All children, except one, grow up.

Sir James Matthew Barrie wurde am 9. Mai 1860 georen. Er war ein schottischer (Theater-)Autor und ist vor allem für Peter Pan bekannt. In Schottland geboren und groß geworden, zog es ihn später nach London, wo er mehrere erfolgreiche Romane und Theaterstücke schrieb. Außerdem traf er dort auf die Familie Llewelyn Davies und berbrachte viel Zeit mit ihnen. Die vier Jungs inspirierten ihn zu einer Geschichte über einen Jungen, der nicht erwachsen werden wollte und in Kensington Gardens eine Menge magischer Abenteuer erlebte. Nach dem Tod ihrer Mutter adoptierte er sie. Obwohl er kontiunierlich weiterarbeitete, wurde alles von Peter Pan überschattet. Er starb am 19. Juni 1937 im Alter von 77 Jahren. Noch vor seinem Tod gab er die Rechte für Peter Pan an das Great Ormond Street Hospital for Children in London, die bis heute von den Einnahmen profitieren.

Peter Pan

Peter Pan trat zum ersten Mal 1902 in der ursprünglich für Erwachsene geschriebenen Geschichte The Little White Bird auf. Nachdem das Theaterstück Peter Pan 1904 großen Erfolg feierte, entschied sich der Verlag, die Kapitel 13-18 als eigene Geschichte unter dem Namen Peter Pan in Kensington Gardens neu zu veröffentlichen. Illustriert wurde das Manuskript von Arthur Rackham. Ursprüglich als Theaterstück verfasst, überarbeitete J. M. Barrie das Manuskript und veröffentlichte es als 1911 als Roman unter dem Namen Peter and Wendy.

“All the world is made of faith, and trust, and pixie dust.”

Eines Nachts wird Peter dabei entdeckt, wie er am Fenster der Darlings den Gute-Nacht-Geschichten lauscht. Als er versucht zu entkommen, verliert er seinen Schatten. Er kommt wieder um ihn zu holen und trifft dabei auf Wendy, die ihm den Schatten wieder annäht. Peter läd sie daraufhin nach Neverland ein. Sie kennt viele Gute Nacht-Geschichten und soll eine Art Mutterersatz für die Verlorenen Jungs werden. Mit ihnen kommen Wendys Brüder John und Michael.

Die drei erleben viele Abenteuer, die verlorenen Jungs bauen Wendy ein Haus und John und Michael blühen in Neverland richtiggehend auf. Sie retten Tiger Lily und gewinnen die Unterstützung ihres Stammes. Aber in Wendy wächst der Wunsch, nach Hause zu kommen. Noch bevor sie die umsetzen kann, wird sie gemeinsam mit ihren Brüdern von Captain Hook gekidnappt. Erst Peter kann sie nach einem Kampf befreien und bringt die Kinder wieder nach Hause, nach London.

Die Familie Darling adoptiert die Verlorenen Jungs, doch Peter will in Neverland bleiben. Er verspricht Wendy, sie wieder und wieder zu besuchen, doch während Peter sich nicht verändert, wird Wendy erwachsen und eines Tages trifft er bei seinem Besuch nicht nur Wendy, sondern auch deren Tochter.

Was vordergründig eine nette Kindergeschichte ist, kann durchaus auch in anderem Licht betrachtet werden. So wurde Barrie zum Beispiel, wenn auch nur uterschwellig, vorgeworfen, ein unangemessenes Verhältnis zu den Jungen zu haben. Als Indiz dafür gilt seine kinderlose erste Ehe und die Tatsache, dass er selbst, ähnlich wie der Held in seiner Geschichte, nie ganz erwachsen geworden ist. Die Davis-Kinder bestritten jedoch jegliches Verhältnis, dass über eine platonische Freundschaft hinausging. Barrie sei nicht an Sex interessiert gewesen.

“To die will be an awfully big adventure.”

Die Figur des Peter verkörpert die pure Unschuld und Sorglosikgeit eines Kindes. Er stürzt sich in jedes Abenteuer, denkt aber in keiner Sekunde an die möglichen Konsequenzen. Ihm fehlt jedes Verständnis für echte Gefahr oder Leid. Dadurch, dass Peter nicht wie andere Kinder erwachsen wird und das Nimmerland verlässt, verliert sich das nicht.

Weitaus düsterer ist der Interpretationsansatz, dass die verlorenen Jungs nicht erwachsen werden, weil sie für Kinder stehen, die im Kindesater gestorben ist. Peter ist dabei eine Art Todesengel, Nimmerland der Ort, an den sie nach ihrem Tod gehen, um auf ewig Kinder zu bleiben.

Zum Lesen

Es gibt zahlreiche schöne Ausgaben von Peter Pan, aber die tollste ist wohl die interaktive von Harper Design bzw. im deutschen von Coppenrath. Ich wünschte, sowas hätte es bereits gegeben, als ich jung war, aber da mich das immer noch begeistern kann, werde ich wohl ganz wie Peter nie richtig erwachsen.

Auf deutsch  // Auf englisch

“Dreams do come true, if only we wish hard enough. You can have anything in life if you will sacrifice everything else for it.”

Filmadaptionen

Hook

Hook (Hook), 1991, 136 Minuten, Regie: Steven Spielberg, Drehbuch: James V. Hart, Malia Scotch Marmo, Produktion: Kathleen Kennedy, Frnk Marshall, Gerald R. Molen, Musik: John Williams, Besetzung: Robin Williams, Dustin Hoffman, Bob Hoskins, Julia Roberts, Maggie Smith, Gwneth Paltrow, Phil Collins, uvm. -> Kaufen.

Ich bin mit diesem Film groß geworden, Robin Williams war für mich immer DER Peter Pan und ich schaue ihn heute noch gerne an, weil er einfach ein Gefühl vermittelt, das ich nicht so recht in Worte fassen kann. Freundschaft, Verlust, Vertrauen und Familie sind die zentralen Themen. Liebevoll gestaltet ist es natürlich nicht die Originalgeschichte, aber ein schönes Spiel von was wäre wenn. Noch dazu besticht der Film mit einem fantastischen Cast.

Wenn Träume fliegen lernen

Wenn Träume fliegen lernen (Finding Neverland), 2004, 97 Minuten, Regie: Marc Forster, Drehbuch: David Magee, Produktion: Richard N. Gladstein, Nellie Bellflower, Musik: Jan A. P. Kaczmarek,  Besetzung: Johnny Depp, Kate Winslet, Julie Christie, Dustin Hoffman uvm. -> Kaufen.

Wenn Träume fliegen lernen ist eine Realverfilmung der Geschichte von James M. Barrie und erzählt, wie der Theaterautor durch die Freundschaft mit der Familie Llewelyn Davies zu dem Theaterstück Peter Pan inspiriert wird. Barrie lernt Sylvia und ihre vier Söhne in Kensington Gardens kennen und wird zu ihrem Spielgefährten wie auch zu einer Art Vaterersatz. Ihre Ideen und Vorstellungskraft inspirieren ihn zu Ideen für ein Theaterstück über Jungs, die nicht erwachsen werden wollen. Er benennt die Hauptfigur nach dem jünsten, Peter. Barrie wird zu einer ungeahnten Stütze für Sylvia, doch nicht alle sehen diese Freundscaft mit Wohlwollen. Sowohl Barries Frau als auch Sylvias Mutter ist das Verhältnis zu eng. Sylvia wird indes von einer unbekannte Krankheit zusehends geschwächt, während James immer mehr Zeit mit den Kindern verbringt, um das Theaterstück zu produzieren.

Es ist einer dieser Filme, der mich mit Sicherheit immer und immer wieder zum Weinen bringen kann. Ich schaue ihn nicht gerne, zumindest nicht das Ende, aber ich kann auch nicht wegschalten, wenn ich sehe, dass er irgendwo läuft. Man kann Johnny Depp nun gut findet oder nicht (und es gibt tausend Gründe, es nicht zu tun), trotzdem muss man ihm zumindest zugestehen, dass er ein Ausnahmeschauspieler ist und die Rolle von James M. Barrie so gut verkörpert, wie es kaum ein anderer kann. Falls ihr diesen Film noch nicht gesehen habt, holt das nach. Es wird traurig, aber es lohnt sich.

Peter Pan

Peter Pan (Peter Pan), 1953, 78 Minuten, Regie: Clyde Geronimi, Wilfred Jackson, Hamilton Luske, Drehbuch: Ted Sears, Erdman Penner, Bill Peet, Winston Hibler, Joe Rinaldi, Milt Banta, Ralph Wright, Bill Cotrell, Produktion: Walt Disney, Musik: Oliver Wallace -> Kaufen.

Vielleicht die Geschichte, die am nähesten am Buch geblieben ist und die damals wie heute durch ihre liebevollen Zeichnungen besticht. Es ist Disney und es ist in erster Linie für Kinder gemacht, aber trotzdem wunderschön.

“Never say goodbye because goodbye means going away and going away means forgetting.”

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Sommerbücher

Der Sommer hat sich schon angekündigt, der Urlaub steht vor der Tür und alles, was dafür noch fehlt, ist die richtige Lektüre. Ich weiß natürlich nicht, wie’s euch geht, aber gerade im Sommer greife ich lieber zu leichter, spaßiger Lektüre. Selbst dann, wenn das Wetter nicht so mitspielt, mag ich Bücher, die am Meer spielen und das Sommergefühl zumindest zwischen den Seiten spürbar ist. Und ein paar davon würde ich euch gerne vorstellen – vielleicht ist ja noch ein Last Minute-Tipp für euch dabei.

Sommerschwestern – Judy Blume

Das Buch ist 1999 zum ersten mal im Original erschienen, etwa zu dem Zeitpunkt habe ich es auch gelesen. Lange war es auf deutsch nicht mehr zu haben, erst als im letzten jahr ein anderes Jud Blume-Buch erschien, wurde es wieder aufgelegt.

Unter all den Kindern in der Schule sucht sich Caitlin ausgerechnet Victoria als Freundin aus und läd sie für die Sommerferien nach Marthas Vineyard ein. Niemand versteht so recht wieso, aber zwischen den beiden entwickelt sich eine tiefe Freundschaft und selbst wenn sich das im Alltag nicht unbedingt hält, bleiben sie doch immer Sommerschwestern. Als Caitlin Jahre später heiratet, bittet sie Victoria, ihre erste Brautjunger zu werden und auch wenn beide länger keinen Kontakt hatten, will Victoria verstehen, was zwischen den beiden so schief gelaufen ist und fährt.

Die Geschichte wechselt immer wieder zwischen Vergangenheit und Gegenwart, bis sich ganz am Ende ein komplettes Bild ergibt. Es passiert nicht unbedingt das, was man erwarten würde, wer also neben einer schönen Geschichte auch ein bisschen Spannung verträgt, hat hier sicher seinen Spaß.

Summer Sisters
Sommerschwestern

Die Schatten von Race Point – Patry Francys

Ich beschreibe es immer als eine moderne Version der Dörnenvögel, auch wen mir klar ist, dass das verdammt unsexy klingt. Das Ding ist aber, das man so sofort weiß worauf man sich einlässt.

Hallie Costa wächst am Cape Cod als Tochter eines Arztes auf. Als ein Mord die Gemeinde erschüttert und den kleinen Gus Silva ohne seine Mutter zurücklässt, nimmt sich Hallie diesem zusammen mit ihrem Freund Neil an. Aber dann geschieht etwas, dass Gus und Hallie auseinander treibt. Erst jahre später taucht jemand auf, der der Geschichte eine ganz neue Wendung geben kann.

Okay, es ist wirklich dramatisch. Sehr, sehr dramatisch und vielleicht einen Ticken zu nah an der Tränendrüse, aber manchmal braucht man das. Manchmal muss das einfach sein und die Stimmung von Cape Cod tut ihr übriges. Die Geschichte zieht sich über mehrere Jahrzehnte, wird aber dennoch nicht langweilig.

The Orphans of Race Point
Die Schatten von Race Point

Sommer in Maine – J. Courtney Sullivan

Ein Buch, das ich eigentlich nur wegen dem Amazon-Algorhitmus gekauft habe und bei dem ich gar nicht wusste, auf was ich mich einlasse. Es ist ein eher ruhiges Buch, zumindest von der Erzählweise, aber am Ende hat es die Geschichte in sich.

Für die Kellehers ist ihr Haus in Maine eine Zuflucht und ein Ort der Ruhe. Jeden Sommer kommen sie zurück, doch in diesem Sommer stehen Veränderungen an. Vier Frauen, drei Unterschiedliche Generationen und eine Menge unausgesprochener Dinge, die zwischen ihnen liegen.

Ich mochte die Stimmung einfach sehr gern. Jede der Protagonistinnen hat ihre eigene Geschichte und ihre Eigenheiten – nicht alles kann man nachvollziehen, muss man aber auch nicht. Wer einen schönen Familienroman sucht, der am Meer spielt, ist hier vollkommen richtig.

Sommer in Maine
Maine

Die Interessanten – Meg Wolitzer

Vielleicht nicht unbedingt ein richtiges Sommer-Buch, aber zumindest das Feriencamp trägt dazu bei.

Sechs Teenager treffen sich in einem Sommercamp und werden zu einer Unzertrennlichen Gruppe, bis ein Geheimnis sie wieder auseinander treibt. Sie alle sind Künstler, Kreative und Freigeister. Zentrales Thema ist die Freundschaft, aber auch Neid und Missgunst spielen eine entscheidende Rolle.

Es ist vielleicht kein leichtes Buch und möglicherweise kommt das Sommergefühl ein bisscchen zu kurz, aber es bschäftigt und fordert und manchmal möchte man das ja auch.

The Interestings
Die Interessanten

All die süßen Lügen – Rebecca Wild

Hier dann jetzt was jugendlicheres… Als ich All die süßen Lügen zum ersten Mal gelesen habe, hat es mich umgehauen. Seitdem habe ich es noch dreimal gelesen, einfach weil es mir so gut gefallen hat.

Jaclin kehrt nach ihrem achtzehnten Geburtstag zurück nach Serena Hills, um sich an dem Menschen zu rächen, der dafür verantwortlich ist, dass sie ohne ihren Vater in einer Pflegefamilie aufwachsen musste. Ihr Jugendfreund Ian unterstützt sie dabei, doch nicht alles läuft nach Plan, denn im Spiel und in der Liebe ist bekanntlich alles erlaubt.

Es ist eine Mischung aus Ocean’s Eleven und Revenge mit der richtigen rise Nerdfaktor sowie ausreichend Cat-Content. Es macht schlicht und ergreifend Spaß. Leider nur als eBook-only erhältlich.

All die süßen Lügen

Meine geniale Freundin – Elena Ferrante

Mich persönlich konnte Elena Ferrante jetzt nicht so überzeugen, aber ich sehe wohl ein, dass dieses Buch sehr viel italienisches Flair vermittelt und gerade das macht ja auch sehr viel Urlaubsfeeling aus.

Meine geniale Freundin ist die Geschichte zweier Mädchen, die unterschiedlicher nicht sein könnten und trotzdem eine Verbindung haben, die ihresgleichen sucht. Während die eine ihren Weg geht und sich ihren Traum, Schriftstellerin zu werden erfüllt, bleibt die andere gefangen und trifft kalkulierte Entscheidungen zum Wohl ihrer Familie.

Eine Geschichte, die für mich einfach zu langatmig erzählt wurde. Nichtsdestotrotz glaube ich, dass viele andere großen Spaß damit haben.

Meine geniale Freundin

The Girls – Emma Cline

Das Buch hat im letzten Jahr ziemlich für Furore gesorgt, aber es soll ja Leute geben, an denen sowas auch vorbei geht.

Evie fühlt sich allein und ungesehen, bis sie sich mit einer Gruppe Mädchen anfreundet, die nicht freier sein könnten. Unfrisierte Haare, ausgefranste Klamotten und Partys auf der abgelegenen Ranch von Russel. Ein Hauch von Freiheit, der für Evie bisher unbekannt war, bis etwas geschieht, das sie für immer verändert.

Es geht dabei um die Manson-Morde, auch wenn es nie so offen gesagt wird. Deswegen findet sich neben jugendliche-verträumter Sommerstimmung eben auch eine Prise Thriller und Nervenkitzel.

The Girls
The Girls

Solange wir lügen – E. Lockhart

Ein Jugendbuch auf Martha’s Vineyard, das es in sich hat. Ich würde mich von dem Begriff Jugendbuch nicht allzusehr beeinflussen lassen, denn wie immer kann das natürlich jeder lesen, den es interessiert.

Es geht um eine Familie, die ihre Sommer gemeinsam mit allen Kindern auf Martha’s Vineyard verbringt, die Jugendlichen stehen im Vordergrund. Im letzten Sommer ist es etwas passiert, aber man weiß nicht genau was. Was folgt, ist ein kleines Verwirrspiel mit einer riesigen Wendung.

Ich hab damals, als ich es gelesen habe, geahnt wo es hinführen wird, was für mich ein bisschen die Spannung rausgenommen hat. Trotzdem ist es ein schönes Sommerbuch.

Solange wir lügen
We were liars

Lieblingsmomente – Adriana Popescu

Das Buch war ein Geschenk von einer lieben Freundin, ich hatte keine Ahnung, was mich erwartet und war vollkommen begeistert, als ich es durch hatte. Es geht natürlich um Liebe, Freundschaft, Wünsche und Träume sowie die schönen Momente.

Zwischen Layla und Tristan funkt es sofort, dabei sind beide in einer Beziehung. Das hält sie aber nicht davon ab, Freunde zu werden und viele Lieblingsmomente miteinander zu teilen. Es ist einfach ein richtiges Feel-Good Buch.

Ich sehe ein, dass dieses Beziehungsding den ein oder andere vielleicht abschreckt, aber es wird gut und vernünftigt gelöst, niemand wird betrogen. Und falls ihr danach nicht genug habt, gibts auch noch einen zweiten Teil.

Lieblingsmomente
Lieblingsgefühle

Der Sommer, als Chad ging und Daisy kam – Jennifer Gooch Hummer

Falls ihr auch im Sommer mal ein bisschen weinen wollt, ist das das richtige Buch für euch. Jennifer Gooch Hummer erzählt die Geschichte eines Sommer, die einen auch lange danach nicht mehr loslässt.

Apron muss mit vielem fertig werden – ihre Mutter ist gestorben und jetzt hat ihr Vater eine neue Frau. Langsam aber sicher wird ihr alles zu viel, aber ihr Ferienjob im Blumenladen lenkt sie ab. Aber auch dort ist die Welt nicht in Ordnung und Apron muss ein weiteres mal mit einem Verlust klarkommen, bekommt aber auch neue Hoffnung.

Nur selten hat mich ein Buch so sehr berührt wie dieses, noch dazu behandelt es gerade für ein Jugensbuch ein sehr wichtiges Thema. Wenns also auch ein bisschen trauriger sein darf – das ist es.

Der Sommer, als Chad ging und Daisy kam

Shotgun Lovesongs – Nikolas Butler

Ich bin mir nichtmal mehr sicher, ob es nur im Sommer spielt, aber ich verbinde es damit und das reicht ja eigentlich auch schon, um als Sommerbuch zu zählen, oder?

Es geht um die Geschichte von Fünf Freunden, die sich über die Jahre entwickelt und zeigt, welchen Wert gute Freunde haben. Es geht durch dick und dünn, Freude und Leid und man mag es einfach nicht aus der Hand legen.

Ich mochte dieses Buch so gerne und würde es am liebsten jedem und immer in die Hand drücken.

Shotgun Lovesongs


Und jetzt seid ihr dran – was sind eure liebsten Sommerbücher? Was könnt ihr empfehlen, was wollt ihr diesen Sommer lesen? Ich bin neugierig…^^

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Always be yourself unless you can be Wonder Woman.

Es ist also endlich soweit – Wonder Woman bekommt ihren eigenen Kinofilm, was nun wirklich überfällig war. Ab dem 15. Juni können wir hier in Deutschland auch endlich mitjubeln, wenn sich die Amazone über die Leinwand kämpft. Mich nervt’s ja schon ein bisschen, dass die halbe Welt knapp zwei Wochen früher in den Genuss kommt und so die Erwartungen wegen all der positiven Reviews ins unermessliche schnellen, aber wer weiß? Vielleicht ist all das ja sogar berechtigt.

Sehr wahrscheinlich sogar, denn der Film ist überagend gestartet und hat ein unfassbar gutes Rating auf Rotten Tomatoes. Die Fortsetzung wurde bereits bestätigt. So viel zu fight like a girl.

Wonder Woman ist eine Heldin, die im Vergleich zu Oracle oder Black Canary wirklich jeder kennt. Sie ist eine von vielen weiblichen Heldinnen im DC-Universe und doch die prominenteste. Selbst wenn man nie einen Comic gelesen oder die Serie gesehen hat, ist sie präsent. Wir alle wissen, dass sie sowohl mit Superman als auch Batman angebandelt hat und wenn uns das alles nichts sagt, dann kennen wir zumindest ihr knappes Outfit oder die Version, die Summer in O.C. California zur Freude von Seth getragen hat. Warum also hat es so fucking lange gedauert, bis sich jemand der Sache annimmt?

Ohne dass ich den Film gesehen habe, würde ich einfach mal ganz blauäuigig behaupten: Weil man es richtig machen wollte. Dabei ist es nicht mal der erste Versuch. 1996 wurde ein Film unter der Regie von Ivan Reitman geplant, aber wieder verworfen. Drei Jahre später war Sandra Bullock unter einem anderen Regisseur als Wonder Woman im Gespräch (okay, das hätte ich auch gern gesehen), 2001 kam das nochmal auf, aber wieder nicht zu Stande. 2005 wollte man bei Warner Bros., dass Josh Whedon den Film macht, aber auch dieses Projekt scheiterte. Und nun ist es mit Patty Jenkins eine Frau, die es endlich geschafft hat, die Amazonenprinzessin auf die große Leinwand zu bringen. Musste wohl so sein.

Wonder Woman ist Teil des DC Extended Universe, das mit Man of Steel und Batman vs. Superman sowie Suicide Squad bereits einen soliden Grundstein für viele weitere Verfilmungen geschaffen hat. Bereits in Batman vs. Superman hat Wonder Woman einen ersten Auftritt und lässt einen kleinen Einblick auf den weiteren Verlauf der Geschichte zu. Suicide Squad hingegen teasert die Justice League an, die ebenfalls noch dieses Jahr im Kino zu sehen sein wird. Letztendlich wird Wonder Woman nun von der israelischen Schaupielerin Gal Gadot verkörpert, Chris Pine spielt Steve Trevor, produziert wurde der Film unter anderem von Deborah und Zack Snyder und bietet mit einer Spieldauer von 141 Minuten viel Platz für die Geschichte.

Storytechnisch will ich noch nicht zuviel verraten, falls ihr euch überraschen lassen wollt, aber ich hab mich schonmal ein bisschen über die Handlung informiert und ich glaube, das wird richtig, richtig gut. Falls ihr vor dem Film noch schnell selbst was lesen wollt oder hinterher richtig einsteigen wollt, habe ich natürlich ein paar Tipps für euch:

The Legend of Wonder Woman

Schon allein weil DC das Ehepaar nach dieser einen Ausgabe gefeuert hat, obwohl eine zweite bereits geplant war, sollte man dieses Buch kaufen, was das Zeug hält. Oder man unterstützt de Liz und ihr Lady Powerpunch-Projekt. So oder so sollten Frauen in dieser Branche unterstützt werden, denn gerade die weibliche Sicht spielt bei Geschichten mit einer Frau in der Hauptrolle eine nicht unentscheidende Rolle.

Zum Comic selbst sei gesag, dass The Legend of Wonder Woman sich zum ersten Mal Dianas Kindheit und Jugend widmet – offenbar etwas, das auch im Film zu tragen kommt. Ich fand die Geschichte und die Zeichnungen sehr süß und hab mich gern damit beschäftigt, auch wenn ich nicht alles gut fand. Es ist nicht mein Lieblingscomic, aber wenn ihr vor oder nach dem Film nur einen lest, dann diesen.

Wonder Woman – The New 52

Meine bisher liebsten Wonder Woman Comics sind ganz klar die der The New 52-Reihe. Brian Azzarello hat mit Blood, Guts, Iron, War, Flesh & Bones eine Geschichte geschaffen, die ihres gleichen sucht. Mit War-Torn, A Twist of Faith und Ressurection wurde sie von Meredith Finch abgeschlossen und letztendlich ein neuer Weg für Greg Rucka geöffnet (dazu aber später mehr).

Hier ist es so, dass wir wirklich tief in die Mythologie der einzelnen Götter gehen. Wonder Woman ist als Tochter von Zeus selbst ein Halbgott und versucht, das Leben eines weiteren Bastards von Zeus zu retten – dabei wird sie später selbst zum Kriegsgott und kämpft, vor allem mit sich selbst, um ihre Ideale aber auch um den Olymp. Eine für mich perfekte Reihe und zusammen mit der Grundgeschichte von de la Liz wohl die grobe Handlung des Films. Warum allerdings Meredith Finch auch nur 3 Ausgaben machen durfte, ist mir unbegreiflich.

Wonder Woman – Rebirth

Mit Rebirth fängt Greg Rucka nach The New 52 wieder von vorne an und das im ganz großen Stil. Ich mag diese neue Geschichte sehr gern, auch wenn ich nach 2 Ausgaben noch nicht ganz weiß, wo sie hinführen wird. Das ist vielleicht eher was für nach dem Film, wenn man weiterlesen will, aber bisher mag ich es sehr gerne und freue mich auf alles, was da kommt.


Zur Geschichte

Es war ein Mann, genaugenommen sogar ein Psychologe, der sich 1940 in einem Interview über das unausgefüllte Potential im Superhelden-Genre äußerte und damit letztendlich die Aufmerksamkeit eines Comic-Verlages auf sich zog. William Moulton Marston, eben jener Psychologe, wurde als Berater angeheuert, ganz nebenbei hatte er den Wunsch, seinen eigenen Superhelfen zu entwerfen. Die Idee, aus diesem Helden eine Heldin zu machen, kam letztendlich von seiner Frau. Marston skizzierte Wonder Woman als die ideale Anführerin: die Art Frau, die die Gesellschaft beherrschen sollte.

„Not even girls want to be girls so long as our feminine archetype lacks force, strength, and power. Not wanting to be girls, they don’t want to be tender, submissive, peace-loving as good women are. Women’s strong qualities have become despised because of their weakness. The obvious remedy is to create a feminine character with all the strength of Superman plus all the allure of a good and beautiful woman.“

Für Wonder Woman stehen Frieden und Liebe eindeutig vor Gewalt und Krieg, trotz all ihrer gottgleichen Fähigkeiten. Sie kann sich natürlich durchsetzen, kämpfen und letztendlich auch töten, aber sie versucht zumindest immer, den friedlichen Weg zu gehen. Gloria Steinem machte sie zum Covergirl ihres Magazins Ms., um sich dagegen aufzulehnen, dass die meisten weiblichen Superhelden zur Jungfrau in Nöten werden sobald ein Mann auftaucht. Ganz im Gegensatz zu Wonder Woman, die sich von Anfang an selbst durchsetzen kann und die Männer in ihrem Leben nicht als das non plus ultra ansieht, sondern einen gleichwertigen Partner. Weiterhin ist sie ein Vorbild und vielleicht auch ein kleines Aushängeschild für die LGBT+ Community. Sie hat es nicht nötig, einen Stempel aufgedrückt zu bekommen, denn sie liebt andere für das, was sie sind und das ist genug.

In 2016 wurde Wonder Woman kurz zur UN-Botschafterin; nur zwei Monate später wurde sie auf Grund einer Petition wieder abgesetzt, da sie kein realistisches Vorbild sei und außerdem mit ihrer Kleidung ein falsches Bild vermitteln würde. Für mich ist das Drama darum nicht ganz nachvollziehbar, zumal es letztlich wohl mehr eine DC-Werbekampagne zum 75. Geburtstag von Wonder Woman war als alles andere. Und dennoch ist und bleibt sie gerade für junge Mädchen ein gutes Vorbild.

Wonder Woman ist die Superheldin, mit der ich am meisten anfangen und von der ich nicht genug bekommen kann. Sie zeigt, dass Frauen für sich und einander einstehen können und nicht mit ausgetreckten Ellebogen nach unten treten müssen, wenn es zusammen besser geht.

Und wenn ihr jetzt immer noch nicht genug habt…

Zum Film gibt es diesen wundervollen Bildband mit etlichen Hintergrundinformationen. Ein Muss für wirkliche Fans und alle, die auf die Art von Hintergrundinformation stehen. Außerdem gibts noch eine Wonder Woman-Anthologie, die Anfang des Jahres erschienen ist und die ersten und wichtigsten Geschichten rund um die Amazonenprinzessin enthält. Ganz besonders gespannt bin ich auf die Interpretation von Leigh Bardugo, die die junge Diana als Prinzessin der Amazonen in Warbringer zeichnet. das Buch erscheint am 29. August – zunächst leider nur auf englisch.

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The Outsiders – S. E. Hinton

Es ist schon ein bisschen her, dass ich The Outsiders gelesen habe, tatsächlich sogar vor allem deswegen, weil Jodi Picoult ein Vorwort dazu geschrieben hat und ich durch sie darauf kam. Die Geschichte selbst aber feiert in diesem Jahr bereits ihren 50. Geburtstag, heute um genau zu sein, und genau deswegen möchte ich sie euch ein bisschen näher bringen.

Worum geht’s?

Zwei rivalisierende Gangs aus unterschiedlichen sozialen Schichten. Auf der einen Seite die Greaser, die in der Eastside leben und aus ärmlichen Verhältnissen stammen, auf der anderen die reicheren Socs aus der Westside. Nicht selten kommt es zu teils gewalttätigen Auseinandersetzungen, in einer Szene stirbt gar einer der Socs nah einem Messerangriff. Das alles spielt in Tulsa, Oklahoma.

“It seemed funny to me that the sunset she saw from her patio and the one I saw from the back steps was the same one. Maybe the two different worlds we lived in weren’t so different. We saw the same sunset.”
― S.E. Hinton, The Outsiders

 

Es ist für mich eins dieser Bücher, dass man zufällig entdeckt ohne groß was darüber zu wissen, es liest und sich verliebt – ohne dass man es drauf angelegt hat. Erst hinterher wird einem klar, dass man da eigentlich was total besonderes in der Hand hat.

 

“I lie to myself all the time. But I never believe me.”
― S.E. Hinton, The Outsiders

 

Susan Eloise Hinton war erst 16, als sie dieses Buch geschrieben hat und wollte damit über zwei Gruppen in ihrer Schulklasse schreiben – herausgekommen ist ein Buch, dessen Bedeutung auch fünfzig Jahre später noch aktuell ist. Und es wird immer noch gelesen – natürlich auch von Schulklassen, aber auch von jeden, die es zum ersten mal einfach so entdecken oder immer wieder von denen, denen es immer noch etwas bedeutet.

 

“Stay gold, Ponyboy, stay gold.”
― S.E. Hinton, The Outsiders

 

Zum 50. Geburtstag ist diese wundervoll gestaltete Jubiläumsausgabe bereits im letzten November erschienen. Die New York Times hat vor kurzem gleich zwei Artikel zum Buch veröffentlicht – einer, der den Einfluss des Buches auf Tulsa, Oklahoma bis zur heutigen Zeit beleuchtet und beschreibt, wie dort ein Museum zum Buch und zum Film entsteht und ein zweiter, der Leserstimmen und Reaktionen von heute sammelt. Apropos Film – natürlich wurde dieses buch verfilmt, und zwar von keinem geringeren als Francis Ford Copolla, in den Hauptrollen mit unter anderem Matt Dillon, Patrick Swayze, Rob Lowe, Diane Lane, Emilio Estevez und Tom Cruise. Streamen kann man den Film hier. Und wenn euch das alles nicht überzeugt hat, gibts hier 24 weitere Gründe, das Buch zu lesen.

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FuckYeahBukowski!

Zugegeben, meistens kann ich mit Gedichten nicht so sehr viel anfangen. Die meisten sind mir zu blumig und ich frage mich viel zu oft, was man mir zum Teufel damit eigentlich sagen will, anstatt einfach das zu sagen, was man meint. Bukowski sagte mal: „Sometimes you just have to piss in the sink!“ (Manchmal muss man halt ins Waschbecken pissen!) und mit sowas klar formulierten kann ich einfach weit mehr anfangen, als mit blumigen Umschreibungen.

Seitdem ich das gelesen habe, ist meine Pinterest-Zitate-Pinnwand voll mit Bukowski und ich blättere immer mal wieder in seinen Texten. Im letzten Jahr bin ich auf die Reihe gestossen, die ihr im Bild seht und seit dem zerbreche ich mir den Kopf, wie ich sie wohl am besten vorstellen kann.

Heinrich Karl oder auch Henry Charles Bukowski (oder auch einfach nur Hank), wurde am 16. August 1920 in Andernach geboren, allerdings zog die Familie bereits 1923 nach Los Angeles. Er starb dort am 9. März 1994 in San Pedro. Er hatte keine leichte Kindheit, eine Menge beschissener Jobs, unzählige Frauen und einen ausgiebigen Hang zum Alkohol. Man sagt, er habe erst spät angefangen zu schreiben, in Wahrheit hat er nur erkannt, dass seine Texte besser werden, je mehr Lebenserfahrung er mitbringt, also hat er erstmal welche gesammelt und dann geschrieben.

Fast immer geht es um Sex, das Saufen oder Wetten. Oft spielen seine Erzählungen auf der Pferderennbahn und meistens sind es fiese Protagonisten mit den niedersten Motiven. Natürlich kann man ihm vorwerfen, dass er übertreibt, aber – und das ist meine persönliche Erfahrung – manchmal muss man übertreiben um überhaupt durchzudringen. Seine Sprache ist dabei sehr roh und unverblümt, Regeln wie das richtige Vermaß oder Reimformen interessierten ihn dabei nicht. Es ging einzig und allein um die Botschaft und damit hatte er letztendlich auch Erfolg. In Deutschland tatsächlich sogar mehr als in Amerika, allerdings zählte er lange zu den meistgeklauten Autoren und das ist ja auch irgendwie ein Zeichen von Qualität…

Man findet viele Bilder von Bukowski, auf denen er eine Katze in den Armen hält – tatsächlich hatten er und seine Lebensgefährtin neun und so ist es kein Wunder, dass sich viele seiner Texte mit seinen Lieblingen beschäftigen. In On Cats findet sich eine ganze Reihe an Liebeserklärungen an die wunderschönen Teufel. On Love erzählt von den Höhen und Tiefen einer jeden Beziehung, Sex oder den eigenen Dämonen. Manchmal poetisch, manchmal roh und sehr bildhaft, aber immer ehrlich. In On Writing finden sich einige Texte über das Schreiben an sich, mehr noch aber gesammelte Briefe, die Bukowski an Magazine schickte, um seine Geschichten und Gedichte anzubieten. Manchmal sind auch die Antwortschreiben dabei, zwischendrin verstecken sich auch immer kleine Zeichnungen.

Letztendlich muss man seine Art mögen, um mit den Geschichten und Gedichten etwas anfangen zu können und sicher ist das nicht für jeden was. Aber ich mags und finde mich sehr oft wieder.

Und falls ihr weiterlesen wollt oder euch selbst einen kurzen ersten Eindruck verschaffen wollt, lege ich euch das Playboy-Interview mit ihm ans Herz. Im August dann erscheint auch „Über das Schreiben“ auf deutsch.

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Über Fortunas Launen…

Als ich am Samstag vor meinem Geburtstag letzte Woche im Badezimmer stand und die Waschbecken geschrubbt habe, hatte ich mein Handy in der Tasche meines Kaputzenpullis und die Kopfhörer auf den Ohren. Eigentlich war ich gerade live dabei, wie Jonah Durham Rupert Hillock endlich all das heimzahlen wollte, was er ihm über all die Jahre angetan hatte und ganz nebenbei wurden die Waschbecken sauber. Und plötzlich fiel mir etwas ein…

Es ist eine Ewigkeit her und vermutlich erinnere ich mich nur so genau, weil es eben an meinem Geburtstag war. Eine gute Freundin meiner Mutter schenkte mir, unter anderem, ein Buch, noch dazu ein sehr dickes. „Das Lächeln der Fortuna“ stand auf dem Cover, das ich unschlüssig anstarrte. Ein Danke kam mir über die Lippen, währenddessen erklärte die Freundin meiner Mutter, wie sie auf dieses Buch gekommen war. „Weil du dicke Bücher magst. Und Pferde. Die Buchhändlerin hat gesagt, das würde dir gefallen.“

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War das echt ihr ernst? Das konnte sie nicht ernst meinen. An sich war das ja nicht falsch – gegen dicke Bücher hatte ich gar nichts, schließlich hielten die ein bisschen länger und ja, Pferde mochte ich. Früher mal. In den Geschichten vom Ponyhof Kleines Hufeisen und der Wendy, aber ich bin nie geritten, hatte nie ein Pferd und abseits von Geschichten aus Büchern auch überhaupt keinen Bezug dazu. Und überhaupt – woher nahm die Buchhändlerin, die mich überhaupt nicht kannte, die Gewissheit, dass mir dieses Buch gefallen würde?

Ich bedankte mich nochmal, in der Hoffnung, dass es glaubwürdig klingen würde, legte das Buch zu den übrigen Geschenken und beschloss, dass es vermutlich niemandem auffallen würde, wenn ich es einfach nicht las.

Etwa eine Woche später stand wieder eine Familienfeier an – diesmal allerdings eine, bei der ich nicht mehr tun musste, als Kuchen essen und nett lächeln, den Rest der Zeit war mir langweilig. So furchtbar langweilig, dass ich kurz davor war, schlechte Laune zu bekommen und mir nicht zu helfen wusste. Fernsehen war keine Option und ich hatte nichts zum Lesen. Wobei, doch. „Das Lächeln der Fortuna“ lag noch immer auf dem Aquarium im Wohnzimmer, wo ich es nicht weggeräumt hatte. Lust darauf hatte ich immer noch keine, aber, so ging mir auf, es wäre tatsächlich besser, eine Weile in einem blöden Buch zu lesen und damit beschäftigt zu sein, als mich meiner miesen Laune weiter hinzugeben und früher oder später auch allen anderen damit auf den Nerv zu gehen. Ich nahm es also vom Aquarium herunter, legte mich auf die Couch und schlug es auf.

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Am Ende des Tages hatte ich die ersten dreihundert Seiten weggelesen und war vollkommen gefangen zwischen Schwertern im englischen Mittelalter, Ränkeschmieden und der ungeheuerlichen Geschichte um Robin of Waringham – oder besser gesagt dessen, was nach dem Tod seines Vaters davon übrig geblieben war. Es dauerte nicht lange und ich hatte das Buch durch – und begann es noch am gleichen Tag wieder von vorne. Ich war so begeistert, dass ich plötzlich nur noch Bücher von Gablé lesen wollte – was dann auch zum Problem wurde, weil es kaum welche gab. Ein paar Krimis, ja, aber das war wirklich nichts für mich. Außerdem wollte ich ja mehr über das Mittelalter wissen. Aber es gab nichts. Verdammt. Also, zumindest keine Fortsetzung. „Das zweite Königreich“ und „Der König der purpurnen Stadt“ waren zwar schon erschienen, aber nicht als Taschenbuch (und es sollte ja im Regal passen!) und abgesehen davon hatte das ja gar nichts mit Robin of Waringham zu tun und konnte deswegen nur blöd sein.

Aber das war es nicht. Sicher, es gab keinen Robin mehr und auch keinen Duke of Lancaster, aber König Edward und der schwarze Prinz waren auch okay, genauso wuchs mir Jonah ans Herz. Später kamen dann Caedmon, Aliesa und Edward der Bekenner dazu. Und dann folgten schließlich weitere Waringham-Romane, die zwar auch keinen Robin mehr hatten, dafür aber Raymond, in den ich über alle Maßen verliebt war. Dann kam Julian, den mochte ich nicht so sehr, die Geschichte um ihn herum dafür umso mehr. Nicholas erinnerte mich dann wieder ein bisschen an Jonah, was nicht zuletzt an seiner Schwärmerei für die Prinzessin lag und zu guter letzt kamen dann noch Isaac und Eleanor, die ihren ganz eigenen Charme mitbrachten und eine neue Ära einläuteten.

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Ich kann nicht sagen, was genau es ist. Ich lese sonst keine Historischen Romane, sie können mich einfach nicht packen. Es sind auch nicht die Pferde, mit denen habe ich immer noch keinen Vertrag (und es würde vermutlich auch ohne funktionieren). Aber als letztlich jemand fragte, zu welchem Feel-Good-Buch ich immer wieder greife, wenn ich etwas brauche, das mir ein vertrautes Gefühl gibt, kam Gablé wie von selbst als Antwort. Je nach Stimmung greife ich das passende, meistens ist es jedoch „Das Lächeln der Fortuna“ oder „Die Hüter der Rose“. In 2015 war Rebecca Gablé auf der Frankfurter Buchmesse und ich bin sonst echt kein Fangirl, aber dort musste ich hin. Dank Mandy habe ich sogar ein Foto (auf dem ich ausnahmsweise tatsächlich lächle – es muss also ein wundervoller Moment gewesen sein!). Sie fragte mich, wieso um alles in der Welt ich „Die Hüter der Rose“ mitgeschleppt hatte, es sei doch so dick und ich brachte nur ein Wort über die Lippen: Raymond. Danach mussten wir beide Lachen.

Ich könnte ewig so weiter machen, aber das wird euch wohl kaum dazu bringen, die Bücher zu lesen. Und trotzdem sitze ich heute hier und schreibe diesen Beitrag, weil ich gerade den letzten Teil von Jonah beendet habe und mich wohl ab Morgen dem ersten Teil von Robin widmen werde, nachdem ich meine Hörbuch-Guthaben in die Hörspielversionen investiert habe. Das wird ein längeres Projekt und ich werde mal wieder warten müssen. Vielleicht, wohlmöglich ganz sicher, werde ich irgendwann in der Zwischenzeit wieder eins der Bücher zu Hand nehmen und nochmal lesen.

Ich hatte bis zu diesem Moment letzte Woche, als ich putzend am Waschbecken stand, vergessen, wie all das angefangen hatte, wie lange das schon so geht und das ich immer wieder in mich hinein lächeln muss, wenn ich an diese Geschichten denke oder mich damit beschäftige. Hätte man mich damals zu meinem Geburtstag in die Buchhandlung mitgenommen oder mir einen Gutschein geschenkt – ich hätte mir Gablé wohl nie ausgesucht. Die Buchhändlerin hatte – aus mir unbegreiflichen Gründen – tatsächlich recht, auch wenn das wohl nicht absehbar war. Aber so ist das manchmal. Manchmal findest du ein Buch, und ein andermal findet das Buch dich.

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Falls ich jetzt doch den ein oder anderen anfixen konnte – was ich natürlich hoffe – liste ich hier gern nochmal die bereits erschienenen und auch kommenden Bücher auf. Besonder empfehlen kann ich für Neulinge tatsächlich die Hörspiele, ich glaube, so kommt man am besten rein und abgesehen davon empfinden es die meisten wohl als sehr angenehm, wenn Detlef Bierstedt (die deutsche Stimme von George Clooney) die Geschichte erzählt. Zumindest ging mir das so.

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Waringham-Saga

Das Lächeln der Fortuna || Die Hüter der Rose || Das Spiel der Könige || Der dunkle Thron || Der Palast der Meere

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Jonah

Die Lehrjahre || Der Aufstieg || Das Imperium

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Robin

Die Flucht || Die Wende || Die Rückkehr

Weitere Historische Romane von Rebecca Gablé:

Die Siedler von Catan || Das zweite Königreich || Hiobs Brüder || Der König der purpurnen Stadt || Das Haupt der Welt || Die fremde Königin

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