt nicht, wenn die Handlung dahinter nicht mitzieht. Sie verpufft einfach und was bleibt, sind vier gescheiterte Existenzen, die zwanzig Jahre später einen Neuanfang wagen, aber noch genau die selben Idioten wie zu Beginn der Geschichte sind.

Der Gipfel des ganzen sind die Albert Camus-Zitate, die zweimal im Buch auftauchen, aber gegen Ende plötzlich so eine immense Bedeutung haben sollen, dass es wirklich lächerlich wirkt, dass er überhaupt zitiert wird – hat er doch vorher auch nie eine Rolle gespielt.

Dieses Buch hätte für mich so viel besser sein können, wenn man schon in der Studienzeit und nicht erst zu deren Ende eingesetzt hätte; wenn man sich mehr auf das konzentriert hätte, was die Freundschaft der vier ausmacht und nicht, das was sie auseinander treibt und wenn man den Leser mehr an den Geschehnissen hätte teilhaben lassen, anstatt sie immer und immer wieder nur nachzuerzählen. Für mich alles andere als unbesiegbar.

Als wir unbesiegbar waren

übersetzt von Eva Kamper

Gebundene Ausgabe: 336 Seiten
Verlag: DuMont Buchverlag GmbH & Co. KG; Auflage: 1 (19. Juni 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3832198415
ISBN-13: 978-3832198411
Originaltitel: Invincible Summer

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Vintage – Grégoire Hervier

Kurzbeschreibung

Einem jungen Gitarristen und Journalisten bietet sich der große Deal und die Story seines Lebens: eine Million, wenn er beweisen kann, dass die ›Gibson Moderne‹, die legendärste Gitarre aller Zeiten, tatsächlich existiert hat. Auf seiner Suche begegnet er besessenen Musikliebhabern, leidenschaftlichen Sammlern, zwielichtigen Gestalten und sagenumwobenen Instrumenten. Eine faszinierende Reise quer durch Amerika und die goldenen Jahre von Blues und Rock. Ob Freak oder Liebhaber, Vintage ist eine Geschichte, bei der in jedem eine Saite erklingt.

Rezension

Ich hab dieses Buch bereits in der Vorschau gesehen, mich schockverliebt… und es vergessen. Das passiert mir sonst eher selten, allerdings kann ich zu meiner Entschuldigung hervorbringen – oder zu meiner Schande gestehen – je nach dem, wie man das jetzt sehen möchte, dass Diogenes jetzt nicht unbedingt einer der Verlage ist, die ich permanent verfolge. Spannende Neuerscheinung bekommt ja dann über Umwege doch mit und so lief es auch mit Vintage.

Wir treffen Thomas, als er aushilfweise in eine Gitarrenladen arbeitet. Sein Chef hat gerade eine Gitarre verkauft, Bedingung ist allerdings, dass sie persönlich überbracht wird und da Alain de Chévigné keine Lust auf einen Trip nach Schottland hat, schickt er kurzerhand Thomas. Als dieser bei seinem Kunden ankommt, staunt er nicht schlecht, als er plötzlich vor dem ehemaligen Landsitz von Jimmy Page steht. Was folgt ist eine Geschichte über Musik, große Künstler und eine wahre Legende.

Ich weiß so gut wie nichts über Gitarren. Als ich Montag Morgen, nachdem ich die ersten 200 Seiten des Buches abends im Bett gelesen hatte, meinem Kollegen auf der Arbeit davon vorschwärmte, weil er im Gegensatz zu mir wenigstens E-Gitarre spielt, bestätigte er mir, dass es die legendäre Moderne gegeben haben soll. Und genau sowas mag ich sehr.

Überhaupt mochte ich die Geschichte sehr gerne – es war ein spannendes Thema mit einer interessanten Herangehensweise. Daraus einen Roadtrip zu machen, der den Leser quasi einmal um die Welt auf die Suche nach einer legendären Gitarre nimmt, war mal was anderes, was ich so auch nicht erwartet hatte. Selbst Krimi-Fans kommen auf ihre Kosten, denn so ganz sauber läuft das ganze nicht ab und ab und zu wird es auch leicht brutal.

Was mich ein bisschen gestört hat, ist die Art der Franzosen, Geschichten zu erzählen. Für mich erzählen die so viel und lassen die Charaktere so wenig selber tun oder reden. Viele Szenen hätte man durch lebendige Dialoge aufwerten können, stattdessen bekommt man aber nur die wichtigsten Fakten oder philosophische Weisheiten in Anführungszeichen – oder eben langweilige, ohnehin unwichtige Gespräche. Das liegt auch nicht an der Übersetzung, auf sowas hat man keinen Einfluss und es ist nunmal etwas, das mir mittlerweile an mehreren französischen Büchern aufgefallen ist. Es macht das Buch auch nicht schlechter, aber es hätte halt auch etwas lebendiger sein können.

Wer sich ohnehin für Musik interessiert, wird an dem Buch seine wahre Freude haben und auch alle anderen kommen vielleicht wenigstens auf den Geschmack. Ich zumindest muss jetzt erstmal alle (echten) Musiker und Songs googeln und mich einhören.

Vintage

übersetzt von Alexandra Baisch & Stefanie Jacobs

Gebundene Ausgabe: 400 Seiten
Verlag: Diogenes; Auflage: 1 (23. August 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3257070020
ISBN-13: 978-3257070026
Originaltitel: Vintage

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Sieh mich an – Mareike Krügel

Kurzbeschreibung

Man kann ja nicht einfach sterben, wenn die Dinge noch ungeklärt sind. Das denkt Katharina, seit sie vor Kurzem das Etwas in ihrer Brust entdeckt hat. Niemand weiß davon, und das ist auch gut so. Denn an diesem Wochenende soll ein letztes Mal alles wie immer sein. Und so entrollt sich das Chaos eines ganz normalen Freitags vor ihr. Während sie aber einen abgetrennten Daumen versorgt, ihren brennenden Trockner löscht und sich auf den emotional nicht unbedenklichen Besuch eines Studienfreundes vorbereitet, beginnt ihr Vorsatz zu bröckeln, und sie stellt sich große Fragen: Ist alles so geworden, wie sie wollte? Ihre Musik, ihre Kinder, die Ehe mit dem in letzter Zeit viel zu abwesenden Costas? Als der Tag fast zu Ende ist, beschließt sie, endlich ihr Geheimnis mit jemandem zu teilen, den sie liebt


Rezension

Ich bin ja ehrlich, schon als ich den Fuchs auf dem Cover gesehen habe, war es um mich geschehen. Mit dem Inhalt hab ich mich dann gar nicht groß weiter auseinander gesetzt, ich wusste, dass ich es im Auge behalten muss. Je näher der Erscheinungstermin kam, desto unsicherer wurde ich und dann kamen die ersten begeisterten Rezensionen. Tja nun. Als ich dann nochmal den Klappentext gelesen hab, war ich kurz verunsichert, drückte dann aber doch auf Bestellen.

Der Anfang hat sich ein bisschen gezogen, ich hatte das Gefühl, gar nicht wirklich in das Buch reinzukommen und war ein bisschen demotiviert. Das hatte ich mir irgendwie anders vorgestellt. Dann aber platzte der Knoten, pünktlich zum Wochenende mit genügend Zeit und die zweite Hälfte des Buches war schneller vorbei, als ich gucken konnte.

Nachdem Katharina etwas in ihrer Brust endeckt hat, will sie noch ein normales Wochenende erleben, ehe sie sich all dem stellt und den Konsequenzen ins Auge sieht. Schließlich hat sie an ihrer Mutter gesehen, was sie erwartet.

Dass diese Geschichte tatsächlich an nur einem einzigen Tag spielt, scheint fast unmöglich, aber aus mir unbegreiflichen Gründen funktioniert es. Wir sind als Leser den ganzen Tag mit Katharina unterwegs, haben an ihrem Leben, ihren Sorgen und Gedanken teil und lernen sie so sehr gut kennen. Sie ist nichts besonderes, nur eine Frau, die mitten im Leben steht und versucht, alles unter einen Hut zubekommen. Das ist bei ihrer Familie nicht unbedingt leicht, wenn der Mann unter der Woche in Berlin zum Arbeiten ist und beide Kinder ihre volle Aufmerksamkeit brauchen. Ein bisschen skurril wirken die Nachbarn und auch die Familienratten sind nicht einfach nur Haustiere, sondern sorgen auf ihre Art für Spannung in der Geschichte.

Eigentlich will sie niemanden an ihrem Leid teilhaben lassen, am liebsten wäre es ihr, einfach zu verschwinden. Zumindest ist das ihr Plan, doch gegen Ende des Tages merkt sie, dass sie ihr Geheimnis doch mit jemandem teilen muss.

Das Ende war mir dann fast schon wieder ein bisschen zu viel des Guten – alles ging sehr schnell und irgendwie passte es auch nicht zu der Katharina, die man vorher kennen gelernt hat. Ich weiß nicht, welcher Mensch in der Situation so handeln würde und letztendlich fehlte mir dann doch ein richtiger Schluss. Aber gut, man kann nicht alles haben.

Auch wenn ich am Anfang meine Schwierigkeiten mit dem Buch hatte, glaube ich nicht, dass es am Buch selbst sondern an meiner Aufmerksamkeit lag. Wenn man sich nämlich erstmal voll und ganz auf die Geschichte einlässt, kann man es nicht mehr aus der Hand legen.

Sieh mich an ist ein Buch, das ich sicher nicht nur ein einziges Mal lesen werde, noch dazu weiß ich jetzt schon, dass ich es bestimmt oft verschenken werde.

Sieh mich an

Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
Verlag: Piper (1. August 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3492058558
ISBN-13: 978-3492058551

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