Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.

Als ich meine erste Kamera bekam, war ich noch nicht in der Schule. Sie war analog und hat nur quadratische Bilder gemacht – man konnte bei den Filmen kein anderes Format wählen. Irgendwann gab es dafür keine Filme mehr, also bekam ich eine normale analoge. Keine Marke, aber immerhin war sie rot. Vollkommen ausreichend für meine Zwecke, denn ich nahm sie überall mithin und knipste alles, was mir vor die Nase kam.

Ich hab keine Ahnung, wie viele Filme ich verknipst habe und wie viel Geld meine Mutter ins Entwickeln meiner Fotoversuche gesteckt hat – nur um festzustellen, dass bei 30 Bildern auf dem Film vielleicht eins dabei war, das okay aussah. Das hat sich mit der Zeit gebessert und auch meine Motive hab ich sorgfältiger ausgewählt, aber richtig gut war’s nicht.

Trotzdem blieb die Liebe zur Fotografie und der Wunsch, mehr damit zu machen als nur ein paar Bilder fürs Familienalbum. Als in der neunten Klasse das Betriebspraktikum anstand, war klar, dass ich meines bei einem Fotografen machen würde. Zwei Wochen über die Schulter schauen, lernen, zuschauen, mithelfen, vielleicht sogar richtig lernen, wie man entwickelt – ein Traum. In Wahrheit aber waren diese zwei Wochen ein Albtraum.

Es stimmt, ich hab viel gesehen. Ich hatte meinen ersten Kontakt mit Photoshop, um Pickel auf Bewerbungsfotos wegzuretuschieren (also – ich hab gesehen, wie es in der Theorie geht), war bei mehreren Hochzeitsshootings dabei und durfte einen Werbeshoot begleiten – von der Planung über’s Vorgespräch bis hin zum Termin und der Bearbeitung der Fotos. In der Zwischenzeit gings im Studio um die richtigen Belichtungszeiten der Negative, rot-grün-blau-Werte und die Frage, ob schwarz-weiß oder sepia besser zu diesem oder jenem Bild passt. Aber wann immer ich was gefragt habe, was vielleicht auch mir als Anfänger helfen würde, wurde ich vertröstet. Warum benutzen Sie jetzt diese Kamera und nicht die andere? Gefühl. Woher weiß ich, wie lange ich belichten muss? Erfahrung. Wieso sind Schatten nicht immer schlecht? Erklär ich wann anders.

Man muss kein Genie sein, um sich auszumalen, dass mein vierzehnjähriges Ich davon ziemlich eingeschüchtert war, natürlich auch nicht ungeachtet der Tatsache, dass man ja einen guten Eindruck machen wollte, weil eben auch eine Bewertung dazu gehörte. Am vorletzten Tag des Praktikums allerdings lief mir die Zeit weg und ich nahm all meinen Mut zusammen und fragte, ob ich mal ein paar einer Fotos mitbringen kann, damit er drüberschaut, sagt, wo ich was verbessern kann – sowas eben. Dafür war ich schließlich auch da.

Wenn ich jetzt wieder über das Gespräch nachdenke, werde ich tatsächlich immer noch wütend, auch wenn das mittlerweile fünfzehn Jahre her ist. Die Aussage war mehr oder minder: „Kein Talent, kein Auge fürs Wesentliche und das wird auch nichts mehr.“ Abgesehen davon hätten es Fotografen ja eh so schwer und dann müsste man schon ein eigenes Studio haben und es gäbe ja so viele andere, die dann besser wären als ich. Ich sollte mir lieber was anderes suchen.

Was ich daraus mitgenommen habe, war zum einen die Erkenntnis, dass man Praktika hauptsächlich dafür macht, rauszufinden, was man nicht werden will und zum anderen, dass manche Menschen einfach Arschgeigen sind. Ab dem Tag lag meine Kamera für sehr lange Zeit in der Ecke.

Jahre später erst hab ich langsam wieder angefangen, dann allerdings digital, wieder mit einer billigen Kamera, nur zum Spaß. So richtig ist der Funke aber nicht übergesprungen. Von meinem ersten Weihnachtsgeld hab ich mir schließlich eine Nikon gekauft, immer noch  Kompakt und eigentlich nichts besonderes, aber: sie war rot. Und das hat irgendwie alles verändert, denn plötzlich hatte ich die Kamera wieder ständig dabei und auch wieder Lust, wirklich Lust, mich damit zu beschäftigen.

Rückblickend ist es vielleicht bescheuert, dass mich das so fertig gemacht hat. Viele andere wären mit einer „Jetzt erst recht!“-Einstellung weitergegangen oder hätten vielleicht mal wen anders gefragt. Aber wenn du jemanden vor dir hast, der seinen Job versteht, davon gut leben kann und ihn gut macht und dir dann seine vermeintlich ehrliche Meinung gibt, hörst du einfach drauf, gerade in dem Alter.

Nun ist es nun mal, wie es ist; Bilder mache ich zwar wieder, aber ich zeige nicht so viel davon. Ein paar der Bilder landen auf Instagram, die meisten auf der Festplatte. Ich hab mir eine digitale Spiegelreflex-Kamera gekauft und beschäftige mich ein bisschen damit, aber nicht zu verbissen. Letzten Endes steht der Spaß im Vordergrund.

Ich weiß nicht, was genau passiert ist, als ich Tinas Blogpost gelesen habe, aber irgendwas war es, denn danach hab ich mich hingesetzt und diesen Blogpost hier geschrieben. Außerdem hab ich beschlossen, dass es mir egal ist, ob ich das gut kann oder ob meine Bilder niemandem gefallen, ich zeige sie euch trotzdem. Und zwar hier, auf dem Blog, in einer neuen Kategorie. Bücher stehen natürlich weiterhin im Vordergrund, sind aber nunmal nicht alles, woit ich mich beschäftige. Im Moment hab ich den Plan, dass ich vielleicht einmal im Monat so einen Best-Of Post mache, mal sehen.

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