Good Night Stories for Rebel Girls – Elena Favilli & Francesca Cavallo

Kennt ihr Michelle Obama, Astrid Lindgren und Coco Chanel? Vermutlich. Aber wie siehts aus mit Grace O’Malley, Margaret Hamilton, Mary Edwards Walker und vielen anderen? Eher nicht so? Ja, das war bei mir auch so, aber dann las ich dieses Buch und habe nun fast 100 Biografien von wundervollen Frauen, die ich nachschlagen muss.

Kurzbeschreibung

What if the princess didn’t marry Prince Charming but instead went on to be an astronaut? What if the jealous step sisters were supportive and kind? And what if the queen was the one really in charge of the kingdom? Illustrated by sixty female artists from every corner of the globe, Good Night Stories for Rebel Girls introduces us to one hundred remarkable women and their extraordinary lives, from Ada Lovelace to Malala, Amelia Earhart to Michelle Obama. Empowering, moving and inspirational, these are true fairy tales for heroines who definitely don’t need rescuing.

Es muss so im November/Dezember letzten Jahres gewesen sein, als ich in einem von Anna Frosts Vlogs plötzlich das Buch sah und mich quasi instant verliebt habe. Dank Google fand ich die mittlerweile abgelaufene Kickstarter-Kampagne und die unfassbar große Resonanz – statt der 40.000$ zur Realisierung des Projekts waren weit über 600.000$ zusammengekommen – und die Geschichte des Buches liest sich selbst wie ein Märchen. Elena Favilli und Francesca Cavallo hatten nach einem Online-Magazin, mehreren Apps und diversen Büchern für Kinder die Idee für dieses ambitionierte Projekt. Grundgedanke dabei war, dass es gerade für Mädchen wichtig ist, nicht nur von erfolgreichen Männern zu lernen, sondern auch zu sehen, dass man als Mädchen alles schaffen kann, wenn man nur will. Nur leider sind Geschichten über großartige Frauen rar, obwohl es sie gibt. Die beiden beschlossen etwas dagegen zu tun und genau deshalb entstand die Idee für dieses Buch. Das bedeutet aber nicht, dass es nur für Mädchen ist – auch Jungs können viel daraus lernen und selbst Erwachsene werden damit ihren Spaß haben.

Good Night Stories for Rebel Girls beinhaltet 100 Geschichten, die jeweils auf einer Seite Text erzählt werden – das ist nicht viel, aber ausreichend für eine kleine Gute Nacht Geschichte. Sie alle sind im Stil von Märchen geschrieben, beinhalten die wichtigsten Informationen und erzählen in nur wenigen Worten großartige Geschichten. Auf der zweiten Seite findet sich ein Portrait zur Gechichte, gezeichnet von verschienen Künstlerinnen. Natürlich kennt man viele dieser Frauen, zumindest grob vom Namen her. Ich würde schätzen, dass ich zumindest mit der Hälfte wenigstens vom Namen was anfangen konnte. Aber die andere Hälfte bietet eben Frauen, deren Namen und Geschichten einem gänzlich unbekannt sind, und genau das sind die eigentliche Schätze an diesem Buch.

Nicht selten hab ich eine der Geschichten gelesen und saß danach mit leicht feuchten Augen da, wenn man reaslisiert, gegen wen oder was sich diese Frau durchsetzen musste, um an ihr Ziel zu kommen. Und die Tatsache, dass sie es trotzdem geschafft und nicht aufgegeben hat, macht Mut. Viele der Frauen musste ich danach erstmal googeln, weil ich weit mehr wissen wollte, als die kurze Geschichte zu bieten hatte. Wusstet ihr beispielsweise, dass es eine weibliche, lesbische Piratin namens Jacquotte Delahaye gab? Wie unfassbar cool!

Man kann Good Night Stories for Rebel Girls noch immer direkt über Kickstarter bzw. auch über die Website kaufen, aber seit März auch überall sonst, weil es zudem bei Penguin erschienen ist. Wer das alles nicht auf englisch sondern auf deutsch lesen möchte, muss bis zum 25. September warten, wenn Good Night Stories for Rebel Girls auch auf deutsch beim Hanser Verlag erscheint. Es ist – wenn ihr mich fragt – das perfekte Geschenk für jeden!

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A Little Life – Hanya Yanagihara

Kurzbeschreibung

A Little Life follows four college classmates—broke, adrift, and buoyed only by their friendship and ambition—as they move to New York in search of fame and fortune. While their relationships, which are tinged by addiction, success, and pride, deepen over the decades, the men are held together by their devotion to the brilliant, enigmatic Jude, a man scarred by an unspeakable childhood trauma. A hymn to brotherly bonds and a masterful depiction of love in the twenty-first century, Hanya Yanagihara’s stunning novel is about the families we are born into, and those that we make for ourselves.

Rezension

Wie fasst man ein Buch in Worte, über das zumindest gefühlt schon alle geredet haben? Ich habe versucht, all dem aus dem Weg zu gehen und möglichst unvoreingenommen an das Buch ranzugehen. Es hat nicht geklappt. Maras Rezension habe ich gelesen, bevor ich angefangen habe, weil sie eine der wenigen ’schlechten‘ war und ich wissen wollte, ob all das Lob nur Humbug ist. Ein bisschen demotiviert war ich danach, ich dachte nicht, dass es mir gefallen würde und fing skeptisch an.

Ich weiß, dass ich 1.000 Seiten in zwei Tagen lesen kann, ich habe es schon getan, und vielleicht hätte ich es geschafft, wenn der Hanser Verlag mich in eine einsame Hütte eingeladen hätte – hat er aber nicht. Stattdessen musste ich mir die Zeit irgendwie nehmen und habe für dieses Buch ganze drei Monate gebraucht. Ich brauchte sie auch, weil ich es immer wieder weglegen musste. Zu schlimm, um weiterzulesen, viel zu schlimm, um nicht zu wissen, wie es ausgeht. Es war ein Kampf, aber ich hab ihn gewonnen. Ich hab es geschafft und ich möchte eigentlich, dass ihr es auch tut. Auch wenn es schwer ist, auch wenn es weh tut.

Man kann eigentlich nicht begreifen, wie einem Menschen, in diesem Fall Jude, im Laufe eines Lebens so viel Scheiße widerfahren kann. Hätte man mir vorher eine Kurzfassung davon gegeben, hätte ich gesagt, all das sei unglaubwürdig und an den Haaren herbeigezogen. Viel zu überzogen und dramatisch. Aber beim Lesen selbst hatte ich das Gefühl nicht. Ich wollte Jude in den Arm nehmen und ihm zeigen, wie sehr er von jedem einzelnen geliebt wird, wie wichtig er für all seine Freunde und seine Adoptiveltern, ja selbst für seine Arbeitskollegen ist. Aber, und auch das spürt man deutlich, manchmal reicht all die Liebe dieser Welt einfach nicht aus. Wenn alles im Leben ein einziger Kampf zu sein scheint und man sich zwingen muss, weiter zu machen, ist es dann lebenswert?

Ich hab keine Antwort darauf. Für Jude habe ich mir mehrmals gewünscht, dass sie ihn von seinem Versprechen entlassen, dass er gehen kann und sie es verstehen. Für all die anderen wünschte ich mir, dass sie endlich etwas finden, das wirkt und es Jude leichter macht, zu bleiben.

„A Little Life“ ist ein grausames Buch. Aber es ist auch wunderschön. Es zeigt einem neben all den furchtbaren Sache eine tiefe Freundschaft und Verbundenheit. Den wenigsten ist es vergönnt, über dreißig Jahre mit den gleichen Menschen befreundet zu sein und gemeinsam mit ihnen zu wachsen. Auf der anderen Seite ist es dann auch irgendwie logisch, dass man den Mut verliert, wenn diese Menschen plötzlich einer nach dem anderen nicht mehr da sind.

Müsste ich etwas kritisieren, dann die Tatsache, dass Jude diese Liebe und die damit verbundene Hilfe nur sehr selten zulässt und sich niemandem, nicht einmal Willem, wirklich anvertraut. Aber auch da stellt sich die Frage – kann man es ihm verübeln? Ich glaube nicht. Ich glaube eher, dass es etwas unrealistisch ist, dass ihm so viele über so viele Jahre die Treue halten und trotz seiner Entscheidungen zu ihm stehen. Sei es nun Harold oder Andy, Willem oder einer der anderen – alle haben einen großen Platz in ihrem Herzen für Jude reserviert und würden sofort alles stehen und liegen lassen, wenn er sie braucht. Aber sie dringen nicht zu ihm durch, nicht richtig, weil sie nicht alles wissen. Er wiederum kann, aber vor allem will er ihnen nicht alles anvertrauen und kann sie so nicht an sich heran lassen. Hinzu kommt, dass er glaubt, all das nicht wert zu sein.

Ich kann verstehen, wenn dieses Buch für den ein oder anderen zu viel ist und wenn man sich nicht rantraut, aber ich bitte euch trotzdem, es zu versuchen. Neben all dem, was es auslöst, ist es wunderbar geschrieben. Wäre ich nicht hin und wieder darauf aufmerksam gemacht worden, dass sich einige Leute daran störten, dass man die Geschichte zum Beispiel zeitlich nicht einodnen kann, weil es keine historischen Eckpunkte oder popkulturelle Ereignisse als Hinweis gibt, so hätte ich es nicht gemerkt. Es hat mich auch nicht interessiert, um ehrlich zu sein. Die Geschichte nimmt einen so ein, dass es schlicht und ergreifend keine Rolle spielt, wann sie spielt.

Ich werde die Jungs vermissen, jetzt, nachdem ich so viel Zeit mit ihnen verbracht habe und ich bin froh, dass ich es getan habe. Der Hanser Verlag wirbt mit dem Slogan „Sie werden über dieses Buch sprechen wollen!“ und er hat recht. Ich möchte nicht nur darüber sprechen, ich möchte es jedem in die Hand drücken. Es ist nicht nur „Ein wenig Leben“, es ist ein ganzes Leben voller Leid, aber dazwischen gibt es eben auch immer die guten Jahre, für die es sich lohnt.

Weitere Rezensionen

Buzzaldrins Bücher || Literaturen || little words

A Little Life

 

Taschenbuch: 832 Seiten
Verlag: Anchor; Auflage: Reprint (26. Januar 2016)
Sprache: Englisch
ISBN-10: 0804172706
ISBN-13: 978-0804172707

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