Herz auf Eis – Isabelle Autissier

Kurzbeschreibung

Sie sind jung und verliebt und haben alles, was sie brauchen. Aber ihr Pariser Leben langweilt sie, also nehmen Louise und Ludovic ein Sabbatjahr und umsegeln die Welt. Bei einem Ausflug auf eine unbewohnte Insel vor Kap Hoorn reißt ein Sturm ihre Jacht und damit jegliche Verbindung zur Außenwelt mit sich fort. Was als kleiner Ausbruch aus dem Alltagsleben moderner Großstädter gedacht war, mündet urplötzlich in einen existenziellen Kampf gegen Hunger und Kälte. Nicht weniger aufreibend ist das psychologische Drama, das sich zwischen den Partnern entspinnt. Wer trägt die Schuld an der Misere? Wer behält die Nerven und trifft die richtigen Entscheidungen? Und was wird aus der Liebe, wenn es ums nackte Überleben geht? Herz auf Eis wagt sich an die Frage, was mit uns und unseren Beziehungen geschieht, wenn wir unsere Komfortzone verlassen.


Rezension

Natürlich musste ich dieses Buch direkt kaufen, nachdem Buchkolumne es im ARD-Buffet angepriesen hat. Tatsächlich gelesen habe ich es allerdings erst jetzt, wie das eben immer so ist.

Das Buch beginnt direkt damit, dass Louise und Ludovic bei ihrem Ausflug auf eine Insel, die sie eigentlich nicht betreten dürfen, ihre Jacht verlieren und nun zunächst schutzlos dort gestrandet sind. Es geht auf den Winter zu, folglich wird dort auch so schnell niemand vorbei kommen. Sie finden Schutz in einer verlassenen Walfangstation, aber keine Voräte und müssen von jetzt auf gleich ums nackte Überleben kämpfen.

So grundsätzlich mochte ich die Idee sehr gern. Was passiert mit zwei Menschen, wenn sie gezwungen sind, sich miteinander auseinander zu setzen. Was, wenn sie zusammen ums Überleben kämpfen müssen? Wie kann man sich selbst retten, wenn man immer hatte, was man zum Leben braucht oder zumindest wusste, wo man es kaufen kann? Und zu guter letzt – stirbt man zu zweit oder nimmt man den Tod des anderen zu Gunsten seines eignenen Lebens in Kauf?

Es sind viele spannende Fragen, die das Buch aufwirft und die tief in die menschliche Psyche gehen. Und gerade deswegen hätte ich mir gewünscht, gerade am Anfang nicht alles rückblickend und aus der Perspektive von Louise zu erfahren, sondern bei den Auseinandersetzungen in Form von richtigen Dialogen dabei zu sein. Es hätte den Figuren vielleicht die Tiefe verliehen, die ich vermisst habe. Zudem macht es sie unsympathisch. Für mich wurde nicht klar, wieso und ob sie sich überhaupt lieben, vielmehr erschien mir die Beziehung eine Zweckgemeinschaft aus Mangel an besseren Möglichkeiten – zumindest für Louise. Ludovic hingegen scheint sie zu brauchen, während Louise wunderbar alleine klarkommt. Das zeigt sich vor allem in der tragischen Hälfte des Buches, als sich das Blatt wendet.

Ab da lässt die Autorin dem Leser eigentlich keine Wahl mehr – man muss Louise einfach scheiße finden. Nicht nur, dass sie Ludovic einfach so alleine lässt, lediglich einen kleinen Zettel lässt sie ihm zurück; nein, sie macht zudem keine Anstalten, ihm eine Chance zu verschaffen. Natürlich ist Louises Situation nicht einfach, keine Frage, und man kann kaum nachempfinden, was in ihr vorgehen muss, aber es fehlt allein schon der schwache Versuch. Schwebt ein Mensch, den man liebt in Lebensgefahr, würde man dann nicht alles mögliche tun, um ihn zu retten?

Mir wurde nicht klar, wie ich das einzuordnen habe. Lieben sie sich wirklich? Und wenn ja, warum schaffen sie es dann nicht gemeinsam? Und wenn sie nicht genug lieben, wieso fällt es Louise dann so schwer, ihre Entscheidung zu tragen? Immerhin hat sie gute Argumente, niemand würde sie verurteilen…

Wenn das Buch also was kann, dann den Leser zum Nachdenken bringen.

Weitere Rezensionen:

Lost Pages || Herzpotenzial || Die Liebe zu den Büchern

The Read Pack || Literaturen

Herz auf Eis

übersetzt von Kirsten Gleinig

Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
Verlag: Mare Verlag; Auflage: 4. (7. März 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3866482566
ISBN-13: 978-3866482562
Originaltitel: Soudain, seuls

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[Gelesen] Die Schatten von Race Point (Patry Francis)

  

+ Kurzbeschreibung

Hallie Costa wächst in einer Umgebung voller Geborgenheit auf: Nach dem frühen Tod ihrer Mutter lebt sie allein mit ihrem geliebten Vater Nick in einer Kleinstadt am äußersten Zipfel von Cape Cod, wo der Arzt dank seiner guten Ratschläge bekannt ist wie ein bunter Hund. Als die portugiesische Fischercommunity schwer erschüttert wird durch den Mord an der Mutter von Gus Silva, nimmt Hallie sich ihres Mitschülers an. Zusammen mit ihrem gemeinsamen Freund Neil Gallagher bilden sie bald ein unzertrennliches Trio. Aus Gus und Hallies Freundschaft wird Liebe bis ein Zwischenfall am Strand von Race Point das Paar auseinandertreibt und Gus eine folgenreiche Entscheidung trifft: Er tritt dem Priesterseminar bei. Jahre später ist er ein geschätzter Seelsorger. Doch dann taucht eine mysteriöse Frau auf, die die Nähe zu dem jungen Priester sucht, und plötzlich setzt ein weiterer Mordfall Gus gesamte Existenz aufs Spiel. Kann Hallie ihrem früheren Freund noch einmal helfen, bevor es zu spät ist? Zum Verlag.

+ Rezension

Manche Bücher kauft man blind, eben weil sie von guten Freunden gemocht werden und dabei selten was schief geht. Dieses Buch ist so eins.

Ich mochte allein schon die Atmosphäre des kleinen Fischerdorfes und die sommerliche Stimmung, die bei diesem Roman mitschwingt, aber auch den düsteren Hintergrund, der die gesamte Handlung überschattet. Ich war ein bisschen erschrockend, als ich den knapp 600 Seiten starken Klopper ausgepackt habe, aber spätestens als Hallie mit ihrer Beharlichkeit tagtäglich vor Gus‘ Haustür stand, um ihm David Copperfield vorzulesen, war es um mich geschehen.

Die Geschichte zieht sich über einen Zeitraum von ca. dreißig Jahren, wer sowas also nicht mag, wird vielleicht keine Freude am Buch haben. Allerdings ist wirklich alles drin: gute Freunde, die erste große Liebe, die einzg wahre Liebe, tolle Eltern, erste Schicksalschläge, verbotene Liebe, große Tragödien, weitreichende Entscheidungen, viel Trauer und Wut sowie eine Neuanfänge und ein wenn schon nicht happy- wenigstens ein zufriedenstellendes Ende.

Ich kann solche Bücher leider nicht immer oder nicht nur lesen, denn diese Geschichte kratzt wirklich an den Nerven – im einen Moment ist alles gut und im nächsten schlägt das Schicksal so faustdick zu, das man das Buch am liebsten gegen die Wand werfen würde. Tut man natürlich nicht, schließlich will man ja wissen, wie es ausgeht. Ich habe herrlich mitgefiebert und war am Ende tatsächlich ein wenig traurig, dass es vorbei war. Ich hätte mir vielleicht ein besseres Ende gewünscht, zufriedenstellender hätte es in Anbetracht der Umstände aber auch nicht sein können, ohne zu kitschig zu werden, deswegen ist das schon okay.

Der Roman bietet genug Potential zum Rätseln und dennoch ist es ein Buch, dass ich allein aufgrund der Geschichte nochmal lesen würde – obwohl ich bereits weiß, wer an allem Schuld ist.

Kurz gesagt: Ich möchte dieses Buch jedem in die Had drücken und jeden zum Lesen zwingen. Wenn ihr bald in den Urlaub fahrt – nehmt es mit und genießt es am besten am Strand. Es lohnt sich!

Die Schatten von Race Point

Gebundene Ausgabe: 592 Seiten
Verlag: Mare Verlag; Auflage: 1 (14. Juli 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3866482264
ISBN-13: 978-3866482265