Die Maschine steht still – E. M. Forster

Kurzbeschreibung

In E. M. Forsters Dystopie leben die Menschen in einer unterirdischen, abgekapselten Welt mit allem Komfort: Das ganze Leben ist durch die Dienstleistungen der »Maschine« perfekt geregelt. Die Menschen haben kein Bedürfnis mehr nach persönlichen Begegnungen, man kommuniziert nur über die Maschine, die über allem wacht. Ihr Handbuch ist zu einer Art Bibel geworden, die Menschen sind gefangen in ihrer absoluten Abhängigkeit von der Technik, die sie nicht mehr kontrollieren können. Doch nach und nach geht das Wissen, das hinter der Maschine steckt, verloren und das System wird anfällig für Pannen …

Rezension

„Die Maschine steht still“ ist ein wunderbarer Beweis dafür, dass eine Dystopie nicht gewaltig sein muss, um Eindruck zu schinden. Manchmal reichen auch nur wenige Worte so wie hier auf den knapp achzig Seiten.

Was wäre, wenn unser Leben komplett abhängig von einer Maschine wäre? Was wäre, wenn diese Maschine alles für uns regelt, uns sagt, wann wir denken und wann wir Pause machen können, wie wir Ideen bekommen und auch sie uns auch direkt liefert? Wenn sie für uns sorgt, indem sie uns sagt, wann wir etwas essen oder schlafen müssen? Und was wäre, wenn sie dann plötzlich ausfällt?

E. M. Forster erschafft in diesem Buch nicht nur eine Welt, die so vollkommen anders ist als unsere, er zerstört sie auch im gleichen Atemzug. Unter all den anderen Dystopien ist das sicherlich nichts neues, aber dennoch beachtlich, wenn man bedenkt, dass dieses Zukunftsszenario bereits 1909 erdacht wurde. Überhaupt sind es meiner Meinung nach die älteren Werke wie auch „Brave New World“, die mich weit mehr erschrecken, als das was heutzutage als Dystopie so auf den Markt kommt.

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen eine Mutter und ihr Sohn – sie vollkommen überzeugt vom System, das ihr Leben regelt, er mit dem Hunger nach mehr, Neugierde und Zweifeln an den bestehenden Regeln. Auch wenn sie zunächst grundverschiedene Ansichten haben, kommt die Mutter letztendlich nicht umhin, ihrem Sohn Gehör zu schenken und die Reise zu ihm zu wagen.

Bei Geschichten wie diesen ist es, als stünde mein Opa plötzlich wieder hinter mir und würde mir einbläuen, dass wir uns nicht ausschließlich von Maschinen abhängig machen dürfen. Wir verlieren nicht nur die Kontrolle, sondern hören irgendwann auch auf zu denken und können nicht mehr allein zwischen richtig und falsch unterscheiden.

Ein kleines Buch mit großer Wirkung und einer noch größeren Botschaft. Auch wenn es schon alt ist, hat es über die Jahre nichts an Aktualität eingebüßt.

Die Maschine steht still

Gebundene Ausgabe: 80 Seiten
Verlag: HOFFMANN UND CAMPE VERLAG GmbH (14. Oktober 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3455405711
ISBN-13: 978-3455405712

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Aus Liebe zum Buch – Anne Patchett

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+ Kurzbeschreibung

»Sie haben gehört, dass der unabhängige Buchhandel tot ist, dass Bücher tot sind, dass vielleicht sogar das Lesen tot ist? – Holen Sie sich einen Stuhl, ich habe eine Geschichte zu erzählen.« Als im März 2011 die letzte unabhängige Buchhandlung in Ann Patchetts Heimatstadt Nashville, Tennessee, schließt, nimmt die US-amerikanische Schriftstellerin das Schicksal der Stadt selbst in die Hand und beschließt, allen Warnungen zum Trotz, selbst eine Buchhandlung zu eröffnen, The Parnassus Bookshop. Ein kluges und wichtiges Plädoyer für den unabhängigen Buchhandel.

+ Rezension

Okay, also das ganze hier Rezension zu nennen, ist wohl etwas übertrieben, denn das „Buch“ hat nämlich gerade mal 64 Seiten. Viel mehr ist es eine kleine Erzählung über eine Frau, die einfach mal von jetzt auf gleich gemacht hat, wozu sie Bock hatte.

Anne Patchett ist eine bekannte US-Autorin, die irgendwann vor dem Problem stand, dass der letzte Buchladen in ihrer Heimatstadt zugemacht hat. Von heute auf morgen gab es in Nashville keine Bücher mehr zu kaufen, und das ist ein Zustand, der nicht nur in Nashville, sondern an jedem anderen Ort der Welt traurig wäre. Kurzentschlossen tut sie sich mit zwei Bekannten zusammen und eröffnet – mehr blauäugig als alles andere – eine Buchhandlung.

Prinzipiell ist das Buch ein top Geschenk für alle Bibliophilen, denn für gerade mal 5€ bekommt man hier ein kleines Mitbringels, das dem Beschenkten sicher viel Freunde bereitet. Nebenbei ist die Geschichte natürlich ein Traum. Für alle, bei denen es dann doch ein bisschen mehr sein darf, würde ich „Meine wundervolle Buchhandlung“ von Petra Hartlieb empfehlen.

Aus Liebe zum Buch

Gebundene Ausgabe: 64 Seiten
Verlag: Atlantik (18. Januar 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3455370284
ISBN-13: 978-3455370287

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Meine Wundervolle Buchhandlung – Petra Hartlieb || The Weird Sisters – Eleanor Brown || Glow – Ned Baumann || Commencement – J. Courtney Sullivan || The Iron Trial – Holly Black & Cassandra Clare

Eigentlich hätte ich ja gemessen an dem, was ich in den letzten Wochen gelesen habe, gar nichts kaufen dürfen. Nunja, Wer hält sich schon an Regeln? An The Iron Trial hab ich mittlerweile schon keine Erwartungen mehr, Commencement und The Weird Sisters sind mehr oder weniger gekauft worden, weil sie schon so lange auf dem Wunschzettel standen. Glow musste wegen dem Fuchs sein und weil die Story so unfassbar irre gut klingt, Meine Wundervolle Buchhandlung war eine Vorbestellung… das Jahr der Bücher über Bücher uns so^^ Bei Sandra hab ich dann in letzter Minute noch ein Lesezeichen zu Kai Meyers Seiten der Welt gewonnen – wenn ich schon das Buch nicht bekommen habe xD

Ach, und dann gans noch ein eBook auf das ich mehr als auf alles gefreut habe – The Vault of Dreamers von Caragh M. O’Brien. Ich habs diesmal bewusst als eBook gekauft, weil ich die Birthmarked-Trilogie in der PB-Ausgabe nie vollständig kriegen werde und das Cover finde ich jetzt auch nicht sooo berauschend.

[Gelesen] The Doors & Dostojewski: Das Rolling-Stone-Interview (Susan Sontag)

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+ Kurzbeschreibung

Begegnung mit einer intellektuellen Ikone: „Die meisten meiner Gedanken entwickle ich im Gespräch.“ 1978 treffen sich Susan Sontag und Jonathan Cott zum Interview. Erst in Sontags Pariser Wohnung, dann in ihrem Loft in New York. Entstanden ist ein vielseitiges Gespräch, das Sontag als Denkerin zeigt, vor der kaum ein Thema sicher war – Feminismus, Fotografie, Ästhetik, Ideologie, Chuck Berry und Friedrich Nietzsche – und die sich keinen Deut um die Trennung von Hoch- und Popkultur scherte: „Rock ’n‘ Roll hat mein Leben verändert.“ Auch in ihr Privatleben gewährt sie Einblick und erzählt von ihrer Krebserkrankung, die sie zu einer ihrer wichtigsten Publikationen, „Krankheit als Metapher“, veranlasste.

 

Ich lese sehr viel, das meiste davon ziemlich gedankenlos. Ich lese gern so, wie andere Leute fernsehen und nicke darüber ein. Wenn ich deprimiert bin, nehme ich ein Buch und fühle mich besser. […] Lesen ist meine Unterhaltung, meine Ablenkung, mein Trost, mein kleiner Suizid.

 

Allein wegen solcher Zitate ist dieses Buch sein Geld wert, aber eben auch, weil das Interview einen guten Gesamteindruck über die Person Susan Sontag vermittelt, von der ich vor dem Lesen zugegebener Maßen nicht viel wusste, aber jetzt alles wissen will. Ich will wissen, was sie zu sagen hatte, jeden Satz aufsaugen und wie beim Lesen des Interviews heftig mit dem Kopf nicken und es in den meisten Fällen genauso machen wie sie. Unbedingt lesen!

The Doors & Dostojewski: Das Rolling-Stone-Interview

Gebundene Ausgabe: 128 Seiten
Verlag: HOFFMANN UND CAMPE VERLAG GmbH (12. August 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3455503306
ISBN-13: 978-3455503302
Größe und/oder Gewicht: 21 x 13 x 1,8 cm