Without Merit – Colleen Hoover

Kurzbeschreibung

The Voss family is anything but normal. They live in a repurposed church, newly baptized Dollar Voss. The once cancer-stricken mother lives in the basement, the father is married to the mother’s former nurse, the little half-brother isn’t allowed to do or eat anything fun, and the eldest siblings are irritatingly perfect. Then, there’s Merit.

Merit Voss collects trophies she hasn’t earned and secrets her family forces her to keep. While browsing the local antiques shop for her next trophy, she finds Sagan. His wit and unapologetic idealism disarm and spark renewed life into her–until she discovers that he’s completely unavailable. Merit retreats deeper into herself, watching her family from the sidelines, when she learns a secret that no trophy in the world can fix.

Fed up with the lies, Merit decides to shatter the happy family illusion that she’s never been a part of before leaving them behind for good. When her escape plan fails, Merit is forced to deal with the staggering consequences of telling the truth and losing the one boy she loves.


Rezension

Ach Colleen, was hast du getan? Ich wusste ja im Vorfeld, dass sich dieses Buch von anderen Hoover-Büchern unterscheiden wird – das wurde oft genug gesagt und auch die ersten Meinungen, die in den letzten Wochen veröffentlicht wurden, sagten das aus. Und obwohl ich wie immer ohne Erwartungen rangegangen bin, hatte ich gehofft, dass es in Richtung von It ends with us gehen würde. Das war aber nicht der Fall.

“Don’t make your presence known. Make your absence felt.”

Viel mehr handelt es sich bei Without Merit eher um ein Young Adult-Buch, bei dem all jene enttäuscht werden, die unter anderem Sexszenen erwarten, wie man sie von Hoover gewohnt ist. Viel mehr geht es hier um ein Thema, dass gerade bei Jugendlichen angesprochen werden muss und damit ganz sicher seine Daseinsberechtigung in Jugendbüchern hat – nämlich Depression.

“It annoys me when people try to convince other people that their anger or stress isn’t warranted if someone else in the world is worse off than them. It’s bullshit. Your emotions and reactions are valid, Merit. Don’t let anyone tell you any different. You’re the only one who feels them.”

Die Umsetzung dessen fand ich allerdings eher gut gemeint als gut gemacht. Die Geschichte ist sehr speziell, was man schon an der Familienkonstellation erkennt. Natürlich muss man den Lesern was Besonderes bieten und der Geschichte Merkmale verpassen, die man sonst nirgendwo finden würde, ich fand es allerdings in diesem Buch wirklich übertrieben und zu viel des Guten. So wurde vieles nur angekratzt und nicht weiter verfolgt, was vielleicht interessant gewesen wäre.

“So many people dream of living in a house with a white picket fence. Little do they know, there’s no such thing as a perfect family, no matter how white the picket fence is.”

Die Charaktere hingegen sind klar ausgearbeitet und leben durch die Dialoge. Etwas, das Hoover wirklich kann, ist die Gespräche lebendig wirken zu lassen und die Handlung über den Dialog der einzelnen Figuren zu transportieren.

„Not every mistake deserves a consequence. Sometimes the only thing it deserves is forgiveness.“

Ich glaube aber, dass sie sich mit dieser Thematik übernommen hat, auch wenn ihr Ansinnen sicher gut gemeint war, etwas zur Destigmatisierung von Depressionen bei Jugendlichen beizutragen. Es hat mich aber einfach nicht abgeholt. Als Luck und auch Sagan die Gespräche mit Merit führen, ist es zwar nicht inhaltlich falsch was sie sagen, aber es klingt, als sei es aus Depression für Dummys abgeschrieben. Ich kann nicht beurteilen, ob das eine hilfreiche Wirkung auf eventuell Betroffene hat und ich freue mich, falls es die hat, aber mir war es zu lapidar. Ich glaube dennoch, dass mir das Buch vor fünf Jahren vielleicht ein bisschen besser gefallen hätte oder dass Hoover in fünf Jahren ein besseres Buch aus der Thematik hätte machen können als heute.

“A person can’t help their attraction to another person, but a person can help their actions toward another person.”

Die Botschaft gegen Ende ist recht süß gestaltet – im Grunde ist Depression nichts anderes wie Laktoseintoleranz oder schlechtes Augenlicht – jeder von uns hat ein oder mehrere Defizite, die man aber erkennen und ausgleichen kann. Aber süß reicht eben nicht. Und ich glaube auch nicht, dass Hoover damit wirklich einen Nerv bei ihrer Stammleserschaft trifft.

Without Merit

Taschenbuch: 384 Seiten
Verlag: Atria Books (3. Oktober 2017)
Sprache: Englisch
ISBN-10: 1501170627
ISBN-13: 978-1501170621

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Wochendings.

#Offlinegeplauder

Also, das mit dem Feiertag diese Woche war ja ganz nett. Ich finde, den können wir behalten^^ (Nein, Hessen hat an Allerheilige keinen Feiertag und ja, das find ich doof.) Allerdings bin ich genauso genervt, wie wenn ich die ganze Woche arbeiten war. Aktuell hab ich nämlich nicht nur meine Kollegin, die den ganzen Tag redet sondern auch einen Azubi, der nicht minder mitteilsam ist. Das Problem ist – die reden nicht mal miteinander, sondern die meiste Zeit mit sich selbst… xD


Besonders gefreut hat mich diese Woche allerdings, dass es Berühre mich. Nicht. auf die Spiegel-Bestsellerliste geschafft hat. Es ist jetzt kein Geheimnis, dass Laura und ich befreundet sind und natürlich freut man sich dann, ist ja klar. Aber es ist auch nochmal was anderes, weil ich von Anfang an dabei war und ihr immer gesagt hab, dass es mal so kommen wird. Weil harte Arbeit eben doch belohnt wird. Und ich hatte recht <3 (Kauft dieses Buch. Ihr werdet es nicht bereuen! Wirklich.)

#Bookstagram

Zuletzt gelesen hab ich Colleen Hoovers neues Buch Without Merit, die Rezension kommt am Montag und sie ist gar nicht mal soo gut – das schon vorab. Ich werde deswegen nicht aufhören, ihre Bücher zu lesen, aber ich bin auch nicht mehr so begeistert, wie ich mal war. Dann hab ich mich sehr gefreut, dass Ullstein mir Schwimmen von Sina Pousset geschickt. Ich habs letztes Wochenende quasi an einem Stück gelesen, Rezension folgt auch hierzu, es ist großartig. Aber ich hab auch nichts anderes erwartet. Bei Turtles all the way down bin ich hingegen noch nicht über die ersten 50 Seiten hinaus gekommen. Mal sehen, wann das was wird. Ähnlich gehts mir mit den Unzertrennlichen, da bin ich immerhin bei der Hälfte, ich finds auch gut, aber hab jetzt auch nicht so den Drang, weiter zu lesen.

#WahnsinnInSerie

Ich weiß nicht, was mich geritten hat, aber ich hab mir in den Kopf gesetzt, Gossip Girl endlich mal fertig zu schauen. Nicht, dass ich nicht bereits wüsste, wer GG am Ende ist, was mir ursprünglich den Spaß daran verdorben hat – aber ich dachte, dass die letzten zwei Staffeln, die ich nicht gesehen habe, ja vielleicht doch ganz spannend sind. Nuja, sind sie nicht. Und im Grunde nervt mich alles! Aber jetzt hab ich es soweit geschafft, dass mir nur noch 2 Folgen fehlen – das schaff ich auch noch.

Außerdem hab ich Mindhunter angefangen, während alle anderen Stranger Things (was ich immer noch nicht weitergeschaut habe) inhaliert haben. Jonathan Groff mag ich sehr, es hilft zusätzlich, dass er die meiste Zeit einen Anzug trägt und viel redet^^

Grey’s Anatomy hat auch wieder angefangen und ich bräuchte mal jemanden, mit dem ich darüber fangirlen kann. Irgendwie sind alle schon lange ausgetiegen, aber ich fand die letzte Staffel schon nicht schlecht, diese jetzt hingegegen ist fast wieder so gut wie früher <3

#AufdenOhren

Durch Zufall hab ich Barns Courtney entdeckt, das Album geladen und mich vor allem in Champion verliebt.  Außerdem mag ich gerade das hier sehr gern.


Und eigentlich würde ich gerne noch mehr schreiben aber es ist jetzt schon wieder Freitag Abend, kurz nach 8, und ich bin einfach nur müde… Aber ich gelobe Besserung! Macht euch ein schönes Wochenende <3

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The Subtle Art of Not Giving a F*ck: A Counterintuitive Approach to Living a Good Life – Mark Manson

Kurzbeschreibung

In this generation-defining self-help guide, a superstar blogger cuts through the crap to show us how to stop trying to be „positive“ all the time so that we can truly become better, happier people.

For decades, we’ve been told that positive thinking is the key to a happy, rich life. „F**k positivity,“ Mark Manson says. „Let’s be honest, shit is f**ked and we have to live with it.“ In his wildly popular Internet blog, Manson doesn’t sugarcoat or equivocate. He tells it like it is—a dose of raw, refreshing, honest truth that is sorely lacking today. The Subtle Art of Not Giving a F**k is his antidote to the coddling, let’s-all-feel-good mindset that has infected American society and spoiled a generation, rewarding them with gold medals just for showing up.


Rezension

Ich persönlich tu mich immer schwer mit diesen Selbsthilfe-Büchern, die versuchen, einem das Leben in rosaroten Farben auszumalen und einem erzählen, das schon irgendwann wieder alles gut wird, man sich nicht haben soll und das man sein Glück selbst in die Hand nehmen muss. Das mag alles stimmen, aber der Punkt ist halt, dass es mich nicht erreicht. Ich fühle mich von der Art der Herangehensweise schlicht verarscht. Das Leben ist halt manchmal scheiße und genau dann hilft es zumindest mir gar nichts, wenn jemand mit so einer Eso-Kacke um die Ecke kommt. Da trifft es sich ganz gut, dass bereits im Titel das Wort Fuck vorkommt und sich auch durch den Rest des Buches durchzieht. Endlich mal wer, der sagt, wie es wirklich ist.

Außerdem beginnt das Buch mit einer kleinen Ode an Charles Bukowski und den Spruch auf seinem Grabstein – Don’t try – versuch es erst gar nicht. Klingt auf der einen Seite entmutigend, trifft aber genau den Kern der Sache. Viel zu oft ärgern wir uns über Dinge, die wir gar nicht ändern können. Sie belasten uns, aber dagegen tun können wir auch nichts. Was Bukowski in erster Linie ausgemacht hat, war seine rohe, ehrliche Art darüber zu Schreiben, dass er ein Loser war. Erst als er sich damit abgefunden hat und endlich angefing, genau darüber zu schreiben, hatte er auch Erfolg.

“You and everyone you know are going to be dead soon. And in the short amount of time between here and there, you have a limited amount of fucks to give. Very few, in fact. And if you go around giving a fuck about everything and everyone without conscious thought or choice—well, then you’re going to get fucked.”

Ich bin jemand, der sich gern in Sachen reinsteigert. Das passiert nichtmal bewusst, sondern einfach so, vorangig bei Dingen, die ich ohnehin nicht ändern kann. Und trotzdem – wenn mich etwas ärgert, beschäftigt es mich eben. Aber das Ding ist – genau diese Dinge sind es gar nicht wert. Viel wichtiger ist außerdem, dass man sich meist schon zum Scheitern verurteilt, bevor man überhaupt angefangen hat. Schuld sind Erwartungen, die man gar nicht erfüllen kann. Eigentlich sind wir immer unzufrieden, weil wir immer nach mehr streben. Wir arbeiten mehr um uns ein schnelleres, besseres Auto leisten zu können, und arbeiten noch mehr, um die laufenden Kosten zu decken und in der Zeit steht unser tolles, schnelles Auto da rum und wird nicht gefahren, weil wir vor lauter Arbeit keine Zeit haben. Gleiches gilt für Familie. Haus, Auto, Garten, Vermögen – für all das arbeiten wir, aber das Wesentliche, die Zeit für die Familie, bleibt dabei auf der Strecke.

“Life is essentially an endless series of problems. The solution to one problem is merely the creation of another.”

Da große Problem dabei – man muss erkennen, dass Glück meist kein dauerhafter Zustand ist. Zufriedenheit, ja. Aber Glück? Denn mit jedem Problem, das wir lösen, ergibt sich über kurz oder lang mindestens ein neues. Außerdem wachsen wir an Problemen; Leid oder viel mehr Niederlagen fordern uns, und bringen uns dazu, Lösungen zu finden (und wie gesagt – dadurch ergeben sich neue Probleme) – The struggle is real! Die Frage ist nur, wie man damit umgeht.

Ein wirkliches Patentrezept gibt es natürlich nicht, aber mir hat die Betrachtungsweise von Mark Manson sehr gefallen und ich hab mich in vielen Beispielen wiedererkannt. Und es funktioniert tatsächlich – seit dem Lesen denke ich intensiver darüber nach, ob diese Sache es gerade wirklich wert ist, sich darüber aufzuregen oder ich mich nicht lieber auf was anderes konzentrieren sollte. Und ganz abgesehen davon: Es ist witzig, der Autor zieht sich oft genug selbst durch den Kakao und nimmt kein Blatt vor den Mund.

Mark Manson betreibt außerdem einen ziemlich erfolgreichen Blog, über den man schonmal einen Einblick gewinnen kann. Für alle, die das lieber auf deutsch lesen würden, gibt’s auch eine Übersetzung.

The Subtle Art of Not Giving a F*ck: A Counterintuitive Approach to Living a Good Life

Taschenbuch: 224 Seiten
Verlag: HarperOne; Auflage: International ed. (13. September 2016)
Sprache: Englisch
ISBN-10: 0062641549
ISBN-13: 978-0062641540

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Und wenn die Welt verbrennt – Ulla Scheler

Kurzbeschreibung

Er ist ein Junge mit bunten Kreiden, der Menschen in Bildern auf dem Asphalt einfängt. Sie ist ein Mädchen mit einem dunklen Geheimnis, das niemanden an sich heranlässt. Felix und Alisa. Beide leben in ihrer eigenen Welt, bis sie sich durch Zufall begegnen. Und plötzlich ist es ausgerechnet Alisa, die Felix versteht wie niemand sonst. Zusammen sind sie stark, fast unschlagbar. Bis ein Haus brennt und Alisa von den Schatten der Vergangenheit eingeholt wird …


Rezension

Als ich im letzten Jahr Ulla Schelers Debut Es ist gefährlich bei Sturm zu schwimmen gelesen habe, wusste ich schon, dass ich ihr nächstes Buch auch lesen muss. Glücklicherweise musste ich darauf jetzt nicht so unendlich lange warten.

Als ich angefangen habe zu lesen, war ich dank Ullas Schreibstil sofort gefangen und habe des Buch quasi in einem Rutsch inhaliert. Es ist genau die richtige Mischung aus Erzählen, aber nicht zu viel Preis geben, hinzu kommen die wechselnden Perspektiven von Felix und Alisa, die zusätzlich Spannung aufbauen.

Die Geschichte baut sich langsam auf, jeder von beiden hat seine eigenen Probleme. Felix, der viel zu oft im Schatten seines Bruders steht und irgendwie nicht von der Stelle kommt und Alisa, die ein schweres Geheimnis mit sich herumträgt, über das sie nicht spricht. Als dann ihr Bruder auftaucht, wird das Glück der beiden auf die Probe gestellt, denn nach und nach erinnert sich Alisa.

Ulla Scheler schreibt in der Danksagung, dass einem manche Bücher leicht von der Hand gehen und dass dieses keins davon war. Leider merkt man das auch, denn im Vergleich zu ihrem Debut hatte ich hier oft Probleme mit der Glaubwürdigkeit. An manchen Stellen erschien mir die Geschichte einfach zu konstruiert, zu dramatisch, um wahr zu sein. Bei Es ist gefährlich bei Sturm zu schwimmen war es ausgerechnet diese nüchterne Glaubwürdigkeit, die mich begeistert hat, und hier brennt mal eben jemand ein Haus ab, dabei stirbt ein Mensch und einer schweigt sich aus und der andere vergisst es ganz. Das macht das Buch nicht schlecht, aber die Geschichte hat das einfach nicht nötig.

Viel lieber hätte ich einfach mehr davon gelesen, wie Felix versucht, seinen Weg zu gehen und wie Alisa ihren eigenen findet wie sie sich beide unterstützen – ganz ohne dunkle Vergangenheit und Missverständnisse, ganz ohne großes Drama, dafür aber mit viel Herz.

Und wenn die Welt verbrennt

Broschiert: 432 Seiten
Verlag: Heyne Verlag (18. September 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3453271424
ISBN-13: 978-3453271425
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren

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Lieber Daddy-Long-Legs – Jean Webster

Kurzbeschreibung

Fast 18 Jahre hat Judy Abbott im Waisenhaus gelebt. Wegen ihrer literarischen Begabung wird sie nun von einem geheimnisvollen Wohltäter aufs College geschickt. Der Mann möchte namenlos bleiben, Judy soll ihm aber jeden Monat einen Brief über ihre Fortschritte schreiben. Voller Begeisterung stürzt sich Judy in dieses unbekannte Leben. Mehr als einmal im Monat schreibt sie „Mr Smith“, denn sie hat ja sonst niemanden auf der Welt, mit dem sie ihre Erlebnisse teilen kann. Briefe voller Witz, über Hüte und Literatur, über neue Freundschaften und immer öfter auch über den sympathischen Jervis Pendleton.

Rezension

Ich möchte diese Rezension mit einer kleinen Geschichte beginnen… Es war Anfang März, als ich eine Mail bekam, die mich für die Buchmesse zu einem königlichen Kaffeekränzchen einlud. Ich hab den Kontakt zum Verlag nicht gesucht, mich aber trotzdem sehr gefreut, weil die Königskinder nicht nur besondere Bücher veröffentlichen, sie machen es auch mit extrem viel Liebe. Nicht, dass ich das nicht schon vorher gewusst hätte, bieten sie doch z.B. Ruta Sepetys ein wundervolles zu Hause, aber an diesem Nachmittag auf der Messe habe ich eben gemerkt, dass es wirklich von Herzen kommt. Allein wie Barbara König über Lieber Daddy-Long-Legs gesprochen hat, hat gereicht um das Buch vorzubestellen und unbedingt lesen zu wollen. Just an dem Tag, an dem ich angefangen habe, es zu lesen, kam die Nachricht, dass im Frühjahr 2018 das letzte Programm des Imprints erscheinen wird und das macht mich tatsächlich sehr traurig, denn gerade Bücher wie dieses machen den Verlag aus.

Liebe Daddy-Long-Legs ist zuerst 1912 erschienen und das sollte man wissen, wenn man dieses Buch lesen möchte, da es einfach von einer ganz anderen Zeit erzählt. Judy (oder Jerusha) lebt in einem Waisenhaus, dem sie eigentlich schon entwachsen ist. Es ist nur der Mildtätigkeit der Leiterin zu verdanken, dass sie auch nach Abschluss der Schule weiterhin dort bleiben und arbeiten kann. Am ersten Mittwoch im Monat besucht einer der Treuhänder der Stiftung das Waisenhaus und auch wenn diese Tage für Judy in erster Linie Arbeit bedeuten, wandelt sich das, als sie erfährt, dass sie als erstes Mädchen in den Genuss eines Stipendiums kommt und so dem Waisenhaus entfliehen kann. Alles, was sie dafür tun muss, ist einmal im Monat einen Brief an ihren anonymen Gönner zu verfassen.

So kommen wir zur zweiten Sache, die man über das Buch wissen muss – es besteht aus eben diesen Briefen, die Judy dem Treuhänder schreibt und so erfahren wir alles aus ihrem Leben, an dem sie ihren Gönner teilhaben lässt, können das aber natürlich auch nur einseitig beeurteilen. Trotzdem ensteht ein relativ klares Bild, nicht zuletzt deswegen, weil Judy und nicht nur an ihren Lernfortschritten, sondern auch an ihrer Gefühlswelt teilhaben lässt. Manchmal freut sie sich über die Möglichkeit, die der Treuhänder, den sie liebevoll Daddy-Long-Legs nennt, ihr geboten hat, manchmal ist sie aber auch wütend, weil er sich einmischt oder vor allem deswegen, weil er ihr nie persönlich antwortet – denn das war eine seiner Bedingungen. Und immer öfter berichtet sie, leicht verliebt, von einem Jungen Mann, den sie scheinbar durch Zufall getroffen hat.

Nun muss man nicht annähernd so klug wie Sherlock Holmes sein, um sich zusammen zu reimen, wo das vielleicht hinführen mag, man sollte sich dann aber auch vor Augen halten, dass es eben ein Kinderbuch ist und jüngere Leser den ein oder andere Wink mit dem Zaunpfahl vielleicht noch nicht als solchen verstehen. Sei’s drum, auch als Erwachsene hatte ich viel Spaß mit dem Buch und der Geschichte, vor allem aber mit Judy, die, bezogen auf die Zeit in der sie lebt, ein starkes Beispiel für eine eigensinnige, ehrliche, freundliche, junge Frau ist, die sich nichts gefallen lässt und den Mund aufmacht, wenn ihr etwas nicht passt. Sie sucht sich sogar einen neuen Namen (Judy) aus, weil ihr der aus dem Waisenhaus (Jerusha) nicht mehr gefällt, ganz zu schweigen von der Tatsache, dass sie ihren Traum, Schriftstellerin zu werden, nie aus den Augen verliert und trotz aller Rückschläge immer otimistisch bleibt.

Folgendes ist mir dennoch negativ aufgestoßen (Achtung Spoiler): Ich weiß nicht, wie ich es finden soll, dass ein 33jähriger Mann einer 18jährigen nachstellt, ihren Gönner spielt und sich auf der einen Seite als der stumme Gönner ausgibt, auf der anderen aber mit Hilfe der Informationen aus ihren Briefen versucht ihr Herz zu gewinnen. Es ist auf der einen Seite süß, aber der anderen lässt es mich aber recht zwiegespalten zurück, auch wenn er sie natürlich zu nichts zwingt und ich ein Stück weit verstehe, wieso er sich ihr nicht offenbart. Vielleicht sehe ich das ein bisschen zu eng, vielleicht sollte der Altersunterschied keine Rolle spielen, und vielleicht fehlt einfach seine Perspektive und/oder ein paar mehr Informationen über Judys Treffen mit Jarvie, um das besser zu beurteilen. Vielleicht war das früher auch gar nicht so schlimm.

Aber abgesehen davon hatte ich sehr viel Spaß mit Judy und Daddy-Long-Legs.

Lieber Daddy-Long-Legs

Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
Verlag: Königskinder (29. September 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3551560447
ISBN-13: 978-3551560445
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren

 

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Small Great Things – Jodi Picoult

Kurzbeschreibung

Ruth Jefferson is a labor and delivery nurse at a Connecticut hospital with more than twenty years’ experience. During her shift, Ruth begins a routine checkup on a newborn, only to be told a few minutes later that she’s been reassigned to another patient. The parents are white supremacists and don’t want Ruth, who is African American, to touch their child. The hospital complies with their request, but the next day, the baby goes into cardiac distress while Ruth is alone in the nursery. Does she obey orders or does she intervene?

Ruth hesitates before performing CPR and, as a result, is charged with a serious crime. Kennedy McQuarrie, a white public defender, takes her case but gives unexpected advice: Kennedy insists that mentioning race in the courtroom is not a winning strategy. Conflicted by Kennedy’s counsel, Ruth tries to keep life as normal as possible for her family—especially her teenage son—as the case becomes a media sensation. As the trial moves forward, Ruth and Kennedy must gain each other’s trust, and come to see that what they’ve been taught their whole lives about others—and themselves—might be wrong.


Rezension

Manchmal ist es vermutlich ganz gut, wenn man nicht dem ersten Impuls nachgibt und in Lobeshymnen ausbricht, sondern sich informiert, nochmal andere Sichtweisen betrachtet und seine eigene Beurteilung daran anpasst.

Ich liebe Jodi Picoult und jedes einzelne ihrer Bücher, das ich bisher gelesen habe. Nicht nur, weil die Geschichten mich berühren, sondern auch weil sie unglaublich gut recherchiert sind und ich beim Lesen immer etwas lerne, von dem ich vorher nichts wusste.

In Small Great Things geht es um Ruth, eine schwarze Krankenschwester und Hebamme, die ein Baby nicht mehr behandeln darf, weil sie eben schwarz ist und die Eltern des Kindes das nicht wollen. Die Baurs sind Ahänger der White Supremacy. Ruth wird von dem Fall abgezogen, aber es kommt zu einem Personalengpass und das Baby hört plötzlich auf zu Atmen. Als Krankenschwester muss Ruth handeln, obwohl sie sich dem Baby laut Anweisung nicht nähern darf. Das Kind stirbt und für die Baurs steht fest: Ruth ist daran schuld.

Was folgt ist eine Geschichte, die für mich als Leserin sehr unangenehm war. Viel zu oft hab ich mich wiedergefunden – und das auf der falschen Seite. Nicht in Turk Baur, zum Glück, aber in der Frau, die unbewusst ihre Tasche an sich nimmt, sobald Ruth den Raum betritt oder in Kennedy, der Pflichtverteidigerin von Ruth, die ‚keine Farben sieht‘ und fest davon überzeugt ist, dass jeder die gleichen Rechte hat, aber gar nicht erkennt, welche Privilegien sie hat, die Ruth auf Grund ihrer Hautfarbe verwehrt bleiben.

Vor allem die Kapitel aus Turks Sicht waren hart. Für mich ist nicht nachvollziehbar, wie man so von Hass zerfressen sein kann und wie man so einen Stuss überhaupt glauben kann, geschweige denn auf andere Menschen logeht, nur weil deren Hautfarbe oder Sexualität nicht meinem Standart enttsprechen. Ich musste immer wieder Pause machen, Picoult hat sich da wirklich sehr tief reinversetzt und das für mich sehr glaubwürdig dargestellt.

Ein bisschen problematischer ist sicherlich Ruths Perspektive, denn Picoult ist eine weiße, priveligierte Frau, die dann plötzlich aus der Sicht einer schwarzen schreibt. Sie erklärt im Nachwort, wie sie recherchiert hat, dass sie mit mehreren Betroffenen gesprochen hat und versucht hat, die Geschichte so realistisch wie möglich zu erzählen, aber ich bin nicht sicher, ob das zu 100% gelungen ist, letztendlich kann ich das aber auch nicht beurteilen.

Zum Ende hin wird es sowohl ein bisschen dramatisch als auch hahnebüchen – mir ist zwar klar, dass das mit Brittanys Mutter möglich ist, aber es wirkt einfach eine Spur zu viel und zu konstruiert, genauso das, was daraus folgt. Und auch Turks Wandlung ist glaube ich zu schön, um wahr zu sein. Es ist halt am Ende wirklich alles gut und das nehme ich dem Buch einfach nicht ab.

Für meinen Teil allerdings kommt die Message am Ende des Buches an, sie bringt mich zum Nachdenken, Reflektieren und dazu, darüber reden zu wollen. Und ich denke, allein das ist schon viel wert. Und ich denke auch, dass es darauf abzielt. Picoults Zielgruppe sind nicht die Ruths, denen dieses Unrecht jeden Tag widerfährt, sondern die Kennedys, die sich selbst nicht für rassischtisch halten, aber auch nichts dazu beitragen, dass sich etwas ändert.

Roxane Gay hat für die New York Times eine sehr ausführliche Besprechung geschrieben, die ich euch verlinke (englisch), weil sie eben meiner Lobeshymne ein bisschen Einhalt geboten hat. Viele (englischsprachige) Rezensionen haben den gleichen Tenor, obwohl das Buch im großen und ganzen nur Lob empfangen hat und als das Nonplusultra gelobt wird. Das ist es einfach nicht und trotzdem hoffe ich, dass es alle, die es lesen, zum Nachdenken bringt.

Kleine große Schritte erscheint am 2. Oktober 2017 bei C. Bertelsmann auf deutsch. Eine Verfilmung mit Viola Davis und Julia Roberts ist in Planung.

Small Great Things

Taschenbuch: 480 Seiten
Verlag: Ballantine Books (11. Oktober 2016)
Sprache: Englisch
ISBN-10: 0425286010
ISBN-13: 978-0425286012

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