Bewusst mehr lesen – geht das?

Beim Vorbereiten der letzten Monatsstatistik kam ich noch vor Ablauf des Monats auf 13 Bücher. Das sind ca. 3 pro Woche. Ich gebe zu, dass da die ein oder andere Kurzgeschichte und ein Comic dabei waren,  die sich natürlich schnell lesen lassen. Trotzdem sind es über 3.000 Seiten, durchschnittlich 100 am Tag und das ist dann schon wieder nicht so wenig. Wenn ich jetzt noch sage, dass ich Tage dabei habe, an denen ich – oh schande – gar nichts lese, glaubt ihr wahrscheinlich, dass ich euch verarsche oder exzessives Speedreading betreibe – was beides nicht stimmt. Ich lese zwar schnell, aber ich bin zu faul, Speedreading zu lernen. Außerdem richtet sich die Schnelligkeit bei mir nach dem Buch – manches geht einfach schneller als anderes. Trotzdem kann man mit ein paar einfachen Tricks auch als langsamer Leser viel schaffen.

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#1 – Hab immer ein Buch dabei.

Ehrlich, wer das immer noch nicht weiß, dem ist einfach nicht zu helfen. Und ich rede nicht von Situationen, in denen man einfach lieber Lesen würde, sondern von den Momenten, wo man eh nichts anderes machen kann. Wartezeit bei einem Termin, Bus- oder Zugfahrt… selbst im Büro gibts so Tage, wo man eigentlich nur das Telefon bewacht. Was ist da also besser? Sinnlos Zeit im Internet totschlagen oder lesen?

#2 –  Lies mehrere Bücher gleichzeitig.

Es gibt viele Leute, die sagen, dass sie das nicht können. Ich sage: Es geht. Wichtig dabei ist, dass sie sich inhaltlich und thematisch soweit voneinander unterscheiden, dass man sie nicht verwechselt. Also z. B. Jugendfantasy für abends im Bett und den Thriller für die Busfahrt bei Tageslicht. Oder ganz verrückt: Auch mal ein Sachbuch. Ich brauche das außerdem, wenn ich ein sehr dickes Buch lese, einfach um auch mal Pausen zu machen.

#3 – Benutz unterschiedliche Medien.

Schonmal einen 800-Seiten-Wälzer wochenlang durch die Gegend geschleppt, weil ihr den gerade gelesen habt? Ja, ich auch. Aber nicht mehr seit Kindle und Smartphone. Es ist ein bisschen tricky, weil man sich entscheiden muss, welche Version eines Buches man kauft, aber den Reader habe ich mittlerweile immer dabei und mit Hörbuch macht sogar Bügeln Spaß. Im Lesesessel oder im Bett kann ich dafür immer noch am besten mit einem richtigen Buch abschalten. Was auch nicht ganz unwichtig ist: Smartphone und Reader haben einen hohen Blauanteil im Licht, der nicht förderlich für den Schlaf ist. Deswegen allein ist das gedruckte Buch fürs Bett sinniger.

#4 – Es gefällt dir nicht? Weg damit.

Es gibt Bücher, die fängt man an und liest immer mal daran, drei Jahre später hat man sie dann endlich fertig und fragt sich im besten Fall, wieso man das nicht schon vorher mal beendet hat. Und es gibt Bücher, die fasst man nie mehr an. Das merkt man übrigens am besten an Punkt 2 – wenn ich, während ich wochenlang in einem Jugendfantasybuch stecke, nebenbei aber 3 NA-Romane lese, ist das Buch nichts. Quält euch nicht, vor allem nicht, wenn ihr wirklich immer nur ein Buch lest – es gibt genug Bücher, die tatsächlich Spaß machen und manchmal ist es eben auch nicht das richtige Buch zur richtigen Zeit.

#5 –  Handy aus, runterkommen.

Bei all dem Schnickschnack, den man mit dem Smartphone so anstellen kann und dem ganzen Spaß, den das bringt, nutzt es überhaupt nichts, wenn man vor lauter Benachrichtungen für das neueste Buchfoto nicht zum Lesen von selbigen kommt. Nehmt euch die Zeit bewusst für das Buch – am allerwichtigsten ist das übrigens vor dem Schlafengehen (siehe Punkt 3).

#6 – Plan das Lesen ein.

Auch wenn weiter oben schon genug Möglichkeiten aufgelistet sind, bei denen man spontan ein paar Seiten weglesen kann – du willst schließlich lesen, also integrier es in deinen Zeitplan. Ob das nun eine halbe Stunde vorm ins Bett gehen oder morgens zum Frühstück ist, ist egal. Wegen mir auch nur am Wochenende. Aber nimm dir die Zeit. Plan sie ein und mach sie zum Ritual, bei dem es nur dich und dein Buch gibt. Wenn ich mit Leuten in meinem Bekanntenkreis rede, höre ich so oft „Aber ich hab doch keine Zeit zum lesen.“ Das ist Quatsch. Für alles andere ist ja auch Zeit. Man muss sie sich einfach nur nehmen wollen.

#7 – Führ eine Statistik.

Ob über Lovelybooks, goodreads, Litsy, per Foto über Instagram, auf deinem Blog oder ganz schnöde und altmodisch in einem Notizbuch (z.B. Leuchtturm ExLibris) – notier dir, was du gelesen hast und sieh am Ende, wie viel du geschafft hast.

#8 – Setz dir Ziele.

Das müssen keine 150 Bücher im Jahr sein. Ein Buch pro Monat, ein Buch pro Woche, die drei, die du gerade neu gekauft hast, bis zum nächsten Besuch in der Buchhandlung – ganz egal. Oft hilft es, zu wissen was man schaffen will, und das dann abhaken zu können, gerade für Listenmenschen. Aber auch einfach der Stapel ungelesener Bücher auf dem Nachttisch kann ein Ziel sein. Wichtig ist, dass du dich nicht zu sehr unter Druck setzt – dein Ziel sollte, so ambitioniert es auch ist – für dich erreichbar sein.

 

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