A Little Life – Hanya Yanagihara

Kurzbeschreibung

A Little Life follows four college classmates—broke, adrift, and buoyed only by their friendship and ambition—as they move to New York in search of fame and fortune. While their relationships, which are tinged by addiction, success, and pride, deepen over the decades, the men are held together by their devotion to the brilliant, enigmatic Jude, a man scarred by an unspeakable childhood trauma. A hymn to brotherly bonds and a masterful depiction of love in the twenty-first century, Hanya Yanagihara’s stunning novel is about the families we are born into, and those that we make for ourselves.

Rezension

Wie fasst man ein Buch in Worte, über das zumindest gefühlt schon alle geredet haben? Ich habe versucht, all dem aus dem Weg zu gehen und möglichst unvoreingenommen an das Buch ranzugehen. Es hat nicht geklappt. Maras Rezension habe ich gelesen, bevor ich angefangen habe, weil sie eine der wenigen ’schlechten‘ war und ich wissen wollte, ob all das Lob nur Humbug ist. Ein bisschen demotiviert war ich danach, ich dachte nicht, dass es mir gefallen würde und fing skeptisch an.

Ich weiß, dass ich 1.000 Seiten in zwei Tagen lesen kann, ich habe es schon getan, und vielleicht hätte ich es geschafft, wenn der Hanser Verlag mich in eine einsame Hütte eingeladen hätte – hat er aber nicht. Stattdessen musste ich mir die Zeit irgendwie nehmen und habe für dieses Buch ganze drei Monate gebraucht. Ich brauchte sie auch, weil ich es immer wieder weglegen musste. Zu schlimm, um weiterzulesen, viel zu schlimm, um nicht zu wissen, wie es ausgeht. Es war ein Kampf, aber ich hab ihn gewonnen. Ich hab es geschafft und ich möchte eigentlich, dass ihr es auch tut. Auch wenn es schwer ist, auch wenn es weh tut.

Man kann eigentlich nicht begreifen, wie einem Menschen, in diesem Fall Jude, im Laufe eines Lebens so viel Scheiße widerfahren kann. Hätte man mir vorher eine Kurzfassung davon gegeben, hätte ich gesagt, all das sei unglaubwürdig und an den Haaren herbeigezogen. Viel zu überzogen und dramatisch. Aber beim Lesen selbst hatte ich das Gefühl nicht. Ich wollte Jude in den Arm nehmen und ihm zeigen, wie sehr er von jedem einzelnen geliebt wird, wie wichtig er für all seine Freunde und seine Adoptiveltern, ja selbst für seine Arbeitskollegen ist. Aber, und auch das spürt man deutlich, manchmal reicht all die Liebe dieser Welt einfach nicht aus. Wenn alles im Leben ein einziger Kampf zu sein scheint und man sich zwingen muss, weiter zu machen, ist es dann lebenswert?

Ich hab keine Antwort darauf. Für Jude habe ich mir mehrmals gewünscht, dass sie ihn von seinem Versprechen entlassen, dass er gehen kann und sie es verstehen. Für all die anderen wünschte ich mir, dass sie endlich etwas finden, das wirkt und es Jude leichter macht, zu bleiben.

„A Little Life“ ist ein grausames Buch. Aber es ist auch wunderschön. Es zeigt einem neben all den furchtbaren Sache eine tiefe Freundschaft und Verbundenheit. Den wenigsten ist es vergönnt, über dreißig Jahre mit den gleichen Menschen befreundet zu sein und gemeinsam mit ihnen zu wachsen. Auf der anderen Seite ist es dann auch irgendwie logisch, dass man den Mut verliert, wenn diese Menschen plötzlich einer nach dem anderen nicht mehr da sind.

Müsste ich etwas kritisieren, dann die Tatsache, dass Jude diese Liebe und die damit verbundene Hilfe nur sehr selten zulässt und sich niemandem, nicht einmal Willem, wirklich anvertraut. Aber auch da stellt sich die Frage – kann man es ihm verübeln? Ich glaube nicht. Ich glaube eher, dass es etwas unrealistisch ist, dass ihm so viele über so viele Jahre die Treue halten und trotz seiner Entscheidungen zu ihm stehen. Sei es nun Harold oder Andy, Willem oder einer der anderen – alle haben einen großen Platz in ihrem Herzen für Jude reserviert und würden sofort alles stehen und liegen lassen, wenn er sie braucht. Aber sie dringen nicht zu ihm durch, nicht richtig, weil sie nicht alles wissen. Er wiederum kann, aber vor allem will er ihnen nicht alles anvertrauen und kann sie so nicht an sich heran lassen. Hinzu kommt, dass er glaubt, all das nicht wert zu sein.

Ich kann verstehen, wenn dieses Buch für den ein oder anderen zu viel ist und wenn man sich nicht rantraut, aber ich bitte euch trotzdem, es zu versuchen. Neben all dem, was es auslöst, ist es wunderbar geschrieben. Wäre ich nicht hin und wieder darauf aufmerksam gemacht worden, dass sich einige Leute daran störten, dass man die Geschichte zum Beispiel zeitlich nicht einodnen kann, weil es keine historischen Eckpunkte oder popkulturelle Ereignisse als Hinweis gibt, so hätte ich es nicht gemerkt. Es hat mich auch nicht interessiert, um ehrlich zu sein. Die Geschichte nimmt einen so ein, dass es schlicht und ergreifend keine Rolle spielt, wann sie spielt.

Ich werde die Jungs vermissen, jetzt, nachdem ich so viel Zeit mit ihnen verbracht habe und ich bin froh, dass ich es getan habe. Der Hanser Verlag wirbt mit dem Slogan „Sie werden über dieses Buch sprechen wollen!“ und er hat recht. Ich möchte nicht nur darüber sprechen, ich möchte es jedem in die Hand drücken. Es ist nicht nur „Ein wenig Leben“, es ist ein ganzes Leben voller Leid, aber dazwischen gibt es eben auch immer die guten Jahre, für die es sich lohnt.

Weitere Rezensionen

Buzzaldrins Bücher || Literaturen || little words

A Little Life

 

Taschenbuch: 832 Seiten
Verlag: Anchor; Auflage: Reprint (26. Januar 2016)
Sprache: Englisch
ISBN-10: 0804172706
ISBN-13: 978-0804172707

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