Eins nach dem anderen oder alles durcheinander?

Ich bin das personifizierte Chaos auf zwei Beinen. Manchmal frage ich mich ernsthaft, wie ich überhaupt irgendwas gebacken kriege. Und dann klappt es am Ende doch und manchmal sogar besser als erwartet. Das trifft auf so ziemlich alles zu, besonders auffällig ist es aber beim Lesen.

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Früher, als ich meine Bücher noch nicht selbst gekauft habe und dementsprechend nicht so viel Auswahl hatte, lief das anders. Immer eins nach dem anderen, erst wenn ein Buch beendet war, konnte ich das nächtste haben. So musste ich mich erst durch den Pferdeflüsterer quälen (ein Geschenk, gut gemeint, aber für eine 12jährige vielleicht nicht ganz das Wahre) bis ich Harry Potter und der Feuerkelch anfangen durfte. Damals herrschte noch Struktur – und es war furchtbar.

Versteht mich nicht falsch, ich mag dicke Bücher, vor allem, wenn man vollkommen darin versinken kann, aber ich hasse das Gefühl, nicht voran zu kommen. Nicht immer ist man in der Stimmung oder hat die Zeit, mehrere Kapitel am Stück zu lesen. Je nach Geschichte muss man nach zwei Tagen Pause wieder ein Kapitel zurückgehen, um wieder reinzukommen. Und Martin oder Gablé sind jetzt auch nicht so geeignet für die Handtasche oder fünf Minuten Wartezeit zu überbrücken. Nichts ist trauriger, als ein Buch, für das meine Zeit oder Nerven hat.

Hätte ich das bisschen Struktur also beibehalten, käme ich nicht vom Fleck. Da ich Goodreads mehr oder weniger konsequent nutze, kann ich euch das anhand ein paar Daten veranschaulichen. Anfang des Jahres begann ich A Little Life zu lesen, genaugenommen am 9. Februar. Beendet habe ich es am 13. April, also gut zwei Monate später. A Little Life ist so ein Buch, durch das man nicht hetzen sollte. Über vieles muss man nachdenken, einzelne Szenen sacken lassen und sich wieder fangen, um weiter zu machen. Ich habe aber auch selten abends mehr als eine halbe Stunde Zeit, um zu lesen, ganz zu schweigen von der nötigen Ruhe. Über den Tag verteilt gibt es immer mal wieder Lücken, klar, aber auch da fehlte oft die nötige Ruhe. Die Alternative wäre also, außer A Little Life gar nichts zu lesen, wenn ich meine alte Regel hätte beibehalten wollen.

Aber – und genau das ist das schöne, wenn man mehrere Bücher gleichzeitig liest – man muss die Zeit, die man zum Lesen hat, gar nicht ungenutzt vertreichen lassen. In diesen zwei Monaten habe ich neben A Little Life einen Comic, vier Hörbücher und acht andere Bücher gelesen. Verschiedene Genre, Stile und Bücher geben mir die Möglichkeit, immer genau das richtige für den Moment zu wählen. Hinzu kommt das Nutzen unterschiedlicher Medien – Hörbuch, eBook, Taschenbuch oder Hardcover – ich kann mir aussuchen, worauf ich gerade Lust habe.

Ich glaube, wenn ich meine alte Regel beibehalten hätte, hätte ich A Little Life vermutlich nie beendet. Es geht mir nicht darum, möglichst viel in möglichst kurzer Zeit zu lesen*. Wenn das das Ziel wäre, würde ich mir nur dünne Bücher rauspicken und könnte das schneller haben.

Es ist viel mehr das Gefühl, dass eine Geschichte, mag sie noch so gut sein, mich erdrückt, wenn ich mich zu lange nur damit beschäftige und ich nicht das Gefühl habe, dass ich wirklich weiterkomme. Ich brauche die Abwechslung und muss auch mal abschalten können. Wenn das nicht geht, finde ich mich nach so einem Wälzer sehr wahrscheinlich in einer Leseflaute wieder, weil ich erstmal keine Lust auf gar nichts habe. Dabei gehört Lesen zu meinem Tagesablauf, und seien es auch nur ein paar Seiten.

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Wenn ich sage, das ich meistens, fast immer, mehrere Bücher gleichzeitig lese, kommt fast immer die Frage, ob mich das nicht stresst. Tut es nicht. Ich finde es viel eher befreiend, ein Buch nicht sofort abbrechen zu müssen, weil ich gerade keinen Nerv darauf habe, sonder zurückkommen zu können, wann ich will und in der Zwischenzeit eben trotzdem immer was zu Lesen zu haben.

Je nach dem wie viel Zeit dazwischen liegt, muss ich das zuletzt gelesene Kapitel nochmal lesen, klar, aber das ist ja auch der Trick. Es sollten halt nicht drei Jugendfantasy-Bücher sein, die sich nur durch einen unterschiedlichen Weltenbau unterscheiden, sondern wirklich unterschiedliche Genres oder Stile. So kommt man auch an Sachen, die man sonst eher nicht gelesen hätte. Den Gesellschaftsroman morgens beim Frühstück, ein kleines Gedicht zwischendurch, den Thriller im Bett und am Wochenende mal ein Comic?

Es gibt so viele Möglichkeiten, Literatur zu erleben, ohne sich zu langweilen oder ewig viel Zeit in eine Sache zu investieren, um am Ende festzustellen, dass man die Hälfte gar nicht richtig mitbekommen hat, weil man sich nicht voll drauf konzentrieren konnte… Und wenn ihr Ordnung bevorzugt und wirklich lieber eins nach dem anderen lest – kein Ding. Es gibt aber nicht nur den richtigen und den falschen Weg. Vielmehr geht’s doch darum, dass jeder seinen Weg findet.


*Falls ihr mehr darüber wissen wollt, wie man die vorhandene Lesezeit optimaler nutzt, könnt ihr euch diesen Beitrag ansehen.

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Wochendings.

#Offlinegeplauder

Die letzte Woche habe ich ausfallen lassen, es gab nämlich eigentlich nichts zu erzählen. Und das was ich hätte erzählen können, war nichts schönes und deswegen hab ichs einfach gelassen. Das Leben ist halt nicht immer rosarot, allerdings auch nicht nur kacke. Irgendwas dazwischen ist schon auch ganz ok, nur kann man dazu nicht allzuviel sagen. Was mich allerdings sehr gefreut hat, war dass ihr meinen Blog so zahlreich besucht habt, nachdem ich drüber gebloggt habe, wie man mehr lesen kann. Danke! <3

#Bookstagram

Ich habe letzte Woche ein kleines Päckchen aus dem Briefkasten gezogen, das mich so sehr gerührt hat, dass ich tatsächlich 2-5 Tränchen verdrücken musste. Zunächst vor lauter Freude, dann aus Wut über den ganzen Glitzer (ehrlich Karla, musste das sein?!) und wieder vor lauter Freude über ein paar Worte. Verrückt. Ich bin nicht leicht zu begeistern, aber wenn es dann doch passiert, mutiere ich zu einem kleinen Fangirl, das Himmel und Hölle in Bewegung setzt. Kauft das Buch, lest Karlas Text, er ist toll (die anderen natürlich auch) und kauft es dann nochmal, um es zu verschenken. Gelesen hab ichs natürlich auch schon, deswegen kann ich das sagen. Kauft. Das. Buch.^^

Außerdem stecke ich mitten in „Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“. Ich hatte nicht erwartet, dass es mir so gut gefallen würde und mich ärgert jetzt schon, dass ich am Wochenende keine Zeit dafür haben werde. Weiterhin habe ich „A Gathering of Shadows“ beendet und bin vielleicht ein ganz kleines bisschen enttäuscht. Dazu dann mehr in der Rezension^^ Außerdem hab ich Schluss gemacht – mit Sarah J. Maas. Ich werde nichts mehr von ihr lesen, einfach weil ich mich nur drüber aufrege.

#Zitat

quote_quebert

#WahnsinnInSerie

GoT got me like <3 Das war eine tolle Folge, abgesehen von der Apfel-Schäl-Szene… Ich befürchte mal, die nächste wird nicht so toll, war is coming! Greys Anatomy, das ich immer noch so liebe, macht schon wieder Pause. Das ist insofern doof, weil ich es letzten Samstag tatsächlich über mich gebracht habe und den Staffel-Pass gekauft habe, nur um jetzt doch wahrscheinlich noch ewig auf neue Folgen warten zu müssen. Wobei neu… tja, Mitte Staffel 12 halt, wie das so ist, wenn man in Deutschland wohnt und das legal anschauen möchte. Grr. Dafür weiß ich ja dank Internet jetzt schon, wie das Staffelfinale ausgeht; das lief nämlich gestern. Ich würde mich allerdings diesem Artikel vorhaltlos anschließen und wünsche mir Addison zurück.  Ich weiß, dass ganz viele aufgehört haben, Greys zu schauen, aber dieser Artikel beschreibt vorzüglich, warum diese Serie immer noch fantastisch ist und warum ich vermutlich nie aufhören werde. Übrigens: Gilmore Girls ist abgedreht, es hat einen Titel und es wird verdammt nochmal fucking Zeit, dass die ersten 7 Staffel wieder zurück auf Netflix kommen, damit ich die nochmal schauen kann, bevor es dann endlich wieder losgeht.  Im Herbst startet dann auch eine neue Serie mit Milo Ventimiglia, die ich mir nicht entgehen lassen werde.  Orphan Black allerdings ist schon wieder zurück auf Netflix, deswegen werde ich mich dem in den nächsten Tagen widmen.

#UndSonstSo

Gestern bin ich über einen Twitterlink auf die Melville House Bücher gestoßen. Das sind die letzten Interviews bekannter Personen, die als Buch veröffentlicht werden, so z.B. Ray Bradbury, David Foster Wallace oder David Bowie. Das Buch zu letzterem wird im Oktober erscheinen, genau wie das zu J. D. Salinger. Unnötig zu erwähnen, dass fast alle sofort in meinem Einkaufswagen gelandet sind und nur darauf warten, dass ich genügend Geld habe.

MelvilleHouse

Ich bin ein bisschen spät dafür, aber Patrick Rothfuss hat vor 40 Tagen eine Kickstarter-Campagne gestartet, bei der er Geld für die Produktion eines Brettspiels aus den Kingkiller-Chroniken gesammelt hat. Naja, was soll ich sagen – das Ziel waren 50.000$, zusammengekommen sind bisher über 1 Mio. und somit wird das Spiel irgendwann zu haben sein. Im Bezug auf Brettspiele bin ich ein bisschen unbegabt, aber das würde mich tatsächlich interessieren.  Warner Bros. plant eine eigene Filmreihe rund um die weiblichen DC-Stars – also Harley Quinn und so wie es aussieht die Birds of Prey. Hell yes! Sagt euch der Name Jessica Park was? Ich hoffe doch, denn sie hat eins meiner liebsten NA-ücher geschrieben – „Flat-Out Love“ bzw. „Im freien Fall oder: Wie ich mich in eine Pappfigur verliebte“. Und weil der Apfel nicht weit vom Stamm fällt, hat ihr 15jähriger Sohn jetzt auch eine Novella veröffentlicht, die überraschend gute Kritiken bekommt (ich hab sie gekauft und werde sie zügig lesen, um mich selbst davon zu überzeugen). Hier gibts einen spannenden Bericht übder die beiden. Ich bin nicht ganz sicher, ob jemand wirklich diese wahnsinnig langen Links benutzt, aber dank Alana bin ich auf diesen Artikel gestoßen – das gilt in dem Fall im Übrigen nicht nur für Autoren. Und Bill Gates empfiehlt übrigens 5 Bücher für den Sommer.

Habt eine schöne Woche! <3

Bewusst mehr lesen – geht das?

Beim Vorbereiten der letzten Monatsstatistik kam ich noch vor Ablauf des Monats auf 13 Bücher. Das sind ca. 3 pro Woche. Ich gebe zu, dass da die ein oder andere Kurzgeschichte und ein Comic dabei waren,  die sich natürlich schnell lesen lassen. Trotzdem sind es über 3.000 Seiten, durchschnittlich 100 am Tag und das ist dann schon wieder nicht so wenig. Wenn ich jetzt noch sage, dass ich Tage dabei habe, an denen ich – oh schande – gar nichts lese, glaubt ihr wahrscheinlich, dass ich euch verarsche oder exzessives Speedreading betreibe – was beides nicht stimmt. Ich lese zwar schnell, aber ich bin zu faul, Speedreading zu lernen. Außerdem richtet sich die Schnelligkeit bei mir nach dem Buch – manches geht einfach schneller als anderes. Trotzdem kann man mit ein paar einfachen Tricks auch als langsamer Leser viel schaffen.

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#1 – Hab immer ein Buch dabei.

Ehrlich, wer das immer noch nicht weiß, dem ist einfach nicht zu helfen. Und ich rede nicht von Situationen, in denen man einfach lieber Lesen würde, sondern von den Momenten, wo man eh nichts anderes machen kann. Wartezeit bei einem Termin, Bus- oder Zugfahrt… selbst im Büro gibts so Tage, wo man eigentlich nur das Telefon bewacht. Was ist da also besser? Sinnlos Zeit im Internet totschlagen oder lesen?

#2 –  Lies mehrere Bücher gleichzeitig.

Es gibt viele Leute, die sagen, dass sie das nicht können. Ich sage: Es geht. Wichtig dabei ist, dass sie sich inhaltlich und thematisch soweit voneinander unterscheiden, dass man sie nicht verwechselt. Also z. B. Jugendfantasy für abends im Bett und den Thriller für die Busfahrt bei Tageslicht. Oder ganz verrückt: Auch mal ein Sachbuch. Ich brauche das außerdem, wenn ich ein sehr dickes Buch lese, einfach um auch mal Pausen zu machen.

#3 – Benutz unterschiedliche Medien.

Schonmal einen 800-Seiten-Wälzer wochenlang durch die Gegend geschleppt, weil ihr den gerade gelesen habt? Ja, ich auch. Aber nicht mehr seit Kindle und Smartphone. Es ist ein bisschen tricky, weil man sich entscheiden muss, welche Version eines Buches man kauft, aber den Reader habe ich mittlerweile immer dabei und mit Hörbuch macht sogar Bügeln Spaß. Im Lesesessel oder im Bett kann ich dafür immer noch am besten mit einem richtigen Buch abschalten. Was auch nicht ganz unwichtig ist: Smartphone und Reader haben einen hohen Blauanteil im Licht, der nicht förderlich für den Schlaf ist. Deswegen allein ist das gedruckte Buch fürs Bett sinniger.

#4 – Es gefällt dir nicht? Weg damit.

Es gibt Bücher, die fängt man an und liest immer mal daran, drei Jahre später hat man sie dann endlich fertig und fragt sich im besten Fall, wieso man das nicht schon vorher mal beendet hat. Und es gibt Bücher, die fasst man nie mehr an. Das merkt man übrigens am besten an Punkt 2 – wenn ich, während ich wochenlang in einem Jugendfantasybuch stecke, nebenbei aber 3 NA-Romane lese, ist das Buch nichts. Quält euch nicht, vor allem nicht, wenn ihr wirklich immer nur ein Buch lest – es gibt genug Bücher, die tatsächlich Spaß machen und manchmal ist es eben auch nicht das richtige Buch zur richtigen Zeit.

#5 –  Handy aus, runterkommen.

Bei all dem Schnickschnack, den man mit dem Smartphone so anstellen kann und dem ganzen Spaß, den das bringt, nutzt es überhaupt nichts, wenn man vor lauter Benachrichtungen für das neueste Buchfoto nicht zum Lesen von selbigen kommt. Nehmt euch die Zeit bewusst für das Buch – am allerwichtigsten ist das übrigens vor dem Schlafengehen (siehe Punkt 3).

#6 – Plan das Lesen ein.

Auch wenn weiter oben schon genug Möglichkeiten aufgelistet sind, bei denen man spontan ein paar Seiten weglesen kann – du willst schließlich lesen, also integrier es in deinen Zeitplan. Ob das nun eine halbe Stunde vorm ins Bett gehen oder morgens zum Frühstück ist, ist egal. Wegen mir auch nur am Wochenende. Aber nimm dir die Zeit. Plan sie ein und mach sie zum Ritual, bei dem es nur dich und dein Buch gibt. Wenn ich mit Leuten in meinem Bekanntenkreis rede, höre ich so oft „Aber ich hab doch keine Zeit zum lesen.“ Das ist Quatsch. Für alles andere ist ja auch Zeit. Man muss sie sich einfach nur nehmen wollen.

#7 – Führ eine Statistik.

Ob über Lovelybooks, goodreads, Litsy, per Foto über Instagram, auf deinem Blog oder ganz schnöde und altmodisch in einem Notizbuch (z.B. Leuchtturm ExLibris) – notier dir, was du gelesen hast und sieh am Ende, wie viel du geschafft hast.

#8 – Setz dir Ziele.

Das müssen keine 150 Bücher im Jahr sein. Ein Buch pro Monat, ein Buch pro Woche, die drei, die du gerade neu gekauft hast, bis zum nächsten Besuch in der Buchhandlung – ganz egal. Oft hilft es, zu wissen was man schaffen will, und das dann abhaken zu können, gerade für Listenmenschen. Aber auch einfach der Stapel ungelesener Bücher auf dem Nachttisch kann ein Ziel sein. Wichtig ist, dass du dich nicht zu sehr unter Druck setzt – dein Ziel sollte, so ambitioniert es auch ist – für dich erreichbar sein.