Sag den Wölfen, ich bin zu Hause – Carol Rifka Brunt

Kurzbeschreibung

Manchmal verlierst du einen Menschen, um einen anderen zu gewinnen.

Manche Verluste sind so schwer, dass sie nicht wiedergutzumachen sind. So geht es June Elbus, als ihr Onkel Finn stirbt, der Mensch, mit dem sie sich blind verstand, der ihr alles bedeutete. Doch mit ihrer Trauer ist sie nicht allein. Schon bald nach der Beerdigung stellt June fest, dass sie sich die Erinnerung an Finn teilen muss – mit jemandem, der sie mit einer schmerzhaften Wahrheit konfrontiert. Der sie aber auch lehrt, dass gegen die Bitternisse des Lebens ein Kraut gewachsen ist: Freundschaft und Mitgefühl.

Vielen Dank für das Rezensionsexemplar.

Rezension

Es war ziemlich genau vor vier Jahren, als ich Tell the Wolves I’m Home zum ersten mal gelesen habe. Und ich habe mich sofort in diese zarte Geschichte verliebt. Es ist ein Buch, das mich bis heute nicht mehr losgelassen hat, das ich jedem empfehle, der mich nach guten Jugendbüchern fragt und das dann doch kaum einer liest, weil es eben nur auf englisch zu haben ist – bis jetzt. Am 23. Februar ist nämlich endlich die deutsche Übersetzung im Eisele Verlag erschienen und ich bin ein klein bisschen ausgeflippt, als ich das im Herbst entdeckt habe.

Sag den Wölfen, ich bin zu Hause erzählt primär die Geschichte von June Elbus. Sie ist fünfzehn, ein bisschen verträumt und scheint nicht ganz in die Welt zu passen, in der sich alle anderen so fabelhaft zurechtzufinden scheinen. Das macht es streng genommen zu einem Jugendbuch, aber von sowas sollte man sich nie abschrecken lassen. Die Geschichte spielt in den späten achtzigern, AIDS wird weltweit zum Thema und Junes Patenonkel Finn wird daran sterben. Zuvor möchte er aber ein Porträt seiner beiden Nichten fertigstellen, weshalb June und ihre Schwester Greta die Sonntage bei ihrem Onkel verbringen. Die beiden Schwestern, die einst beste Freundinnen waren, entzweien sich immer mehr – Greta blüht auf, während June viel Zeit mit ihrem Patenonkel verbringt, der sie als einziger zu verstehen scheint. Bis Finn letztendlich stirbt und June niemanden mehr hat – und schon gar niemanden, der ihre Trauer versteht – bis Toby auftaucht.

Junes Trauer ist für mich unheimlich nachvollziehbar. Und das nicht, weil ich in meinem Onkel verliebt gewesen wäre, sondern weil ich weiß wie es ist, wenn man als junger Mensch eine geliebte Person verliert, die mit einer der einzigen war, die dazu beigetragen hat, dass man sich normal fühlt. Die einem gezeigt hat, dass es okay ist, nicht überall dazu zu passen und man trotzdem seinen Weg finden kann. Die durch Kleinigkeiten etwas alltägliches zu etwas Besonderem macht. Carol Rifka Brunt beschreibt all das in diesem Buch auf so eine zarte Art, dass man gar nicht anders kann, als mit ihr mit zu fühlen. Als dann Toby auftaucht und scheinbar der einzige Mensch ist, mit dem June sich über Finn austauschen kann, steckt sie in eine Gewissenskonflikt, denn Toby ist derjenige, der Finn mit AIDS angesteckt und ihn umgebracht hat. Auch diese Zerissenheit, die unterschwelligen Anschuldigungen und Junes Konflikt zwischen mehr wissen aber eigentlich nichts mit Toby zu tun haben wollen, sind stark umgesetzt.

Aus Hass wird Freundschaft, Neid und Eifersucht entwickeln sich zu Mitgefühl und June wächst über sich hinaus, als sie alle Bedenken über Bord wirft und am Ende eine Entscheidung trifft, die ihr Herz zwar erneut brechen, sie aber für immer verändern wird.

Und nachdem ich sowohl die englische als auch die deutsche Fassung kenne, muss ich einfach die Übersetzung von Frauke Brodd besoders hervorheben – hier passt einfach alles!


Sag den Wölfen, ich bin zu Hause übersetzt von Frauke Brodd

Gebundene Ausgabe: 448 Seiten || Verlag: Eisele Verlag (23. Februar 2018) || Sprache: Deutsch || ISBN-10: 396161007X || ISBN-13: 978-3961610075 || Originaltitel: Tell the wolves I’m home

Tell the Wolves I’m Home

Taschenbuch: 384 Seiten || Verlag: Dial Press Trade Paperback; Auflage: Reprint (4. Juni 2013) || Sprache: Englisch || ISBN-10: 0812982851 || ISBN-13: 978-0812982855

#buylocal

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BuchSaiten Blogparade 2017

Die BuchSaiten Blogparade ist immer auch meine Art, auf das Lesejahr zurück zu schauen… Was hab ich gelesen? Wie viel hab ich gelesen? Was will ich nächstes Jahr anders machen? (Das ganze wird dieses Jahr übrigens wieder von Petzi ausgerichtet und jeder kann mitmachen.)

Die einzige Statistik, die ich wirklich führe, ist Goodreads und da sieht es eher ernüchternd aus. Seit 2011 hab ich nicht mehr so wenig gelesen wie in diesem Jahr, hinzu kommt, dass der Anteil an Hörbüchern, Comics und mehreren kurzen Büchern recht groß ist, weshalb die Anzahl von 100 gelesenen Büchern zwar auf den ersten Blick nach viel klingt, aber auch täuscht. Und natürlich sagt die Anzahl der Bücher rein gar nichts aus, mir ist auch klar, dass 100 Bücher für die meisten schon utopisch ist. Aber wirklich zufrieden bin ich damit auch nicht, denn wenngleich ich so gut wie jedes Genre mal berührt habe, fehlt mir irgendwie die Richtung und die Ruhe. Vor allem aber hab ich mir zu wenig Zeit genommen. Das Lesen hat über das ganze Jahr eine eher untergeordnete Rolle gespielt, was ziemlich bescheuert ist, weil ich dabei am besten abschalten kann. Das will ich auf jeden Fall ändern und wieder bewusster lesen.

Dass Hörbücher einen so großen Anteil haben, liegt hauptsächlich daran, dass meine Augen nach > 8 Stunden am PC einfach nicht mehr wollen. Das ist grundsätzlich doof, aber ich sehe ein, dass man dagegen kaum was machen kann. Und anstatt gar nicht zu lesen, nutze ich dann doch lieber das ohnehin vorhandene Hörbuch-Abo. Komplett anschauen könnt ihr euch das hier.

Welches war das Buch in diesem Jahr, von dem ich mir wenig versprochen habe, das mich dann aber positiv überrascht hat? (und Begründung)

Das Nest – Cynthia D’Aprix Sweeney

Ich hatte das Buch über Netgalley angefragt und bekommen, dann kamen aber nach und nach einige negative Stimmen und ich hatte nicht mehr so richtig Lust. An einem Sonntagnachmittag im Sommer hatte ich dann Langeweile, nichts zu lesen (haha, als ob, aber das kennt ihr ja) und wollte eigentlich nur mal kurz reinlesen. Zwei Stunden später war ich durch und auch wenn die kritischen Stimmen zum Teil recht haben, bietet das Buch eine tolle Familiengeschichte mit vielen Konflikten und einer für mich spannenden Handlung.

Welches war das Buch in diesem Jahr, von dem ich mir viel versprochen habe, das mich dann aber negativ überrascht hat? (und Begründung)

Was man von hier aus sehen kann – Mariana Leky

Ich habe es von vorne bis hinten gelesen, weil ALLE meinten, dass es gut sei. Es ist das ‚Lieblingsbuch der Unabhängigen 2017‘. Es wurde ÜBERALL empfohlen. Nur hat es mir absolut gar nichts gegeben. Ich kann es nicht mal genau erklären, es gab nicht den einen oder mehrere Punkte, die mich gestört haben. Die Geschichte war einfach, für mich weder gut noch schlecht, sie war einfach da. Und das enttäusct mich am Ende mehr als alles andere…

Welches war eure persönliche Autoren-Neuentdeckung in diesem Jahr und warum?

Der Club – Takis Würger

Ich hatte null Erwartungen an das Buch, lediglich auf der Messe hatte ich es mal in der Hand und war begeistert von der Aufmachung. Dann dachte ich ‚Hey, warum nicht?‘ und habs ausprobiert. Was ich bekommen habe, war genau die Geschichte, nach der ich schon so lange gesucht habe. Ich bin gespannt, auf alles was da noch so kommt.

Welches war euer Lieblings-Cover in diesem Jahr und warum?

A Little Life – Hanya Yanagihara

Es zeigt Orgasmic Man von Peter Hujar und es wäre gelogen zu behaupten, dass es nicht auch das Cover war, das mich neugierig auf das Buch gemacht hat. Wenn ich es allerdings heute anschaue, ist sofort alles wieder da, was ich beim Lesen des Buches empfunden habe. Schmerz, Leid, Unverständnis, Wut, Trauer und vielleicht ein bisschen Freude. All das drückt das Cover für mich aus. Normalerweise mag ich keine Menschen auf Buchcovern, das hier ist jedoch was anderes. Es geht nicht um den Menschen, der darauf abgebildet ist, sondern um die Gefühle, das dieses Bild auslöst.

Welches Buch wollt ihr unbedingt in 2018 lesen und warum?

Am Besten all jene, die ich 2017 gekauft, aber eben nicht gelesen habe. Dazu gehört zum Beispiel Paul Austers 4321 und viele, viele andere. Im Prinzip müsste ich 2018 nicht ein einziges Buch kaufen, genug zu lesen hätte ich trotzdem (kennt ihr sicher auch^^). Worauf ich aber wirklich gespannt bin, ist die deutsche Übersetzung von Tell the Wolves I’m home. Sag den Wölfen, ich bin zu Hause erscheint im Februar im Eisele Verlag und ich liebe dieses Buch seit Jahren. Ich bin so froh, dass ich endlich jedem in die Hand drücken kann!

 

Wie sieht’s bei euch aus? Was waren eure Highlights, welches Buch hat euch enttäuscht und was wollt ihr 2018 unbedingt lesen?