Was, wenn wir fliegen – Kim Nina Ocker

Kurzbeschreibung

Eine Trapezkünstlerin lässt sich fallen …

Sophie war Luftartistin – bis zu einem tragischen Sturz. Danach hatte sie sich geschworen, nie wieder an einem Trapez zu turnen. Als bei einem Zirkus ein Mädchen für alles gesucht wird, bewirbt sich Sophie spontan und bekommt prompt den Job – von ihrer Vergangenheit erzählt sie jedoch nichts. Ihr altes Leben geheim zu halten wird allerdings schwieriger als gedacht. Denn plötzlich steht Bo vor ihr: ein charmanter Feuerkünstler, den sie von der Artistenschule kennt. Langsam kommen sich Sophie und Bo näher, und sosehr sie es auch versucht, sie kann seiner Anziehung nicht widerstehen. Doch ihre Vergangenheit scheint sie einzuholen – Denn jemand will um jeden Preis verhindern, dass Sophie wieder auf der Bühne steht.

Rezension

Normalerweise mache ich das nicht. Ich rezensiere keine Bücher von Freunden, einfach weil ich da nicht unbefangen rangehen kann und ja oft ohnehin im Entstehungsprozess schon eingebunden bin, sodass ich das Ergebnis nur gut finden kann. Bei Kim ist das aber nicht so. Wir sind halt schon irgendwie Freunde, aber ich wusste über dieses Buch tatsächlich vorher gar nichts und jetzt, wo ich es gelesen habe, will ich es einfach jedem empfehlen. Ob ihr das jetzt ernst nehmt oder nicht, bleibt euch überlassen. Ich versuche einfach, meine Lobeshymne so gut wie möglich zu begründen.

Zunächst mal geht es irgendwie um Zirkus, das lassen schon Cover und Klappentext vermuten und das war für mich letztendlich auch der Punkt, weswegen ich es unbedingt lesen wollte. Einen New Adult-Roman mit Zirkus-Flair hatte ich noch nicht, gibts glaube ich auch nicht und ich war gespannt, wie es Kim schafft, die magische Atmosphäre eines Zirkuszeltes auf einer Buchseite einzufangen. Das ist ihr wunderbar gelungen. Ein großes Plus gibt’s noch dafür, dass der Zirkus ein reiner Artistenzirkus ist – es gibt mit Ausnahme einer Hundenummer keine Tiere (spielt für viele vielleicht keine Rolle, aber ich find’s großartig!).

Aus einer Schnapslaune heraus bewirbt sich Sophie dann als Mädchen für alles bei dem Zirkus und wird trotzt ihrer ungewöhnlich formulierten Bewerbungsmail tatsächlich zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Das ganze ist so humorvoll dargestellt, das man gar nicht anders kann, als mit einem Grinsen im Gesicht zu lesen. Dass sie dann aber auch die Courage beweist, tatsächlich hinzugehen, zeugt von wahrer Größe. Außerdem spricht es dafür, dass sie ihre Leidenschaft eben doch nicht einfach so aufgeben kann.

Alle Charaktere im Buch sind äußerst liebevoll gestaltet – jeder hat seine Eigenheiten, Ecken und Kanten, aber fast alle sind zudem äußerst liebenswert und bisweilen ein wenig schrullig – typisch Zirkusvolk eben. Besonders Bo sticht dabei hervor, und das nicht nur, weil er eben der Love Interest ist, sondern hauptsächlich deswegen, weil er sich nicht wie ein Arschloch verhält, sondern Sophie wirklich hilft. Er pusht sie bis an ihrer Grenzen, lässt ihr aber auch genug Freiraum, damit sie sich selbst entfalten kann. Zwischen den beiden kracht es oft gewaltig, hauptsächlich aber, weil Sophie nicht genug Vertrauen hat, sich komplett fallen zu lassen.

Und während Sophie immer mehr Gefallen am Zirkusalltag findet, fangen die anonymen Emails wieder an, bei ihr einzutrudeln. Das ganze geht soweit, dass andere Zirkusmitglieder in Gefahr gebracht werden.

Was, wenn wir fliegen ist eine wunderschöne Geschichte über Träume, Schuld, Reue und Liebe und zeigt einmal mehr, dass New Adult auch mit deutschem Setting bzw. deutscehn Charakteren funktionieren kann. Absolute Leseempfehlung für Fans des Genres!


Was, wenn wir fliegen

Format: Kindle Edition || Dateigröße: 1239.0 KB || Seitenzahl der Print-Ausgabe: 368 Seiten || Verlag: beHEARTBEAT by Bastei Entertainment; Auflage: 1. Aufl. 2018 (1. März 2018) || Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l. || Sprache: Deutsch || ASIN: B0787BM8FJ
Taschenbuch: 368 Seiten ||Verlag: Bastei Lübbe Ag; Auflage: 1. Aufl. 2018 (1. März 2018) ||Sprache: Deutsch || ISBN-10: 3741300853 ||ISBN-13: 978-3741300851 ||Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 14 Jahre

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The Wrath And The Dawn – Renée Ahdieh

TheWrathAndTheDawn

+ Kurzbeschreibung

Every dawn brings horror to a different family in a land ruled by a killer. Khalid, the eighteen-year-old Caliph of Khorasan, takes a new bride each night only to have her executed at sunrise. So it is a suspicious surprise when sixteen-year-old Shahrzad volunteers to marry Khalid. But she does so with a clever plan to stay alive and exact revenge on the Caliph for the murder of her best friend and countless other girls. Shazi’s wit and will, indeed, get her through to the dawn that no others have seen, but with a catch . . . she’s falling in love with the very boy who killed her dearest friend.

She discovers that the murderous boy-king is not all that he seems and neither are the deaths of so many girls. Shazi is determined to uncover the reason for the murders and to break the cycle once and for all.

+ Rezension

Möglicherweise enthält diese Rezension den ein oder anderen relevanten Spoiler – ihr solltet also nicht weiterlesen, wenn ihr vorhabt, das Buch zu lesen und zu mögen. Wenn ihr jedoch noch zweifelt, kann ich euch vielleicht ein bisschen helfen; allerdings wollt ihr es danach wohl nicht mehr lesen…

Jede Rezension, die ich gelesen habe, schwärmte von diesem Buch und der Geschichte und genau deswegen dachte ich: Was kann schon schiefgehen? Ich sollte manchmal einfach nicht denken.

Die Sache ist so: Es gibt da diesem Kalif, der eigentlich noch ein Junge ist und der mittlerweile von seinem ganzen Volk gehasst wird, weil er jede seiner Ehefrauen zum Morgengrauen nach der Hochzeitsnacht umbringt. Auch die beste Freundin unserer Protagonistin, Shahrzad, wurde von diesem Schicksal ereilt. Deswegen überlegt sich Shahrzad nun: Ich heirate den Kalifen und bringe ihn um! Top Plan bis hierhin, schade nur, dass er nicht zu Ende gedacht wurde.

Ich hatte das Gefühl, dass in dem Buch die komplette Vorgeschichte fehlt. Man wird einfach mitten in die Handlung reingeschmissen, ohne irgendwelche Erklärungen zu bekommen – es ist einfach, wie es ist und deswegen machen wir jetzt das. Im Prinzip wäre das auch nicht verkehrt, aber die Protagonisten denken halt auch nicht weiter, als bis zur nächsten Seite. Shahrzad opfert sich, heiratet ihn und verbringt die erste Nacht mit Khalid – macht sich aber bis zur Dämmerung keinen einzigen Gedanken darüber, wie sie diese überleben soll. Ein bisschen sehr kurzsichttig, wenn man bedenkt, dass genau das der Zeitpunkt ihres Todes sein soll. Aber natürlich bringt er sie nicht um, sonst wären ja die restlichen 380 Seiten langweilig…

Was folgt ist eine Geschichte, von der ich mir zwar nicht so viel erhofft habe, aber Geschichten aus Tausendundeiner Nacht sind ja eigentlich immer toll und so viel kann ja eigentich auch nicht schief gehen, wenn man einen coolen Ansatz hat – wie zum Beispiel einen Kalifen, der jede seiner Frauen nach nur einer Nacht umbringt. Aber man kann sich halt auch täuschen. Die einzige Person, zu der ich über die ~400 Seiten eine Verbindung aufgebaut habe, war Khalid und das auch nur, weil zum Ende hin wenigstens ein paar Abschnitte aus seiner Perspektive erzählt werden und man einen klitzekleinen Einblick in diesen Jungen bekommt. Shahrzad hingegen ist für mich genauso blass wie am Anfang. Jeder liebt sie, jeder sorgt sich um sie, jeder will nur ihr bestes – aber warum eigentlich? Sie tut absolut nichts, um sich irgendwie hervorzuheben, abgesehen von ihrem Plan, den sie ja zum einen selber nicht kennt und der zum anderen ohnehin nicht funktioniert. Außerdem weiß ja keiner, dass sie einen Plan hat.

Dieses Buch ist ein sehr gutes Beispiel dafür, was mit Show und Tell in all den Schreibratgebern gemeint ist. Als Autor soll man zeigen – durch Worte und Beschreibungen – wie sich die Personen fühlen, wie sie ticken, warum sie etwas tun… Das passiert hier nicht. Hier wird es nur gesagt und das nichtmal sehr ausführlich, sodass mehr Fragen als Antworten bleiben. Manchmal könnte man ruhig ein bisschen mehr erklären oder zumindest die Charaktere die entsprechenden Fragen stellen lassen. Aber nö, is nicht. Dieses Buch hat ~400 Seiten Gelaber, die sich recht nett und leicht lesen lassen, ohne das am Ende großartig was passiert wäre. Und es ärgert mich, weil man daraus so viel hätte machen können.

Wenn ich mir die Altersempfehlungen so ansehe, kann ich fast nachvollziehen, warum es so flach ist; wenn ich dann allerdings sehe, was der deutsche Verlag da so empfiehlt, frage ich mich schon wieder, für wie naiv Jugendliche gehalten werden. Wer jetzt noch zweifelt: Nein, ich kann es nicht empfehlen. Lest was anderes, wenns unbedingt orientalisch sein muss, aber nicht das.

Sandra hat das ganze etwas netter bewertet, vielleicht schaut ihr da mal ;)


The Wrath And The Dawn

Taschenbuch: 416 Seiten
Verlag: G.P. Putnam’s Sons Books for Young Readers (12. Mai 2015)
Sprache: Englisch
ISBN-10: 0399176659
ISBN-13: 978-0399176654
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 12 – 15 Jahre

erscheint am 12. Februar 2016 auch auf deutsch unter dem Titel


Zorn und Morgenröte

Gebundene Ausgabe: 390 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe (one by Lübbe); Auflage: 1. Aufl. 2016 (12. Februar 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3846600202
ISBN-13: 978-3846600207
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 14 – 17 Jahre

[Gelesen] An Ember in the Ashes (Sabaa Tahir)

 

 + Kurzbeschreibung

I WILL TELL YOU THE SAME THING I TELL EVERY SLAVE.

THE RESISTANCE HAS TRIED TO PENETRATE THIS SCHOOL COUNTLESS TIMES. I HAVE DISCOVERED IT EVERY TIME.

IF YOU ARE WORKING WITH THE RESISTANCE, IF YOU CONTACT THEM, IF YOU THINK OF CONTACTING THEM, I WILL KNOW
AND I WILL DESTROY YOU.

LAIA is a Scholar living under the iron-fisted rule of the Martial Empire. When her brother is arrested for treason, Laia goes undercover as a slave at the empire’s greatest military academy in exchange for assistance from rebel Scholars who claim that they will help to save her brother from execution.

ELIAS is the academy’s finest soldier— and secretly, its most unwilling. Elias is considering deserting the military, but before he can, he’s ordered to participate in a ruthless contest to choose the next Martial emperor.

When Laia and Elias’s paths cross at the academy, they find that their destinies are more intertwined than either could have imagined and that their choices will change the future of the empire itself.

+ Rezension

Seit langem sehne ich mich mal wieder nach Jugendfantasy at its best – abgesehen von all den angefangen Reihen. Irgendwas, das mir eine neue Welt zeigt, mich begeistert und fesselt und im besten Fall so richtig, richtig anfixt. „An Ember in the Ashes“ hat das nicht getan.

Als ich angefangen habe, das Buch zu lesen, war die Fortsetzung bereits in trokenen Tüchern, aber man darf aber nicht vergessen, dass zunächst (zumindest offiziell) keine geplant war. Das Buch wurde als Stand-Alone angepriesen und das ist insofern wichtig, weil es ein ausschlaggebender Punkt, wieso ich es nicht nur nicht mag, sondern regelrecht wütend bin.

Aber von vorne… erzählt wird die Geschichte aus zwei Perspektiven, der von Laia und der von Elias. Man bekommt so beide Seiten mit und das ist im Grunde auch ganz nett, allerdings ist es so schlecht gemacht, das man große Teile der Geschichte doppelt erzählt bekommt – die dann nichtmal wirklich spannend sind. In einem von Laia erzählten Kapitel tritt Elias am Ende aus dem Schatten, darauf folgt Elias‘ Kapitel, in dem nochmal genau das gleiche erzählt wird, was damit endet, dass er aus dem Schatten tritt und Laia ihn erkennt – und dann gehts wieder mit Laia weiter.

Das wäre dann okay, wenn in der Zwischenzeit was spannendes erzählt werden würde oder die zwei wenigstens interessante Gedanken hätten, aber die haben sie nicht. Im Grunde machen die zwei nichts anderes, als zu jammern. Jeder für sich, aber auch das macht es nicht erträglicher. Und ich mein – ich versteh das, wirklich. Ich wär auch verzweifelt, wenn man meine Großeltern umgebracht und meinen Bruder festgenommen hätte. Ich wüsste auch nicht, was ich tun soll und da ist Laia in einer besseren Position als viele andere. Sie sucht sich Hilfe bei den Rebellen und erhält sogar das Versprechen, dass sie ihr helfen. Wieso also das ständige Gejammer von wegen ‚ich kann das nicht‘, ‚ich bin so schwach‘ und ‚eigentlich will ich das nicht‘. Himmel, Kind! Du hast eine Entscheidung getroffen und ein Ziel vor Augen – kümmer dich drum oder lass es halt ganz! Versteht mich nicht falsch – jedem Helden stehen seine schwachen Momente zu und das ist auch vollkommen okay – aber wieso begebe ich mich als Neuling bei den Rebellen ohne Wiederworte an den denkbar gefährlichsten Ort, an dem ich an Tag 1 gesagt bekomme, dass man mich umbringen wird, wenn ich nur einen Fehler bei meinen neuen Aufgaben machen werde? Ich verstehe es nicht.

Ich verstehe auch Elias nicht. So einfach – überhaupt nicht. Weder das Verhältnis zu seiner Mutter, noch das zu seinem Großvater. Von dem zu Helene möchte ich gar nicht erst anfangen, denn so blind kann man einfach nicht sein. Dass er aus seiner Situation nicht großartig ausbrechen kann, ist mir jedoch klar, dennoch verstehe ich nicht, wieso er da dann nicht wenigstens versucht, das Beste daraus zu machen. Aber hey…

So kommt es unwiderruflich dazu, dass ich die Protagonisten nicht nur nicht mochte, sondern dass sie mir einfach egal waren. DAs ist denkbar schlecht, denn wenn einem die beiden Hauptpersonen egal sind, wird es auch die Story irgendwann.

Wirklich, wirklich wütend macht mich allerdings, dass diese Geschichte, so wie sie im Buch zu lesen ist, handlungstechnisch eine wahnsinnig lange Prequel ist, demnach weit entfernt vom proklamierten Stand-Alone. Von ~460 Seiten, die noch dazu als Stand-Alone geplant waren (!!) erwarte ich eine in sich abgeschlossene Geschichte mit der Möglichkeit auf mehr. „An Ember in the Ashes“ ist ein anteasern auf meiner Meinung nach mindestens zwei potentielle weitere Teile und nicht nur einen (wie bisher bekannt). Eine als alleinstehendes Buch geplante Geschichte hört nicht einfach am spannendsten Punkt auf!

Ich bin mir nicht sicher, ob ich den zweiten Teil noch lesen werde. Für mich steht fest, dass dieses Buch die totale Verarsche ist, denn der Verlag hat es schon vorher gehyped wie sonst was, dem Leser weismachen wollen, dass es ein alleinstehendes Buch ist, um dann, nach den ersten Verkaufserfolgen (und einem Scheiß-Ende!) zu sagen: OKay, wisst ihr was? Wir machen einen zweiten Teil, weil die Geschichte so gut ankam. Veräppeln kann ich mich alleine für wesentlich weniger Geld!

An Ember in the Ashes

Gebundene Ausgabe: 464 Seiten
Verlag: Razorbill (28. April 2015)
Sprache: Englisch
ISBN-10: 1595148035
ISBN-13: 978-1595148032
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren

Elias & Laia – Die Herrschaft der Masken

Gebundene Ausgabe: 512 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe (one by Lübbe); Auflage: 1. Aufl. 2015 (15. Mai 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3846600091
ISBN-13: 978-3846600092
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren

 

[Gelesen] Der Palast der Meere – Waringham #5 (Rebecca Gablé)

+ Kurzbeschreibung

London 1560: Als Spionin der Krone fällt Eleanor of Waringham im Konflikt zwischen der protestantischen Königin Elizabeth I. und der katholischen Schottin Mary Stewart eine gefährliche Aufgabe zu. Ihre Nähe zur Königin schafft Neider, und als Eleanor sich in den geheimnisvollen König der Diebe verliebt, macht sie sich angreifbar. Unterdessen schleicht sich ihr fünfzehnjähriger Bruder Isaac in Plymouth als blinder Passagier auf ein Schiff. Nach seiner Entdeckung wird er als Sklave an spanische Pflanzer auf der Insel Teneriffa verkauft. Erst nach zwei Jahren kommt Isaac wieder frei – unter der Bedingung, dass er in den Dienst des Freibeuters John Hawkins tritt. Zu spät merkt Isaac, dass Hawkins sich als Sklavenhändler betätigt – und dass sein Weg noch lange nicht zurück nach England führt …

+ Rezension

Ich hasse historische Romane. Das ist nicht unbedingt die beste Voraussetzung, um einen oder gar mehrere zu lesen, aber es ist nunmal wie es ist. Die Rahmenhandlung steht unwiderbringlich fest und bietet keinen großen Überraschungen, sie sind unendlich lang und meistens finde ich die erfundenen Personen auch nicht so wirklich spannend. Allerdings bin ich dann vor fünfzehn Jahren auf Robin Fitzgervais (aka Waringham) getroffen – and that has made all the difference^^

Seither habe ich jedem neuen Waringham-Teil entgegen gefiebert und so natürlich auch dem „Palast der Meere“. Vorweg muss ich sagen, dass ich (die historische) Elisabeth leider nie mochte, viel lieber hätte ich eigentlich über Mary gelesen, aber Rebecca Gablé hat mich noch nie enttäuscht, und außerdem gilt meine unerschütterliche Liebe des Waringhams. Natürlich muss ich also wissen, wie es mit denen weitergeht. Dass ich für das Buch nun doch fast einen ganzen Monat gebraucht habe, lag einfach daran, dass ich es genießen wollte, denn auf das nächste Gablé-Buch werde ich jetzt wieder ewig warten müssen.

Im Zentrum der Geschichte stehen Isaac of Waringham und Eleanor, seine Halbschwester. Nachdem deren Neffe Lappidot an den Pocken erkrankt, soll Isaac von London nach Waringham zurückkehren und seinen Platz als Erbe der Waringham einnehmen – doch Isaac denkt gar nicht daran. Nichts ist ihm mehr zuwider als das höfische Gehabe, viel lieber will er seine Freiheit genießen. Die einzige Lösung für ihn scheint es, sich an Bord eines Schiffes zu schleichen und so lange auszuharren, bis dieses weit genug auf See ist, um nicht mehr umzukehren. Mit ihren Kontakten als Auge der Königin kann Eleanor die Spur ihres Bruder bis zum Hafen von Plymouth verfolgen, doch auf See ist Isaac auch für sie verloren.

Zunächst mal mochte ich die Tatsache, dass die Geschichte aus zwei Perspektiven erzählt wird: Durch Eleanor erfahren wir, was bei Hofe vor sich geht und lernen Elisabeth sowie auch Robin Dudley kennen, Isaac hingegen zeigt uns zunächst Spanien, danach die ganze Welt, denn natürlich ist er einer der wenigen Waringham, den die See nicht krank, sondern zum Schwärmen bringt. So bekommt man alles mit, was vor sich geht und hat noch den Bonus, das schwierige Geschwisterverhältnis tiefer zu ergründen, denn Eleanor scheint kein gutes Haar an Isaac lassen zu wollen und Isaac weiß, dass er seiner Halbschwester nichts recht machen kann. Zudem hatten beide Seiten für mich einen spannenden Nebencharakter – Isaac ist mit keinem geringeren als dem Piraten John Hawkins unterwegs und Eleanor unterhält  eine besondere Beziehung zu Gabriel Durham, dem König der Diebe.

Historisch begleiten wir Elisabeth bis in die letzten glücklichen Jahre ihrer Regierungszeit, tatsächlich regierte sie aber noch ein bisschen weiter, nur eben nicht mehr ganz so erfolgreich. Ihre Beziehung zu Robin Dudley spielt auch im Roman eine große Rolle, allerdings fand ich sie im Buch weit besser dargestellt als z.B. im Film „Elisabeth“ (mit Cate Blanchett und Joseph Fiennes). Den habe ich übrigens gesehen, während ich das Buch noch am Lesen war, und war leicht verwirrt – aber der Film verdreht eben auch einige historische Fakten. Ich bin weiß Gott kein Experte und kenne auch genug Leute, die Gablé eben nicht lesen, weil es ihnen nicht faktisch genug ist, aber allein aus den Nachwörtern und den Erklärungen der Autorin geschlossen, würde ich behaupten, dass sie sehr wenig hinzudichtet und wenn doch, dann eben nur da wo die Fakten wirklich schwammig sind.

Dennoch ist meine Meinung zum Buch ein bisschen zwiegespalten. Ich mochte die beiden Perspektiven und eigentlich fand ich alles, was aus Isaacs Sicht kam, interessant, habe mich aber dennoch immer wieder nach den Kapiteln mit Eleanor gesehnt. Bei denen wiederum war ich froh, wenn die eigentliche Hauptperson, also Elisabeth, nicht zugegen war, was natürlich schwierig ist, wenn Eleanor ihre wichtigste Spionin ist. Ich glaube oder fürchte viel mehr, es ist dann jetzt auch einfach mal gut mit Waringham. Es gibt zig Nebencharaktere der Familie, über die ich wahnsinnig gerne mehr lesen würde, aber so einen wie Raymond oder Nick wird es nie wieder geben.

Letztendlich muss man selbst rausfinden, ob man das mag oder nicht. Ich für meinem Teil bin froh um jedes Waringham-Buch, das es gibt, weil ich damit zumindest ein bisschen was aus dem historischen Bereich lese. „Der Palast der Meere“ ist nicht mein neuer Liebling der Saga geworden, aber ich möchte ihn auch nicht missen.

Der Palast der Meere

Gebundene Ausgabe: 960 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe (Lübbe Ehrenwirth); Auflage: 1. Aufl. 2015 (10. September 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 343103926X
ISBN-13: 978-3431039269

[Dies & Das] Highlights aus den Verlagsvorschauen #1

Ich gebs zu – ich bin noch nicht sehr weit gekommen. Nachdem ich Random House durch hatte, war auch irgendwie die Luft raus, das sind einfach zu viele Verlage, zu viele PDFs, die nicht richtig laden oder sich nicht richtig anzeigen lassen und dann auch auf 150% nicht richtig lesbar sind. Das nervt! Da lob ich mir Verlage wie Lübbe, die eine blätterbare Live-Vorschau haben. Am liebsten wäre mir allerdings echt fast Papier zum draufkritzeln und mit PostIts markierbar. Oder ein Gesamtkatalog (online)  an einer zentralen Stelle (und nicht kompliziert versteckt unter den Übergriffen „Presse“, „Bücher“ oder „Handel“), sortierbar nach ET, Verlag und Genre – und ggf. gleich der Möglichkeit, das Buch zu bestellen oder sich zu merken – DAS WÄRE TOLL! Aber, wie auch immer…

Bastei LÜBBE (Ehrenwirth, Eichborn, One, …)

Gablé überall!

Wäre ich nicht schon einer der größten Rebecca Gablé-Fans – spätestens jetzt wäre es an der Zeit, einer zu werden. Nicht genug damit, dass im September „Der Palast der Winde“, der fünfte Teil der Waringham-Saga erscheint. Nein. Zum „Lächeln der Fortuna“ erscheint im Januar (noch eine) Sonderausgabe, die nicht nur optisch ganz hübsch ist, sie ist auch limitiert und kostet nur 5 €. Kauft das, lasst euch anfixen, ihr werdet es nicht bereuen. Und wenn ihr dann noch nicht genug kriegen könnt, gibts natürlich auch noch den Waringham-Schuber mit allen bisher erschienenen Teilen im Taschenbuch.

 

Und sonst so…

Jay Crownover fand ich als leichte sexy-schmeksy-Lektüre super, bietet sich an, wenn man was über heiße Typen mit Tattoos lesen will. Fitzek ist eh klar – das klingt auch so, als könnte es mir mal wieder gefallen. Maddie #3 ist schon lange überfällig – ich weiß nicht, ob das noch was für mich ist, aber viele warten wohl drauf. Gaiman und Palmer – yay! Let’s get lost fand ich persönlich nicht so toll, aber es ist ein nettes Sommerbuch.

Hanser

Da ist jetzt leider so gar kein MUSS-Buch für mich dabei. Margos Spuren kommt für den Film passend im Design vom Schicksal und beim Rest warte ich mal eure Meinungen ab bzw. entscheide spontan in der Buchhandlung.

Dumont

Hier hab ich kaum was für mich gefunden – die beiden sind allerdings ganz oben auf der Liste. Meg Wolitzer les ich vielleicht auf englisch, vielleicht aber auch nicht, weil die deutsche Ausgabe so wunder-wunderschön ist.

Und damit ich euch nicht überfordere, kommt der Rest erst in den nächsten Tagen… ;) Was habt ihr euch so rausgepickt?

[Gelesen] Solange du bei uns bist (Jodi Picoult)

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+ Kurzbeschreibung

Edward Warren hat keinen Kontakt mehr zu seiner Familie, seit er wegen eines heftigen Streits nach Thailand ausgewandert ist. Eine schreckliche Nachricht führt ihn zurück in die USA: Sein Vater liegt nach einem Unfall im Koma, die Chancen auf Genesung sind minimal. Während seine Schwester Cara auf ein Wunder hofft, will Edward den Vater sterben lassen und seine Organe spenden. Wird er von Nächstenliebe oder von Rachegedanken angetrieben? Und wie weit wird Cara gehen, um das Leben ihres Vaters zu erhalten?

„Wenn eine Nachricht, die man nicht hören will, vor einem aufragt wie der Mount Everest, dann gibt es zwei Möglichkeiten. Die Tragödie streckt dich nieder wie ein Schwert oder sie verleiht dir neue Kraft. Entweder bricht man schluchzend zusammen oder man strafft die Schultern und sagt: Okay, wie geht es weiter?“ S. 90

„Was auch immer du für jemanden tust – egal, ob du ihm als Baby die Flasche gibst, ihn nachts wärmst oder ihn ernährst – wenn du zum falschen Zeitpunkt das Falsche tust, dann erkennt derjenige dich nicht wieder.“ S. 222

„Man kann neuntausend Meilen zwischen sich und einen anderen Menschen bringen. Man kann sich schwören, den Namen des anderen nie wieder auszusprechen. Man kann jemanden förmlich aus seinem Leben rausschneiden. Und doch wird man ihn nicht los.“ S. 222

+ Rezension

Dieses Buch hat mich fertig gemacht. Während mit 19 Minuten und Beim Leben meiner Schwester Themen bei mir angeschlagen wurden, in die ich mich sofort hineinversetzen konnte, hab ich bei diesem Buch lange gezögert. Ich war mir nicht sicher, ob ich mich mit dem Thema anfreunden kann.

Das Buch wirft die Frage auf, was geschieht, wenn eine zerrüttete Familie wieder zusammen treffen muss, um eine Entsceidung über das Leben eines Familienmitglieds zu treffen. Wie würdest du dich entscheiden, wenn du in der jeweiligen Situation befindest? Und wäre deine Handlung entsprechend den Wünschen des Patienten oder verfäscht durch eigene Motive? Und wer ist überhaupt in der Lage, eine Entscheidung zu treffen?

Dadurch, dass Jodi Picoult wie gewohnt einzelne Kapitel aus mehreren Perspektiven schreibt, ist einem natürlich nicht klar, für wessen Standpunkt man sich entscheiden soll. Man erhält einen Einblick in die Gedanken jeder Person und man kann jeden verstehen und seine Handlungen nachvollziehen – dabei ist es unmöglich, sich zu entscheiden, auf welchem Standpunkt man als Leser steht. Hinzu kommt das ein oder andere Geheimnis, das bis zum Ende des Buches verborgen bleibt, aber im Vorfeld natürlich angedeutet wird.

Es gibt diesen einen Punkt, an dem ich dachte, das Buch wäre eine simple Wiederholung von Beim Leben meiner Schwester, nämlich da, wo Cara zu einem Staatsanwalt stiefelt und versucht, ihren Willen durchzusetzen. Das hat mir auch nicht gefallen, denn es wirkte, als hielte sich Picoult an einen Plan, der schonmal funktioniert hat. Ganz so entwickelt es sich dann allerdings doch nicht, weswegen ich ihr das im Nachhinein nicht übel nehme.

Das Wolf-Thema, weswegen ich lange gezögert habe, das Buch zu lesen, hat mir überraschend gut gefallen. Ich mochte vor allem die Kapitel aus Lukes Sicht, in denen er die Familie mit einem Rudel Wölfe vergleicht und die Paralellen zwischen der Tier- und Menschenwelt zieht. Obwohl man Luke nie wirklich in Aktion erlebt, bekommt man doch einen sehr guten Eindruck seiner Persönlichkeit

Mich wird dieses Buch noch einige Zeit beschäftigen, und ich bin auch nach einer Nacht drüber Schlafen noch zu keinem Schluss gekommen, wie ich mich entscheiden würde. Es ist ein typisches Picoult-Buch und ich glaube, diesmal warte ich keine zwei Jahre, bis ich wieder eins von ihr in die Hand nehme.

Solange du bei uns bist ★★★★★

Gebundene Ausgabe: 464 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe (Lübbe Hardcover); Auflage: Aufl. 2014 (16. Mai 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3785725027
ISBN-13: 978-3785725023
Originaltitel: Lone Wolf